Monatsarchiv für Juli 2008

Der Tag, an dem es keine Neuigkeiten gab

• Der Tag, an dem es keine Neuigkeiten gab. | Eine Wand aus Sand: Nerven bewahren und immer eine Videokamera dabeihaben. | 23 schöne Strahlenpistolen. | Das per Post verschickte Bankgebäude. | Jeder hat Lieblingsdinge und jedes Ding hat eine Geschichte. | Sonja Campbells Museum der Schnappschüsse. Anverwandt: Babbette von Studio 204 und ihre Galerie gefundener, alter Fotos. |

Machinalia: Die ungeheuerlichen Maschinen mit Augen des Zeichners Boris Artzybasheff (1899-1965). | Hübsche Mädchen mit schwerem Werkzeug von George Petty (1894-1975). | DasKeyboard Ultimate: Eine Tastatur ohne Beschriftung, die in ihrer Düsternis an den LKW aus Steven Spielbergs erstem Spielfilm Duell erinnert und besonders schnelles Schreiben ermöglichen soll. | Abschied vom klassischen Kandelaber: Ein dreiarmiger LED-Kerzenleuchter, mild und mehrfarbig lumineszierend. | Entomoskopter: Die Libellen neulich während des Protestmarschs waren fliegende Überwachungskameras - autonome Roboter-Insekten, 10 Zentimeter Flügelspannweite, 3 Gramm Gewicht. |

Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach Pläne: Mehr als 24.000 Planzeichnungen von Fahrzeugen, Waffen, Maschinen und Menschen. | Garten Reden: Ein Mikrobiotop für’s Mobiltelefon, auch als Schmuck für Nichtgerätinnen verwendbar. | Premiere Issues: Eine Sammlung von Magazin-Erstausgaben in englischer Sprache und britisch bebildert, seit 2002. | Urahn des iPod: Der Hollywood-Schauspieler Herbert Mundin (”The Adventures of Robin Hood”, mit Errol Flynn) arbeitet an vier verschiedenen Drehorten. Um die Übersicht über seine Termine zu bewahren, bedient er sich neuester Technik (Juli 1934). |

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Entdeckr (2): Zurück in die Kuhzunft

Die NASA ist 50 geworden - träge, gefährlich und kompliziert. Hier die knuffigen Raketen und farbenfrohen Weltenräume von einst:

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Wesen aus dem All! Raketenmänner! Barbarellen! Sogar Alien-Bananen!:

 Spacemen!! Astronauts!! Rocketmen!! - View this group's photos on Flickriver

Leben wie die Jetsons. Denkmalgeschützte UFOs und Motels für den Schwebegleiter:

Jetsons - View this group's photos on Flickriver
 

Das Mittwochswort: Billionen

Seit ich des Suchens müde ward, erlernte ich das Finden.

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Ganz Gallien ist besetzt? Nicht ganz. Fünf Anblicke, die uns US-Behörden in Google Maps und Google Earth gerne ersparen möchten, weshalb sie bewölkt, unscharf oder besonders bearbeitet sind. | Die neue Videosuche Google Elections findet Statements amerikanischer Politiker - den Text des Gesagten - in Hunderten von YouTube-Videos. (Hierzu siehe auch meine Netzkolumne Das Wahrheits-Web vom 25.10.2006). | Klos in Translation: Die Mitarbeiter im Google-Hauptquartier können inzwischen japanische Space-Toiletten nutzen. | 

Google kennt nun eine Billion URLs im Netz - 1.000.000.000.000 Stück. Hier noch der Unterschied zwischen URL und Internetadresse. | (Achtung: Was im Deutschen Billion heißt, heißt im Englischen Trillion.) | Am 25. Oktober 1923 waren eine Billion Mark nur noch einen US-Dollar wert. | Der Rauminhalt der Erde entspricht einer Billion Kubikkilometern (ganz genau sind es 1,09 Billionen Kubikkilometer). | Eine Pflanzenzelle ist eine Billion mal kleiner als die Erde. | Billionen-Videos auf YouTube. | Die Finanzkrise verschlingt eine Billion US-Dollar. | Im Jahr 2005 wurden weltweit eine Billion US-Dollar für Rüstung ausgegeben. | Bis 2010 werden deutsche Eltern ihren Kindern eine Billion Euro vererben. |

Das höchste Zahlzeichen der alten Ägypter war die Hieroglyphe für eine Million. Sie stellt einen Mann dar, der auf die Knie gesunken ist und die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. |

? Informationskubismus: Eine neue Möglichkeit des Rundumsehens in Panoramio. Panoramio verknüpft Fotos von Orten mit den zugehörigen geografischen Koordinaten in Google Earth. | 

(Update 2.8.2008): BoingBoing vermeldet die ersten 100.000.000.000-Zimbabwe-Dollarscheine, die bei Ebay angeboten werden.

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Schirme: Möge der Griff mit dir sein

Sonnenglut. Aber jeder Regenschirm kann auch als Sonnenschirm verwendet werden. | Ein gestrickter, roter Schirm der französischen Designerin Lise Lefebvre. | Der Kanadier John Di Cesare entwirft mollusken- und muschelhafte Schirme. | Der Umbuster von Sruli Recht, mit einem Schlagring aus Aluminium als Griff. Die australische Polizei hat den Umbuster - ein Kunstwort aus umbrella (Regenschirm) und buster (Knacker) - als waffenscheinpflichtig eingestuft. | Charlie Sorrel berichtet von einem anderen kampftauglichen Schirm. | Alltag in anderen Arealen I: London - Zeit, die Stadt zu verlassen. Pendler benutzen ihre Schirme als Waffe. |

Lieblingskünstler gestalten BildSchirmHintergründe: The DesktopWallpaperProject von Kitsune Noir. | Sonnenschutz auf flickr. | Carola Vertein, eine der letzten Schirmherstellerinnen in Deutschland [mehr hier] [und hier]. | US Patent 5445428 - Verstellbare Sonnenblende für Autos. | Möge der Griff mit dir sein: Ein Regenschirm mit Lichtschwert zum Festhalten (Limited Edition, ausverkauft). | 

Eine leuchtendere japanische Variante. | The naked UNbrella: Die Designerin Shiu Yuk Yuen hat einen Konzept-Schirm entworfen, bei dem statt herkömmlicher Bespannung wiederverwertbares Material zum Einsatz kommt, etwa Zeitungspapier, Pappe oder Plastiktüten. | Alltag in anderen Arealen II: Japanische Regenschirmhängehilfe am Schalter. | Japanische Schirm-Inovationen wie den Internet-Schirm (hier auf Flickr) habe ich auch schon in meiner Netzkolumne vom 15.7.2007 (Mary Poppins schwingt den Schirm) aufgespannt. | Tokios Geheimnisse - unter anderem über die der unseren weit überlegene japanische Schirmkultur. | John Alderman hat in Tokio einen Regenschirmfriedhof entdeckt. | 

? Die Geschichte des Schirms. |          

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Sonnenschutz: Nacht in der Stadt

 

Tropenbloggen

• Es ist so heiß, dass die Bäume nach den Hunden pfeifen. Man möchte nur noch blaue Fotos in der Zeitung sehen, einen Anschein von Abkühlung. Auch die Links sind eigentlich zu heiß:

Ein in der Sommerhitze geschmolzener Taschenrechner in Kairo. | Eine frische Cocktail-Website: Extra Tasty. | Genügend eisgekühlte Sommerdrinks und Smoothies. | Abtauchen. Hierfür ein wasserdichter MP3-Player aus Japan, schlicht gestaltet. | 20 wohlgeformte Tischventilatoren aus dem frühen 20. Jahrhundert. | Wer sich danach immer noch nicht stark genug belüftet fühlt, für den gibt es hier 18 spektakuäre Windkanäle. | Ein verschießbares Fangnetz gegen größere Insekten. | Eine elektronische fleischfressende Pflanze. | Eine Fliegenklatsche mit dem Stadtplan von Mailand als Gitter. |

• Und ein paar weitere Anreicherungen zu Schwimmbecken: Eine hypermoderne Badeanstalt der Architektin Zaha Hadid für die olympischen Spiele 2012 in London. | Einer 82-jährigen Frau wurde im englischen Southhampton mit dem Hinweis, sie könne ja pädophil sein, untersagt, ein leeres Planschbecken zu fotografieren. | 13 really cool pools. |

Fahrradverflüssigung.

Update (29.7.2008) - Arschbombe, die: umgangssprachlich ein Sprung ins Wasser eines Schwimmbeckens, wobei in der Regel das Wasser zuerst mit dem Gesäß berührt wird. Korrekt heißt diese Sprungart Paketsprung, als Sportart nennt man sie Splashdiving.

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Das Montagszitat: Einfluß

Es ist möglich, im Netz durch einen Diskussionsbeitrag, einen Erfahrungsbericht oder auch nur eine Frage etwas anzustoßen. Das Netz kann die unschätzbar wertvolle Erfahrung vermitteln, dass mein persönliches Handeln nicht gleichgültig ist, sondern unmittelbare Wirkung und Einfluß auf das Geschehen haben kann.

Rena Tangens

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Vermischtes: Das technische Huhn

? Albern, aber das Chicksal hat es so gewollt. Wochenende war schon, einer geht noch: Tanze das technische Huhn!

? Ein Museum von unverdient außer Gebrauch gekommenem Grafiker- und Künstlerbedarf. | Carl Johnson und Erika haben, als zwei unter vielen, alte Letraset-Bögen vor dem Untergang bewahrt. |

? So geht moderne Dichtung (und hilft auch noch).

? Vergeßt das papierlose Büro, wir wollen das bürolose Papier. Von der faltbaren Papierbrieftasche bis zum selbstgemachten Booklet - 10 ausdruckbare, nützliche Papierdinge.

Afghanistan in den sechziger Jahren. | Die Gärten von Paghman bei Kabul - einst und jetzt. | 1966: My Dads Vietnam. | 

? Unglaublich. Eine altägyptische Statue, die aussieht wie… | M.J. - Do you remember the Time? | Ein Tanzschritt, der alles verändert hat. |

? Hochgenießbare Ess-Skulpturen für Kinder.

 

? Wunder der Warenkennung: Daniel A. Beckers preisgekrönte Barcode Plantage. Einer geht noch: Schleiertanz um eine kleine Zahlengruppe.

 

 

Katzencontent und Illusionen

? Eine Matrix-artige Katzensortieranlage

? Eine Katze taucht überraschend auf. | Eine Katze verschwindet (nebst Aufklärung) | Wie David Copperfield fliegt. | 21 optische Täuschungen, von Michael Bach sowie ein neues Blog des Illusions-Designers Arthur Shapiro. | 10 Wahrnehmungs-Wunderlichkeiten in 120 Sekunden - ein Werbespot. | 

Yoga mit Katzen. | N. f. s. c. different: Katzen-Yoga für Menschen. | Sie rührt sich einfach nicht: Frozen Cat.

 

Riechtum.

 

* Angereichert: Strahlende Schönheit

Einem Eingeborenen der Marshall-Inseln wurde im Augenblick der Explosion einer viele Megatonnen Sprengkraft enthaltenden Wasserstoffbombe auf dem Eniwetok-Atoll in ein paar Hundert Meilen Entfernung ein Mädchen geboren. Das Kind wurde nach Alice Strauss, der Frau des damaligen Vorsitzenden der Atomenergiekommission, Alice genannt. Strauss schenkte der jungen Mutter ein Vermögen von zehn Schweinen. … Auf einer der Inseln des Eniwetok-Atolls steht ein Wald vom mustergültig gepflanzten Kokospalmen. Die Korallenfläche ist auf viele Tagwerke hin mit einer dicken Schicht fruchtbarer schwarzer Erde bedeckt. Dieser Erdboden wurde vor dem ersten Weltkrieg vom Schwarzwald in Deutschland her auf dieses Atoll verfrachtet.

William L. Laurence, “Menschen und Atome” (1961)

• Carl Montgomery war im September 2006 und im Juni 2007 in Tschernobyl und hat dort unter anderem einen verstrahlten Vergnügungspark fotografiert.

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* Angereichert: Wikipedia - Bäder und Probleme

? Die Liste ungelöster Probleme in der Wikipedia hat magnetisch weitere Fundstücke angezogen:

Wikipedia: Die Abteilung für Spaß (Department of Fun) | Eine Geschichte der gegen Wikipedia geführten Prozesse (History of Wikipedian Processes) | Eine Liste schlechter Ideen für Wikipedia-Beiträge (List of bad article ideas) | Eine Liste wirklich blöder Ideen für Beiträge, die man keinesfalls schreiben sollte (List of really, really, really stupid article ideas that you really, really, really should not create) | Eine Liste der überflüssigsten Edit Wars um Wikipedia-Beiträge (Lamest edit wars) | Wie man sich von Wikipedia-Sucht erholt (Recovering from Wikipediholism) | Eine Liste Wikipedia-bezogener Beleidigungen (List of wikipedia-related insults) | Ein Kreuzworträtsel zur Wikipedia | Tod eines Wikipedianers: Hinweise zum Umgang mit Trauerfällen. | 

? Nützlich: Anders als in der deutschsprachigen gibt es in der englischsprachigen Wikipedia übrigens eine umfangreiche Liste der verschiedenen Zugänge zu den Schatzkammern des versammelten Wissens.

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? Die Swimmingpools in London werden versuchsweise um die Wikipedia-Liste Pools erweitert, auch wenn diese sich etwas ins Allgemeine hinausverflüssigt.

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* Angereichert: Schilderlichtung, Schilderdichtung

? Ein weiteres Fundstück zu der geplanten Verkehrszeichenbereinigung:

Ein von Avi Abrams entdecktes quasi-fiktives Verkehrszeichen - Don Qijoten verboten. | Seine umfangreiche Sammlung von Fotosets ist übrigens auch Blicke wert.

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* Angereichert: Zornzone

Meine Netzkolumne vom 12. März über randalierende Nutzer und renitente Geräte erfährt neue Aktualität: Im US-Bundesstaat Wisconsin schoß der 61-jährige Keith Walendowski auf seinen Rasenmäher, weil er nicht anspringen wollte. | Glücklicherweise schreitet die Zivilisation voran, sie schenkt uns endlich sinnreiche Geräte zur Aggressionsabfuhr. | Explodierende Enttäuschung verwandelt sich in der Schrei-Vase in ein sanftes Flüstern. | In der chinesischen Stadt Zhengzhou hat ein Schuldirektor einen Punching-Ball mit seinem Gesicht aufstellen lassen. | Und das Prinzip gibt es auch in einer USB-Version. |

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mamihlapinatapai

? Vom Stamm der Yagan, die seit Jahrtausenden auf Feuerland ansässig waren, lebt noch eine einzige Frau. In ihrer Sprache, dem Yámana, gibt es ein Wort, das man nicht übersetzen kann, aber man kann es umschreiben: Mamihlapinatapai bezeichnet einen Augenblick, in dem zwei Menschen einander ansehen und jeder der beiden sich wünscht, der andere möge etwas beginnen lassen, wonach beide sich sehnen; keiner aber möchte den Anfang machen.

Es sind keine Zwei mehr da, die dem Yámana angehören und die einander ansehen könnten, eine Sprache verlischt. Was bleibt, ist, von ihr zu wissen. Die Poesie des Worts mamihlapinatapai liegt im übrigen in seiner Prägnanz - ein einziges Wort für eine komplexe Situation - und nicht in der Wolkigkeit der Umschreibung. Poesie ist nicht vage, sie vertieft die Genauigkeit eines Ausdrucks.

Besonders die Sprachen ferner Völker locken romantisch. Manche gefühlsechte Annahme hält sich wider besseren Wissens - weil sie sich besser erzählt. So werden immer noch Hausarbeiten über die Hypothese des Linguisten Benjamin Lee Whorf verfaßt, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Sprache der amerikanischen Hopi-Indianer untersuchte und befand, dass sie keine Begriffe für das hätten, was wir als Zeit bezeichnen. Unter anderem eine kleine Archiv-Ruine in der “Zeit” (sic!) gibt Auskunft über den Bonner Sprachwissenschaftler Helmut Gipper, der 1967 zu den Hopi reiste und feststellen mußte, dass das nicht stimmt.

Auch der gern zitierte Hinweis, dass die Eskimos zahllose Worte hätten, die unterschiedlichste Zustände von Schnee bezeichnen, ist eine Legende. Die Eskimosprache kennt zwei Wortstämme: qanik für Schnee, der fällt, und aput für Schnee, der liegt. In angeheiterter Form gibt es das Ganze von Douglas Adams. Sein Buch “The Meaning of Liff” wie auch die kongeniale Übertragung der Idee ins Deutsche (”Der tiefere Sinn des Labenz”) befassen sich mit der Beseitigung der unendlich vielen unbezeichneten Bereiche der Menschenwelt. Schnell noch Peter Handke: “Literatur bedeutet, noch nicht vom Sinn besetzte Orte ausfindig zu machen.”

Aber ich schweife ab.

Mamihlapinatapai bedeutet, dass sehr wohl immer wieder etwas anfängt und sich entwickelt (auch wenn das Wort selbst sich dagegen ausspricht). Dass nämlich die Sprache, die erstaunlichste Technologie über die wir verfügen, immer weiter Dinge verstehbar, diskutierbar und austauschbar macht.

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Jargon Quatsch - Aus dem Wörterbuch des Digeratus*

Arbyte: Tätigkeit des 21. Jahrhunderts

Backup: Das kalte Gefühl, das einem den Rücken hochkriecht, wenn man wieder keine Sicherheitskopien gemacht hat.

Bandbreite: einzig begrenzt durch die Maße der Bühne

Benutzeroberfläche: Haut

Bit: 1) kleinste technisch handhabbare Menge Unsinn 2) Vergangenheitsform von Byte

Bug: lustiger Begriff, der erklärt, warum der Computer in der Exportabteilung veranlaßt hat, 150 Kampfjäger-Servomotoren zum Einzelpreis von 50.000 Euro an einen Fischer auf den Gesellschaftsinseln zu versenden, der zwei davon als Anker benutzt.

*Digerati: scheinbar wichtige Zeitgenossen, s.a. ? virtuell

Gerätetreiber: Person, die einen Computer benutzt

Linksclique: kleine Gruppe von Sozialisten

Mausland: Das Netz

Realität: etwas für Leute, die nicht mit Drogen klarkommen

Ohneinsekunde: Der Augenblick, in dem man realisiert, dass es zu spät ist (kein UNDO).

Oftware: Standardprogramme

Tastatur-Plaque (TP, sprich: Tipp-iih): leicht widerlicher Schmutzbelag auf Computertastaturen

Teleganz: anmutige Umgangsformen (solange die Kamera läuft)

unklicklich: Nerd ohne Netzanbindung

virtuell: nicht da, aber wichtig

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Wie eine Zeitschriftenseite | ein Picasso entsteht

? Eine bemerkenswerte Kreativitätsröntgenaufnahme: Der Grafiker Matt Willey läßt sich dabei zusehen, wie er eine Doppelseite des RA Magazine entstehen läßt, der Zeitschrift der Königlichen Akademie der Künste in London.

? Ein Klassiker schöpferischer Transparenz: Pablo Picasso malt live.

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Fun & Beauty (2)

? Webseiten kaputtmachen - Netdisaster.com bietet Dutzende dekorativer Methoden.

? Fünf Sekunden warten. Lautsprecher etwas aufdrehen. Mehr sage ich nicht.

? Zenbuddhistisch inspirierter Kindergarten für Erwachsene, unbunt aber voll anmutiger Abenteuer.

? Ein digitales Meisterstück, das die Schönheit islamischer Architektur und moderner Computermagie gleichermaßen zeigt - Isfahan, der Film.

? Einfach umblättern.

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Kunst, anzufangen

 

Das Mittwochswort: vollautomatisch

Obwohl die Automation schon seit längerem stetig an Boden gewinnt, ist seltsamerweise erst in jüngster Zeit das Problem aufgetaucht, welche Bedeutung es hätte, wenn der Großteil des menschlichen Arbeitslebens ausradiert würde. Auch heute erkennen nur wenige, daß dieses Problem, einmal ehrlich ausgesprochen, das Endziel der Automation ernsthaft in Frage stellt. Was die mögliche Schaffung einer vollautomatisierten Welt betrifft, so können nur Ahnungslose ein solches Ziel als den höchsten Gipfel menschlicher Entwicklung ansehen. Es wäre eine Endlösung der Menschheitsprobleme nur in dem Sinne, in dem Hitlers Vernichtungsprogramm eine Endlösung des Judenproblems war.

Lewis Mumford, “Mythos der Maschine” (1967)

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Wikipedia - Rätsel und Wunder

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Die Wikipedia steckt - unter anderem - voller verborgener Schätze. Als ich mich mal an der Abfassung von Kreuzworträtseln versuchte, war mir die Entdeckung der vollständigen Sammlungen mit 2-Buchstaben- und 3-Buchstabenkürzeln eine große Hilfe. In mein erstes Kreuzworträtsel hatte ich übrigens einen kolossalen Fehler eingebaut, den ich erst entdeckte, als ich nach drei Tagen fertig war. Ich hatte das Wort Algorithmus falsch geschrieben - ausgerechnet. Da stand nun Algoritmus, und eine Korrektur hätte bedeutet, das ganze Rätselgitter neu aufzubauen. Ein Kreuzworträtsel ist ein kleiner Kosmos, alles hängt mit allem zusammen. Aber auch hier half die Wikipedia. Auf Tschechisch, fand ich nach ein wenig Suchen in den fremdsprachigen Wikipedia-Versionen, heißt Algoritmus Algorithmus. Also brauchte ich nur noch die Fragezeile zu ändern: Computerhandlungsvorschrift (tschech.)

Von Kreuzworträtselfachleuten werden Buchstabenkürzel zwar als unelegant angesehen, aber ich wollte einfach ein paar solide, lösbare Rätsel schreiben. Ich hatte eine Schuld abzutragen. Vor langer Zeit hatte ich für eine Stadtzeitung aus Jux ein unlösbares Kreuzworträtsel verfaßt. Es bestand aus lauter Fragen, die sich zwar sinnfällig anhörten (“Die der Öffnungsseite des Kartons abgewandte Lasche”), jedoch nicht auf den Begriff zu bringen waren. Als dann Menschen mit angenagten Bleistiftenden am Rand der Verzweiflung in der Redaktion auftauchten, schämte ich mich.

Nun wollte ich endlich ein paar ordentliche, auch als Gefühl nach einem kleinen Glücksempfinden hin lösbare Kreuzworträtsel schreiben. Die Volte mit dem tschechischen Algorithmus fand ich im Zeitalter von Google verantwortbar. Und es sind nicht nur Kreuzworträtsler, denen der Wert von Buchstabenkürzeln klar ist. Als der Journalist und Hacker Paul Boutin gefragt wurde, was er für das größte Computer-Problem der 90er Jahre halte, lautete seine Antwort: “Dass es nur 17.000 Dreibuchstabenabkürzel gibt.” Genau genommen sind es 26^3 = 17.576 Kombinationen, aber was noch viel interessanter ist: Es gibt in der Wikipedia auch eine Liste ungelöster Probleme. Mich würde zum Beispiel interessieren, wie man ein feststehendes Wort wie Aufzug dazu bringen kann, wirklichkeitsnäher zu werden, da ein Aufzug der abwärts fährt ja genau genommen Abzug heißen, das Wort also eigentlich oszillieren müßte.

Update (24.7.2008): Der Liste ungelöster Probleme haben die Leute vom Listen-Univerum ihre Charts der 10 ungelöstesten Mysterien der Welt hinzugesellt, darunter die Steinkugeln von Costa Rica - deren Geheimnis allerdings längst von Indiana Jones gelöst worden ist -, die Ura-Linda-Chronik - eine Fälschung, auch als “Himmlers Bibel” bekannt, und die Weltkarte des osmanischen Admirals Piri Reis. Wer gern nach dem Abendessen noch ein bißchen dechiffriert, wird Schwergewichtsmysterien wie das Voynich-Manuskript vermissen. Die vielfältigen Entschlüsselungsansätze zu dem sonderbaren Dokument werden in einem spezialisierten Wiki gesammelt, auch Sekptiker haben ihre Lupen bereits ausführlich darüberstreichen lassen.

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Katzengewerkschaft

Seit “Simon’s Cat: ‘Cat Man Do’” genießt der Brite Simon Tofield im Netz einen Ruf wie Donnerhall. Fünf Millionen mal wurde die Animation einer Katze, die ihre Bezugsperson zu wecken versucht, bei YouTube abgerufen. Im März 2008 wurde er dafür verdient bei den British Animation Awards ausgezeichnet.

Mit dem Nachfolge-Clip “Simon’s Cat: ‘Let Me In!’“ zeichnete Genosse Tofield sich unauslöschlich ins Herz eines jeden Mitglieds der Katzengewerkschaft.

Nun. Hat. Er. Endlich. Eine. Neue. Folge. Gezeichnet - “Simon’s Cat: ‘TV Dinner’”.

Das Katzensolarium

Das Montagszitat: 7 Tage

Der einzige Grund, weshalb Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen konnte, war, dass er nicht mit der Vorgängerversion kompatibel sein mußte.

Dan Pop

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Entordnung

Grafik: Mike Licht, NotionsCapital.com | Mehr über Creative Commons ?

 

? Verkehrsminister Tiefensee will den deutschen Schilderwald auslichten. Entbehrliche Verkehrszeichen sollen abgeschafft werden. Tiefensee tritt damit, möglicherweise ohne es zu wollen, als radikaler Förderer des Internet in Erscheinung. Entdeckte bisher ein Deutscher ein unberührtes Stück Welt, so machte er es urbar, indem er Schilder aufstellte. Das El Dorado der Schilderfreunde aber ist das Internet: Es gibt keine Straßen mehr, nur noch Schilder.

Mit dem Internet hat der Mensch eine vollkommen neue, aufregende Dimension des Durcheinanders erschaffen. Das Netz ermöglicht es uns nun, nicht mehr nur Bücher und Zettel durcheinanderzuschmeißen, sondern auch Bilder aller Art, Animationen, Videos, Verkehrsverläufe und komplette Datenbanken. Im gordischen Myzelienknoten der Hyperlinks ist inzwischen die ganze Welt in die Globalisierung der Unaufgeräumtheit eingebunden.

Dazu gibt es Ordnungssysteme, die sich jemand anderer für uns ausgedacht hat und die aber überhaupt nicht unserer persönlichen Art entsprechen, die Welt und ihren Anteil an digital faßbaren Daten wiederzugeben. In neueren Entordnungssystemen (“tagging”) wird die Idee des Strukturierens überhaupt aufgegeben. An seine Stelle treten dynamische Wortwolken.

Ziel von Multimedia ist es also, die Unübersichtlichkeit zu universalisieren. Jeder soll alles von überall aus durcheinanderbringen können. Ordnen kann jeder Depp. In eine kühne Richtung wie diese wird auch Tiefensee gedacht haben.

? Die fürchterlichste Gefahr kommt aus der Ordnung. Feststellen kann man das beispielsweise, wenn man gerade renoviert hat. Alles ist frisch und vollkommen, die Wandfarbe leuchtet, das Parkett glänzt, das Tischtuch ergibt sich faltenlos seiner Funktion. Das einzige, was noch stört, ist man selbst. Die Idee der Vollendung ist eine große Falle, und in solchen Momenten schnappt sie zu. Man denkt, dass man glücklich sein würde mit der schönen neuen Wohnung, aber sie macht einen fertig. Ich störe, also bin ich.

Die Lebendigkeit kommt erst in den nächsten Tagen wieder in dem selben Tempo, mit dem die Wohnung langsam den Glanz der Perfektion verliert unter dem ersten Staub, den eingetrockneten Ringen unter der Kaffeetasse am Schreibtisch, den Brötchensplittern in den Fugen der Computertastatur, mit dem Dreck also. Der liebe Dreck. Wehret der Vollendung, liebe Freundinnen und Freunde: Sie ist es, was euch unglücklich macht.

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Entdeckr (1)

• Für Freunde gehobenen Schaltens: die Flickr-Group Kontrollpanele.

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• Und für an digitalen Trichtergrammophonen Interessierte: die Flickr-Group Vintage Computing.

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Streiflicht.

Sommer in der Stadt, momentlang

 

11 nutzlose Informationen (2)

1 | Das längste bekannte Spermium ist 10.000 mal länger als das menschliche und gehört der Fruchtfliege Drosophila Bifurca.

2 | Musiker in Kenia werden oft auf der Bühne in Käfige gesperrt, damit sie die Instrumente nicht stehlen, die meist den Clubbesitzern gehören.

3 | In Neuseeland gibt es eine Papageienart, deren Lieblingsspeise die Gummieinfassung von Autoscheiben ist.

4 | Würde ein Mensch frostgetrocknet, bestünden 10% seines Körpergewichts aus den Mikroorganismen im Körper.

5 | Laut Oxford English Dictionary ist pneumonoultramicroscopicsilicovolcanoconiosis das längste Wort der englischen Sprache.

6 | Im alten China wurden Ärzte nur bezahlt, wenn der Patient gesund wurde.

7 | Mit Lichtgeschwindigkeit würde es 0,0000294 Sekunden dauern, den Mount Everest zu besteigen.

8 | Im Tierreich halten Schimpansen den Rekord für die schnellsten Quickies: drei Sekunden.

9 | Das erste Telephonbuch der Welt enthielt 50 Namen. Es wurde im Februar 1878 von der New Haven District Telephone Company in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut veröffentlicht.

10 | Das Herz eines Astronauten wird kleiner, während er sich im All befindet.

11 | Man kann unmöglich Selbstmord begehen, indem man die Luft anhält.

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Das Mittwochswort: Alles

Das Netz ist eines der wenigen phantastischen Dinge, die wir haben und die unsere Eltern nicht hatten - vor allem: die unsere Yuppie-Onkels und -Tanten, die ALLES hatten, nicht hatten.

J. C. Herz, erste Videospiel-Kritikerin der New York Times

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Jugendwarteraum

 

Bahnhof Bruck an der Mur, Steiermark

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Baden auf die harte Tour


Prominente kennen das Problem längst: Sie werden gesehen, auch wenn sie das vielleicht gerade mal nicht möchten. Sie spielen mit den Fangnetzen der Medien, den Kameras der Paparazzi, den Befüllungszwängen der Klatschkolumnen und Celebrity-Websites, und die Medien spielen mit ihnen. Und wie bei jedem Spiel kann man miteinander oder gegeneinander spielen. Daneben schreitet die Zwangsdemokratisierung verdeckter Ermittlungsarbeit, die vormals Geheimdiensten, der Polizei und Detekteien vorbehalten war, unaufhaltsam voran. Leserreporter erlegen nun Bildwild aller Art. Vor zwei Jahren startete das amerikanische Klatsch-Blog Gawker den Gawker Stalker. Aktuelle Prominentensichtungen in New York City werden auf einer Karte verzeichnet und kommentiert.

Das Ganze gibt es, auf ebenso elegante wie unterhaltsame Weise, auch hierzulande. Bereits seit 1999 werden von den Höflichen Paparazzi Protokolle kleiner Zufallsbegegnungen mit prominenten Menschen gesammelt (”Je dezenter, desto besser”). Mein nach wie vor ungeschlagener Favorit ist die Begegnung eines höflichen Paparazzo mit dem Philosophen Peter Sloterdijk, der bei einer Veranstaltung auf dem Rückweg von der Herrentoilette von einer polnischen Jouralistin mit Peter Handke verwechselt und um ein Interview gebeten wird, das er auch gerne gibt, ohne zu merken, dass er für Handke gehalten wird (”Irgendwo in Polen muß dieses Handke-Interview erschienen sein”).

• Auch in England, dem Mutterland mülldurchwühlender Boulevardmedien, wird die Prominentenüberwachung inzwischen mit der Terrorprävention vergleichbarem Einsatz betrieben. Darren Adams British Celebrity Watch gehört noch zu den harmloseren Späheinrichtungen. Seit die Firma Google uns immer neue Transparenzoffensiven verordnet, wird auch das zweifelhafte Privileg, unter besonderer Beobachtung zu stehen, für jedermann zugänglich. Autos mit Kamera-Periskop fahren gerade durch deutsche Städte, um für Google Streetview Straßenverläufe in Rundumsicht zu fotografieren, Haus für Haus und Passant für Passant. Auch wenn Gesichter und Autonummern automatisch unkenntlich gemacht werden, sind viele Hauseigentümer alles andere als erfreut über die unerwünschten Möglichkeiten zur Fernerkundung ihrer Immobilie.

In England ist daraus gerade ein aktuelles Sommervergnügen namens Dipping hervorgegangen. Mitte Juni berichtete die zweitgrößte britische Tageszeitung Daily Mail erstmals von etwas wie einer internetbeschleunigten Turboversion des Hausbesetzens. Jugendliche suchen sich dabei in Google Earth oder Google Maps Grundstücke mit einem hübschen Swimmingpool, verbreiten Koordinaten und Adresse an ihre Freunde und feiern dort, sobald der Pool als sturmfrei gilt, eine spontane Party. Die Polizei geht davon aus, dass die Planschattacken, die in Südengland ihren Ausgang genommen haben, mit längeren Schönwetterlagen auf weitere Regionen übergreifen werden.

• In einem Kommentar zu dem Daily Mail-Artikel weist ein amerikanischer Leser auf bestehende Traditionen hin. Schon in den siebziger Jahren fuhren im kalifornischen Santa Monica Skateboarder auf der Suche nach leeren Swimmingpools, in denen sie skaten konnten, durch die Straßen. Sie hatten auch Pumpen dabei, um einen Pool wenn nötig leerpumpen zu können.

Update (24.7.2008): Oh, es gibt auch in London leere Schwimmbecken, gibt es nicht? Und zum Teil noch richtig Schöne dazu.

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Das Montagszitat: Arbyte

Im Betrieb sind die beiden nicht sehr beliebt. Schon nach einigen Glas Bier fangen sie an, miteinander zu streiten und von Technologie zu sprechen und das auch dann, wenn Frauen in der Nähe sind.

Gerichtsprotokoll, frühe siebziger Jahre
???

 

11 nutzlose Informationen (1)

1 | Die Austrittsgeschwindigkeit von Ketchup aus einer Ketchup-Flasche liegt (ungeschubst) bei durchschnittlich 40 Kilometern pro Jahr.

2 | Thomas Alva Edison, der Erfinder der Glühbirne, fürchtete sich im Dunklen.

3 | Verheiratete Männer, unabhängig von Rasse, Konfession und Alter, schlafen meist auf der rechten Seite des Betts. Geschiedene Männer wechseln oft auf die linke Seite.

4 | Jedes Jahr verletzen sich mehr als 55.000 Amerikaner an Schmuck.

5 | Buzz Aldrin war der erste Mensch, der auf dem Mond Stuhlgang hatte.

6 | Schmutziger Schnee schmilzt schneller als sauberer.

7 | Ameisen schlafen nicht.

8 | Das deutsche Wort mit den meisten aufeinanderfolgenden Konsonanten ist Angstschweiß.

9 | Der erste archäologische Hinweis auf Suppe ist 8000 Jahre alt. Als Einlage fungierten Nilpferdknochen.

10 | Kermit der Frosch ist Linkshänder.

11 | In Texas ist es verboten, Graffiti auf fremde Kühe zu sprühen.

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Bonn, Fußgängerzone

 

Das Mittwochswort: Leben

Hätte man den Menschen 1880 genau das Leben beschrieben, das wir heute führen, sie hätten es bestimmt gräßlich gefunden.

Berliner Illustrirte Zeitung, 1928

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