Ilan Schifter ist Absolvent des Tisch Interactive Telecommunications Program (ITP) der Universität New York und hat ein aufblasbares “Interface für Kleinkinder” entwickelt. Es nennt sich ToddlePuff (etwa: Baby-Bausch) und läßt weniger an eine Gehschule denken, als vielmehr an eine digitale Gummizelle; andere fühlen sich an einen Käfig für Labortiere erinnert, an Ray Bradburys Roman “Fahrenheit 451″ - oder an Skinner und seine Box. Der Psychologe Burrhus Skinner hat in den fünfziger Jahren das so genannte “programmierte Lernen” erfunden. Er entwickelte eine Apparatur, mit deren Hilfe das Verhalten von Testtieren quantitativ erfasst wird: die Skinner-Box. Dazu wird ein Tier in einen speziellen Testkäfig gesetzt, in den ein kleiner Hebel hineinragt. Wird der Hebel gedrückt, gibt es einen Eintrag auf einem Papierstreifen.
ToddlePuff verfügt über 16 Nahbereichssensoren und ist als einer Art begehbarer Game-Controller für die Kleinen gedacht. Ein aufblasbarer Gatterzaun “blockiert den Blick, um eine eingehende Erfahrung zu erzeugen. Er ist breiter als die Armspanne eines Kleinkinds, um Bewegung anzuregen.” Auf einem Bildschirm am Rand des Geheges ist eine animierte Kindergeschichte zu sehen und zu hören. An verschiedenen Stellen innerhalb des Gatters sind Bilder von Figuren aus der Geschichte angebracht. “Die Interaktion mit ToddlePuff”, schreibt Schifter, “fördert die Entwicklung des Orientierungsvermögens, von Koordinationsfähigkeit und -geschwindigkeit.” Blinkt eine Figur am Bildschirm, muß das Kind die dazugehörige Figur an der aufblasbaren Umzäunung finden und berühren, damit die Geschichte weitergeht. Bereits am 7. Mai 2007 hatte Ilan Schifter unter der Nummer 60/927,972 ein US-Patent auf die Idee eines “Multi-Sensor User Input Device For Interactive Programs On A Machine” angemeldet.
In den Computerlabors des Tisch Interactive Telecommunications Program in Greenwich Village treffen Technologen, Theoretiker, Ingenieure, Designer und Künstler aufeinander, die versuchen, die Grenzen der Interaktivität zwischen realer und digitaler Welt zu erweitern - ein “hi-tech fun house.” 1982 war dank einer Spende von Laurence A. Tisch und Preston Robert Tisch das Haus 721 Broadway gekauft und renoviert worden, zum Dank für die großzügige Gabe wurde die Schule in Tisch School of the Arts umbenannt. Preston Robert Tisch war Chairman und gemeinsam mit seinem Bruder Laurence Miteigentümer der Loews Corporation, einer Holding, zu der Versicherungen, Hotels und Ölfirmen gehören. Laurence Tisch, als Investor an der Wall Street groß geworden, hatte 1986 den Fernsehsender CBS übernommen und sich im Mai 1995 unvergeßlich gemacht. Während ABC und CBS die Rede von Präsident Bill Clinton vor den Hinterbliebenen des Bombenanschlags von Oklahoma zeigten, sah man bei CBS keine Veranlassung, die Übertragung eines Golfturniers zu unterbrechen, für das Werbespots im Wert von einer Million Dollar gebucht worden waren.
Als das Blog BoingBoing von ToddlePuff berichtete, schlugen die Wellen hoch. “Ich habe zwei kleine Kinder und hoffe, dass sie niemals ein solches Pawlov-Ding sehen werden”, schrieb der Grafikdesigner Craig Noble. “Kinder sollen die Welt entdecken. Das große Problem dabei ist, denke ich, dass niemand aus einem Stein, einem Stöckchen, etwas Dreck und einem Platz zum Spielen Geld machen kann”. Eine Erzieherin, die sich um Kinder mit verschiedenartigen Behinderungen kümmert, “dachte für einen kurzen Moment daran, dass diese Monstrosität ein wenig Erleichterung für Kinder bringen könnte, die nicht rausgehen oder an den üblichen Aktivitäten von Kindern teilhaben können. – Aber *das* ist keine Lösung.” Und ein Fachmann für frühkindliche Entwicklung befand: “Ein Pappkarton und ein paar Stifte mit abwaschbarer Farbe sind dieser Technologie haushoch überlegen.”
Nach massiver Kritik schaltete sich Erfinder Schifter mit dem Hinweis in die Debatte ein, an der nächsten Version von ToddlePuff würde “sicher nichts mehr an einen Käfig erinnern. Wie wär’s, wenn as ganze zum Beispiel aussehen würde wie ein Piratenschiff?”
Eine ähnliche Idee wie ToddlePuff hatte die Spielefirme Sega bereits Anfang der neunziger Jahre für die Mega Drive-Spielkonsole umzusetzen versucht: den Sega Activator (hier ein Instruktions-Video). Dabei handelte es sich um eine achteckige Schiene, in die man sich stellen mußte, um durch Bewegungen einen “Käfig” aus Laserstrahlen zu unterbrechen und die Geschehnisse am Bildschirm zu beeinflussen. Das Gerät war ein Flop.
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