Monatsarchiv für Januar 2009

Eine elegante Bettgeschichte

Weshalb es “zu Bett gehen” heißt - Oren Lavie, “Her Morning Elegance”:

Hier die Lyrics. Aus dem Album “The Opposite Side of the Sea”.

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2009 - Odyssee im Weball

Stanley Kubrick 1968 bei der Premiere von “2001: A Space Odyssey” in New York:

 

? ”2001 - A Space Odyssey” in 2 Minuten und einer Sekunde:

 

HAL 9000 (Apple-Werbespot von 2006):

 

? Mehr zu Stanley Kubrick aus dem Archiv der Glaserei:

Ein Online-Schrein zu dem Film “2001 - Odyssee im Weltraum“, unter anderem mit dem vollständigen Instruktionstext für die Zero Gravity Toilet. | Eine erstaunliche Kamerafahrt durch die Kulissen des Kubrick-Films “The Shining”, aus der Perspektive des Regisseurs. | Eine Reise durch die abertausenden von Kisten und Schachteln aus der Hinterlassenschaft von Stanley Kubrick [Dokumentation, 50 Minuten]. | Bemerkungen zu der fantastischen MockumentaryKubrick, Nixon und der Mann im Mond“. | Die offizielle Stanley Kubrick Exhibition-Website. | 

Mr. HAL9000 - und zwar niedlich, wie es sich für Japaner gehört.

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Splitscreen-Multitasking-Wahnsinns-Donauwalzer

? Im assoziativen Anschluß an Kubricks “2001″ eine Splitscreen-Multitasking-Wahnsinnsversion des Donauwalzers, dirigiert von Gonzo aus der Sesamstraße: “Classical Chicken

 

? Hierzu: Hühner in der Hölle. | Tanze das technische Huhn! | Der technische Teddy - ein komplett bescheuerter Werbespot für einen Sicherheitsgurt-Scheuerschoner. | 2001: A Space Odyssey, the Chicken Cordon Bleu Danube cut. |

 

Ode an die Freude, die Mi-Mi-Mi-Version:

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The Shining für die ganze Familie

Stanley Kubricks “The Shining“, neu geschnitten als herzerwärmender Familienfilm (unbedingt den Ton aufdrehen):

 

? The Shining in 30 Sekunden, nachgespielt von Trickfilmhasen:

 

? Hierzu: Mädchen mit Leuchthase. | Eine Frau mit einem Hasen. | Als Hasen verkleidete Menschen (aber keine Playboy-Bunnies). | Hitler als Bunny, schlecht photogeshoppt. | 

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Das (waschmaschinengroße) Modem

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• Es gab einmal eine Zeit, liebe Kinder, zu der man behülfs eines sogenannten Modems mit dem Netz Verbindung aufnahm. Das Wort kommt aus dem Amerikanischen und ist eine Zusammenziehung von “More of them” (”Mo’dem”) - ein ironischer Hinweis darauf, dass mehr und mehr Menschen einen zuviel kriegten, wenn wieder mal die Verbindung abbrach, weil die Amtsleitung nicht mehr mochte.

Das Modem verhalf Computerinteressierten in den frühen Jahren dazu, die umständlichste damals bekannte Methode auszuprobieren, miteinander zu telefonieren. Dabei teilten sich nicht mehr nur Menschen, sondern auch noch Maschinen durch das Telefon mit. Die Maschine äußerte sich in Form eines unverkennbaren Sortiments an Krächz-, Röchel- und Pfeifgeräuschen, der sogenannten Bauds.

• Hier ein Beispiel, vorgetragen von einem jungen Mann, dem Dialup Kid
(via SonnyRadio):

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Der große Joseph Weizenbaum hat mir mal erzählt, das erste Modem, das er in den fünfziger Jahren bekommen habe, sei so groß wie eine Waschmaschine gewesen. Man muß sich mal vorstellen, liebe Kinder, wie groß die Bits damals gewesen sind.

Während die Geräte kleiner wurden, blieb die mit den Modems einhergehende Begeisterung groß. Wer in den frühen achtziger Jahren digital etwas auf sich hielt, ließ morgens (womit keine spezielle Uhrzeit gemeint ist) beim Zähneputzen die Badezimmertür offen, um zu hören, wann sich das Modem endlich in die Lieblings-Mailbox (die Versteinerung eines solchen Gerätes befindet sich im Lehrmittelkabinett) eingewählt hat. Login! Jaaaah.

• A Look At Bulletin Board Systems (die Musik und die Frisuren freundlicherweise zu entschuldigen):

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Dumm gelaufen (DG) - vierte Lieferung

 

Unlucky (Foto: Erich Ferdinand, unter Creative Commons) ? 

 

 

“Heute bin ich um 5:15 Uhr aufgewacht, hab eine Stunde lang Schnee geschippt und den Gehweg gestreut, bin früh losgefahren, war eine Stunde auf überfüllten Straßen unterwegs und bin pünktlich zur Arbeit gekommen und entlassen worden. DG.”

- von Noname

 

“Heute ist mir klargeworden, dass ich Britney Spears mag. DG.”

- von embaressed

 

“Heute hab ich meine Kreditkarte vor mir selbst versteckt, damit ich sie nicht benutze. Jetzt kann ich sie nicht mehr finden. DG.”

- von dannij08 

 

“Heute habe ich eine ziemliche Menge Wodka getrunken und mir dann selbst die Haare geschnitten. DG.”

- von 315

 

“Heute war ich in einer Bar irgendwo in Kanada und ziemlich mit dieser Frau zugange. Sie fragte, wie groß mein, also, Anhang sei und ich sagte es ihr - in Zoll. Sie messen da aber in Zentimetern. DG.”

- von KD

 

“Heute mußte ein Freund von mir früher los von der Arbeit und zu einem Begräbnis. Ich wollte ihm irgendwas sagen. Das einzige, was mir einfiel, war Viel Spaß. DG.”

- von jalopenos

 

“Heute war ich in einem Fitneßclub, um wieder ein bißchen in Form zu kommen. Als ich mir im Umkleideraum die Jacke auszog, zerrte ich mir einen Muskel. DG.”

- von  j4y

 

“Heute hatte meine Großmutter, die Alzheimer hat und sich normalerweise nicht mehr an meinen Namen erinnern kann, einen lichten Moment und fragte mich, warum ich immer noch unverheiratet bin. DG.”

- von calikol

 

“Heute bin ich über meine Schuhbänder gestolpert, nachdem ich meinem Freund erklärt hatte, dass mir meine offenen Schuhe Glück brächten. Er nutzte die Gelegenheit, mir zu erklären, dass er mit mir Schluß machen wolle. DG.”

- von CaptainSosuk

 

“Today, after seeing a girl for a few weeks on and off I sent her a text to see if she wanted to go out the next saturday. Predictive text changed “go” to “in”. So…”Why dont we in out on saturday?” She stopped calling me. FAIL”

- von Noname

 

? Dumm geflogen: Schrauben Sie auch hub?

 

Mehr dumm Gelaufenes im Archiv der Glaserei:

Dumm gelaufen (DG) - dritte Lieferung
Dumm gelaufen (DG) - zweite Lieferung
Dumm gelaufen / dumme Nuss
Glück gehabt
Dumm gelaufen: Die Einladung
Aufruf: Dumm gelaufen

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Online-Zeitungen, 1981

Ein sehenswerter Bericht des Lokalsenders KRON-TV (San Francisco/Bay Area) aus dem Jahr 1981 über die in Greifweite gerückte Zukunftsvision der Tageszeitung im Internet: “Stellen Sie sich vor, Sie setzen sich mit ihrem Frühstückskaffee hin und schalten Ihren Homecomputer ein, um die Zeitung zu lesen. Das ist heute nicht mehr so weit hergeholt wie es sich vielleicht anhört”:

(via netzkabuff)

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Hypergoogeln: Was ist LSD?

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• Dieser Scan geistert quellenlos durchs Netz. Ich hab versucht rauszufinden, was es damit auf sich hat.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen viralen Aufmerksamkeitsstarter handelt, ist gering. Für virale Promotion wird ja die Clipform bevorzugt; außerdem fühlt die LSD-Pointe sich zu platt kurios an für ein konventionelles Viral.

Wenn der Scan also echt ist: Was ist LSD?

Die Rostspuren um die Klammern, das Layout der Seite, die Pastellfarben sowie Kleid, Frisur und Haltung der abgebildeten Frau weisen auf die fünfziger, höchstens sechziger Jahre. Ich bin kein Mode-Forensiker, aber der ausgestellte Rock ist wohl ein Petticoat: “Weite Verbreitung im Massenpublikum erlangte der Petticoat schließlich als Alltagskleidung und insbesondere durch das Aufkommen des Rock’n'Roll-Tanzes zunächst in den USA ab 1954, für dessen Bewegungsabläufe diese Mode gut geeignet erschien”.

Die Perlenkette, die graziöse Haltung sowie der Claim “Bring LSD into your home” stellen eine elegante, modebewußte Hausfrau vor, die geknickte Hüfte und der Rockbausch deuten Rock’n'Roll-Raserei nur sehr von ferne an. Die Frau ist das einzige dynamische und organische Element in dem sonst streng geometrischen Layout; nur das Rot des Streifens, der ihr hinterlegt ist, springt in der Zeile mit dem Slogan nochmal auf das your über. Die Schrift ist serifenlos, alles vollkommen unpsychedelisch.

Was also ist LSD? Etwas, das zum Haushaltsbegriff werden soll. Auf dem detailarmen Scan ist nicht genau zu erkennen, ob die Frau ihre Perlenkette vorzeigt oder den bedruckten Kleiderstoff präsentiert, oder ob sie einfach die rechte Hand geziert in Schulterhöhe hält. Gegen die Perlenkette spricht, dass sie, wie auch Frisur und Schuhe, tatsächlich nur eine dekorative Rolle zu spielen scheint (auch wenn durch den für die damalige Zeit gerade noch dezenten Ausschnitt des Kleids die Blicke durchaus auf die Kette gelenkt werden).

Also das Kleid. - Oder ist mit LSD vielleicht eine Haltung, eine Attitüde, ein Persönlichkeitsmerkmal gemeint? Etwas, das die Frau nur symbolisiert? -

• Beim Weitersuchen bin ich einigermaßen ins Staunen geraten, für wie viele Dinge LSD steht, darunter -

- den Lake Shore Drive, die Uferstraße am Michigansee in Chicago | die Louisiana School for the Deaf, eine Schule für Taube und Hörbehinderte in Baton Rouge | den Profi-Wrestler Matt Hyson, auch genannt “Little Spike Dudley” | die League of Social Democrats, eine demokratisch orientierte politische Gruppierung in Hongkong | den Lethbridge School District No. 51 im kanadischen Lethbridge | den Lansing School District im US-Bundesstaat Michigan | die Laboratory Services Division des Louisiana Department of Environmental Quality, die einen LSD Newsletter herausgibt |

- die Laser Servo Disk und das Laser Servo Drive | die Light-Sensitive Diode oder Fotodiode | das Line Sharing Device | die Log-Spectral Distance aus der Signalverarbeitung | den Loop Stream Detector in der Mikroarchitektur | den Low Sulfur Diesel-Treibstoff | die Licensed Software Distribution | die LSD-Notation zur Domain-Analyse | das Limit State Design, eine Designmethode aus dem Ingenieurwesen | den Linear Slot Diffuser, ein Bauteil aus der Klimatechnik | das Limited Slip Differential, ein spezielles Automobil-Differential |

- eine als Low Sexual Desire bezeichnete Sexualmattigkeit (das Gegenteil sexueller Hyperaktivität) | die aus der statistischen Analyse bekannten signifikanten Stellen (Least Significant Digit) | einen geologischen Prozeß, den Longshore Drift | das britische Musiklabel Liquid Sound Design, das elektronische Musik publiziert | die Industrial Punk-Band Left Spine Down | das Album Love’s Secret Domain von Coil (1991) | ja, ok: Lucy in the Sky with Diamonds von den Beatles |

- die Bezeichnung £sd oder “L.s.d.” (”Librae, solidi, denarii“) für die prä-dezimalen Währungseinheiten in Großbritannien | das Dock Landing Ship, ein amphibisches Landungsboot, dessen US Navy-Klassifikation LSD lautet | und die Long Slow Distance genannte Trainingsmethode von Langstreckenläufern, um nur einige zu nennen. |

• Keines davon paßt zu “Bring LSD into your home”. Aber ich habe lange genug mit Freunden im IRC das Init Game gespielt und bin darin geübt, Anfangsbuchstaben wieder zu ganzen Begriffen zu ergänzen. Beim Init Game, das eigentlich Initial Game heißen müßte, geht es darum, aus den Initialen einer Person und ein paar einfachen Fragen (lebende Person? Frau? Mann? Moos- und Flechtenkundler? Filmstar?) einen bestimmten Namen zu erraten.

Also: Wir haben das Kleid einer Frau, eine Zeit etwa Mitte der fünfziger Jahre und, sagen wir: ein Produkt, das sich gern in den Haushalten bekanntmachen möchte.

Das erste, was mir dazu mit L einfällt, ist Lycra, die Kunstfaser. Fragt man die englische Wikipedia nach Lycra, wird man gleich auf Spandex umgeleitet. Da hätten wir auch schon einen zweiten passenden Buchstaben. Spandex or elastane is a synthetic fiber known for its exceptional elasticity. It is stronger and more durable than rubber, its major non-synthetic competitor.” Ah, und hier der dritte Buchstabe: Lycra “was invented in 1959 by DuPont chemist Joseph Shivers.” Bei einer so großen Marke wie DuPont verwundert es allerdings, dass dann das Markenzeichen - der oval umrahmte Namenszug - nicht auf dem Broschürentitel zu sehen ist. Das D könnte also beispielsweise auch für drapery stehen, Stoff.

Eine weitere Lesart von LSD - und sogar ein Begriff aus der Schneiderei - ist Lumbar Seamless Design (Lumbar heißt soviel wie Lenden), der aber in unserem Fall ausgeschlossen werden kann, da er sich erst in jüngerer Zeit und nur im Zusammenhang mit Neoprenanzügen für Surfer findet.

War doch einfach, oder?

Und vielleicht hat jemand noch eine bessere Theorie.

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Die schöne Maschine

Der Mac ist 25: Wie ein Rechner unsere Vorstellung von Veränderung verändert hat. Eine Eloge.

 

Katzen auf noch warmem iBook ? 

 

Der unglaubliche Siegeszug des Computers für Jedermann begann Mitte der siebziger Jahre. Er erinnert an den Erfolg einer anderen kuriosen Erfindung dieser Zeit: Slime. Ekliger, grüner Schleim in einer miniaturisierten Plastikmülltonne. Es muß damals einen Moment der Kühnheit gegeben haben, in dem ein Mann zu einem anderen etwas sagte wie Laß uns ekliges Zeug in kleinen Plastikmülleimern verkaufen und damit reich werden.

Ganz ähnlich müssen zwei junge Männer im kalifornischen Los Altos sich eines Tages gesagt haben Laß uns allen Menschen kleine Maschinen verkaufen, mit denen man feindliche Funksprüche entschlüsseln, Geschoßflugbahnen berechnen und Verwaltungsvorgänge automatisieren kann. Viel anderes hatte man mit Computern damals noch nicht gemacht. 

Steve Jobs, der eine, arbeitete bei dem Videospiele-Hersteller Atari. Der andere, Steven Wozniak, war Ingenieur bei Hewlett-Packard, und Wozniak hatte einen erstaunlichen, kleinen Computer gebaut. Nachdem weder Atari noch Hewlett-Packard von der Idee eines “Persönlichen Computers” zu überzeugen waren, verkaufte Wozniak seinen Taschenrechner und Jobs seinen VW Bulli. Mit dem Startkapital gründeten sie 1976 die Firma Apple Computer Inc. und begannen in der Garage von Jobs’ Eltern mit der Computerfertigung.

1979 war Apple ein Milliarden-Dollar-Unternehmen. Im Dezember desselben Jahres gestattete die Firma Xerox Steve Jobs und einigen Apple-Ingenieuren, die gerade an einem neuen Computer namens Lisa bastelten, Einblick in ihre Entwicklungsabteilung im legendären Palo Alto Research Center (PARC). Es folgte der Große Postraub des Informationszeitalters. Die Xerox-Forscher hatten einen Computer namens Alto gebaut, den die Geschäftsführung ziemlich esoterisch fand. Er konnte in “Fenstern” Text oder Grafik anzeigen, und Befehle ließen sich mit einer “Maus” aus “Menüs” abrufen, die am Bildschirm erschienen. Jobs explodierte fast vor Überschwang. “Warum macht ihr da nichts daraus?”, wollte er wissen. “Das ist revolutionär!”

Jobs baute neben “Lisa” heimlich eine eigene Entwicklungsabteilung auf. Jef Raskin, einer seiner Leute, gab dem Projekt den Namen - er mochte die Äpfel der Sorte Macintosh am liebsten. Für Jobs bestand das Ziel des Macintosh-Projekts darin, die Technik eines Computers so bequem zu machen wie ein Wohnzimmer und so billig und funktional wie ein Schweizer Taschenmesser. Die für ihn charakteristische Mischung aus Charisma und aberwitzigen Terminplänen verschaffte ihm, in Anspielung an Star Trek, den Titel Reality Distortion Field.

Das Realitätsverzerrungsfeld schaffte es, sein Team zu kollektiver Genialität anzustacheln - Leute wie Andy Hertzfeld, der große Teile des Mac-Betriebssystems programmierte und von dem es hieß, sein Blut habe die Regenbogenfarben des (damaligen) Apple-Firmenlogos, oder Susan Kare, die das “Look And Feel” der grafischen Oberfläche entwarf - das Mülleimerchen, Fenster mit Nadelstreifen, Schieberegler in den Kontrollfeldern.

Schon in der Steinzeit muß sich jemand etwas dabei gedacht haben, als er Faustkeile nicht bloß roh behaute, sondern sie mühevoll glattzuschleifen begann. Eleganz war für Jobs ein geradezu manisches Anliegen. Die erste Macintosh-Hauptplatine - die grüne Plastikplatte mit Leitungen und Chips drauf - wies er vor seinen versammelten Ingenieuren aus ästhetischen Gründen zurück: “Ich möchte, dass sie so schön wird wie nur irgend möglich. Auch wenn sie hinterher im Gehäuse steckt.”

Der Apple Macintosh kam 1984 nicht einfach auf den Markt. Er erschien. Sein Bildschirm leuchtete weiß. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man Computer daran erkannt, dass sie grüne Zeichen auf schwarze Bildschirme ausgaben. Am 22. Januar 1984 während des Superbowl-Endspiels zwischen den Oakland Raiders und den Washington Redskins lief das erste und einzige Mal der TV-Spot, der den Macintosh bekannt machte - “1984“, inszeniert von “Bladerunner”-Regisseur Ridley Scott. Zu sehen war eine sprintende junge Frau in einem Macintosh-T-Shirt, die mit einem Vorschlaghammer einen Riesenbildschirm zerschlägt, der die Übermacht des damaligen PC-Platzhirschen IBM repräsentierte. Mit diesem Spot begann die Ära von Werbung als News: Die drei größten US-Fernsehsender brachten Ausschnitte des außergewöhnlichen Aufbegehrens in ihren Abendnachrichten.

Der Ur-Macintosh kostete 2.495 Dollar und hatte einen Speicher, in den acht Seiten Text paßten. Das Kopieren einer Diskette erforderte etwa 20 Minuten und über 50-maligen Diskettenwechsel. Die Bastler waren genervt, weil man an der Maschine nicht mehr basteln konnte (”Nur zu öffnen von autorisiertem Fachpersonal”). Und die neuartige Bedienungshilfe “Maus” löste einen Glaubenskrieg aus. Für die einen war es die populärste Maus seit Micky, für die anderen eine fahrbare Hilfe-Taste für Idioten.

Der Mac verkaufte sich anfangs bei weitem nicht so toll wie Jobs prognostiziert hatte. Geschäftsleute hielten ihn für ein Spielzeug, die Lötkolbenfreaks für eine Art Damenhandtäschchen mit Bildschirm. Die Rettung brachten ein paar Programme, die ganze Kulturindustrien auf den Kopf stellen sollten. Eines davon hieß “PageMaker“. Programmierer Paul Brainerd nannte das dazugehörige Anwendungsgebiet “Desktop Publishing”. Innerhalb weniger Jahre veränderte die Software Druckvorbereitung, Typografie und Grafikdesign fundamental. Ein anderes Programm wurde 1987 als HyperCard berühmt. Damit ließen sich Texte, Bilder und Töne auf elektronischen Karteikarten unterbringen und über sogenannte “Links” (das Internet war noch Jahre entfernt) miteinander zu ganz neuen Informationsgebilden vernetzen.

Die Macs waren stets von Innovationen gesäumt. Mit dem Macintosh gab es zum ersten Mal einen Computer mit grafischer Benutzeroberfläche, langen Dateinamen, einer Script-Sprache, eingebautem Audio und nicht zuletzt einem gefälligen Design. Ethernet, Firewire, AirPort-Funknetz und USB-Anschlüsse kamen im Lauf der Zeit hinzu, das erste standardmäßig eingebaute CD-ROM-Laufwerk ebenso wie mit der Einführung des iMac im August 1998 ein Computer, der über kein Diskettenlaufwerk mehr verfügte. Das “i” in “iMac” stand für Internet, eine @-Taste gab es aber kurioserweise nicht auf der Tastatur. Nichtsdestotrotz gingen die bonbonbunten Maschinen weg wie warme Semmeln. 

Im August 2000 erschien - nach dem schwarzen Würfel, den seine Firma NeXT vor Jahren geschaffen hatte - ein weiteres digitales Designobjekt nach dem Willen von Steve Jobs: der G4 Cube, ein lüfterlos leises, glänzendes Objekt, das sich mangels Erweiterungsmöglichkeiten allerdings als Ladenhüter erwies. Aber Jobs wäre nicht Jobs, hätte er nicht schon die nächsten Joker im Ärmel gehabt. Nach dem komplett erneuerten Betriebssystem OS X nebst einer Benutzeroberfläche mit Lutschbonbon-Look (”Aqua”) landete er den größten Coup seit der Einführung des Macintosh: Mit dem iPod setzte sich Apple im Oktober 2001 an die Spitze der digitalen Musikrevolution

Der “freundliche Computer” ist mit den Jahren komplexer, variantenreicher und raffinierter geworden, vor allem hat er das Selbstgefühl und die Ansprüche einiger computernutzender Generationen geprägt. Der typische Mac-User hat Mitleid mit der Mehrheit. Er ist ein Bewohner des digitalen kleinen gallischen Dorfs. Sein Postfach atmet Mails von PC-Usern ein und aus, und es wimmelt vor Viren, aber sie können ihm nichts anhaben. PC-Viren laufen am Mac nicht - und Mac-Viren gibt es keine. Im April 2006 veröffentlichte Apple ein Programm namens Boot Camp, das es erlaubt, auch das Betriebssystem Windows auf den neuen Intel-Macs zu installieren - für konservative Mac-User eine Verletzung des Reinheitsgebots.

Dass sein Computer chic ist, nimmt der Mac-Mensch gern hin. Das trägt ihm gelegentlich den Vorwurf ein, er gehe nur nach dem Äußeren. Er aber komponiert Lieder über seine Liebe zum Mac oder verfaßt Oden an seinen Rechner. Die Maschine ist für ihn ein Werkzeug, das ein Versprechen einlöst: zu funktionieren. Den typischen Mac-User erkennt man an den eingeschweißten Handbüchern; sein Computer ist sozusagen selbstverständlich. 

Viele Apple-Nutzer sind enthusiastisch, manche geradezu Zeloten. Aber sogar den Eiferern geht es um das, was sie mit der Maschine machen, nicht um die Maschine selbst. PC-User, die sich vor allem für den Computer oder ihr Betriebssystem interessieren, leiden nach Auffassung von Psychologen unter einer Variante des Stockholm-Syndroms. Bei diesem Phänomen bauen die Opfer von Geiselnahmen zunehmende Sympathie für ihre Entführer auf. Mac-User haben was dafür übrig, dass das System, das da vor ihnen auf dem Tisch hockt, einfach, geradlinig und klar ist. Man muss nicht “Start” anklicken, um den Rechner auszuschalten. Es gibt etliche Websites, auf denen gezeigt wird, wie man Windows so verändern kann, dass es aussieht wie das Mac-Betriebssystem OS X. Die Leute wissen Schönheit und Funktionalität von Software und Hardware zu schätzen - aber nur Gott weiß, weshalb nicht mehr von ihnen losgehen und sie auch kaufen. 

Das Selbstbewußtsein des typischen Mac-Nutzers wird dadurch nicht beeinträchtigt: “Mac-User sind die besseren Menschen”, schreibt einer von ihnen im Netz, “klüger, toleranter sowieso, sie sind besser aussehend, reicher, erfolgreicher, naturverbundener, sexier, und sie haben das Savoir-Vivre und die schöneren Weiber.”

“Unser Marktanteil ist größer als der von BMW”, so Steve Jobs noch vor einem Jahr, “und größer als der von Mercedes in der Autoindustrie.” Nun aber steht die nächste Revolution an. Der Autoindustrie geht es gar nicht mehr gut. Steve Jobs hat angekündigt, sich aus gesundheitlichen Gründen bis zum Sommer aus dem Unternehmen zurückzuziehen. Jetzt wird sich zeigen, ob die Maschine erwachsen ist.

 

Ein Diskussionsforum sowie eine Bildergalerie zu dem Beitrag finden sich hier in der wunderbaren Welt der Stuttgarter Zeitung Online. | Wer seinen Mac auch gern öffentlich anhimmeln möchte, kann das zum Beispiel bei Great ? for all things Mac drüben bei Macnotes machen.

Great heart for all things Mac

 

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‘Ne Schockwelle

(via Uniquedaily)

? Bei dieser passenden Gelegenheit möchte ich die neu in die Blogosphäre strömenden Menschenmassen auch auf das altgediente Blog Schockwellenreiter (”Die tägliche Ration Wahnsinn”) aufmerkam machen: lang schon lesenswert. |

Wikipedia über John Brunners Science Fiction-Klassiker Der Schockwellenreiter: lesenswert II. | 

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Kriegskunst

 

Lebende und tote Computer (via PSFK). | Shoot the Baddies: Pop-Zielscheiben von Olly Moss. | Von den Crime Services der International Chamber of Commerce: eine interaktive Karte aller dem International Maritime Bureau gemeldenten Piraterie-Akte auf See. | 

20 Kunstwerke aus Waffen oder Munition (via WebUrbanist). |

33 künstlerische Interpretationen des Kriegs. | Künstliche Wunden und Einschußlöcher-Tatoos. |

? Matt Stromberg ist Professor am Savannah College of Art and Design. Er benutzt einige ungewöhnliche Werkzeuge für seine Kunst, darunter Maschinenpistolen, Raketentreibstoff und Explosivmaterialien:

 

? Mehr zum Krieg im Archiv der Glaserei:

Gaza: Krieg unter der Erde
Propaganda
Krieg: Wie im Kino, bloß real
Krieg: Spaghetti-Schlagringe, Porzellan-Pistolen
Krieg: Echte Handgranaten und Imitate
Tote, verbrannte Körper essen
Krieg: Ernst (Gaza)
Krieg: Spaß (Chanel)
Zeitreisen: Weltkrieg bis Warhol

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Das ultimative Daumenkino

 

? Phonographantasmascope: ein Plattenspieler als Daumenkino, aus einer Ausstellung im Victoria and Albert Museum in London (via Hasenfarm

 

? Karin Wehn und Ingo Linde über die verkannte Kunstform des Daumenkinos. | Website der Daumenkinofreunde. | Daumenkino-Wettbewerb 2009. | 

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Mittagspause und Milliarden

Gestaltungsvorschläge für Gamer-Mobiliar (via WebUrbanist) ?

Patchwork für abdeckbare Spieler: Für 450 Dollar gibt’s bei Carolina einen Donkey Kong-Quilt. |

Hauptsache Beton: Archiv der Zeitschrift The Concrete Quarterly von 1947 bis 2008. | Mittagspause: “Zurück zum Beton“. Aufnahme von einem Auftritt in der “Börse” in Wuppertal, 1979 (via Rondo). |

Mehr als eine Milliarde Menschen sind nun am Netz. | Wie man bei der Arbeit wach bleibt (via Wikihow). | Ein Badezimmerspiegel mit Scheibenwischer. |

Eine Reise durch den Raum (mit Maus oder Cursor steuern). | Eine Reihe beachtenswerter raketen- und düsengetriebener Fahrzeuge. |

? Ein Vorortzug in Mumbai: Zusteigen, die selbstmörderische Version


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BIT IT! (Beat it! - die 8-Bit-Version)

 

 

? Hierzu siehe auch:

Die 10 fürchterlichsten Videospiel-Gegner. | Die 10 aberwitzigsten Videospiel-Gitarrensoli auf YouTube. | Die 10 schärfsten Fehler in Videospielen (mit Videobeispielen). | 

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Updates: Zurück der Zauberwürfel

 

Kunstwerke aus bis zu 300 Rubik-Würfeln: Rubik Cubism von Invader ?

 

? Der Mann, der nach 26 Jahren endlich den Rubik-Würfel löste (via Neatorama). | Der Erfinder des Zauberwürfels, Ernö Rubik, über die Rückkehr seines “Cube” und die wirklich wichtigen Erfolge im Leben (via Zeit.de). | 

 

Mehr zum Rubik-Würfel im Archiv der Glaserei:

Wie man aus Mikados, Gummiringen, Post-Fix, Blasenfolie, Rubik-Würfeln und einer Reihe weiterer köstlicher Zutaten ein gutes Essen und eine wunderbare Animation zubereitet: “Western Spaghetti” von PES. | ? Im tiefen Tal der Superwürfel: Menger and Rubik in Disco Valley. | ? Ein LED-Rubik-Würfel - die fragwürdige Digitalisierung eines Knobelklassikers. |

? Es gibt 1.929.770.126.028.800 verschiedene Farbkombinationen auf einem Rubik’s Cube. | ? Der Rubik-Würfel als BH-Verschluß. | Wer den Rubik-Zauberwürfel besonders schnell lösen will, kann mit einer speziellen Würfelschmiere nachhelfen. [via] |

Eine Liste offizieller Rekorde im Rubikwürfellösen: Den derzeitigen Weltrekord hält der Franzose Edouard Chambon, der die richtige Folge von Würfeldrehungen am 23. Februar 2008 in 9,18 Sekunden fand (Video). | Der ehemalige Weltrekordhalter Erik Akkersdijk (9,77 Sekunden) bei der Arbeit (Video). | Leyan Lo bei einem Rekordversuch im Würfeldrehen mit verbundenen Augen - knapp 30 Sekunden (Video). | Rubikwürfel-Drehrekordversuch unter Wasser. Nur einmal Luftholen ist erlaubt (Video). | 17,9 Sekunden: Würfelrekorddrehen mit einer Hand (Video). | 

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Vater und Sohn, modern

Gyroskopisch gesicherte Familienfahrt (Foto: Milonga a.k.a. Emil de Jong, auf Flickr)

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Die vollautomatische Lösung der Finanzkrise

Die Verbindung stehlen (Grafik: dana~2, unter Creative Commons) ?

? Wie das australische Online-Magazin APC herausgefunden hat (? BILL EXPLOSION: Google Android silently phones home), baut die US-amerikanische Version des G1-Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android ungefragt Internetverbindungen auf. Wird in das von T-Mobile vertriebene Gerät die SIM-Card eines anderen Netzbetreibers eingesetzt, sendet das Mobiltelefon kostenpflichtige Textnachrichten.

Ein Leser des Gadget-Großblogs Gizmodo berichtet, dass ihn die verborgene Automatik auf einer Reise nach Großbritannien über 100 Dollar für Auslandsdatenverbindungen gekostet habe. Was auch immer der Nutzer deaktiviert hat, das G1 baut ständig Verbindungen ins Netz auf. Im Ausland kommen so wegen der Roaming-Gebühren besonders hohe Kosten auf.

“Ein T-Mobile-Mitarbeiter hat dem Kunden bestätigt, dass das G1 keine Option bietet, derartige Internetverbindungen zu verhindern”, so Golem.de. “Dem Kunden wurde empfohlen, das G1 auf Auslandsreisen zu Hause zu lassen, wenn er diese Kosten nicht tragen wolle. Eine andere Lösung gebe es nicht.”

In welchem Abstand und wie viele SMS das G1 versendet, wenn es mit einer anderen als der SIM-Karte von T-Mobile betrieben wird, ist nicht bekannt. In einem Fall ist von 200 Kurzmitteilungen die Rede, in einem anderen von respektablen 1.329 Stück. Laut APC ist der auf dem G1 installierte Dienst MyFaves (”Günstig telefonieren zu Ihren 5 wichtigsten Personen”) für den munteren SMS-Versand verantwortlich. Um My Faves zu de-installieren, muss das Smartphone erst gecrackt werden.

Das erste, was mir dazu einfällt, ist der Coup mit Kreditkartendaten, der im Oktober in Großbritannien aufgekommen war. In den Kreditkarten-Lesegeräten britischer Lebensmittelketten waren durch einen Zufall Zusatzplatinen gefunden worden, die Kreditkartendaten sammelten und einmal pro Tag per Mobilfunk an eine Nummer in Lahore in Pakistan sandten. Da Geräte mit eingebauter Trick-Elektronik etwa 100 Gramm schwerer als naturbelassene sind, wurden die Geräte bei Massenuntersuchungen gewogen. Auch in Irland, Belgien, Holland und Dänemark wurden die Ermittler fündig. Der Schaden soll sich allein in Großbritannien auf zwischen 37 ud 75 Millionen Euro belaufen.

Natürlich steckt bei T-Mobile keine kriminelle Absicht hinter dem Geräteverhalten, das den Besitzer des Geräts nicht nur übergeht, sondern ihn auch dikatorisch daran hindert, seinen eigenen Willen durchzusetzen. Der Android-Apparat weist einfach auf eine neue Art des Wirtschaftstreibens in Zeiten der Krise hin. Die Vorstellung eines “Nicht kaufen!“-Knopfs, der in regemäßigen Abständen gedrückt werden muß, andernfalls Ware geliefert wird, habe ich schon gelegentlich ausgeführt. Dieses Modell fortgeschritteneren Konsumdrucks erlaubt es dem Konsumenten allerdings immer noch, bei Bedarf für das Nichtkaufen zu optieren.

Dass gerade die Firma Google, die sich damit hervortut, großzügig Dinge zu verschenken, die ihr gar nicht gehören, nun gemeinsam mit T-Mobile - einem bekannten Bollwerk der Datensicherheit - das Geldausgeben in eine neue Dimension führt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Im übrigen könnte der Zwangsverbrauch, wie mit der SMS-Automatik beispielhaft demonstriert, eines der zentralen Probleme der Weltfinanzkrise lösen, dass nämlich die Konsumenten auf ihrem Geld sitzen - und auch die Banken, die sich untereinander oder klammen Unternehmen kein Geld mehr leihen. Ich warte nun darauf, wann in den kommenden Wochen Google, womöglich weiterhin gemeinsam mit T-Mobile, die Industrieversion der automatischen Geldpumpe, Projektbezeichnung G2 CCS (Credit Crunch Solutor), rausbringen wird, um wieder einmal die Märkte zu revolutionieren.

(Veröffentlicht im Blog der Technology Review)

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Updates: Ameisen (und welche, die nur so tun)

Ameisen als Vorbilder für die Hafenorganisation. | Drüben bei Spreeblick hat Johnny, was erfreulich ist, die Ameise zur Spezies des Monats erhoben. | Ameisen können Betrüger riechen (via Focus.de). |

Ameisen-Mimikry auf Flickr: Fotos von Tieren, die so tun, als wären sie Ameisen (und welchen, die mit Ameisen leben, den sogenannten Myrmekophilen)
Myrmecomorphy - ant mimicry - View this group's most interesting photos on Flickriver

Die Welt aus der Sicht einer Ameise:
Ant's Point of View - View this group's most interesting photos on Flickriver

 

Mehr zu Ameisen im Archiv der Glaserei:
Von Ameise bis Elvis
Lange Nacht der Ameisen

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Besonders Bügeln: Neues und Notorisches

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Am 10. Januar 2009 machten sich 128 Taucher daran, den Rekord im Massen-Unterwasserbügeln zu brechen. Sie schafften es, dafür zu sorgen, dass 86 Taucher 10 Minuten lang unter Wasser bügelten. Das Ereignis fand im National Diving and Activity Centre (NDAC) bei Chepstow in der englischen Grafschaft Gloucestershire statt:

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Den Extrembügel-Unterwasserrekord im Damen-Einzel hält Louise “DiveGirl” Trewavas mit einer Tiefe von 100 Metern, aufgestellt im April 2003 in einem Tauchspot vor dem ägyptischen Fischerdorf Dahab (hier der YouTube-Clip). |

Die Wikipedia über das vor allem in Großbritannien und Deutschland extrem beliebte Extrembügeln. | Extreme Ironing Bureau, das Hauptquartier der Extrembügler im Netz. | Das transparente Bügeleisen. |

Nachdem die beiden britischen Extrembügler John Roberts und Ben Gibbonsam (”The Yeti Team”) auf einer Höhe von 5.400 Metern am Mount Everest bügelten, wurde der Höhenrekord am 14. August 2003 von dem Südafrikaner Anton van de Venter durch die Erstbebügelung des 5.895 Meter hohen Kilimandscharo gebrochen. Derzeit hält John Carrick den Rekord, der auf der Spitze des höchsten Bergs Amerikas, des Aconcagua in den argentinischen Anden, auf 6.962 Meter Höhe bügelte. |

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Wie geht Extrembügeln? Wege in das Abenteuer Plätten:

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Extrembügeln in der Antarktis: Henry Cookson hat ein Bügeleisen fast 1800 Kilometer weit über Schneefelder geschleppt, um am abgelegensten Punkt des Planeten ein wenig zu bügeln:

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Die Katze und der Papagei

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Süßes Drama

Die abenteuerliche Geschichte eines tapferen kleinen Cupcakes, der aus dem Zuckerland auf die Gemüseinsel gerät:

Me Want Cupcake! (via Neatorama). |

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Alarm-Tänze, Alte Meister

 

Ein WiFi-Fächer: der Wave Wireless Air Activator (via Atypyk, unter Save The World/WiFi fan) ? 

 

? Video-Highlights: Alle Macworld Keynotes von Steve Jobs von 1998 bis 2008. Die Kommentare dazu sind auch informativ, ein themenfremder ist besonders lustig (via Slashdot). | Eine futuristische Möbelvision aus den siebziger Jahren: Electrohome. |

 

Jonathan Janson malt moderne Menschen in Stil holländischer Meister des 17. Jahrhunderts. Seine Werke heißen “Young Man with a Cell Phone” oder “Young Girl Writing an Email“. Sie zeigen Menschen in jenem besonderen Licht, das aus dem Nichts zu kommen scheint und das die Bilder von Meistern wie Vermeer noch heute zu einem Erlebnis macht. | 

 

Daniel Eatock verbrachte zwei Monate in der litauischen Hauptstadt Vilnius, in der ihm rasch auffiel, dass ständig Autoalarmanlagen losgehen. Die Alarmanlagen sind offenbar so empfindlich eingestellt, dass sie schon durch etwas mehr als ein Flüstern ausgelöst werden können und alle paar Minuten die friedliche Stille unterbrechen, die ein Künstler bei der Arbeit schätzt. Eines Tages ging Eatock raus und wartete geduldig neben einem Auto, bis der Alarm losging und begann dann, wie irre zu tanzen. Es gibt Videos von verschiedenen seiner Car Alarm Dances, hier einer der Tänze:

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Schönheit für Idioten

? Ich bin kein Freund von Symmetrie, Symmetrie ist Schönheit für Idioten. Aber diese Musik dazu, und dass es so lässige, rhythmische Symmetrie ist, läßt mich von meinen Grundsätzen abweichen: Jemapur, Maledict Car (Regie: Kosai Sekine)

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Langeweile im Büro?

Eindrucksvolle Fotos von Aleksey Petrosian: Leben in Rußland ?

• Los geht’s: Die Obama-Actionfigur (via core77). |

Aufgegebene nuklear betriebene Leuchttürme in Rußland. | Bekannte Schauspieler, bis zur Unkenntlichkeit geschminkt: The Almost Unrecognizable List. | Der sieht doch genauso aus wie… |

• Langeweile im Büro? Dagegen gibt es schöpferische Lösungen. | Katholische Kindermalbücher aus den fünfziger Jahren (USA). | De Aetatibus Mundi Imagines: Die illustrierten Weltzeitalter von Francisco de Hollanda, gefertigt von 1543 bis 1573 (via Bibliodyssey). | Die Grammatik der Verzierung: Arabische Ornamente. |

Eine in klingonischer Sprache beschriftete Tastatur. | Die Pyramide der Illuminaten, als Papiermodell. | Zwei indische Mädchen, die zur Bekämpfung einer mysteriösen Seuche mit einem Frosch verheiratet werden (via BoingBoing). |

• Modezeichnungen aus der Nachkriegszeit, ein Bilderset auf Flickr:

vintagemode - View my most interesting photos on Flickriver

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Raumfahr’n

 

Kolonien im Weltraum: künstlerische Entwürfe aus den siebziger Jahren ?   

 

? Im Juli 1950 startet die erste Rakete von Cape Canaveral, eine zweistufig ausgebaute deutsche V-2 (”Bumper V-2″). |

15. Dezember 1968: Das Original-Pressematerial zu Apollo 8 (pdf-Download). | Apollo 8 war der erste bemannte Flug zum Mond. Die drei Astronauten Frank Borman, William Anders und James Lovell waren die ersten Menschen, die mit eigenen Augen die Rückseite des Mondes sahen. Apollo 8 erreichte am 24. Dezember 1968 die Mondumlaufbahn. In einer Fernsehübertragung aus dem Mondorbit verlasen die Astronauten den Anfang der Schöpfungsgeschichte als Weihnachtsbotschaft. | 

? Erste Mondlandung im Vergleich: Die Wege der Astronauten von Apollo 11 auf der Mondoberfläche, übertragen auf ein Football-Feld. | Die Ergebnisse eines NASA-Ideenwettbewerbs: US-amerikanische Schulkinder sollten einen Namen für ein aufblasbares mondtaugliches Zelt für Astronauten vorschlagen (hier Fotos). Den Sieg trug “Resolution” davon - der Name erinnert an Captain Cooks gleichnamiges Segelschiff von 1771. |

? Mehr zur Raumfahrt im Archiv der Glaserei:? John Pultorak hat in seinem Keller vier Jahre damit zugebracht, den Block I Apollo Guidance Computer (AGC) funktionsfähig nachzubauen. Der AGC war der Bordcomputer bei den Apollo-Mondlandungen. Einer davon war in der Kommandokapsel untergebracht, die den Mond umkreiste, ein zweiter in der Landefähre LEM. [via RetroThing] | 

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Geschmack-Attack

Richard Carter und sein Sashimi Tabernacle Choir: Ein Volvo, 8 Kilometer Verdrahtung, 5 Autobatterien, ein Linux-Server und etwa 200 synchronisierte singende Fische ergeben etwas, das man nur als außerordentlich effektvollen beziehungsweise effektiven Angriff auf den guten Geschmack bezeichnen kann:

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Die Amtseinführung aus dem All

Orbiting Obama: Die Aufnahme des am 6. September 2008 gestarteten Satelliten GeoEye-1 zeigt die Amtseinführung von Präsident Barack Obama am 20. Januar 2009 aus 681 Kilometer Höhe

 

Hier kann man eine detaillierte Version der Aufnahme mit einer Auflösung von einem halben Meter downloaden. | 

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Wieviel von deiner Stadt würde einen Nuklearschlag überstehen?

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Die Leute des in Sydney ansässigen Beratungsunternehmens Carlos Labs sehen sich als Daten-Architekten: “Während des zurückliegenden Jahrzehnts haben wir an der Entwicklung des Daten-Universums teilgenommen. Daten sind überall. Alles hängt von den Daten ab.”

Mit Google Maps und einer im Lauf mehrerer Jahre zustande gekommenen Datensammlung versucht uns Carlos Labs eine Vorstellung davon zu geben, wieviel von einer Stadt zerstört wird, wenn sie mit einer Atomwaffe angegriffen würde:

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Anmerkung für das Heimatschutzministerium: Es handelt sich hier nur um eine Karte, mit der man herumspielen kann, nicht um einen Plan. Wiederhole: Dies ist kein Angriffsplan. Sie können eine real existierende Waffe auswählen und wenn Sie ‘Nuke it’ klicken, zeigt die Karte den Bereich der Verheerung.”

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• Proliferation: Eine Infografik der New York Times über die zunehmende Verbreitung von Atomwaffen. | Die Geschichte eines Lastwagenfahrers, der die Geheimnisse der ersten Atombombe enthüllte: Atomic John (via The New Yorker). |

• Nuclear Weapons: Ein Video von Max Joseph und Erin Bosworth (via Good)

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Patrick McGoohan, freier Mensch

Wo bin ich?
Sie sind da.
Was wollen Sie?
Informationen.
Auf wessen Seite sind Sie?
Wir sind auf der richtigen Seite. Wir wollen Informationen, Informationen, Informationen.
Ich sage nichts.
So oder so, Sie werden sprechen.
Wer sind Sie?
Die neue Nummer Zwei.
Wer ist Nummer Eins?
Sie sind Nummer Sechs.
Ich bin keine Nummer, ich bin ein freier Mensch!
(Gelächter von Nummer Zwei.)

Vorspann von “Nummer 6

 

Am 15. Januar starb 80-jährig der amerikanische Schauspieler und Regisseur Patrick McGoohan

1967 zeigte das britische Fernsehen die erste Folge der von ihm produzierten Fernsehserie “The Prisoner“, in der er auch die Hauptrolle eines namenlosen Geheimagenten spielt (”You are Number 6″). Zwei Jahre später strahlte das ZDF die erste der siebzehn Folgen unter dem Serientitel “Nummer 6” aus.

Ein ausgestiegener Geheimagent findet sich nach einer Entführung in einem als Urlaubsort getarnten Dorf an einem unbekannten Küstenort wieder. Das ominöse Village ist lückenlos videoüberwacht, die sonderbar gekleideten Bewohner haben keine Namen, sondern Nummern, und sie geben keine Auskunft. Niemand in dem Village hilft unserem Mann. Versucht er, über das Wasser zu fliehen, wird er von aus der Tiefe hochwabernden weissen Ballons daran gehindert. Jemand, der sich als Nummer 2 vorstellt, versucht von Nummer 6 eine wichtige Information zu bekommen. In jeder Folge tritt eine neue Nummer 2 in Erscheinung.

Mit großer Voraussicht hat McGoohan einen modernen Menschen in einer vieldimensionalen, kaum lösbaren Situation entworfen. Auf der Suche nach Freiheit, der Identität der ominösen Number One und einem Ausweg aus seiner Situation spielen die Episoden zahlreiche interessante Ideen durch. Das System versucht durch zahlreiche Tricks, den Einsatz von Doppelgängern und moderner Technologie, den Willen von Number Six zu brechen. Der Protagonist besticht durch Geistesgegenwart und starken Widerstand.” (via Wikipedia). | 

In den achtziger und frühen neunziger Jahren, als alle anderen Fernsehserien aus dieser Zeit, von Immer, wenn er Pillen nahm über Jason King bis zu Mit Schirm, Charme und Melone in ein neues Licht getaucht und wiedergefunden wurden, war von Nummer 6 weit und breit nichts zu sehen. Wenn ich gelegentlich jemanden darauf ansprach, schien niemand sich an eine solche Fernsehserie zu erinnern. Ab und zu begann ich an meinem Gedächtnis zu zweifeln. Es gibt Dinge, die in der Erinnerung an einen Punkt rücken, an dem sie ungewiß werden. Zweifel werden wach, dass es sich um keine Erinnerung, sondern um eine Einbildung handeln könnte. Ich war drauf und dran zu glauben, dass ich Nummer 6 nur geträumt hatte. Das Internet hat mich gerettet.

Retroweb erinnert an Patrick McGoohan. | Nachruf in The Register. | “Trotz einer reichhaltigen Filmografie wird er auf immer und ewig mit NUMMER 6 in Verbindung gebracht werden, und zwar zu recht.” | Eine reichhaltige Nummer 6-Fanseite von Stefan Kucinski. | Eine ebensolche von Arno G. Baumgaertel, einem Mitglied der SIX OF ONE The Prisoner Appreciation Society. | The Prisoner Online. | Tribute to The Prisoner: Eine Bildergalerie, untermalt mit der Titelmusik. |

The Prisoner Camp auf Flickr:
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? Das merkwürdige walisische Portmeirion, in der Serie The Village:
Portmeirion - View this group's most interesting photos on Flickriver

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The Recently Deflowered Girl

In dem illustrierten Ratgeber The Recently Deflowered Girl (The Right Thing To Say On Every Dubious Occasion) von 1965 gibt Miss Hyacinthe Phipps zeitgemäße Hinweise zu Fragen des richtigen Tons in heiklen Situationen. Die glänzende Parodie auf ein Benimmbuch ist eine versteckte Arbeit des amerikanischen Autors und Illustrators Edward Gorey, der auch unter dem deutschen Pseudonym Eduard Blutig publiziert hat.

Deflowered by Marimba Player

After being deflowered, you discover that your parents refuse to give consent to marriage with mustachioed marimba player.

You are prevented from arranging annother rendezvous, but you see him by chance at Junior League charity tea dance. He is playing in rhumba band. At intermission, you meet.

You say, “I’m terribly sorry, Harold, but my parents won’t let me marry you.”

He says, “That’s all right, baby. I’ve been happily married for years.”

You say: “How did your wife get her parents’ consent?”

Your main difficulty apparently is in getting the consent of your parents. It is wise to learn how other girls get theirs.

MISS H. P.

Deflowerment on Blind Date

You accept blind date on phone with glib young man. He proves still more charming in person and takes flower.

On saying goodnight, you remark, “Incidentally, I don’t think you ever did mention your last name, Joe.”

He gives you some thought, then chuckles and says, “Maybe it’s better that way.”

You say (slyly): “Goodnight, Mr. Johnson.”

Since more persons in America have the last name Johnson than any other, you are, at least, most likely to be correct with the name Johnson in this situation.

MISS H. P.

• Sämtliche Seiten des Büchleins hier (via joeydevilla). |

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