Monatsarchiv für August 2008

Berührungslos

Kein Netz. Berkeley, 5. August 2008, 8:40 Uhr - Professor As’ad AbuKhalil ist genervt. Gewöhnlich schreibt er drüben in seinem Blog The Angry Arab News Service über das, was ihn an der Welt und den Verhältnissen im Nahen Osten ärgert. Nun gibt es in dem altertümlichen Hotel, in dem man ihn untergebracht hat, kein Internet - “und am Waschbecken zwei Hähne, einer heiß und einer kalt, sodaß man sich die Hände am heißen Wasser verbrühen und sie dann mit dem kalten Wasser kühlen kann.” 

Wasser. Ich denke an die berührungslosen Armaturen in manchen Hotels und die schamanischen Fuchteltänze, die man davor manchmal aufführt, um herauszufinden, wann der Bewegungssensor das Wasser freigibt. Handbewegungen, wie wenn man versucht, sich mit einem nicht allzu großen Tier bekanntzumachen. Manche berührungslose Armatur wird als reaktionsschnell beworben. Freut mich, dass ich den Sensortanz noch in keinem Film gesehen habe. Dort würde diese heitere, kleine Erscheinung doch nur verbraucht. 

Netze. Jemand hat Professor AbuKhalil ein Foto aus dem Basar von Hebron gemailt. Die Stadt, in der sich das Grab Abrahams befindet, gilt dem Islam und dem Judentum als heilig. | Jüdische Siedler im Stadtkern von Hebron werfen von oben Abfall und Schutt in die Gassen. Zum Schutz dagegen spannen die Palästinenser Netze. | Nach einem Bericht israelischer Menschenrechtsorganisationen mussten Palästinenser in Hebron 1014 Wohnungen räumen und über 1800 Geschäfte und Betriebe im Stadtzentrum aufgeben. | Die ehemalige Straße der Goldschmiede im Basar von Hebron. | 

Kein Wasser. “Niemand scheint sich dafür zu interessieren, weshalb kein Wasser da ist. Ich spreche nicht über technische Ursachen, den fehlenden Regen und die Weigerung des Finanzministers, den Bau weiterer Meerwasser-Entsalzungsanlagen zu finanzieren. Wo liegt die Wurzel des Problems? Gläubige Juden wiederholen mindestens zweimal täglich das Kriyat Shema. Wir beten nicht nur Shema Yisrael, HaShem Elokenu, HaShem Echad (”Höre Israel, der Herr unser Gott, der Herr ist einzig!”). Wir rezitieren zwei weitere Abschnitte aus der Tora. In einem davon ist ausdrücklich die Rede von Regen. Wenn wir Gottes Willen in die Tat umsetzen, wird er uns mit Regen belohnen. Wenn wir uns nicht nach seinen Anweisungen verhalten, werden wir es mit Dürre büßen.” | David Wilder, Siedlersprecher (Juli 2008)

Vor Gott. “In dieser Zeit, die von Hass gezeichnet, mit Blut befleckt und von Spaltung gequält wird, finden Juden und Christen im Wort Gottes eine gemeinsame Quelle der Inspiration. Im Buch Deuteronomium steht: „Höre Israel! Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ | Einleitungstext zum italienischen Tag der Vertiefung und des Studiums des Dialogs zwischen Katholiken und Juden (17. Januar 2005)

Vor die Hunde. In Hebron habe Zackie das erste Mal seit langer Zeit geweint. “Ich hätte niemals gedacht, dass der Davidstern missbraucht wird, um Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben.” Man solle das nicht falsch verstehen. Er, ein muslimischer Atheist und Gegner des politischen Islams, habe viel Sympathie für Israel. “In der Anti-Apartheid-Bewegung war ich immer gegen Terror.” Palästinensische Selbstmordattentate finde er “abscheulich”. … Am allerschlimmsten findet er, wie die Menschlichkeit vor die Hunde gehe. “Bei den Palästinensern, weil sie unterdrückt werden. Bei den Israelis, wenn sie die Augen davor verschliessen.” | Zackie Achmat, südafrikanischer Bürgerrechtler (Juli 2008)

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Das Mittwochswort: Community

Meine Vorstellung von Community ist geprägt durch Pindeale, das Nest, in dem ich aufgewachsen bin. Diese Art von Kleinstadt verschwindet jetzt. Und alles, was übrigbleibt, sind Suburbs, in denen sich niemand mehr zu Hause fühlt und es keinerlei Gemeinsinn mehr gibt. Der durchschnittliche Amerikaner zieht siebzehnmal in seinem Leben um, und er landet immer wieder in diesen anonymen Vororten. Im Cyberspace habe ich eine neue Art von Community gefunden, und als ich sie näher kennenlernte, entschloß ich mich, alles in meiner Macht stehende zu tun, um diese noch junge Gemeinschaft vor Gefahr zu schützen.

John Perry Barlow, 1995

 

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Im Zahlenrausch: Onlinesein

? 7 Prozent der Deutschen surfen noch mit dem Modem (April 2008). | 85 Prozent der Bundesbürger ist der Begriff Web 2.0 nicht geläufig (August 2007). | 58 Prozent der Deutschen sind für Online-Durchsuchungen (September 2007). | 41 Prozent der Deutschen kaufen im Internet ein (Januar 2008). | 30 Prozent der deutschen Internetnutzer haben wegen privater Kommentare im Internet bereits einmal auf einen Kauf verzichtet (November 2006). | 50 Prozent der deutschen Surfer schauen gelegentlich Videos übers Internet (Juni 2007). | 24 Prozent der Deutschen speichern Aktbilder auf dem PC (Januar 2008). | 

3 Prozent der Deutschen sind online (Februar 1999) - Finnland: 17%, Bermuda-Inseln: 15,6%, Island: 14,8%. | Knapp 23 Prozent der Deutschen nutzen das Internet (April 2000). | Die Internet-Nutzung von Zuhause ist auf 31 Prozent gestiegen (Dezember 2001). | 44 Prozent der Deutschen sind online (September 2002). | Im Jahr 2005 werden schätzungsweise 55 Prozent der Deutschen das Internet frequentieren (September 2002). | 53 Prozent der Deutschen sind online! (Juni 2004). | 55,3 Prozent der Deutschen sind online (September 2004). | 57 Prozent der Deutschen sind online, durchschnittlich 73 Minuten am Tag (September 2005). | 58 Prozent der Deutschen sind im Netz (2005). | 58 Prozent der Deutschen sind online (März 2006). | 60 Prozent der Deutschen sind online (September 2006). |  61 Prozent der Deutschen nutzen das Internet (April 2007). | 54 Prozent der Deutschen nutzen das Web 2.0 (Mai 2007). | 65 Prozent der Deutschen sind online (Juli 2008). | 

70 Prozent der Deutschen nutzen Computer privat (Dezember 2007). | Nur 11 Prozent der Deutschen erkennen Phishing-Mails (September 2006). | 10 Prozent der Deutschen halten ihre Daten für absolut sicher (September 2006). | 63 Prozent der deutschen Schulen verfügen über einen Breitband-Internetzugang. Fast die Hälfte der Lehrer hat nicht die nötigen Kenntnisse, um einen Rechner im Unterricht sinnvoll einsetzen zu können (Oktober 2006). | Mehr als 75 Prozent der Deutschen besitzen einen PC (Januar 2007). | 75 Prozent der Führungskräfte geben zu, mit Hilfe von E-Mails ihre Geschäftspartner oder Kollegen zu belügen (Oktober 2007). |

10 Prozent der deutschen Arbeitnehmer haben Lust, sich per E-Mail-Trojaner an ihrem Boss zu rächen (Oktober 2007). | 28 Prozent der Schüler an deutschen Schulen arbeitet im Unterricht nicht mit dem Computer (Dezember 2007). | Fast 60 Prozent der Deutschen über 65 besitzt weder ein Mobiltelefon noch einen Computer (Juli 2008). | 93,6 Prozent der Deutschen sind Zeitschriftenleser (Juli 2008). | Rund 72 Prozent der Deutschen lesen täglich Zeitung (Juli 2008). | 

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Gefühlsgegoogelt

? Urlaubs-Alternativen: Für 1000 Euro ist David Horvits bereit, auf die Insel Iriomote im japanischen Okinawa zu reisen und dem Geldgeber einen Umschlag mit Hoshizuna zu schicken - den winzigen, sternförmigen Sandkörnern der dortigen Strände. | Ein Wohnwagen mit ausklappbarer Wiese von Kevin van Braak. | Ein faltbarer Hund. | 

Eine kregle Künstliche Intelligenz macht sting biff teff tesch dang dang: der großartige kleine, gelbe Drum-Robot von Frits Lyneborg, der den Haushalt selbständig nach beschlagzeugbarem Material durchsucht. Er lernt auch. Und man kann ihn nachbauen. [Danke, Iris] | Wenn du möchtest, dass die Mädchen dich mögen, schneide diesen Coupon aus. | Unten: Werbung für Schamhaarfärbemittel ist in der New Yorker U-Bahn zu sehen. | Neues für Menschen, die gern ihren Körper modifizieren: Märchenohren. Russ Fox hat ein chirurgisches Verfahren zur Umformung menschlicher Ohren in Elfen-Ohren entwickelt. | Drüben im Blog Biocurious.com haben sie eine hübsche Rubrik: das Molekül des Monats. | Modernes Molekülgeschirr aus Mailand. | 

? Gefühls-Google: Der britische Künstler Christian Nold zeigt mit seinem Biomapping-Projekt, wie sich Gefühle verändern, während jemand sich durch eine Stadt bewegt. Die Teilnehmer werden mit einem GPS-Empfänger und einem Hautwiderstands-Meßgerät ausgestattet, ihre fortlaufenden Empfindungen werden als dreidimensionale Gebilde, die an Drachenkämme erinnern, in Google Maps abgebildet. | Ein neues Buch von Bo Pang und Lillian Lee über Meinungs-Mining und Stimmungsanalyse [pdf]. |

Die indische Modedesignerin Satya Paul zeigt einen Google-Sari (Ooogle, genauer gesagt). | 

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Wilde Bilder

Der belgische Künstler Wim Delvoye und seine lasergestanzten neogotischen Baumaschinen und Müllwagen. | Branislav Kropilak: moderne Industriefotografie. Unsere technologische Welt [Interview]. | Don O’Brien hat auf der Suche nach einer alten Kamera einen Zufallsfund gemacht: Eine bemerkenswerte Vorhersage zum Fernsehen, aus dem Ohio State Journal von 1927. | Eine Bildersammlung wilder Verkehrsstaus, zu Land und zu Wasser. | Ein nichtnewtonsches Fluid [Video] (einer der bekanntesten Vertreter der Gattung ist Spätzleteig). Das Fachgebiet, das sich mit solchen Zuständen beschäftigt, heißt Rheologie. | Die größte Maschine der Welt, kurz vor ihrer Inbetriebnahme. | Schnappschuss am Fluss. | YouTube aus anthropologischer Sicht. | 

Eine erstaunliche Kamerafahrt durch die Kulissen des Stanley Kubrick-Films “The Shining”, aus der Perspektive des Regisseurs. | Eine Reise durch die abertausenden von Kisten und Schachteln aus der Hinterlassenschaft von Stanley Kubrick [Dokumentation, 50 Minuten]. | Bemerkungen zu der fantastischen MockumentaryKubrick, Nixon und der Mann im Mond“. | Die offizielle Stanley Kubrick Exhibition-Website. | Ein Online-Schrein zu dem Film “2001 - Odyssee im Weltraum“, unter anderem mit dem vollständigen Instruktionstext für die Zero Gravity Toilet. | 

Christian Lechelt und Hans Weishäupl: Gesichter des Bösen. Das Porträt von Hitler beispielsweise besteht aus 37 Personen. | 

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Hochmögendes

Wie wäre es mit unterirdischen Wolkenkratzern für die Toten? Sie befänden sich unter den Wolkenkratzern der Lebenden, die auf der Oberfläche stehen. Man könnte die Menschen hundert Stockwerke tief in der Erde begraben, und unter der Welt der Lebenden gäbe es eine Welt der Toten. Ich fände es auch krass, wenn der Fahrstuhl am Platz bleiben und stattdessen der Wolkenkratzer auf und ab fahren würde. Um ins 95. Stockwerk zu gelangen, müsste man einfach die Taste mit der Fünfundneunzig drücken, und dann würde das Stockwerk zu einem kommen. Das könnte unter Umständen ziemlich hilfreich sein, denn wenn man sich im fünfundneunzigsten Stockwerk befindet und unter einem ein Flugzeug einschlägt, könnte einen das Gebäude ins Erdgeschoß fahren, und dann wären alle in Sicherheit…

Jonathan Safran Foer, “Extrem laut & unglaublich nah”

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“Nach dem Feueralarm dauerte es noch zwei Stunden, ehe das World Trade Center evakuiert war“: Eine Anzeige für Asbest der kanadischen Firma Asbestos Corporation Ltd., die mit den Twin Towers wirbt. Sie ist undatiert, stammt aber wahrscheinlich aus den siebziger Jahren. Fertiggestellt wurden die Türme 1977, Asbest als Brandschutz ist in den USA seit 1973 verboten (andere Anwendungen sind bis heute erlaubt). Nachdem der zwischen 1970 und 1972 als erster errichtete Nordturm eine Höhe von 40 Stockwerken erreicht hatte, wurde im Vorgriff auf ein Verbot beim Weiterbau kein Asbest mehr verwendet. |

Ein Interview mit Philippe Petit, der 1972 über ein Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Center balancierte (Trailer). | SkyscraperPage, die Seite für hochmögende Großstadtenthusiasten. |

Bei den Dreharbeiten zu dem Film-Remake King Kong von 1976 versammelten sich in der Nacht, in der der Tod von Kong gedreht werden sollte, mehr als 30.000 Menschen am Drehort vor dem World Trade Center, um als Statisten in der Szene mitzuwirken. Obwohl die Menschenmasse manierlich war, waren die Behörden besorgt, dass der Vorplatz einbrechen könnte. |

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3.8.2008, Updates

(Updates zu Strahlende Schönheit): Eine Rechenscheibe zur Ermittlung der Auswirkungen einer Atombombe. | Die japanische Polizei hat ein Pärchen aus Hiroshima verhaftet, das radioaktiven Handyschmuck verkauft hat. Den “Handy-Anhängern, die zehn Jahre im Dunklen glühen”, wurde die Leucht-Eigenschaft durch Hinzufügung des Isotops Tritium 26 verliehen - in einer ein Vielfaches über dem behördlich festgelegten Grenzwert liegenden Menge. Die Anhänger kosteten zwischen 30 und 40 Euro. | 

Flickr-Fotopool The Atomic Age:

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(Updates zu Zornzone): IT-Wut führt zu Gewalttätigkeiten gegen Gadgets. | Stresslinderung: Ein Männchen zum Zerdrücken, in lila. In Irland gibt es einen altbekannten Vorläufer einer solchen Einrichtung, den Worry Stone; die Idee dieser Sorgensteine ist aus dem alten Griechenland nach Irland gelangt. |

(Updates zu mamihlapinatapai): Jennifer Ouellette Writes von Cocktail Party Physics hat ein weiteres ungewöhnliches Wort gefunden (auch sie schätzt die Wikipedia als Quelle für wenig bekanntes Wissen): Der Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias wird mehrheitlich von Kanuri bewohnt, die Sage erzählt hier von Menschen, die sich in Hyänen verwandeln können - bultungin (”Ich verwandle mich in eine Hyäne”). | Das Kamusi-Projekt: Internet-Wörterbuch Suaheli. | 

(Update zu Das technische Huhn): Photographien - Die UdSSR in den sechziger Jahren. |

(Update zu Der Tag, an dem es keine Neuigkeiten gab): Pläne machen, einige grundlegende Erwägungen. | Die deutsche Popgruppe Der Plan. | 

(Update zu: Entordnung): Verkehrszeichen und Beschriftungen in verschiedenen Ländern der Erde. | 

(Update zu: Möge der Griff mit dir sein): Auch in dem Blog 90 Mobiles In 90 Days wird über Datenregenschirme nachgedacht. | 

(Update zu Tropenbloggen): Hemd mit eingebautem Ventilator, für heisse Tage. | 

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Some|more|loch

Das Merkwürdigste an einem Loch ist der Rand. Er gehört noch zum Etwas, sieht aber beständig in das Nichts, eine Grenzwache der Materie. Das Nichts hat keine Grenzwache: während den Molekülen am Rande eines Lochs schwindlig wird, weil sie in das Loch sehen, wird den Molekülen des Lochs … festlig? Dafür gibt es kein Wort. Denn unsre Sprache ist von den Etwas-Leuten gemacht; die Loch-Leute sprechen ihre eigne.

Kurt Tucholsky, “Zur soziologischen Psychologie der Löcher

 


Größere Kartenansicht

? Sollte es das Monster von Loch Ness tatsächlich geben, könnte es nicht besonders groß sein. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass es in dem See gerade genug Fische gibt, um eine etwa 30 Kilo schwere Kreatur zu ernähren. | Etwas Loch Nessoides auf Video. | Loch Ness auf Flickr. | Seit dem ersten Foto von 1930 soll das Monster von Loch Ness bereits mehr als 4.000 Mal gesehen worden sein. | 

Sprung in ein 12.816 Kilometer tiefes Loch. | Acht der tiefsten Löcher der Welt. | Zehn der tiefsten Höhlen der Welt. | Löcher in Bäumen. | Münzen mit Löchern. | “Swimming Holes“. | Schwarze Löcher. | Weisse Löcher. | Löcher im Käse. | 

? Am Wochenende vom 9. auf den 10. August wird im Kernforschungszentrum CERN bei Genf der Large Hadron Collider (LHC) in Betrieb genommen, der größte Teilchenbeschleuniger der Welt. In einer kreisförmigen Röhre von 27 Kilometern Durchmesser prallen Partikel mit affenartiger Geschwindigkeit aufeinander. Kritiker warnen, dass sich dabei unbeabsichtigt miniaturisierte Schwarze Löcher bilden könnten und das Schicksal der Menschheit leichtfertig auf’s Spiel gesetzt werde.

Im Jahr 2002 wiesen der Leiter des Garchinger Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik, Reinhard Genzel und sein Team nach, dass sich im Zentrum unserer Milchstraße ein schwarzes Loch befindet. Genzel erhält dafür im September in Hongkong den mit einer Million US-Dollar dotierten Internationalen Shaw-Preis für Astrophysik.

John Wiley Price, ein (schwarzer) Mitarbeiter der Verwaltung im texanischen Dallas, vertrat Anfang Juni die Ansicht, der Begriff “schwarzes Loch” sei rassistisch. Sein (weisser) Kollege Kenneth Mayfield hatte bei einem Meeting davon gesprochen, dass sich die Finanzverwaltung des County in ein gewisses astronomisches Phänomen verwandelt habe. Price befand eine solche Art von Sprache als inakzeptabel. [Interview mit John Wiley Price]. | 

 

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40% der Deutschen sind Ballack

…man kann aber wirklich keine Zeitung mehr aufmachen, ohne daß man einen Chinesen sieht, dem sie den Kopf, das ist ja an den Haaren herbeigezogen, Stefan Zweig schreibt, dieses Buch ist voll verhaltener menschlicher Genialität und seit dem Reichskursbuch vielleicht das innerlichste, daß von den Nacktphotographien von Lieschen Neumann gar keine veröffentlicht werden! Dividende bei Mittelstahl, der Papst über die Ehe, Al Capone über die Prohibition, Hitler stellt eine Garde rassegereinigter S.A.-Leute auf, Kortner spielt die Hauptrolle, abgebauter Kardinal sucht Kinderwagen zu verkaufen, Reichstag, werde hart, ach Gottchen, Unterhaltungsbeiblatt, wie ich zu meinen Kindern kam, technische Beilage, die Dampfkesselwarmwasserrohrentzündung, die Herzogin von Woster in einem pikanten rotbraunen, Familiennachrichten, das ist doch die, wo der Mann die geschiedene, Kurszettel und andre Konkurse, verantwortlich für den Gesamtinhalt:

Wir leben in einer merkwürdigen Zeitung -!

Kurt Tucholsky, “Weltbild, nach intensiver Zeitungslektüre” (1931)

 

? 36 Prozent der Deutschen würden Ausländern jede politische Betätigung untersagen, 23 Prozent meinen, Ausländer sollten bloß untereinander heiraten (1996). | Neun Prozent der Deutschen sind rechtsextrem (Dezember 2006). | 52 Prozent der Deutschen sehen mehr als 60 Jahre nach dem Holocaust keine besondere Verantwortung gegenüber dem Staat Israel (März 2008). | 39,1 Prozent der Deutschen glauben, die Bundesrepublik sei »durch die vielen Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet« (Mai 2008). | 8,6 Prozent der Deutschen haben ein geschlossen rechtsextremes Weltbild, 15,4 Prozent wünschen sich einen “Führer” (Juni 2008). | 

? 92 Prozent der Deutschen glauben an den Einfluss des Monds (Dezember 2003). | Rund 60 Prozent der Deutschen können kein Englisch (April 2008). | 42 Prozent der Deutschen verbinden Russland mit Planwirtschaft, Angst vor den Russen haben 12 Prozent (Dezember 2007). | 33% der Deutschen haben Angst vor rechter Gewalt, 2% haben Angst vor linker Gewalt. 71% der Deutschen fühlen sich sicher. (2008). | Rund 20 Prozent der Deutschen wollen die Mauer wiederhaben (Oktober 2007). | 65 Prozent der Deutschen sind für ein Killerspieleverbot (Oktober 2007). | 43 Prozent der Deutschen liebäugeln mit der Schweiz (März 2008). | 13 Prozent der Deutschen sind arm (Mai 2008). | 

 

Das Sommerloch ist eine Bezeichnung der Medien, besonders der Tagespresse und der Nachrichtenagenturen, für eine nachrichtenarme Zeit, die vor allem durch die Sommerpause der politischen Institutionen bedingt ist. In der Regel wird der Begriff für die sitzungsfreien Wochen während der Sommermonate Juni, Juli und August für verschiedene Parlamente verwendet. 

 

? 30% der Deutschen interessieren sich nicht für Packungsbeilagen (? Juni 2006). | Rund 15 Prozent der Deutschen leben gegen ihre innere Uhr (Juni 2008). | Ballack macht 40 Prozent der Deutschen aus (Juni 2008). | 80 Prozent der versandten E-Mails sind Spam (Juni 2008). | 11,7 Prozent der Deutschen haben schon harte Drogen ausprobiert (Juni 2008). | 70 Prozent der deutschen Bevölkerung lehnen den Afghanistan-Kriegseinsatz ab (Juni 2008). | 98 Prozent der deutschen Kliniken bieten schmerzfreie Geburt an (Juni 2008). | 38 Prozent der Deutschen zweifeln an der Sozialen Marktwirtschaft (Juni 2008). | 47 Prozent der Deutschen haben eine Spielkonsole im Haushalt (Juli 2008). | 44 Prozent der Männer und 57 Prozent der Frauen bevorzugen lässige Kleidung am Arbeitsplatz (Juli 2008). | Neun Prozent der Deutschen verzichten auf das Frühstück (Juli 2008). | 81 Prozent der Deutschen glauben, dass ABBA-Hits auch in 30 Jahren noch gehört werden (Juli 2008). | 700.000 Haushalte in Deutschland haben keinen Breitband-Zugang ins Internet (Juli 2008). | 65 Prozent der Deutschen finden, dass Klatsch und Tratsch einfach dazugehören (Juli 2008). | Für 28 Prozent der Deutschen ist eine Urlaubsreise zu teuer (August 2008). | 

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Katzencompiler


Siehst du das Kätzchen, das sich so sorgfältig um seinen Schweif kümmert? Wenn du mit seinen Augen sehen könntest, würdest du vielleicht erkennen, dass es von Hunderten von Schemen umgeben ist, die komplexe Dramen vollführen, tragische und komische, lange Gespräche, Aufschwünge und Niedergänge des Schicksals.

Ralph Waldo Emerson (1803-1882)


• Meine Katze haßt dich. | Katzen im Krieg. | Katzen, die wie Hitler aussehen. | Katzen in Waschbecken und Spülbecken. | Katzen in Kartons. | Katzen in Tüten. | Sachen auf meiner Katze. | Warum Katzen malen. | Katzen fotografieren auch [Danke, Joachim]. | Katzen in der Kunst. | Cats and Windows. | Virtuelle Katzen. | Katzen, die schon mal im amerikanischen Fernsehen waren. | Google Maps spioniert meiner Katze hinterher. | Katzen am Nachthimmel. | Action Cats. | Luftsprünge von Katzen. | Katzen, die an Treppen riechen. |

Katzen in New York. | Katzen aus der Arbeiterklasse in New York. | Katzen in Kairo. | Katzen in Israel. | Straßenkatzen in Bahrain. | Die Katzen von Tokio. |

Die erste Maus von Douglas Engelbart.

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Im Zahlenrausch: Die Blogosphäre

? Es gibt etwa 500.000 Blogs weltweit (Juni 2003). | Zwischen 6,5 und 10 Millionen Blogs (”Der größte Teil davon tot.”) (November 2004). | Weltweit gibt es mehr als 50 Millionen Blogs (April 2005). | Im August 2007 waren es 94 Millionen Blogs, im November 2007 bereits 109,2 Millionen. | 

Schätzungen über die Zahl der deutschen Blogs schwanken zwischen 60.000 und 300.000 (Dezember 2006). | Fünf Prozent der Deutschen schreiben Weblogs (Juli 2006). | 2,64 Prozent der Deutschen sind Blogger (September 2007). | Etwa 880.000 deutschsprachige 14- bis 64-jährige Internetnutzer schreiben gelegentlich in ihrem eigenen Weblog, 340.000 tun dies regelmäßig (Oktober 2007). | 18 Prozent der Deutschen lesen Blogs (2007). | 

? Von 170 befragten deutschen Journalisten nutzen über 90 Prozent Wikis, RSS-Feeds und Blogs. Rund zwei Drittel sieht sich regelmäßig in der Blogosphäre um. 86 Prozent sehen Blogs nicht als Konkurrenz zur eigenen Berichterstattung. (Februar 2007). | Nach einer Studie von BILDblog haben 12,5 Prozent der Befragten den Feed abonniert, 85,4 Prozent rufen das Blog manuell oder via Bookmark direkt auf (Herbst 2007). | 

In Frankreich haben bereits 90 Prozent der Internet-Nutzer etwas von Blogs gehört, in Italien 58 Prozent, in Deutschland 55 Prozent, in Spanien 51 Prozent, in Großbritannien 50 Prozent. 27 Prozent der Franzosen haben schon Blogs gelesen, 16 Prozent der Spanier, 15 Prozent der Deutschen und Italiener und 14 Prozent der Briten. Selbst bloggen nur drei Prozent der Europäer, in Deutschland sind es zwei Prozent (November 2006). | 

? Etwa 56 Prozent der aktiven englischsprachigen Blogs sind Spam (September 2006). | Schätzungsweise 30 Prozent aller Blogs stehen unter Spam-Verdacht (März 2008). | Matt Mullenweg schätzt, dass es etwa 25-30 Millionen Nicht-Spamblogs gibt, von denen etwa 8-14 Millionen tatsächlich aktiv sind und regelmäßig neue Beiträge aufweisen. Der interessante Kern der Blogosphäre umfaßt laut Mullenweg etwa 4 bis 5 Millionen Blogs (März 2008). |

Eine Studie erwartet in den USA für das Jahr 2012 mehr als 145 Millionen Blogger (Mai 2008). |

Derek Price errechnete, daß bei der gegenwärtigen Wachstumsrate der wissenschaftlichen Produktivität in ein paar Jahrhunderten auf jeden Mann, jede Frau, jedes Kind und jeden Hund auf unserer Erde Dutzende Wissenschaftler kommen würden.”

(Lewis Mumford, 1967)

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