Kein Netz. Berkeley, 5. August 2008, 8:40 Uhr - Professor As’ad AbuKhalil ist genervt. Gewöhnlich schreibt er drüben in seinem Blog The Angry Arab News Service über das, was ihn an der Welt und den Verhältnissen im Nahen Osten ärgert. Nun gibt es in dem altertümlichen Hotel, in dem man ihn untergebracht hat, kein Internet - “und am Waschbecken zwei Hähne, einer heiß und einer kalt, sodaß man sich die Hände am heißen Wasser verbrühen und sie dann mit dem kalten Wasser kühlen kann.”
Wasser. Ich denke an die berührungslosen Armaturen in manchen Hotels und die schamanischen Fuchteltänze, die man davor manchmal aufführt, um herauszufinden, wann der Bewegungssensor das Wasser freigibt. Handbewegungen, wie wenn man versucht, sich mit einem nicht allzu großen Tier bekanntzumachen. Manche berührungslose Armatur wird als reaktionsschnell beworben. Freut mich, dass ich den Sensortanz noch in keinem Film gesehen habe. Dort würde diese heitere, kleine Erscheinung doch nur verbraucht.
Netze. Jemand hat Professor AbuKhalil ein Foto aus dem Basar von Hebron gemailt. Die Stadt, in der sich das Grab Abrahams befindet, gilt dem Islam und dem Judentum als heilig. | Jüdische Siedler im Stadtkern von Hebron werfen von oben Abfall und Schutt in die Gassen. Zum Schutz dagegen spannen die Palästinenser Netze. | Nach einem Bericht israelischer Menschenrechtsorganisationen mussten Palästinenser in Hebron 1014 Wohnungen räumen und über 1800 Geschäfte und Betriebe im Stadtzentrum aufgeben. | Die ehemalige Straße der Goldschmiede im Basar von Hebron. |
Kein Wasser. “Niemand scheint sich dafür zu interessieren, weshalb kein Wasser da ist. Ich spreche nicht über technische Ursachen, den fehlenden Regen und die Weigerung des Finanzministers, den Bau weiterer Meerwasser-Entsalzungsanlagen zu finanzieren. Wo liegt die Wurzel des Problems? Gläubige Juden wiederholen mindestens zweimal täglich das Kriyat Shema. Wir beten nicht nur Shema Yisrael, HaShem Elokenu, HaShem Echad (”Höre Israel, der Herr unser Gott, der Herr ist einzig!”). Wir rezitieren zwei weitere Abschnitte aus der Tora. In einem davon ist ausdrücklich die Rede von Regen. Wenn wir Gottes Willen in die Tat umsetzen, wird er uns mit Regen belohnen. Wenn wir uns nicht nach seinen Anweisungen verhalten, werden wir es mit Dürre büßen.” | David Wilder, Siedlersprecher (Juli 2008)
Vor Gott. “In dieser Zeit, die von Hass gezeichnet, mit Blut befleckt und von Spaltung gequält wird, finden Juden und Christen im Wort Gottes eine gemeinsame Quelle der Inspiration. Im Buch Deuteronomium steht: „Höre Israel! Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ | Einleitungstext zum italienischen Tag der Vertiefung und des Studiums des Dialogs zwischen Katholiken und Juden (17. Januar 2005)
Vor die Hunde. In Hebron habe Zackie das erste Mal seit langer Zeit geweint. “Ich hätte niemals gedacht, dass der Davidstern missbraucht wird, um Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben.” Man solle das nicht falsch verstehen. Er, ein muslimischer Atheist und Gegner des politischen Islams, habe viel Sympathie für Israel. “In der Anti-Apartheid-Bewegung war ich immer gegen Terror.” Palästinensische Selbstmordattentate finde er “abscheulich”. … Am allerschlimmsten findet er, wie die Menschlichkeit vor die Hunde gehe. “Bei den Palästinensern, weil sie unterdrückt werden. Bei den Israelis, wenn sie die Augen davor verschliessen.” | Zackie Achmat, südafrikanischer Bürgerrechtler (Juli 2008)
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