In einem Artikel mit dem trefflichen Titel “Rasender Stillstand” erörtert Rainer Baginsky, dass ein Amschel Meyer Rothschild seine Börsengewinne nach der Schlacht von Waterloo noch in aller Ruhe machen konnte, weil ihm die Informationen von Brieftauben überbracht wurden anstatt auf dem Postweg. Das sicherte ihm den entscheidenden Vorsprung vor der Konkurrenz.
Heute sieht der Wettbewerb der Informationsmittel, der einem die nötigen Sekundenbruchteile liefern soll, deutlich anders aus. Mancher fühlt sich dabei von einer neuzeitlichen Beschleunigung erfaßt, die immer weiter zuzunehmen scheint und sich als Unruhe ins Gemüt und die planende Absicht gräbt. “Früher“, sagt ein Verlagsmann, “hatten wir einen Zustand, dann kam eine Veränderung, dann ein neuer Zustand. Jetzt ist Veränderung der Zustand.”
Einige fürchten, dass die Geschwindigkeit immer weiter zunehmen könnte, bis sie schließlich von einem übermächtigen Fahrtwind jählings von ihrem Platz an der Front der Moderne fortgerissen würden, wie von einem Sturmstoß. Im Aufrauschen der Neuigkeiten entsteht eine Erregung, die zu oszillieren beginnt und die statt Zeit Gleichzeitigkeit erleben möchte, statt Aktion Parallelhandlungen. Die Frequenz nimmt aber nur bis zu einem bestimmten, kritischen Punkt zu, an dem sich eine neue Struktur ausgeprägt hat, ein neuer Grad an Ordnung, und sich eine neue Geläufigkeit einstellt.
Es ist eine Zeit des Übergangs. Sie ähnelt dem Monitorflimmern, das vom Fernsehbildschirm über den einfachen Videomonitor immer mehr zunimmt und Augen und Nerven strapaziert. Ab einer bestimmten Beschleunigung respektive Bildwechselfrequenz (über 72 Hertz) verschwindet das Flimmern. Das Bild wird still und klar. Beschleunigt man weiter, wird das Bild noch stiller und klarer.
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