Tagesarchiv für 17. Dezember 2008

Globale Klänge (3): Die wirklich unglaubliche Ukulele

? Der auf Hawaii geborene Jake Shimabukuro spielt in nie gehörter Weise George Harrisons “While My Guitar Gently Weeps” auf der Ukulele:

 

? Der nach wie vor unübertroffene hawaiianischen Kriegsgesang von Spike Jones [hier eine Bühnenaufführung von 1951]: As the sun pulls away from the shore and our boat sinks slowly in the west, we approach the island of Lulu (spelled backwards Ulul). Aaah - in the distance we hear Spike Jones and his Wakie Wakie Keeans…

“Musical Family”: Sandi Griffiths und Salli Flynn mit einer bunten und fröhlichen Fassung des hawaiianischen Kriegsgesangs (1968). | Telex - Spike Jones, Extended Version (1986). |

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Globale Klänge (2b): Die digitalen Mikro-Mega-Hits

Mondal Sound, Calcutta (Foto: mdiocuh galeals, unter Creative Commons) ?

• Auf den ersten Blick widerspricht die musikalische Entwicklung der letzten Jahrzehnte der Annahme, kultureller Fortschritt sei immer auch mit einer Zunahme an Komplexität verbunden. Mit dem Rock’n’Roll begann der Siegeszug des Dreiminuten-Songs. Auch er ist bereits atomisiert zu Sample-Schnipsel und Klingelton.

Die populärsten Exemplare dieser modernen Mikrosounds kennt jeder digital Interessierte. 1994 wurde der in Los Angeles lebende Wiener Walter Werzowa gefragt, ob er einen Viersekunden-Jingle für den Chiphersteller Intel komponieren könne. Werzowa, dem 1988 mit dem Volksmusik-Crossover Bring Me Edelweiss ein internationaler Hit gelungen war, hatte noch nie etwas von einer Firma Intel gehört. Er verzweifelte fast an der Aufgabe. Der Durchbruch kam, als er auf die Worte “Intel Inside” starrte und anfing, sie zu singen. Für die Aufnahme der Endfassung in seinem Heimstudio brauchte er zehn Tage. Werzowa sammelt Synthesizer, und der Intel-Sound ist aus mehr als 40 Spuren gemischt.

? Ein anverwandtes Juwel ist der Startklang des Mac. Der Apple-Ingenieur Jim Reekes produzierte ihn zu Hause mit einer Korg Wavestation (”Ich wollte einen richtig fetten Klang”). Zum ersten Mal zu hören war er 1991 in Apples Quadra 700. Der Ton ist auch beim Neustart nach einem Absturz zu hören, und Reekes war sich der Problematik bewußt: “Ich wollte vermeiden, dass man den Sound mit dem Crash assoziiert.” Als die Power Macs auf den Markt kamen, wurde von dem Jazz-Gitarristen Stanley Jordan ein neuer Startgong eingespielt. Reekes fand, der Sound habe keine Power. Als Firmengründer Steve Jobs 1997 zu Apple zurückkam, wollte er einen einheitlichen Sound für alle Macs. Den “guten”. So kam Reekes alter Startgong wieder zu Ehren. Jim Reekes erzählt, das Allergrößte sei für ihn die Szene in “Jurassic Park” gewesen, in der die Computer des Parks alle neu gestartet werden - mit seinem Startklang.

? Auch das Startgeräusch von Windows 95 wurde einem kunstvoll ausbalancierten Haufen Synthesizer entlockt. Brian Eno hat es komponiert. Eno ist ein richtiger Künstler, er hat beispielsweise einmal in das berühmte Pissoir von Marcel Duchamp uriniert. “Die Leute von der Werbeagentur sagten: Wir wollen einen inspirierenden, universellen, optimistischen, futuristischen, emotionalen blabla-en Sound, eine Liste von Adjektiven. Und dann sagten sie: Und er soll dreieinviertel Sekunden lang sein.” - Für das Windows-Startgeräusch bekam Eno 35.000 Dollar. Von Zeit zu Zeit kehrt sich die Verkürzung der Popmusik auch wieder um. Die bekennenden Microsoft-Hasser der US-Band Trans Am haben auf ihrer LP “Red Line” ein Stück namens “Let’s Take The Fresh Step Together” veröffentlicht - eine auf 51 Sekunden gedehnte Version des Microsoft-Startsounds.

Der britische Gitarrist und Komponist Robert Fripp, der in den sechziger Jahren mit seiner Band “King Crimson” bekannt wurde, führte die Tradition des Kollegen Eno fort. Nach 18 Monaten Produktion brachte er 4 Sekunden Sound ans Ziel: die Töne, die Windows Vista beim Start von sich gibt. Der Auftrag, den richtigen Ton zu treffen, kam von dem Ingenieur und Musiker Steve Ball, bei Microsoft für die Windows Audio Visual Excellence (WAVE) zuständig. Ball hat mal bei Fripp studiert und war sein Geschäftspartner. Für ihn wäre ein Zeichen für den Erfolg der Komposition, “wenn die Leute sie kaum wahrnehmen würden. Oder überhaupt nicht.”

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Globale Klänge (2a): Bytehoven

Welcome to Windows: “Am meisten Spaß beim Komponieren hatte ich 1997, als ich für Disney Interactive ein paar alberne Kinderlieder für das PC-Game ‘Nightmare Ned’ geschrieben habe”, sagt Jim Owen aus Seattle. Hier Jims gefeierte konzertante Version der Windows-Systemklänge:

 

? Am 2. Juli 2008 wurde das Stück vom Microsoft Orchestra aufgeführt (leider gibt es keine Aufzeichnung der Aufführung). Das Microsoft Orchestra ist ein klassisches Sinfonieorchester, in dem “Microsoft-Mitarbeiter, ihre Ehegatten, Zulieferer, Freunde und Familienmitglieder mitspielen können. Mit anderen Worten: Jeder kann mitspielen, egal ob er eine Verbindung zu Microsoft hat oder nicht.” | Ein Bericht in Portfolio.com über das Microsoft Orchestra: Meet the software giant’s in-house orchestra. | 

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Globale Klänge (1): Allerlei Smoke On The Waters

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• 1972 haben Deep Purple in Osaka und Tokio das Doppelalbum Made in Japan aufgenommen, darunter auch eine Version von Smoke On The Water. Das Werk scheint einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben: Wir sehen hier ein klassisches japanisches Orchester mit einer bemerkenswerten Interpretation von Smoke On The Water:

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• Das Original: Deep Purple, “Smoke On The Water” (Live, 1973). |


• Am 3. Juni 2007 spielten 1.683 Gitarristen in Kansas City “Smoke on the water” und stellten einen Weltrekord auf:






Hier eine Samba-Version von → Señor Coconut and his Orchestra (feat. Argenis Brito). | Die → BigBand der Jenaplan-Schule Jena gibt “Smoke on the water”. | “Smoke On The Water”, → auf Bierflaschen geblasen. | → Auf Wassergläsern xylophoniert. | Eine heimverorgelte Version von Keisuke Kuwata → mit begeisterten Zwischenrufen. | “Smoke On The Water” → auf der großen Orgel gespielt. | → A capella von der griechischen Rockröhre Efi Thodi angetaktet. | Eine türkische “Smoke On The Water”-Version von der → Dolapdere Big Gang. | “Smoke On The Water”, geschrieben 1944 von Zeke Clements, in einer Aufnahme von → Red Folley.


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