
Delphin-Stresstest (Foto: Tidewater Muse, unter Creative Commons) ?
Einer britischen Studie zufolge fahren mehr als 54 Prozent der User mindestens einmal pro Woche wegen eines Ärgernisses im Netz aus der Haut. Manche dreschen auf dann die Tastatur oder hauen den Bildschirm. Es kommt auch vor, dass Personen, die sich gerade in der Nähe befinden, geschlagen werden. Die Mehrzahl der Anwender resigniert und schaltet den Rechner ab.
Gelegentlich gestaltet sich das Abschalten dramatisch. Die Washington Post berichtete von einem Barbetreiber namens George Doughty, der verhaftet worden war, nachdem er seinen toten Laptop an die Wand genagelt hatte. Gäste bezeugten, dass Doughty das Gerät, nachdem es zum x-ten Mal abgestürzt war, mit vier Gewehrschüssen erledigt hatte. “Schon komisch”, sagte der zuständige Polizeileutnant Rick Bashor, “wo doch alle genervt sind von ihrem Computer” (Sekunden nach dem Statement stürzte der Polizeicomputer ab).
Will man als Nutzer seinen Unwillen gegen die Maschine kundtun, ist die Interaktion seit jeher schwierig. Jede Maschine sollte einen Bereich haben, der dazu da ist, um in die Maschine reintreten oder reinhauen zu können. Konstrukteure denken nicht an sowas. Es wäre nötiger denn je.
So beklagt sich etwa ein gewisser Fred in seinem Blog über das lausige Design vernetzter Systeme im Alltag. Er berichtet von einem Versuch, an einer Tankstelle zu tanken. Kreditkarte durch das Lesegerät an der Zapfsäule gezogen, Zapfhahn gedrückt. Nichts. Gerüttelt, Knöpfchen gedrückt, Pumpe neu gestartet. Benzin für 30 Cent kommt aus dem Hahn. Der Tankwart kommt aus seinem Häuschen und empfiehlt, es mit einer anderen Zapfsäule zu versuchen, dort passiert dasselbe. Diesmal kommt Benzin für 25 Cent aus dem Hahn. Der Tankwart zuckt mit den Schultern. An der nächsten Tankstelle wird die Kreditkarte abgewiesen. Die Software des Kreditkartenunternehmens ist der Meinung, es handle sich um einen Betrugsversuch. Kein Benzin mehr im Wagen. Fred, der sein Mobiltelefon nicht dabei hat, läuft zu Fuß den ganzen Weg nach Hause, um bei der Kartenfirma anzurufen. Am Telefon muß er erst einen fünfminütigen automatisierten Verifikationsprozess über sich ergehen lassen. Fred ist nicht nett zu der Person, mit der er schließlich verbunden wird. “Es war”, schreibt er, “zum Schreien”. Eine kleine Zornzone an der Zapfsäule hätte die Situation entspannt.
Aber auch die Maschinen scheinen etwas zu ahnen. Robert P. Booth, ein Landwirt aus Wirtz im US-Bundesstaat Virginia, hat die erste “Ass Kicking Machine” der Welt gebaut – ein hölzernes Rad, an dem ein derber Schuh befestigt ist. Ein Freundeskreis im Netz namens “Ass-Kicker Central” berichtet, dass Booth von der Maschine, die etwa 100 Arschtritte pro Minute verabzureichen imstande ist, bereits attackiert worden sei, als er sich ihr unvorsichtig genähert habe.
Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. So war der ehemalige thailändische Finanzminister Suchart Jaovisidha vor einiger Zeit von seinem Dienstwagen verschluckt worden. Auf dem Weg zu einem Treffen mit Bankern geriet sein BMW in einen Zustand katatonischer Starre. “Der Motor blieb stehen, die Klimaanlage fiel aus, die Türen verriegelten sich und die Fenster gingen nicht mehr auf”, wird der Minister in einer Tageszeitung in Bangkok zitiert. “Wir bekamen kaum noch Luft.” Fensterkurbeln gibt es in dem Fahrzeug nicht mehr. Um auf sich aufmerksam zu machen, gestikulierten der Minister und sein Fahrer wie wild. Es dauerte zehn Minuten, ehe das jemandem ungewöhnlich vorkam. Ein Sicherheitsbeamter versuchte schließlich, ein Seitenfenster mit einem Vorschlaghammer zu zertrümmern. Da die Ministerkarosse mit Panzerglas ausgestattet war, erwies sich das als außerordentlich mühsam.
Die Maschinen wollen uns nicht mehr entkommen lassen.
- Hierzu siehe auch:
Das iPhone virtuell kaputtmachen. | Der Superhelden-Antifrust-Knopf. | Quetschbarer Streßball gegen unangenehme Anspannung. | Das Zona Plus Hypertension Relief Device baut Stress auf wissenschaftliche Weise ab. | Zur Stressmessung: Das Oracle Stress-o-Meter. | USB-Kopf zum Draufhauen, mit realistischen Schmerzenslauten. | Riesenhafte Antistressknödel. |
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