Ich nenne Journalismus alles, was morgen weniger interessant ist als heute.
(via tumblr)
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Mitch Asaras “Man Blowing a Bubble” von 1972:
(via Martin Klasch)
? Hierzu siehe auch: ASCII Art von 1947
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Gerade kam die Meldung rein, dass Kate Moss jetzt eine Frau ist. Ich staune.
Nur Minuten später finde ich das hier:
(via This isn’t happyness)
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Donnerstag, 19. Februar um 23:05 Uhr auf WDR 3:
Ein Porträt des Schriftstellers und Digitalromantikers Peter Glaser
«Mit seiner „Geschichte von Nichts“ gewann Peter Glaser 2002 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Seitdem ist es ruhiger um ihn geworden. Aber nicht still. Er schreibt anarchisch versponnene Kolumnen, und in seinem Blog, dem virtuellen Pendant zu seinem mit Fundstücken aus aller Welt vollgestopften Büro, sammelt er merkwürdige Geschichten aus dem digitalen und analogen Leben.
WDR 3 WortLaut schlägt einen Bogen von seinen Anfängen als Pop-Rebell in den 80ern bis zu seinen jüngsten Projekten, etwa einem Roman über die fehlende Nase der Sphinx von Gizeh. Die Sendung spürt der Frage nach, wie Peter Glasers blau leuchtende Lagerfeuergeschichten entstehen, die auf einmalige Weise die Seele berühren: indem sie eine Sehnsucht wecken – vielleicht eine Art Phantomschmerz.»
(Hörprobe, schmerzlos)
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Eintrag in einem Antiquariatskatalog (aus dem Jahr 2015):
• KINDLE E-BOOK. Amazon, 2009. Erstausgabe nach der dritten Rückrufaktion, äußerst selten. Oktavformat. Original silberfarbene Plastikverkleidung, moderate Kratzspuren, leicht angeschmutzt, an den Bedienungsteilen berieben und bestoßen. Ladegerät und Stecker fehlen (Originalzustand?). Bildschirm gesprungen, aber funktionsfähig. USB-Kabel vorhanden. Batterien leer. Angetrocknete Flüssigkeitsspuren auf der Tastatur (vermutlich Starbucks-Kaffee), wahrnehmbarer Säuregeruch. Leichte Formverwerfung, wie vom Liegengelassenwerden auf sonnenbeschienenen Armaturenbrettern bekannt. Nur an den Ecken festgeklebter Aufkleber auf der Rückseite, verblasster Namenszug “Updike, J.” möglicherweise des Beat Generation-Poeten und radikalen politischen Bloggers des frühen 21. Jahrhunderts (laut Wikipedia). Leicht stockfleckig, aber guter Erhaltungszustand. Preis: 100globalnotes.
Englischer Originaltext von Mark Godburn, via Book Patrol. |
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Im Großen sieht es ganz danach aus, als würde uns die digitale Technologie bedeutende Fortschritte bringen. Im Kleinen bietet sich allerdings ein etwas anderes Bild.
? Es sind Kleinigkeiten, an denen ich von Zeit zu Zeit feststellen kann, woran es den Maschinen mangelt. Als ich noch geraucht habe und auch öfter mal umgezogen bin, konnte ich in der neuen Wohnung ganz einfach ein neues Namensschild für die Klingel anfertigen, indem ich aus dem Deckel der Zigarettenschachtel ein Stück weiße Pappe heraustrennte, es in die Walze der Schreibmaschine einspannte und meinen Namen draufschrieb.
Schreibmaschine. Lange her.
Ich hatte damals auch schon einen Computer und einen Drucker, der mit dem Geräusch des groben Zahnarztbohrers Endlospapierbahnen bedruckte. Aber das kleine Stück Pappe war einfach zu klein für den Drucker (und ist es bis heute). Ich hätte ein ganzes Blatt vergeuden müssen, nur um einen daumengroßen Streifen rausschneiden zu können, und das mache ich nicht (bis heute). Ich gehöre zu den Leuten, die jedes bedruckte Blatt erst dann ins Altpapier bringen, wenn es auf beiden Seiten beschrieben ist. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich in den siebziger Jahren eine Weile in einer Papierfabrik gearbeitet habe, wie es sich für einen Schriftsteller gehört, der etwas über sein Arbeitsmaterial wissen möchte. Damals wurden, um ein Kilo Papier herzustellen, etwa 400 Liter Wasser unrettbar verdreckt. Am Ende eines aufwendigen Prozesses hatte man leuchtend weisses Papier und eine braune, stinkende Flüssigkeit, die von den Betriebstechnikern “Papierschnaps” genannt wurde.
Daran, dass dem Drucker der Pappstreifen schlichtweg zu klein ist, wird deutlich, woher die Computerei kommt: Aus der möglichst schnellen Abfertigung großer Datenmassen. Sowas Kleines wie ein Namensschild war da als Ergebnis nicht vorgesehen. Das aber ist ein bedeutender Mangel. Wir Menschen wollen nämlich nicht zugunsten plumper Maschinen auf bestehende Fortschritte und sinnvolle Verfeinerungen verzichten müssen.
Nun kommt es aber noch wesentlich dicker. Längst hat sich das Computergeschehen aus dem Materiellen ins Inhaltliche und dort bis in die Substanz vorgearbeitet: in die Sprache. Und wieder treten Entwicklungen zutage, bei denen Mängel als Qualität ausgegeben werden. Die besten Beispiele dazu liefert derzeit Google. Die automatische Zusammenstellung von Nachrichten, das sogenannte Aggregieren, führte am 12. September letzten Jahres dazu, dass die redakteurslose Software irrtümlich eine Nachricht aus dem Jahr 2002 unter die tagesaktuellen Nachrichten setzte - “United Airlines erklärt Insolvenz”. Der Aktienkurs der Fluglinie brach dramatisch ein, zwischenzeitlich verlor das Unternehmen eine Milliarde Dollar - 1.000 Millionen Dollar - an Wert.
Was wie ein Einzelfall erscheint, hat aber längst auf bizarre Weise System. Wo noch Redakteure an der Arbeit sind, versuchen sie nun, nicht mehr primär für menschliche Leser zu schreiben, sondern für die Maschine. Texte werden so geschrieben, dass Google sie findet, mit einfachen Schlüsselworten im Titel und einfachen zugehörigen Begriffen im Text. Die kulturlose Suchmaschine versteht beispielsweise keine Wortspiele oder andere elegante Formen des Formulierens. Also wird, was bisher einen guten Text ausgezeichnet hat, im Google-Universum zum Manko. Platte Texte findet Google gut. Hier wird der Mangel zum System.
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Opel-Anzeige aus “Scherls Magazin”, Mai 1932 ?
? ”Der Mutterkonzern GM kämpft in den USA um weitere Kredite - und die deutsche Tochter Opel droht mit zu versinken. Mehrere Möglichkeiten zur Rettung des angeschlagenen Autobauers werden hierzulande diskutiert, unter anderem Staatsbeteiligungen.” (via tagesschau.de) |
“Aus der Autokrise wird es für die Anführer der deutschen Paradebranche, Mercedes und BMW , keinen einfachen Ausweg geben. Ihr Geschäftsmodell als eigenständige Premiumhersteller ist bedroht. Das zeigen auch die Zahlen, die Daimler-Chef Dieter Zetsche heute präsentiert hat. Ein unkonventionelles Zusammenrücken der Erzrivalen erscheint daher immer plausibler” (via handelsblatt.com) |
“Weissach in Baden-Württemberg hat die höchste Porsche-Dichte Deutschlands und noch immer hohe Steuereinnahmen. Die Finanzkrise gilt hier nur als ein fernes Gespenst.” (via zeit.de)
? Mehr zu Opel und Mercedes aus dem Archiv der Glaserei:
• “Auch bei den Seifenkistenrennen am Stuttgarter Killesberg in der Robert-Mayer-Strasse ging ein selbst gebautes Gefährt der Firma “Leisten Buhl” an den Start - gefahren von meinem drei Jahre jüngeren Bruder. Um starten zu dürfen musste ein Satz Opel-Räder verwendet werden. Das wurmte meinen Vater, der ursprünglich beim Daimler Automechaniker gelernt hatte, solange, bis er einen ‘Mercedes’ baute und an den Start schickte.” (Manfred Buhl in “Von Zeit zu Zeit”, der Geschichtswerkstatt der Stuttgarter Zeitung)
• 23. Mai 1928: Mit 24 Pulverraketen im Heck des von Max Valier entworfenen Raketenwagens Opel RAK 2 stellt Fritz von Opel auf der Avus in Berlin mit 230 Stundenkilometern einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf.
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Modernste Dichtung: Ein weiterer Beleg für etwas,
das man Typoesie nennen könnte:
(Hierzu siehe auch diese Beispiele.)
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? Mehr Bemerkenswertes zu Sand aus dem Archiv:
• Es gibt sie noch, die schönen Websites: Sand. Schlichtweg doppelklicken. | Dazu passend rieselfreudig die Zucker-Buchstabenspiele der Kanadierin Marian Bantjes. |
• Mitchell Feinberg, Spuren im Sand - moderne Modefotografie (”Accessories I” anklicken). |
• Das Sandskulpturen-Archiv des wunderbaren Blogs Grow-a-brain. |
• Farbiger Sand. |
• Schauspieler und Mannschaft des Howard Hughes-Films “The Conqueror” (1956, dt. “Der Eroberer”; hier ein Ausschnitt mit John Wayne) waren während der Dreharbeiten in der Wüste von Utah in der Nähe eines Atomtestgeländes - der Nevada Test Site - radioaktivem Niederschlag ausgesetzt; es gibt Fotos von John Wayne mit einem Geigerzähler in der Hand. 25 Jahre später war die Hälfte von ihnen an Krebs erkrankt. Für Nachdrehs hatte Howard Huges zu allem Überfluß 60 Tonnen Erde und Sand vom Drehort nach Hollywood transportieren lassen. |
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Wobei ich den dritten Teil von Indiana Jones besser fand als hier beurteilt:
(via atsween)
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Angesichts der Hilfsbedürftigkeit, die auf dem Gebiet der Lastwagenplanen- und Sattellastwandgestaltung herrscht, sind Entwürfe wie der nachfolgende, wenn auch photogeshoppt, so doch erfrischend:
? Hier weitere Beispiele von Illusionsmalerei auf Lastwagenladeraumwänden, und hier noch mehr davon (via Britanica Blog). | Ein Truck-Alphabet. |
Poster-Remakes von Olly Moss: Indiana Jones im Vexierbild. | Optical Illusions: Was ist mit den schwarzen Punkten los? | Die unmöglichen Figuren von Andreas Aronsson (via Neatorama). | Felice Varinis Täuschungsmalereien; auch hier. | Die Wikipedia über Varini. |
? Robert Kusmirowski und die Maschinen aus einer Vergangenheit, die es nie gab (via we-make-money-not-art). | Verschiedene optische Täuschungen. | Verkehrsberuhigung per Illusion: Fake Speed Bumps. |
? Illusionen aus dem Archiv:
• Der französische Fotokünstler Georges Rousse stellt unter Beweis, dass der Standpunkt - ein ganz bestimmter Standpunkt - noch erstaunliche Möglichkeiten bietet. Der rote Stern ist ebenfalls von 1986.
• Eine Guardian-Kampagne 21 Jahre danach: eine verschlungene, vernetzte, komplexe Welt - hypermoderne Variationen.
• Der Eureka Tower im australischen Melbourne ist mit 300 Metern Höhe eines der höchsten Gebäude der Welt. Wohnungen darin werden unter anderem damit beworben, dass sich “in jedem Apartment die Fenster öffnen lassen”. Der Designer Axel Peemöller hat das Leitsystem in der Tiefgarage in Gestalt einer phantastischen Illusionstypographie gestaltet.
• Eine Katze taucht überraschend auf. | Eine Katze verschwindet (plus Aufklärung) |
• Wie David Copperfield fliegt. |
• 21 optische Täuschungen, von Michael Bach sowie ein Blog des Illusions-Designers Arthur Shapiro. |
• 10 Wahrnehmungs-Wunderlichkeiten in 120 Sekunden - ein Werbespot. |
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“Zimmerpflanze” (Foto: grisei, Creative Commons-Lizenz) ?
? Redet jemand von euch mit seinem Rechner? Keine Angst, ihr seid nicht allein. Mit digitaler Sprachverarbeitung hat das allerdings nur wenig zu tun.
Es gibt eine sonderbare Diskrepanz. Die Industrie möchte unbedingt, dass wir mit unseren Rechnern reden. Vordenker halten die Verwendung von Tastaturen für steinzeitlich. Spracherkennung soll beim Übergang vom Kopfinhalt zum Bildschirminhalt die Eleganz des leichthin Gedachten bewahren.
Nun gehöre ich zu den Usern, die nicht mit ihrem Gerät reden möchten. Bereits beim Hinterlassen von Nachrichten auf Anrufentgegennehmern muß ich mich überwinden. Bis heute habe ich nicht gelernt, wie man sich von einem solchen Gerät richtig verabschiedet.
Die Vorstellung, mit meinem Computer sprechen zu müssen, erinnert mich an eine Szene aus dem Film “Solo für zwei”. Darin spielt Steve Martin einen Anwalt, der eine Millionärin davon abbringen soll, ihre Seele durch einen tibetischen Lama in einen anderen Körper transferieren zu lassen. Während einer turbulenten Suche beugt er sich, in der Meinung, die Seele sei darin gelandet, über einen Eimer Wasser und führt ein Gespräch mit ihm, das in einer reflexhaften Selbsterkenntnis endet: “Ich rede mit einem Eimer!”
Es gibt ein Volk, das es liebt, Konversation mit Maschinen zu haben: Japaner. Es gibt in Japan Badezimmerspiegel, die einem morgens sagen, wie toll man aussieht und Heizöfchen, die einen höflich anreden, wenn ihnen das Petroleum ausgeht. Plauderne Armaturenbretter in japanischen Kraftfahrzeugen sind Legende. Wir Nordeuropäer jedoch lieben die elegische Stille des Denkens. Ich sehe zum Beispiel Musikvideos am liebsten ohne Ton.
Und erstaunlich, die Menschen sprechen mit ihren Rechnern – aber ohne Spracherkennung. Drei Viertel der deutschen PC-Benutzer sprechen einer Studie zufolge mit ihrem Computer, viele davon häufig. Der Ton reicht von Ermunterungen bei Instabilitäten bis zu wildem Unflat. Ein Viertel der Nutzer gab an, nie mit ihrem PC zu sprechen.
Die mit dem Rechner sprechen, mögen denken: das sozialisiert sich. Man wird sich daran gewöhnen. In ein paar Jahren könnte es so normal sein wie heute, wo der allerorts mobil telefonierende Mensch jede Scham verloren hat, dass andere ihn öffentlich in einer erweiterten, nun auch hörbaren Art von Nacktheit vorfinden könnten. Scheu ist etwas, das Techniker nicht kennen. Aber es hat Gründe, weshalb Menschen ungern mit Dingen reden. Es beeinträchtigt das Selbstgefühl, in Kübel zu reden.
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Bis dahin ist der Mensch also evolviert:
Zwei Kinne im Anzug rezensieren Charles Darwins “The Origins of Species”
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Die gute Sitte möchte gepflegt und zuvörderst erst einmal erklärt werden.
Schon Anfang der neunziger Jahre hatte der britische Verleger eines Magazins für Telefonkartensammler angesichts einer Schwemme freizügig dargestellter Damen vergebens “mehr Würde” für das Genre gefordert. Vereinzelt werfen sich auch berufene Bundesbürger gegen die finsteren Gewalten des ungeregelt Sinnlichen. So erschien im November 1991 im Düsseldorfer Polizeipräsidium ein 40jähriger Mann, der sich beim Pförtner als Papst vorstellte. Ziel seiner Mission sei es, die Polizei “vor den Frauen” zu schützen.
? ”The Mystery of Marriage”: Wundervoller britischer Aufklärungsfilm von 1932:
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? Die Suppenküchen von Detroit (via tagesschau.de). | Gesundes Essen für unter $1 (via well.blogs.nytimes). | 10 Möglichkeiten, beim Essen Geld zu sparen (via Listverse). | Wie man ohne Geld ein Apartment einrichtet (via Uniquedaily). |
? Modernes Leben: work buy consume die. | Warum Skater die Rezession lieben (via PSFK). | 10 Dinge, die man tun kann, wenn man seinen Job verloren hat. |
10 Methoden, in einer Rezession Geld zu sparen (via Lifehacker). | Weitere 15 Tips, mit denen sich Tausende sparen lassen. | 1.250 Dollar für einen Liter schwarzer Druckertinte. |
? Ketzel Levine war Senior Correspondent des National Public Radio (NPR). Sie hatte eine Reportagereihe begonnen, in der darüber berichtet wurde, wie Amerikaner mit der Wirtschaftskrise umgehen. Mittendrin wurde sie von NPR entlassen. (via NYT) |
10 der dramatischsten Finanzkrisen der Welt, und was wir daraus gelernt haben (via Business Pundit). | Dezember 1929: Hauskleider für unter einen Dollar. Modegeschäfte in Chicago kämpfen gegen die Wirtschaftskrise an (aus dem Archiv der Chicago Tribune). | Rezessionmode. |
? Weitere Crashs:
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One of our new neighbors is Robert. Interesting guy, very friendly and helpful. Raised on a reservation. Served time in the joint for selling 14,000 pounds of stolen cashews. Pimped his El Camino with bucket seats, and that armrest in the middle is actually from a sectional couch. The top slides back for ample storage space. Sweet! (Foto: Editor B, Creative Commons-Lizenz) ? Seit Jahren nervt die schwedische Firma Electrolux uns mit ihrem Internet-Kühlschrank. Im Jahr 2000 wurde die “Generalprobe für den Internet-Kühlschrank” namens Screenfridge verkündet (”50 dänische Familien testen einen neuen Kühlschrank mit eingebautem Internetanschluss”). Sieben Jahre später wird er immer noch als die schärfste Erfindung seit dem tiefen Teller angepriesen – der Kühlschrank solle “einmal eine führende Rolle im schwedischen Smart-home-Konzept spielen.” Jahr für Jahr bekommen wir, als wären es Neuigkeiten, immer dasselbe mitgeteilt, nämlich dass der Sceenfridge E-Mails verschicken, Rezept-Vorschläge machen und Fernseh-Programme empfangen kann und von alleine online Lebensmittel nachbestellen können soll, die weggegessen oder leergetrunken sind. Schon die Vorstellung, dass mein Kühlschrank so vor sich hinbestellt, finde ich unbehaglicher als einen Pubertierenden, der mit meiner Kreditkarte unterwegs ist.
Nun hat Electrolux einen Staubsauger entwickelt, der zwar noch über keinen Internetzugang, dafür aber über vorgeblich exquisite andere Extras verfügt. Genauer gesagt hat man sich mit einem Designer zusammengetan, der einen fertigen Staubsauger gepimpt hat. Er hat ihn in akkuratem geometrischen Raster mit 3730 Swarowski-Kristallsteinchen überzogen.
Das Pimpen ist, wie wir alle wissen, vom Pimp abgeleitet, dem Luden, der möchte, dass er in seinen Rotwein auch so ein Papierschirmchen kriegt wie’s der Herr da drüben in seinem Drink hat, und der vor allem Wert darauf legt, dass die Dinge in seinem Besitz Bling-Bling sind, oder kurz: Bling. “Bling-Bling steht für eine aggressive, nach bürgerlichen Maßstäben protzige Zurschaustellung von Reichtum”, weiß die Wikipedia. “Eine Uhr mit Bling-Bling erkennt man z. B. an den vielen Diamanten.” Der Begriff kommt aus alten Zeichentrickfilmen, in denen überdimensionale Edelsteine beim Funkeln stets ein typisches Geräusch machen – Bling-Bling! – und hat sich über die HipHop-Szene längst in den Mainstream vorgearbeitet. Hier entfacht er zwischen Fußballern mit Brilliantohrsteckern, verchromten Autofelgen und Glitzersteinchen-enkrustierten Mobiltelefonen und iPods ein funkelndes geschmackliches Fiasko.
Der gepimpte Staubsauger heißt ErgoRapido, hat erstaunlicherweise wegen seiner schlichten Grundausstattung bereits Designpreise abgeräumt und mußte sich nun aus PR-Gründen einer kristallinen Totalverhunzung unterziehen lassen. “Reich trifft blöd” betitelt BoingBoing ein Posting über das luxurierte Haushaltsgerät. Der Name des Designers, der durch die verschiedenen Gadget-Blogs – etwa 500 Google-Treffer – weitergereicht wird, klingt “ein bisschen ausgedacht”: Lukasz Mistletoe (zu deutsch: Mistelzweig), angeblich ein junger polnischer Celebrity-Ausstatter und Modedesigner, der aber im Netz außer neben dem komischen Staubsauger nirgendwo zu finden ist. Was nicht weiter verwunderlich ist, da sein tatsächlicher Name Lukasza Jemiola Opfer einer automatischen Google-Übersetzung wurde – “Jemiola” heißt “Mistel”, was Google aus dem Polnischen ins Englische freizügig mit “Mistletoe” übersetzt.
Tatsächlich hat die Saugerveredelung auch eine bizarre kapitalistische Pointe. Um Geld zu sparen, kündige Electrolux Ende 2005 in Deutschland an, eine Produktionsstätte mit 1.750 Beschäftigten in Nürnberg aufzugeben und die Kapazitäten in italienische und polnische Betriebsstätten zu verlagern. Die Verlagerung vollzog sich über zwei Jahre und führte in der Nürnberger Region zu erheblicher Verärgerung. Was macht die Firma, in Polen angekommen, mit dem gesparten Geld? Die Pressemeldung anläßlich der Gala-Premiere des ErgoRapido Crystal, der während einer Modenschau des zugehörigen Designers im November 2008 in einer altehrwürdigen Zitadelle in Warschau vorgestellt wurde, liest sich streckenweise wie das Rollout eines neuen Learjets. Dass es letztlich doch nur um einen kabellosen Staubsauger geht, war nicht restlos wegzudesignen – Sätze wie “All das führt dazu, dass das Gerät wirkungsvoll Krümel, Haare, Sand und Staub aufsaugt” sind einem Rest von Realität geschuldet.
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In einem Artikel mit dem trefflichen Titel “Rasender Stillstand” erörtert Rainer Baginsky, dass ein Amschel Meyer Rothschild seine Börsengewinne nach der Schlacht von Waterloo noch in aller Ruhe machen konnte, weil ihm die Informationen von Brieftauben überbracht wurden anstatt auf dem Postweg. Das sicherte ihm den entscheidenden Vorsprung vor der Konkurrenz.
Heute sieht der Wettbewerb der Informationsmittel, der einem die nötigen Sekundenbruchteile liefern soll, deutlich anders aus. Mancher fühlt sich dabei von einer neuzeitlichen Beschleunigung erfaßt, die immer weiter zuzunehmen scheint und sich als Unruhe ins Gemüt und die planende Absicht gräbt. “Früher“, sagt ein Verlagsmann, “hatten wir einen Zustand, dann kam eine Veränderung, dann ein neuer Zustand. Jetzt ist Veränderung der Zustand.”
Einige fürchten, dass die Geschwindigkeit immer weiter zunehmen könnte, bis sie schließlich von einem übermächtigen Fahrtwind jählings von ihrem Platz an der Front der Moderne fortgerissen würden, wie von einem Sturmstoß. Im Aufrauschen der Neuigkeiten entsteht eine Erregung, die zu oszillieren beginnt und die statt Zeit Gleichzeitigkeit erleben möchte, statt Aktion Parallelhandlungen. Die Frequenz nimmt aber nur bis zu einem bestimmten, kritischen Punkt zu, an dem sich eine neue Struktur ausgeprägt hat, ein neuer Grad an Ordnung, und sich eine neue Geläufigkeit einstellt.
Es ist eine Zeit des Übergangs. Sie ähnelt dem Monitorflimmern, das vom Fernsehbildschirm über den einfachen Videomonitor immer mehr zunimmt und Augen und Nerven strapaziert. Ab einer bestimmten Beschleunigung respektive Bildwechselfrequenz (über 72 Hertz) verschwindet das Flimmern. Das Bild wird still und klar. Beschleunigt man weiter, wird das Bild noch stiller und klarer.
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? Gott Ganesh, gib Gummifüße. Verschärftest: indischer Twist
? Indisch-altägyptisches Musikvideo (Mumien!):
? Indischer Elvis nebst Hopstanz im Glitzerkleide:
? Die Beatles, outgesourcte Version:
? Eine ganze Ecke mehr Twist: Chubby Checker: “Let’s Twist Again” (1960) | Johnny Hallyday: “Let’s Twist Again” (1961) | Los Beatniks: “Tampico Twist” (1962) | The Beatles live: “Twist And Shout” (1965) | Ral Donner: “Twist Cindy Twist” | The Who: “Twist & Shout” (1982) | Keinesfalls verabsäumen: Barritas, “Gambale Twist” | Time Machine: “The Unfortunate Twist” (feat. Greg Nice) |
Der Twist war der erste Rock’n'Roll-Tanz, bei dem sich die Tanzenden nicht berührten.
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“Wo ist die Grenze, wie weit kann ich gehn?”
“Durch die Wärmebewegung der Atome kommt es zur Paarbildung. Jedes frei werdende Elektron hinterläßt eine Fehlstelle, auch Loch genannt. Gleichzeitig finden ständig Rekombinationen statt, Löcher fangen Elektronen ein. Dies führt dazu, daß sowohl Elektronen wie Löcher Zickzackbewegungen ausführen. Die Vorstellung, daß die Löcher frei beweglich sind und sich wie freie Ladungsträger verhalten, hat sich bei der Beschreibung der Vorgänge in Halbleitern bewährt und wir benutzen sie ohne weitere theoretische Begründung.”
Fischer Kolleg Physik
Loch Ness (Foto: Sedoglia, unter Creative Commons) ?
Wir haben es hier mit einer Konspiration zu tun, deren Urheber nur sehr schwer festzunageln ist, da seine zentrale Eigenschaft darin besteht, zu fehlen. Es handelt sich um die Verschwörung der Löcher.
Das erste erkennbare Loch klafft schon in den Mythologien der Menschheit, in denen wir uns vergeblich nach der furchterregenden Vorstellung umsehen, dass es irgendwo im Universum einen Stöpsel gibt, an dem man bloß zu ziehen braucht, und wie durch einen gewaltigen Abfluß läuft die ganze Welt aus ins Nichts. In Anbetracht des Lochs versagt auch unsere gewohnte Methode, einer Angelegenheit vermittels bohrenden Mißtrauens auf den Grund zu gehen, da das Loch keinen hat. Höchstens läßt sich, nach Wittgenstein, sagen: Ein Loch ist alles, was nicht der Fall ist.
Zu einer weiteren Untersuchung können wir uns mit dem Kreis - nicht der Scheibe! -, zwei mal Radius mal Pi, als mathematischer und damit abstrakter Fassung des Lochs behelfen. Wobei eine aus dem Kreis abgeleitete Sinuskurve das Vorstellungsvermögen insofern strapaziert, als es sich bei ihr um ein gewissermaßen seitlich abgewickeltes Loch handelt und dabei die dem Loch wesentliche Geschlossenheit ins Unanschauliche abhandenkommt.
Spitzfindige Köpfe mögen sich nun fragen wie ein Loch, das ohnehin etwas ist, das nicht da ist, noch weiter verschwinden kann. Aber es verschwindet ja nicht richtig. Dazu möchte ich an die beliebte Krümmung des Raums erinnern und zu bedenken geben, dass ein Loch nichts anderes ist als eine Sonderform von Raum. Somit kann es bedenkenlos auch zur Seite gebogen oder abgewickelt werden, was sich an einer leeren Coladose, die man wie eine Banane schält, in einem einfachen Experiment überprüfen läßt.
Andererseits läßt sich dadurch eine verborgene Bedeutung des Satzes “Ein Loch ist im Eimer” verdeutlichen, nämlich im Sinne von “Ein Loch ist kaputt“, was durch rabiates Verbiegen durchaus passieren könnte. Die Frage, ob ein Loch sich überhaupt kaputtmachen oder beschädigen läßt, ist allerdings umstritten; ebenso die bereits von Kurt Tucholsky gestellte Frage, warum es keine halben Löcher gibt.
Angesichts des Weltenraums drängt sich die Vermutung auf, dass die Materie die Ausnahme und das Loch die Regel ist. Kubiklichtjahrhunderte stoffloser Leere, und dann und wann eine Galaxie. Richten wir unseren Blick ins Kleinste und Innerste der Materie, so gähnt uns auch dort die im Verhältnis gewaltige Leere entgegen, welche zwischen einem Atomkern und den Elektronen klafft, die ihn umsausen, und welche von nichts als einer schwer fassbaren Kernkraft durchkreucht wird - wobei wir dieser Art Loch immerhin zu danken haben, dass wir nicht auseinanderfallen. Die Natur als Gegenspielerin der Löcher, aus welchen sie unaufhörlich hervorquillt, um sie auszufüllen, die Natur also hat es wohlweislich so eingerichtet, dass der Mensch zum Großteil aus Wasser besteht, da es fast unmöglich ist, in Flüssigkeiten Löcher anzubringen.
Ähnlich wie die Bereiche des Wellenspektrums, die außerhalb des sichtbaren Lichts liegen, entgehen unserer unmittelbaren Wahrnehmung jedenfalls all die unermeßlich vielen Löcher, die eine bestimmte Größe über- oder unterschreiten. Die untere Grenze liegt etwa bei einer Hautpore, und die größten für das freie Auge gerade noch ausnehmbaren Löcher bewegen sich in der Dimension der FDP, die ein scharfsichtiger Kabarettist als ein nach allen Seiten hin offenes Loch definiert hat.
Im übrigen ist die Natur mit den Löchern einen Kompromiß eingegangen, indem sie ihnen gewisse Funktionen zugestanden hat. Lichtenberg zufolge werden die wichtigsten Dinge im menschlichen Leben durch röhrenförmige Löcher getan, als Beispiele nennt er die Schreibfeder, die Schußwaffe und die Zeugungsorgane.
Unsere Befürchtung geht aber dahin, dass die Löcher sich ausbreiten, sich mehr und mehr hineinfressen in die Welt. Ein Schaudern muß jedermann erfüllen angesichts der Vision, dass all die Myriaden von Löchern miteinander Verbindung aufnehmen könnten und ineinander aufgehen wie die Fettaugen auf einer Suppe, um ein Riesenauge zu bilden, ein einziges, unermeßliches Loch. Das Beruhigende an der Vorstellung ist, dass es dann endlich wieder mehr Parkplatz gibt.
? Der Telegraph bringt eine Liste der 30 angeblich größten Verschwörungstheorien. Die mit dem Loch ist aber schon mal nicht dabei. |
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Ein mehr als grandioser Text der Taucherperle Thierry Chervel: ”Vorauseilende Unterwerfung“ (via Tagesspiegel).
“20 Jahre Fatwa gegen den indisch-britischer Schriftsteller Salman Rushdie: Der Islamismus hat den Westen fester im Griff denn je – den linken Intellektuellen sei Dank” -
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Die Kirche hat die geradezu phantastische Andachtsbereitschaft der Computerspieler bisher mißachtet (ausführlicher hier). Ich muß an den außergewöhnlichen Film “Sans Soleil” von Chris Marker denken, in dem jemand in einem Großkaufhaus in Tokio eine Ausstellung von Schätzen aus dem Vatikanmuseum sieht, die das Museum seit Jahrhunderten nicht mehr verlassen haben. In den Augen der Kunden vermeint der Betrachter einen Glanz von Industriespionage wahrzunehmen und er vermutet, dass die Japaner in absehbarer Zeit mit einer etwas leistungsfähigeren und billigeren Version des Katholizismus auf den Markt kommen werden.
“What Jesus looks like” von Marc Johns (via Holga)
Obwohl die Automation schon seit längerem stetig an Boden gewinnt, ist seltsamerweise erst in jüngster Zeit das Problem aufgetaucht, welche Bedeutung es hätte, wenn der Großteil des menschlichen Arbeitslebens ausradiert würde. Auch heute erkennen nur wenige, daß dieses Problem, einmal ehrlich ausgesprochen, das Endziel der Automation ernsthaft in Frage stellt. Was die mögliche Schaffung einer vollautomatisierten Welt betrifft, so können nur Ahnungslose ein solches Ziel als den höchsten Gipfel menschlicher Entwicklung ansehen. Es wäre eine Endlösung der Menschheitsprobleme nur in dem Sinne, in dem Hitlers Vernichtungsprogramm eine Endlösung des Judenproblems war.
Lewis Mumford, “Mythos der Maschine” (1967)
Der umstrittene Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, will seine Thesen zum Holocaust vorerst nicht widerrufen. Er werde zunächst die historischen Beweise prüfen, sagte der Katholik dem Spiegel: “Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen.” (Februar 2009)
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Eine bemerkenswert schöne, handgezeichnete Rube-Goldberg-Maschine von Leolyxxx and Finsta, die Musik ist von Pluxus:
(via Scene 360 Illusion)
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Hierzu siehe auch:
• Eine großartige Rube Goldberg-Uhr. |
• Mehr über Rube Goldberg und seine unglaublichen Geräte. |
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? (Update zu: Patrick McGoohan, freier Mensch): Klassisch - das Intro von “Nummer 6” (The Prisoner):
? Ein Designer-Gefängnis, das angeblich in Chicago steht, in Wahrheit aber im österreichischen Leoben (via Snopes). | Wiewohl es auch in Chicago ein bemerkenswertes Gefängnis gibt, das Chicago Metropolitan Correction Center. In den gitterschmalen Fensternischen (hier Fotos auf Flickr) haben sich Wanderfalken eingenistet. Hier eine Luftaufnahme des Gebäudes. | “Das amerikanische Familiengefängnis“: eine Performance der guatemaltekischen Künstlerin Regina José Galindo. |
? ”Prisoner’s Inventions” (2003-2006): “Dieses Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem inhaftierten Künstler Angelo. Er hat eine Reihe bemerkenswerter Erfindungen gezeichnet, die den Bedürfnissen von Gefangenen und ihren restriktiven Lebensbedingungen entgegenkommen. Die Erfindungen decken alle Bereiche von selbstgebastelten Sexpuppen, Kondomen, Salz- und Pfefferstreuern bis zu Schachspielen ab. Wir haben zwei Jahre lang gemeinsame mit Angelo an diesem Projekt gearbeitet. Es gab viele weitere Teilnehmer, die unter anderem ein Buch veröffentlicht und eine Ausstellung mit nachgebauten Erfindungen und einer Gefängniszelle veranstaltet haben.” Vier Videos zeigen die Herstellung und Funktion von Gefangenenerfindungen.
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Der wichtigste Wunsch, den ich an die künftigen Formen von Kommunikations- und Computertechnik habe: Die Hardware soll verschwinden und nur die Funktionen sollen bleiben. Mein Lieblingsgerät, das es nicht gibt, wäre daher eines, das so viele andere Geräte wie möglich zum Verschwinden bringt (und konsequenter Weise am Ende auch sich selbst). Wir wollen es den Desintegrator nennen.
Ich wäre bereit, Kompromisse zu machen. Ich würde mich, wenn sich dadurch ein Laptop zumindest fast zum Verschwinden bringen ließe, auch mit einem speziellen Blatt Papier zufriedengeben, das aber die Funktionalität eines funkvernetzten Rechners haben müßte und auf dem ich je nach Bedarf mit Stift oder auf einer eingeblendeten Tastatur schreiben könnte.
Der Desintegrator müßte ähnlich funktionieren wie eine umgekehrte Neutronenbombe: die Dinge verschwinden, die Menschen bleiben über. Allerdings hätte er keine zerstörerische Wirkung. Er würde die ganzen Geräte und Apparate, Handys, Rechner, MP3-Player etcetera pp. in den Hintergrund rücken. Der Desintegrator würde dafür sorgen, dass ich überall online sein kann, telefonieren, schreiben, lesen, fernsehen, musikhören, ohne ständig sperrige Hardware herumschleppen zu müssen. Er würde alles unsichtbar in den Hintergrund rücken. Mit seiner Hilfe ließe sich dafür sorgen, dass Computerzugang zu einer Art von Umweltbedingung wird, wie etwa die omnipräsente Möglichkeit, Radio zu empfangen. Der Desintegrator würde meinen Laptop zum Verschwinden bringen; stattdessen hätte ich die Möglichkeit, überall in virtueller Form das zu benutzen, was Bildschirm und Tastatur einem bisher eher umständlich geboten haben.
Es gibt bereits Systeme, die Bildschirminhalte auf eine mehr oder weniger beliebige Fläche projezieren, dazu einer Infrarotkamera, die erkennen kann, wohin ich mit meinem Finger zeige, welche Gesten ich ausführe. Statt einer Maus benutze ich meinen Finger, statt einer Tastatur aus Plastik eine projezierte aus Licht. So könnte der Desintegrator dazu führen, dass alles Apparatige endlich von uns weicht. Für das, was eigentlich zu tun ist, genügt ein smarter Hauch von Licht.
Viele Geräte, mit denen wir heute umgehen, sind entweder zu dominant oder zu klein. Es gibt eine maßlose Miniaturisierung, die keine Benutzer aus uns macht, sondern Frickler. Bei manchen Mobiltelefonen muss man fast schon aufpassen, sie nicht unabsichtlich einzuatmen. Unsere Alltagsmaschinen werden leichter, dünner, filigraner, aber die letzte Konsequenz lässt sich nicht mit immer neuen Verkleinerungsschritten erreichen. Die Geräte müssen verschwinden, schlagartig und komplett. Diese Funktion wünsche ich mir für den Desintegrator.
Der erste Taschenrechner, den Texas Instruments 1971 auf den Markt brachte, konnte die vier Grundrechenarten und wog mehr als ein Kilo. Heute sind Handys, PDAs und Subnotebooks oft schon jenseits der Grenzen an Handhabbarkeit. Möglich, dass der Mensch nicht das Maß aller Dinge ist, er sollte aber das Mass jener Dinge sein, die Techniker für ihn konstruieren. Als in den siebziger Jahren Armbanduhren mit Taschenrechnerfunktion und Kleinsttastaturen aufkamen, wurde eine Art Hightech-Zahnstocher mitgeliefert, um die winzigen Felder noch bedienen zu können. Ohne den Desintegrator wären nun die Biotechniker aufgerufen, die menschlichen Finger soweit zu verkleinern, dass sie mit der winzigen Knöpfchengänsehaut auf manchem Gerät wieder zurechtkommen können.
Auch Spracherkennung ist keine zufriedenstellende Lösung Komma immer pusseligeren Bedienungselemenen aus dem Weg zu gehen Punkt Absatz
An den Erscheinungsformen digitaler Gerätschaft, der wir uns in immer neuen Selbstversuchen aussetzen, erinnert vieles an das Kinderspiel, bei dem man durch ein umgedrehtes Fernglas auf seine Füße schaut und dabei versucht, einen Teppichrand entlangzugehen. Man sieht seine Beine hoch wie Stelzen und das Gehen wird durch die künstliche Schwierigkeit zu einem schwierigen Balanceakt. Ohne Fernglas könnte man mühelos kilometerlange Teppichränder entlangmarschieren - aber das wäre nicht innovativ. Dieses sonderbare Bedürfnis, es sich schwerer zu machen als nötig, findet sich in fast jedem modernen Gerät. Wer diesem anstrengenden und aberwitzigen Bedürfnis die Grundlage entziehen möchte, braucht einen Desintegrator.
Alles Hardwaregetürm steht letztlich in einem sonderbaren Unverhältnis zu der Flüchtigkeit und lichtleichten Zartheit der Inhalte, die das digitale Medium und seine ganzen Unterabteilungen durchfließen. Das Verschwinden der Hardware wird uns nach all den faszinierenden Umwegen, die wir immer wieder gehen, um eine solche Maschine bedienen zu können, wieder mit uns selbst in Berührung bringen. Die ganze Medienentwicklung weist in eine Richtung, die uns quasi mit magischen Fähigkeiten ausstattet. Die Vorstellung, mich in auf eine Parkbank setzen zu können und mit einer Handbewegung eine Verbindung ins Netz herbeirufen zu können, wäre noch vor einem Jahrzehnt Science Fiction gewesen. Durch den Desintegrator wird Zauberei zu einer realistischen und pragmatischen Angelegenheit.
Einen Haken an einer von magischem Funktionieren durchflossenen Welt hat der Kulturwissenschaftler Lewis Mumford beschrieben: ”Nichts kann die menschliche Entwicklung so wirkungsvoll hemmen wie mühelose, sofortige Befriedigung jedes Bedürfnisses durch mechanische, elektronische oder chemische Mittel. In der ganzen organischen Welt beruht Entwicklung auf Anstrengung, Interesse und aktiver Teilnahme - nicht zuletzt auf der stimulierenden Wirkung von Widerständen, Konflikten und Verzögerungen. Selbst bei den Ratten kommt vor der Paarung die Werbung.”
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Wenn Dali Autoverkäufer gewesen wäre… (2008) ?
Wenn Microsoft Autos bauen würde… (2005) | Wenn AT&T Autos bauen würde… (2003) | Wenn Autos wie Computer wären… (1997) | (Umweltprämie für Altwitzverschrottung einführen? Newsgroup alt.witz ins Leben rufen?)
Robust, aber sehr schwer zu betanken: Ein Auto aus Stein von Daniel Dewar und Gregory Gicquel. | Wie man sein Auto so umbaut, dass es mit Müll fährt (via Boing Boing). |
Ein Schachspiel aus Autoteilen (via Uniquedaily). | User Generated Cars: Leser von Modern Mechanix schlagen neuartige Fahrzeug-Designs vor (Februar 1957). |
Tausende von unverkauften Autos im britischen Corby, wo das Logistik-Unternehmen Gefco sie abstellt, ehe sie an Händler gehen. Der gewaltige Parkplatz in Google Earth. Eine Bildergalerie im Guardian. |
Wie könnte der satte Sound einer Oberklasselimousine aussehen? Gary Thomas von Crush findet, so:
? Mehr zur Finanzkrise aus dem Archiv der Glaserei:
Die vollautomatische Lösung der Finanzkrise
Finanzkrise (13): Endlich erklärt
Finanzkrise (12): Gebete für Geländewagen
Finanzkrise (11): Geld im menschlichen Bewußtsein
Finanzkrise (10): Abgefahren
Finanzkrise (9): Speziell markiert
Finanzkrise (8): Selbstbau-Lamborghini, Zornruf
Kolumne: Wenn die kleine Gier kommt
Finanzkrise (7): Besser Bier statt Bank
Finanzkrise (6): Autopilot
Finanzkrise (5): Es ist die Wirtschaft, Blödmann
Finanzkrise (4) Rasenmaler und traurige Trader
Finanzkrise (3): Suppen-Aktien und Geldmaschinen
Finanzkrise (2): Kekse und Entschuldigungen
Geld.-
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Als Sparmaßnahme im Zuge der Finanzkrise wurde das Licht am Ende des Tunnels abgedreht.
Art Marcovici und das teuerste Kunstwerk, das jemals gemacht wurde: So sieht eine Milliarde Dollar aus, auf 12 Industriepaletten gestapelt (via Woohome) →
• Die Postbank verschrottet Bargeld. | In Zimbabwe wurden die ersten 100 Billionen-Dollar-Scheine gedruckt. | Die Wahrheit über Gold (via Focus.de). |
Die geheimnisvollen Strukturen der haarfeinen Banknotenraster. |
• Die US-Ausgaben für Nuklearbewaffnung liegen bei mehr als 52 Milliarden Dollar. | Datenkunst aus dem Economix-Blog der New York Times: Die Entwicklung der Hauspreise 2001-2008 | Wie sich der Reichtum von Millionären verändert. |
Kunst aus Dollarnoten und anderen Arten von Geld (via WebUrbanist). | Hanna von Goeler, Währungskunst: My Money, My Currency. | Ein Kronleuchter aus Dollarscheinen. |
• Johannes Kreidler hat die Musik-Software Songsmith mit Charts von fallenden Aktienkursen und anderen Untergangsszenarien gefüttert. Hört sich erstaunlich lässig an, bloß General Motors klingt unmelodisch (via Boing Boing):
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Ilan Schifter ist Absolvent des Tisch Interactive Telecommunications Program (ITP) der Universität New York und hat ein aufblasbares “Interface für Kleinkinder” entwickelt. Es nennt sich ToddlePuff (etwa: Baby-Bausch) und läßt weniger an eine Gehschule denken, als vielmehr an eine digitale Gummizelle; andere fühlen sich an einen Käfig für Labortiere erinnert, an Ray Bradburys Roman “Fahrenheit 451″ - oder an Skinner und seine Box. Der Psychologe Burrhus Skinner hat in den fünfziger Jahren das so genannte “programmierte Lernen” erfunden. Er entwickelte eine Apparatur, mit deren Hilfe das Verhalten von Testtieren quantitativ erfasst wird: die Skinner-Box. Dazu wird ein Tier in einen speziellen Testkäfig gesetzt, in den ein kleiner Hebel hineinragt. Wird der Hebel gedrückt, gibt es einen Eintrag auf einem Papierstreifen.
ToddlePuff verfügt über 16 Nahbereichssensoren und ist als einer Art begehbarer Game-Controller für die Kleinen gedacht. Ein aufblasbarer Gatterzaun “blockiert den Blick, um eine eingehende Erfahrung zu erzeugen. Er ist breiter als die Armspanne eines Kleinkinds, um Bewegung anzuregen.” Auf einem Bildschirm am Rand des Geheges ist eine animierte Kindergeschichte zu sehen und zu hören. An verschiedenen Stellen innerhalb des Gatters sind Bilder von Figuren aus der Geschichte angebracht. “Die Interaktion mit ToddlePuff”, schreibt Schifter, “fördert die Entwicklung des Orientierungsvermögens, von Koordinationsfähigkeit und -geschwindigkeit.” Blinkt eine Figur am Bildschirm, muß das Kind die dazugehörige Figur an der aufblasbaren Umzäunung finden und berühren, damit die Geschichte weitergeht. Bereits am 7. Mai 2007 hatte Ilan Schifter unter der Nummer 60/927,972 ein US-Patent auf die Idee eines “Multi-Sensor User Input Device For Interactive Programs On A Machine” angemeldet.
In den Computerlabors des Tisch Interactive Telecommunications Program in Greenwich Village treffen Technologen, Theoretiker, Ingenieure, Designer und Künstler aufeinander, die versuchen, die Grenzen der Interaktivität zwischen realer und digitaler Welt zu erweitern - ein “hi-tech fun house.” 1982 war dank einer Spende von Laurence A. Tisch und Preston Robert Tisch das Haus 721 Broadway gekauft und renoviert worden, zum Dank für die großzügige Gabe wurde die Schule in Tisch School of the Arts umbenannt. Preston Robert Tisch war Chairman und gemeinsam mit seinem Bruder Laurence Miteigentümer der Loews Corporation, einer Holding, zu der Versicherungen, Hotels und Ölfirmen gehören. Laurence Tisch, als Investor an der Wall Street groß geworden, hatte 1986 den Fernsehsender CBS übernommen und sich im Mai 1995 unvergeßlich gemacht. Während ABC und CBS die Rede von Präsident Bill Clinton vor den Hinterbliebenen des Bombenanschlags von Oklahoma zeigten, sah man bei CBS keine Veranlassung, die Übertragung eines Golfturniers zu unterbrechen, für das Werbespots im Wert von einer Million Dollar gebucht worden waren.
Als das Blog BoingBoing von ToddlePuff berichtete, schlugen die Wellen hoch. “Ich habe zwei kleine Kinder und hoffe, dass sie niemals ein solches Pawlov-Ding sehen werden”, schrieb der Grafikdesigner Craig Noble. “Kinder sollen die Welt entdecken. Das große Problem dabei ist, denke ich, dass niemand aus einem Stein, einem Stöckchen, etwas Dreck und einem Platz zum Spielen Geld machen kann”. Eine Erzieherin, die sich um Kinder mit verschiedenartigen Behinderungen kümmert, “dachte für einen kurzen Moment daran, dass diese Monstrosität ein wenig Erleichterung für Kinder bringen könnte, die nicht rausgehen oder an den üblichen Aktivitäten von Kindern teilhaben können. – Aber *das* ist keine Lösung.” Und ein Fachmann für frühkindliche Entwicklung befand: “Ein Pappkarton und ein paar Stifte mit abwaschbarer Farbe sind dieser Technologie haushoch überlegen.”
Nach massiver Kritik schaltete sich Erfinder Schifter mit dem Hinweis in die Debatte ein, an der nächsten Version von ToddlePuff würde “sicher nichts mehr an einen Käfig erinnern. Wie wär’s, wenn as ganze zum Beispiel aussehen würde wie ein Piratenschiff?”
Eine ähnliche Idee wie ToddlePuff hatte die Spielefirme Sega bereits Anfang der neunziger Jahre für die Mega Drive-Spielkonsole umzusetzen versucht: den Sega Activator (hier ein Instruktions-Video). Dabei handelte es sich um eine achteckige Schiene, in die man sich stellen mußte, um durch Bewegungen einen “Käfig” aus Laserstrahlen zu unterbrechen und die Geschehnisse am Bildschirm zu beeinflussen. Das Gerät war ein Flop.
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