? Drüben bei intern.de verweisen sie auf einen interessanten Artikel aus der Financial Tunes äh Times, in dem darauf hingewiesen wird, dass es Musiker und Labels gibt, die ihre Alben nicht mehr über iTunes vertreiben. Der Grund: Man muß nicht mehr wie früher das ganze Album kaufen, sondern kann jeden Track einzeln erwerben. Dass sich mit der digitalen Verbreitung von Musik die Idee des Albums auflöst, war klar. Jetzt wird’s ernst.
Der Rückzug der Album-Apologeten aus iTunes ist nicht viel mehr als ein bißchen Trotz. Das Album war an die materielle Form der LP und der CD gebunden. Man bekam eine Handvoll Musikstücke, die das aktuelle Schaffen eines Künstlers umfassten. Die Financial Times, die nicht für ihre Pop-Berichterstattung bekannt ist, betrachtet die Sache ein bißchen bösartig und zitiert einen jungen New Yorker Medienwissenschaftler mit dem schönen Namen Aram Sinnreich: “Das ist der letzte Seufzer des Album-Formats.” Sinnreich zufolge seien auf einem Album ohnehin nur ein oder zwei gute Stücke, der Rest sei “Füllmaterial“. Er sieht das Album als abgelebten Versuch von Musikern, ihre Zuhörer in ein bestimmtes Produkt einzuknasten.
? Man kann das aber auch anders sehen. Trotz des scheinbaren Überangebots im Netz wird es schwieriger, neue Musik zu entdecken. Die Welt der komponieren Klänge ist atomisiert in Wolken von Tracks. Die Empfehlungssysteme von Online-Radios und Musiknetzwerken bestärken meist nur das, was man ohnehin schon kennt. Sound-Serendipity scheint bei weitem nicht so abenteuerlustig zu sein wie Informations-Serendipity. Früher kam dem entgegen, dass auf einem Album immer auch Stücke waren, mit denen man erstmal wenig anfangen konnte. Die blühten dann manchmal erst nach dem zwanzigsten Hören auf. Diese musikalischen Spätblüher sind das Gegenteil von Füllmaterial. Bei iTunes haben sie keine Chance mehr.
? Dafür bietet das Netz gerade für Musiker völlig neue Möglichkeiten. Ein Beispiel von unendlich vielen ist der fantastische österreichische Musikvideo-Blog They Shoot Music, Don’t They?, in dem wöchentich neue Musiker an verblüffenden Orten vorgestellt werden. |
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? Mix: Mehr Musik aus dem Netz. | Im April 2007 erschien die Geschichte eines bemerkenswerten Experiments. Gene Weingarten, der als Reporter für die Washington Post schreibt, bat den weltberühmten Violinisten Joshua Bell, eine Baseballmütze aufzusetzen und in einer der frequentiertesten U-Bahnstationen Washingtons Geige zu spielen. Versteckte Kameras zeichneten die Reaktionen der Passanten auf. Ein einziger aus dem Heer der eiligen Pendler erkannte Bell; nur ein paar blieben stehen, um zuzuhören. In 45 Minuten nahm Bell für seine Bemühungen 32 Dollar und 17 Cent ein. Er spielte auf einer Stradivari aus dem Jahr 1713, die etwa 4 Millionen Dollar wert ist und den Namen Gibson ex Huberman trägt. 1936 war das Instrument dem Geiger Bronislaw Huberman nach einem Konzert in der Carnegie Hall gestohlen worden und blieb bis 1985 verschollen. Kurz vor seinem Tod gab der Dieb das Instrument zurück. Gene Weingarten erhielt für seine Geschichte den Pulitzer-Preis 2008. |
Umsonst war für viele Radiohead-Fans nicht billig genug. Anstatt auf die Website der Band zu gehen, von der das neue Album kostenlos gesaugt werden konnte, besorgten viele es sich auf inoffiziellem Weg - über Tauschbörsen. | Einer neuen Studie zufolge sollte die Musikindustrie Piraterie nicht weiter bekämpfen, sondern sich ihrer annehmen. | Fleshmap: Wenn über den Körper gesungen wird, worüber genau? | Der Multimensch des 21. Jahrhunderts: Ein Mann, zwei Klaviere. |
Pictures at an exhibition: Handgemachte Mini-Synthesizer, ein entzückendes Fotoset von Dan McPharlin auf Flickr -



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