In der Link-Schatzkiste Wunderweb habe ich bereits auf Mygazines.com hingewiesen. Seit Ende Juli stellt der Dienst eingescannte Zeitschriften und Magazine zur Verfügung, man kann sie durchblättern, kommentieren und remixen. Aktuell sind etwa 1400 verschiedene Hochglanzblätter im Angebot, vorwiegend aus dem englischsprachigen Raum.
Es ist wie mit Napster und der Musikindustrie: Die Industrie findet keine Antwort auf einen immensen Bedarf, der offensichtlich nach digitalen Angeboten besteht. Erst Steve Jobs konnte, Jahre nach Napster, mit iTunes/iPod zeigen, dass und wie man das in einer Ära florierender Musiktauschbörsen rechtlich und ökonomisch ganz prima machen kann. Die Musik- und inzwischen zunehmend auch die Filmindustrie verklagt nach wie vor alles, was eine Tastatur auch nur seitlich ansehen kann und versucht, durch sogenanntes Digital Rights Management (DRM), den Eigentumsbegriff abzuschaffen und dem Kommunismus sonderbarer Weise durch kapitalistische Mittel doch noch zu einem Sieg zu verhelfen (”Eigentum ist Diebstahl“). Anstelle des herkömmlichen Eigentumsanspruchs soll es nur noch temporären und Miet-Besitz an Kulturgütern geben. Dass es so nicht geht, haben in den letzten Monaten als erste die Großen der Musikbranche einzuräumen begonnen.
Nun zeichnet sich derselbe Durchlauf in Print ab. Mygazines.com ist ein einigermaßen eleganter Webdienst, eine Art digitaler Lesezirkel. So argumentieren jedenfalls die Betreiber: Mygazines.com sei nichts anderes als das, was Ärzte auf den Tischen in ihren Wartezimmern anbieten. Die Copyright-Inhaber und Magazinherausgeber, auch große Unternehmen wie Time, haben es mit dem Einklagen ihrer Rechte schwer. Als Firma ist Mygazines in der Karibik registriert, die Server stehen in Schweden und die Betreiber - The Pirate Bay - haben Erfahrung damit, in heftigem Gegenwind zu stehen. Der Geist ist aus der Flasche.
Wenn ich ein sehr großer Zeitschriftenverlag wäre, würde ich mir die Idee von iTunes und iPod nochmal von allen Seiten gut ansehen, den Pirate Bayern den Dienst wegkaufen, sie an die Wand wirtschaften oder mit ihnen, wie auch immer, kooperieren und dann mit einer nächsten Generation des eBook-Lesegeräts Kindle - als Print-iPod - ein iTunes für Zeitungen, Zeitschriften und Bücher starten. Als ein zeitgemäßes zusätzliches Angebot zu den gedruckten Objekten.
Mygazines ist nicht der erste Hai im Teich. Im März 2007 gründeten ein paar Studenten in San Francisco Scribd, eine Tauschbörse für Texte und Dokumente. Inzwischen verzeichnet die Website nach Betreiberangaben mehr als 20 Millionen Besuche pro Monat und hat sich “zu einer über 17 Milliarden Worte umfassenden Bibliothek ausgewachsen, das entspricht dem fünffachen Volumen der Wikipedia.” Seit April kann man bei Scribd Dokumente kostenlos einscannen und online stellen lassen. Der Service finanziert sich durch Werbe-Inprints auf den gescannten Dokumenten.
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¹ Die Bezeichung iPrint hat die Firma Novell sich bereits für einen firmeneigenen Dienst gesichert, mit dem man von überall aus über das Internet auf jedem Drucker drucken kann.
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