Tagesarchiv für 21. Juli 2008

Katzengewerkschaft

Seit “Simon’s Cat: ‘Cat Man Do’” genießt der Brite Simon Tofield im Netz einen Ruf wie Donnerhall. Fünf Millionen mal wurde die Animation einer Katze, die ihre Bezugsperson zu wecken versucht, bei YouTube abgerufen. Im März 2008 wurde er dafür verdient bei den British Animation Awards ausgezeichnet.

Mit dem Nachfolge-Clip “Simon’s Cat: ‘Let Me In!’“ zeichnete Genosse Tofield sich unauslöschlich ins Herz eines jeden Mitglieds der Katzengewerkschaft.

Nun. Hat. Er. Endlich. Eine. Neue. Folge. Gezeichnet - “Simon’s Cat: ‘TV Dinner’”.

Das Katzensolarium

Das Montagszitat: 7 Tage

Der einzige Grund, weshalb Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen konnte, war, dass er nicht mit der Vorgängerversion kompatibel sein mußte.

Dan Pop

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Entordnung

Grafik: Mike Licht, NotionsCapital.com | Mehr über Creative Commons ?

 

? Verkehrsminister Tiefensee will den deutschen Schilderwald auslichten. Entbehrliche Verkehrszeichen sollen abgeschafft werden. Tiefensee tritt damit, möglicherweise ohne es zu wollen, als radikaler Förderer des Internet in Erscheinung. Entdeckte bisher ein Deutscher ein unberührtes Stück Welt, so machte er es urbar, indem er Schilder aufstellte. Das El Dorado der Schilderfreunde aber ist das Internet: Es gibt keine Straßen mehr, nur noch Schilder.

Mit dem Internet hat der Mensch eine vollkommen neue, aufregende Dimension des Durcheinanders erschaffen. Das Netz ermöglicht es uns nun, nicht mehr nur Bücher und Zettel durcheinanderzuschmeißen, sondern auch Bilder aller Art, Animationen, Videos, Verkehrsverläufe und komplette Datenbanken. Im gordischen Myzelienknoten der Hyperlinks ist inzwischen die ganze Welt in die Globalisierung der Unaufgeräumtheit eingebunden.

Dazu gibt es Ordnungssysteme, die sich jemand anderer für uns ausgedacht hat und die aber überhaupt nicht unserer persönlichen Art entsprechen, die Welt und ihren Anteil an digital faßbaren Daten wiederzugeben. In neueren Entordnungssystemen (“tagging”) wird die Idee des Strukturierens überhaupt aufgegeben. An seine Stelle treten dynamische Wortwolken.

Ziel von Multimedia ist es also, die Unübersichtlichkeit zu universalisieren. Jeder soll alles von überall aus durcheinanderbringen können. Ordnen kann jeder Depp. In eine kühne Richtung wie diese wird auch Tiefensee gedacht haben.

? Die fürchterlichste Gefahr kommt aus der Ordnung. Feststellen kann man das beispielsweise, wenn man gerade renoviert hat. Alles ist frisch und vollkommen, die Wandfarbe leuchtet, das Parkett glänzt, das Tischtuch ergibt sich faltenlos seiner Funktion. Das einzige, was noch stört, ist man selbst. Die Idee der Vollendung ist eine große Falle, und in solchen Momenten schnappt sie zu. Man denkt, dass man glücklich sein würde mit der schönen neuen Wohnung, aber sie macht einen fertig. Ich störe, also bin ich.

Die Lebendigkeit kommt erst in den nächsten Tagen wieder in dem selben Tempo, mit dem die Wohnung langsam den Glanz der Perfektion verliert unter dem ersten Staub, den eingetrockneten Ringen unter der Kaffeetasse am Schreibtisch, den Brötchensplittern in den Fugen der Computertastatur, mit dem Dreck also. Der liebe Dreck. Wehret der Vollendung, liebe Freundinnen und Freunde: Sie ist es, was euch unglücklich macht.

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