Eine Seite aus dem Notizbuch des Kalligraphen Andreas Wald
Lesbar I | CAPTCHAs heißen die oft schwer lesbaren Zeichenfolgen, die man an vielen Stellen im Netz eintippen muß, um sich als Mensch zu erkennen zu geben. Das Akronym steht für Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart. Der Mathematiker Alan Turing, dem wir die maßgeblichen theoretischen Grundlagen der modernen Computertechnologie verdanken, hatte diesen Test 1950 vorgeschlagen, um entscheiden zu können, ob man es mit einem Menschen oder mit einer Maschine zu tun hat.
? Die CAPTCHAs kommen heute vor allem bei der Bekämpfung von Spam zum Einsatz. Sie sollen automatisierten Eindringlingen den Zutritt verwehren, für Menschen aber überwindbar sein. Luis von Ahn, einer der Erfinder der CAPTCHA-Idee, hat aus der Buchstabenhürde noch zusätzlich ein geniales, kleines Hilfsmittel gemacht.
Während es sich bei CAPTCHAs meist um zufällig erzeugte Zeichenfolgen handelt, bestehen von Ahns reCAPTCHAs aus einzelnen Worten aus alten Manuskripten, die digitalisiert werden sollen, jedoch von Texterkennungssystemen nicht gelesen werden können. Da Menschen auch Handschriften oder verschnörkelte Typografien ohne größere Probleme entziffern können, werden die alten Bücher auf diesem Weg Wort für Wort digitalisiert. Inzwischen haben Nutzer über 1,2 Milliarden reCAPCHAs gelöst und dabei 440 Millionen Wörter digital lesbar gemacht.
? Ausflippen in der Bücherei (Video). | Schokolade für Buchliebhaber. | Anatomie eines wirklich alten Buchs. | Eine einfache Anleitung zur Reparatur von Büchern. |
Porträts von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren. Ein Flickr-Fotoset:

Lesbar II | Die isländische Sprache hat sich seit der Besiedlung der Insel kaum verändert und kennt fast keine Fremdworte. Alle Isländer können deshalb die alten Schriften ihrer Vorfahren lesen. Der Kölner Musiker Rüdiger Sünner schreibt in seinem Blog über die isländische Autorin Birgitta Jonsdottir (die in Neuseeland lebt), über Björk und über das Besondere an der islandischen Sprache:
Im Durchschnitt verfasst jeder zehnte Inselbewohner in seinem Leben ein prosaisches Werk in der Tradition seiner Vorväter. Die Sprache gilt als Kern der isländischen Kultur und wird [ihrem] Ruf als ‘Latein des Nordens’ durchaus gerecht, gibt es doch staatlich eingesetzte, akademische Kommitees, die neue Wörter ins Isländische übersetzen. So wird z.B. aus dem “Computer” ein “tölva“, zusammengesetzt aus “tala” (Zahl) und “völva” (Prophetin). |
Mit der Einführung neuer Worte sind in Island seit 1919 eigene Komittees befaßt, seit 1964 maßgeblich der Isländische Sprach-Ausschuß. Seit 1985 ist das isländische Zentrum für Sprache tätig. | Die Wikipedia über isländischen Sprachpurismus. | Und über deutschen Sprachpurismus. |
Auf der digitalen Sparring-Arena des Polemikers Henryk Broder entdeckt: Der Schweizer Autor Beni Fränkel erzählt, warum er so lange dachte, dass es keine Juden auf Island gibt und dass es doch einen gibt, und warum der eine Enttäuschung ist. |
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