Tagesarchiv für 15. Februar 2009

Fahrbare Illusionen

Angesichts der Hilfsbedürftigkeit, die auf dem Gebiet der Lastwagenplanen- und Sattellastwandgestaltung herrscht, sind Entwürfe wie der nachfolgende, wenn auch photogeshoppt, so doch erfrischend:

Hier weitere Beispiele von Illusionsmalerei auf Lastwagenladeraumwänden, und hier noch mehr davon (via Britanica Blog). | Ein Truck-Alphabet. | 

Poster-Remakes von Olly Moss: Indiana Jones im Vexierbild. | Optical Illusions: Was ist mit den schwarzen Punkten los? | Die unmöglichen Figuren von Andreas Aronsson (via Neatorama). | Felice Varinis Täuschungsmalereien; auch hier. | Die Wikipedia über Varini. | 

Robert Kusmirowski und die Maschinen aus einer Vergangenheit, die es nie gab (via we-make-money-not-art). | Verschiedene optische Täuschungen. | Verkehrsberuhigung per Illusion: Fake Speed Bumps. | 

 

? Illusionen aus dem Archiv:

• Der französische Fotokünstler Georges Rousse stellt unter Beweis, dass der Standpunkt - ein ganz bestimmter Standpunkt - noch erstaunliche Möglichkeiten bietet. Der rote Stern ist ebenfalls von 1986.

• Eine Guardian-Kampagne 21 Jahre danach: eine verschlungene, vernetzte, komplexe Welt - hypermoderne Variationen.

• Der Eureka Tower im australischen Melbourne ist mit 300 Metern Höhe eines der höchsten Gebäude der Welt. Wohnungen darin werden unter anderem damit beworben, dass sich “in jedem Apartment die Fenster öffnen lassen”. Der Designer Axel Peemöller hat das Leitsystem in der Tiefgarage in Gestalt einer phantastischen Illusionstypographie gestaltet. 

• Eine Katze taucht überraschend auf. | Eine Katze verschwindet (plus Aufklärung) | 

• Wie David Copperfield fliegt. | 

• 21 optische Täuschungen, von Michael Bach sowie ein Blog des Illusions-Designers Arthur Shapiro. | 

• 10 Wahrnehmungs-Wunderlichkeiten in 120 Sekunden - ein Werbespot. | 

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Sprechenmaschine: Die Frage der Scham

 

Zimmerpflanze” (Foto: grisei, Creative Commons-Lizenz) ? 

? Redet jemand von euch mit seinem Rechner? Keine Angst, ihr seid nicht allein. Mit digitaler Sprachverarbeitung hat das allerdings nur wenig zu tun.

Es gibt eine sonderbare Diskrepanz. Die Industrie möchte unbedingt, dass wir mit unseren Rechnern reden. Vordenker halten die Verwendung von Tastaturen für steinzeitlich. Spracherkennung soll beim Übergang vom Kopfinhalt zum Bildschirminhalt die Eleganz des leichthin Gedachten bewahren. 

Nun gehöre ich zu den Usern, die nicht mit ihrem Gerät reden möchten. Bereits beim Hinterlassen von Nachrichten auf Anrufentgegennehmern muß ich mich überwinden. Bis heute habe ich nicht gelernt, wie man sich von einem solchen Gerät richtig verabschiedet

Die Vorstellung, mit meinem Computer sprechen zu müssen, erinnert mich an eine Szene aus dem Film “Solo für zwei”. Darin spielt Steve Martin einen Anwalt, der eine Millionärin davon abbringen soll, ihre Seele durch einen tibetischen Lama in einen anderen Körper transferieren zu lassen. Während einer turbulenten Suche beugt er sich, in der Meinung, die Seele sei darin gelandet, über einen Eimer Wasser und führt ein Gespräch mit ihm, das in einer reflexhaften Selbsterkenntnis endet: “Ich rede mit einem Eimer!” 

Es gibt ein Volk, das es liebt, Konversation mit Maschinen zu haben: Japaner. Es gibt in Japan Badezimmerspiegel, die einem morgens sagen, wie toll man aussieht und Heizöfchen, die einen höflich anreden, wenn ihnen das Petroleum ausgeht. Plauderne Armaturenbretter in japanischen Kraftfahrzeugen sind Legende. Wir Nordeuropäer jedoch lieben die elegische Stille des Denkens. Ich sehe zum Beispiel Musikvideos am liebsten ohne Ton.

Und erstaunlich, die Menschen sprechen mit ihren Rechnern – aber ohne Spracherkennung. Drei Viertel der deutschen PC-Benutzer sprechen einer Studie zufolge mit ihrem Computer, viele davon häufig. Der Ton reicht von Ermunterungen bei Instabilitäten bis zu wildem Unflat. Ein Viertel der Nutzer gab an, nie mit ihrem PC zu sprechen. 

Die mit dem Rechner sprechen, mögen denken: das sozialisiert sich. Man wird sich daran gewöhnen. In ein paar Jahren könnte es so normal sein wie heute, wo der allerorts mobil telefonierende Mensch jede Scham verloren hat, dass andere ihn öffentlich in einer erweiterten, nun auch hörbaren Art von Nacktheit vorfinden könnten. Scheu ist etwas, das Techniker nicht kennen. Aber es hat Gründe, weshalb Menschen ungern mit Dingen reden. Es beeinträchtigt das Selbstgefühl, in Kübel zu reden. 

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