Monatsarchiv für März 2009

Finanzkrise (20): Mobs und Jobs

Sparschweinernes: Die Pork Chop Piggy Bank von Rob Price, Thwart Design (via SwissMiss). ?

Das Geldproblem in der Wirtschaftsordnung von Star Trek: James R. Rummel weist darauf hin, dass es im Star Trek-Universum kein probates Zahlungsmittel gibt. |

Schneuzen bei fallenden Kursen: Das Dow Jones-Taschentuch. |

77 Kreditkrisen-Innovationen (via Trendhunter). |

Gigabytes sind das neue Dollarzeichen. |

Discounto ist eine Preissuchmaschine für den regionalen Bereich. Aktuelle Discounter-Angebote in der Umgebung (Danke, Markus A.) |

Elektroauto ohne Motorraum: Ab 2011 will die kalifornische Firma Tesla Motors Stromlimousinen in Serie herstellen. |

Diese bemerkenswerte Mail schickte Jake DeSantis, einer der Vizepräsidenten der Abteilung für Finanzprodukte des Versicherungsunternehmens AIG, an seinen Chef Edward M. Liddy. Der vom amerikanischen Steuerzahler gerettete Versicherungsriese hat an Mitarbeiter Boni in Höhe von 218 Millionen Dollar ausgeschüttet. DeSantis, der eine Anerkennung in Höhe von 742.006 Dollar und 40 Cent erhalten hat, beschreibt in seiner Mail, warum er sich ungerecht behandelt fühlt (via New York Times). |

Sicherheitshinweise für AIG-Mitarbeiter: Wie man einen wütenden Mob übersteht. |

Der wütende Mob auf einer Bustour zu den Luxus-Anwesen von AIG-Managern im US-Bundesstaat Connecticut. |

Arbeitslosigkeit in den USA: die Karte. |

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Zeitreisen: Es war einmal in Amerika

Das amerikanische Elektrogroßunternehmen Westinghouse, das sich inzwischen in die Medienkonzerne Viacom und CBS verwandelt hat, hat im Flushing Meadows Park in New York zwei Zeitkapseln vergraben lassen: eine anläßlich der Weltausstellung in New York im Jahr 1939 und eine zweite zur gleichfalls in New York abgehaltenen Weltausstellung 1964. Beide Kapseln sollen im Jahr 6939 geöffnet werden, fünftausend Jahre nachdem die erste Kapsel verschlossen wurde. | 

Das timescope von Art+Com: An zentralen Orten des Mauerverlaufs in Berlin installiert, ermöglicht es eine Reise in die Vergangenheit dieser Orte. Durch Schwenken kann eine bestimmte Perspektive und eine zeitliche Periode ausgewählt werden. Das reale Bild des Orts wird mit historischen Bildern und Filmen positionsgenau überlagert. |

? Sprachforscher der britischen Universität Reading wollen Zeitreisenden, die in die Zukunft fahren, eine Liste von Begriffen mitgeben, von denen sie glauben, dass sie von unseren Nachkommen nicht mehr verstanden werden, weil sie sich in den verschiedenen europäischen Sprachen immer weiter auseinanderentwickeln. Hierzu gehören unter anderem die Worte schmutzig, quetschen, böse, weil, Stock, riechen, drehen und abwischen. |

? Members’ Forum Subforum der International Association of Time Travelers. |

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Amerikanische Ureinwohner. | Amerikanische Indianer. |

? Jimmie P. Janousek war 1940 mit seinen 264 Kilo einer der schwersten Jungs in North Dakota. |

1909: Der Bau der Manhattan Bridge. |

? Postkarten von alten Motels. |

Aus der Digital Gallery der New York Public Library: At Home in Brooklyn - The Nooney Brooklyn Photographs, 1978-1979. | Staten Island auf alten Postkarten. |

? Brooklyn in den siebziger Jahren:
Whiskeygonebad - View my most interesting photos on Flickriver

New York, 1928:

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Die Killer-SMS

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Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.

Albert Einstein

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? Es begann vor ein paar Tagen mit einem Bericht der ägyptischen Tageszeitung Egyptian Gazette. Ein Mann aus Mallawi im Süden von Kairo soll einem Gehirnschlag erlegen sein, nachdem er eine mysteriöse SMS erhalten hatte. Die ominöse Nachricht soll aus einer Kombination von Zahlen und einem Plus-Symbol bestehen und mit der Zahlenfolge 111 enden.

Die Geschichte erinnert an Gore Verbinskis Film Ring von 2002, in dem es um ein tödliches Videotape geht. Jeder, der das Band sieht, erhält danach einen Anruf mit der Ankündigung, er habe nur noch sieben Tage zu leben. (“Ring” war ein US-Remake des sehr erfolgreichen japanischen Horrorfilmes Ringu von 1998).

In Ägypten haben die Gerüchte über die tödliche SMS inzwischen ein Ausmaß angenommen, welches die Behörden zum Einschreiten veranlaßte. Das Gesundheitsministerium gab offiziell bekannt, dass von dem angeblichen Todesfall nichts bekannt sei und die Gerüchte jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Der Nachrichtenagentur MENA zufolge wurden drei Arbeiter einer Ölfirma festgenommen. Sie werden beschuldigt, das Gerücht in die Welt gesetzt zu haben.

Ein ähnliches Gerücht über tödliche Zahlen per SMS hatte sich im Jahr 2007 ausgebreitet, war aber nach kurzer Zeit als Hoax versandet und hatte keine offiziellen Stellungnahmen nach sich gezogen.

Cellphone numbers (Foto: Guillermo Esteves, Flickr/CC) ?

Im Mai letzten Jahres kursierte das Gerücht über tödliche SMS und den “Roten Ring” (gleichfalls mit Bezugnahme auf obigen Film) in Indonesien.

Dem Blog FutureIndonesia zufolge wurden fünf Menschen in der Stadt Bungo in der Provinz Jambi durch das Gerücht in Mitleidenschaft gezogen. Sie hätten eine rot gefärbte SMS und sternchenübersäte Bilder empfangen und seien darüber so erschrocken, dass sie die Besinnung verloren hätten. Das Gerücht besteht aus einem Cocktail aus Infrarotstrahlung, angeblichen satanischen Zahlen wie 0866 und 0666 nebst einer modernisierten Version schwarzmagischer Fernwirkung per Mobilkommunikation.

? Im April 2007 verursachte ein tödliches Virus, das angeblich durch Mobiltelefone übertragen wird, Panik in Pakistan und Afghanistan. Mobiltelefon-Besitzer erhielten eine SMS mit dem Hinweis, sie würden durch ihr Handy mit einem tödliches Virus verseucht, gefolgt von dem Hinweis, das Virus habe bereits 20 Menschenleben gefordert: “Eine Art Röntgenstrahlung oder ein Virus wird frei, wenn du einen Anruf von einer 12-stelligen Nummer erhältst, die 0099 enthält. Er überträgt ein Virus, das dein Gehirn schädigt und zum Tod führt. Das ist kein Witz.” Reuters berichtete über Anrufe verängstigter Mobiltelefonbenutzer im Kundencenter des pakistanischen Mobilfunk-Providers Warid Telecom.

Die Wikipedia über den tödlichsten Witz der Welt. | 

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Wer ist A.H.? – Überwachung als Spiel

? Anfang 1995, ein Campus in England. Die Universität von Cambridge. Durch eine der ersten Webcams am Netz sieht man vom Dach eines Forschungslabors aus über das Universitätsgelände. Hinter einem großen, alten Baum ist das Computerlabor der Universität zu sehen. Einzelne Gebäude des Cambridge Panorama (es wird noch heute als digitale Antiquität online aufbewahrt) sind mit anklickbaren Nummern bezeichnet. Das Olivetti Research Laboratory, auf dessen Dach die Kamera steht, ließ sich damals am Bildschirm durchwandern.

(Foto: XirannisX back On, Flickr/CC) ?

Im Erdgeschoß ist auf der Homepage ein Bild vom Arbeitsplatz eines gewissen A.H. zu sehen - ein kleines Büro mit einem Rechner auf dem Tisch, einem schlichten Stilmöbel als Schreibtischsessel und einem weißen Sprossenfenster, das den Blick ins Grüne führt. Ich klicke mich in das Arbeitszimmer von A. H. und kann sehen, was gerade auf seinem Bildschirm steht.

Eine kleine Routine auf seinem Mac fertigt jede Minute einen Screenshot, der automatisch ins Netz gestellt wird. Die Webseite trägt den Titel Is There No Privacy? und beantwortet die Frage auch gleich: I guess not - gefolgt von einer Liste mit Leuten, die sich ebenfalls über’s Web auf den Bildschirm sehen lassen. Projektschwerpunkt des Labors ist die Entwicklung von Active Badges - kleiner elektronischer Anstecker mit Infrarotsensoren, die sich innerhalb eines Gebäudes orten lassen. “Wenn ich sowas kriegen könnte, würde ich auch erstmal eine Weile damit rumlaufen, schon wegen der Spielfreude”, schrieb ich damals.

? Jahre später, auf dem 23. Chaos Communication Congress in Berlin, ist der Spaß massentauglich: Mit dem Chaos Positioning System (Projekt Sputnik) ergeht sich die Hackerschaft vergnügt der freiwilligen Totalüberwachung per Funkchip (RFID). Mitglieder der österreichischen Künstlergruppe Monochrom bieten dazu lustiges Liedgut dar (“It’s fun to hack the RFID”, gesungen zur Melodie des Pop-Klassikers “YMCA”).

2002 wurde das Olivetti Research Laboratory, das seit 1999 AT&T Laboratories Cambridge geheißen hatte, geschlossen. Während der Nachschau entdeckte ich nun, wer A.H. ist: Andy Hopper, Mitgründer der Computerfirma Acorn - die 1985 von Olivetti gekauft worden war - und seit 1986 Direktor des Labors. Ich habe früher beim Chatten im IRC, dem Internet Relay Chat, gern das Init Game gespielt, bei dem jemand die Initialen einer Person nennt und die anderen durch spezifizierende Fragen den vollen Namen erraten müssen (was meist erstaunlich schnell geht). Und das Netz wird immer auskunftsfreudiger.

RFID-Robots (Foto: Maria Keays, Flickr/CC) ?

Dass immer mehr immer schneller immer transparenter wird, ist eine ambivalente Sache. Im Tokioter Geschäftsviertel Ginza wurden 10.000 Funk-Etiketten verteilt und eine dazugehörende Internet- und WLAN-Infrastruktur aufgebaut, um Informationen zu den markierten Orten mehrsprachig verfügbar zu machen.

Wer schon mal versucht hat, sich in Tokio zurechtzufinden - einer Stadt ohne Straßennamen und ohne Hausnummern -, wird dem Tokyo Ubiquitous Network Project erst einmal interessiert gegenüberstehen. “Mit der neuen Technik drückt man einen Knopf”, so Bürgermeister Shintaro Ishihara, “und weiß sofort, in welche Richtung man zu gehen hat - selbst, wenn man betrunken ist.” Was nicht zu unterschätzen ist. Ein Engländer, der neu in Tokio war, wollte sich auf einer Tour durch die Clubs im Vergnügungsbezirk Shinjuku den Rückweg merken, indem er die U-Bahn-Stationen mit seinem Fotohandy knipste. Leider war er am Ende so betrunken, dass er sein Handy nicht mehr bedienen konnte.

In anderen Ansätzen werden Soziale Netze versuchsweise in die Analogwelt herausmaterialisiert, wie bei dem iFIND-Projekt am Campus des Massachusetts Institute of Technology. Forscher des MIT SENSEable City Labs haben das digitales Hilfsmittel entwickelt, das es den etwa 20.000 Leuten am Campus per Laptop ermöglicht, “den Standort von Freunden und Bekannten zu ermitteln und damit die soziale Interaktion zu verbessern”.

Was mich an eine Donald Duck-Geschichte aus den sechziger Jahren erinnert, in der Donald mit seinen drei Neffen Campingurlaub macht und ihnen, um sie in der freien Natur nicht aus den Augen zu verlieren, kleine Radium-Kügelchen auf die Mützen montiert hat, die er mit einem handlichen Geigerzähler anpeilen kann. Zwar arbeitet iFIND so, dass keine Daten zentral abgelegt werden. Alle Verbindung werden verschlüsselt übertragen, die Teilnehmer entscheiden selbst, von wem sie wann gesehen werden wollen. “Notfallkonzepte”, bei denen die Positionen der Nutzer anonym an Polizei, Feuerwehr oder andere Einrichtungen übermittelt werden können, mindern jedoch die unabhängige Experimentierfreude.

Casemods von RFID-Kreditkarten (via Evil Mad Scientist) ?

Der Versuch, die Vor- und Nachteile von Ortung und Geortetwerden in Einklang zu bringen, führt manchmal zu paradoxen Ergebnissen. So verkauft ein japanischer Hersteller “Hello Kitty”-Schutzhüllen für RFID-Karten, welche die Funkchips gegen unerwünschten Abgriff abschirmen. Leider geht dadurch auch die Bequemlichkeit der Technik verloren. Statt einfach die Handtasche am Drehkreuz vorbeizuschwenken und seine Daten wie ein Parfumwölkchen dazulassen, muß man wieder die Karte rausgraben, Schutzhülle abziehen, nackte Karte über das Lesegerät halten, Schutzhülle wieder drauf. Und einpacken.

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Globaler Dorftratsch

Und was kann ich als Journalistin tun?
Sie könnten sich gegen den Zwang auflehnen, von Dingen zu reden, auf die es nicht ankommt.

Uns hilft kein Gott“: Peter Sloterdijk im Gespräch mit Julia Encke
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.3.2009)

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? “Lassen wir sie sterben”: Douglas Rushkoff über die Wirtschaft. Eine Leseempfehlung. |

Kondome als Jobkiller. Drüben bei Danwei China News ist zu erfahren, dass 300 US-Jobs verlorengehen werden, da US-Behörden künftig billigere Kondome ordern (von denen einige in China hergestellt werden). Die U.S. Agency for International Development (USAID) hat bisher etwa 10 Milliarden in den USA hergestellte Kondome zur AIDS-Prävention in arme Länder der Welt verteilt. Für die Entscheidung waren der günstigere Preis - 2 Cent gegenüber 5 Cent für ein US-gefertigtes Kondom - ausschlaggebend, außerdem die Tatsache, dass der US-Kongress seine “buy American language“-Haltung in einem jüngst erfolgten Beschluß revidiert hat. |

Kondom-Automat in Shanghai (Foto: Augapfel, Flickr/CC) ?

? Transnationaler Trash I: Cola aus Kuh-Urin. In einem Land, in dem Kühe heilig sind, geht etwas von der Göttlichkeit auch in denjenigen über, der ihren Urin trinkt. Man kann das sogar vermarkten. Das Cow Protection Department der Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), einer radikal-hinduistischen Freiwilligenorganisation, möchte eine Cola aus Kuh-Urin herstellen: “Man muß sich ein Getränk vorstellen, das nicht nur gut schmeckt, sondern auch gesund ist”, so RSS-Oberhaupt Om Prakash in einem Interview mit ABC News. |

In der ägyptischen Al-Ahram Weekly schreibt Nader Habib, dass viele Jugendliche sich wünschen, ihre Mütter würden am digitalen Zeitalter teilnehmen - und dass der Muttertag erstaunliche Veränderungen bewirkt hat: Mothers and memory cards. |

? Transnationaler Trash II: Chinas führende Zeitschrift für Quatsch mit Saucer, das “Journal für UFO-Forschung” hat relauncht. Das Magazin des Gansu Verlags für Wissenschaft und Technologie erscheint nun in Farbe - und keine der aktuellen Coverstories hat etwas mit UFOs zu tun. In der Titelgeschichte geht es um Poltergeister, gefolgt von nützlichen Vorschlägen: “The Top Ten Ways to Destroy the Earth”. |

Deutsche Krimi-Autoren tun sich schwer mit der modernen Technik. Statt im Labor und am Rechner zu ermitteln, flüchten die TV-Kommissare in die Provinz, schreibt Michael Schlieben in der Zeit. |

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Der analoge Blogger

? Alfred Sirleaf betreibt seinen Informationsdienst “Daily Talk” am Rand einer Hauptstraße in Monrovia, der Hauptstadt des westafrikanischen Liberia. Die News werden auf Kreidetafeln geschrieben, die von kleinen Werbeflächen flankiert sind. Sirleaf hat seinen Informationsdienst gestartet, um wichtige News auch Leuten an die Hand geben zu können, die sich keine Zeitung leisten oder die sie nicht lesen können. Er schätzt, dass er täglich etwa 10.000 Leser hat. Mitarbeiter im ganzen Land versorgen ihn über sein Mobiltelefon mit News. Da nicht alle seine Kunden lesen können, benutzt Sirleaf auf seinem Tafelblog auch Symbole und Bilder, um die Nachrichten rüberzubringen (via Afrigadget). |

? Nachrichtenwand einer US-Zeitung vom Dezember 1940: “Männer und Frauen lesen die Schlagzeilen im Fenster der Redaktion des Brockton Enterprise” (via Shorpy). |

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Der Gummibildschirm

? Silke Hilsing hat etwas gebaut, das sie “ein kleines Druckdisplay” nennt. Es ist softe Hardware, auf ihrer Projektseite sind Entwicklung und Aufbau der Einrichtung anschaulich ausgeführt. Zu den weiteren experimentellen Interfaces von Silke Hilsing gehören die penetrante Hängeleselampe und die Charaktervase.

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? Die nächsten Spiele werden Realitätserweiterungen enthalten. Wie das aussehen wird, kann man inzwischen an Prototypen sehen (”Ich wünschte, das hätte es schon gegeben, als ich noch Battletech gespielt habe”):

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? Struktable, ein interaktiver Tisch. Er ist teuer und elektronisch, statt “drauf rumfingern” sagt man deshalb “multitouch-fähig“. Bis zu acht Leute können das gleichzeitig tun.


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Mein Freund der Plan



Walter Ulbricht, Mein Freund der Plan (danke, Mo):

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• Die deutsche Popgruppe Der Plan. | Der Plan: Die Verschwörung. | Der Plan: Die offizielle Website. | Pläne machen, einige grundlegende Erwägungen. |

Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach Pläne: Mehr als 24.000 Planzeichnungen von Fahrzeugen, Waffen, Maschinen und Menschen. |

Große Malerei: Moritz Rrr und sein studio ®. | Die hypermodernen Bilder des Rrr. |

James “Jim” Channon. Acryl auf Leinwand ?
Esoterischer Militärguru und Armee-Netzwerker. Lebt in Hawaii. Erfand das „1st Earth Battallion“, eine utopische Friedensarmee, die mit ausgeklügelten psychologischen Verfahren eine neue Weltordnung etablieren soll. Inszeniert sich selbst gern als Schamane und hält Scientology-artige Schulungen ab, bei denen die Teilnehmer lernen sollen, wie man ein perfekter Krieger wird, eins mit dem Universum oder soziale Netzwerke knüpfend.
(Aus der neuen Gemäldeserie “Peace Monsters” von Moritz Rrr ®). |

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Weltherrschaftsplan: My Cat is Evil and he is trying to take over the world.
My Cat is Evil and he is trying to take over the world. - View this group's most interesting photos on Flickriver

LaMiDesign Modern House Plan:

LaMiDesign Modern House Plan - View this group's most interesting photos on Flickriver

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Mehr zu Plänen aus dem Archiv der Glaserei:

- Der Wohnzimmertisch des Italieners Ezri Tarazi ist ein aus Aluminium gefertigter Stadtplan von Bagdad, Kostenpunkt: 35.000 Euro (via craziestgadgets). | Fliegenklatschen, deren Gitter dem Stadtplan von Mailand entspricht. | Polygone in der Polarregion des Mars, die aussehen wie ein Stadtplan. | Der Stadtplan von Liberty City aus dem Videospiel Grand Theft Auto IV ist durchgesickert (März 2008). | Bilder von Karten bei Flickr. | Ein winziger Stadtplan auf einem Pflanzenblatt. |

Wieviel von deiner Stadt würde einen Nuklearschlag überstehen? “Anmerkung für das Heimatschutzministerium: Es handelt sich hier nur um eine Karte, mit der man herumspielen kann, nicht um einen Plan. Wiederhole: Dies ist kein Angriffsplan. Sie können eine real existierende Waffe auswählen und wenn Sie ‘Nuke it’ klicken, zeigt die Karte den Bereich der Verheerung.”

Infopornographic! Datagraphic! Diagramatic!: Yay Hooray zeigt den U-Bahn-Plan von Moskau. | Der U-Bahn-Plan von New York als farbiges ASCII-Abbild. | Auf den Fahrplänen der Londoner Untergrundbahn sind lustige Tiere. |

- Raketen: Rißzeichnungen und Deckpläne. | 42 Prozent der Deutschen verbinden Russland mit Planwirtschaft, Angst vor den Russen haben 12 Prozent (Dezember 2007). |

- Plan 9: Vor 31 Jahren starb der Film-Enthusiast Ed Wood in Hollywood an den Folgen eines Herzinfarkts; er wurde 54 Jahre alt. Posthum wurde Wood in dem Buch “The Golden Turkey Awards” (1979) mit einem fiktiven Filmpreis, dem Goldenen Truthahn und dem Titel Schlechtester Regisseur der Welt ausgezeichnet. Sein Film Plan 9 From Outer Space von 1959 fing sich den Ehrentitel Schlechtester Film der Welt ein. Ich warne alle, die sich den Film ansehen wollen, er ist wirklich schlecht. | 1992 kam eine Videospielversion von Plan 9 From Outer Space für den Homecomputer Amiga auf den Markt. | Die 1979 gegründete Psychedelic-Rock-Band Plan 9 ist schlecht, aber leider nicht schlecht genug, ebenso die seit 1994 bestehend britische Rockband Plan Nine (hier). Die Berliner Surf-Beatband Plan 9 (da) ist ganz gut, hat mit dem namensgebenden Film aber nicht das geringste zu tun. | 1985 wurde in den legendären Bell Laboratories von AT&T damit begonnen, ein neues Betriebssystem zu entwickeln: Plan 9 (näheres). Mit Plan 9 sollten die Nachteile des Betriebssystems Unix ausgemerzt und ein neues Maß an Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Effizienz geschaffen werden. Das Plan 9-Logo stellt einen Hasen dar, der von Renée French gezeichnet wurde. Die Entwicklungsabteilung wurde im Oktober 2005 aufgelöst. | 1994 kam der “extremely low budget“-Film Plan 10 From Outer Space in die Kinos. Der Filmemacher und Regisseur Trent Harris lebt in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah, der Hauptstadt der Mormonen. Der Film ist eine Satire auf die Weltanschauung der Mormonen. So spielt eine Szene in einem Skulpturengarten, den in den fünfziger Jahren ein Thomas Battersby Child, Jr. in seinem Garten angelegt hat. Child war Steinmetz und hat unter anderem eine Sphinx geschaffen, die das Gesicht von Joseph Smith trägt, des Stifters der Mormonenbewegung. | Bilder der Joseph Smith-Sphinx im Gilgal Garden auf Flickr. |

“Von all den irrsinnigen und phantastischen Plänen, von denen ich je gehört oder gelesen habe, ist dies zweifellos der aberwitzigste.” (Generalpostmeister Count of Lichfield zur Einführung von Briefmarken in Großbritannien, 1840)

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Einfach

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YouTube ohne das ganze lästige Drumherum: Quietube. |

Wie man eine Fernbedienung vereinfacht. |

Der minimalistische Wohnwürfel Paco von Jo Nagasaka und dem japanischen Architekturbüro Schemata. |

Not Much von Nick van Woert.

Die Covergrafik des Albums “Grosses Wasser” von Cluster. |

Klebstreifen auf Papier von Daniel Argyle. ?

Ein kleines Haus als Halskette. |

Ein Europalettenmöbelstück. |

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Ein einfaches Video von William Lamson: Emerge.

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Der japanische Taliban

Ein japanischer Jugendlicher, der unter einer mit schmerzhafter Lichtempfindlichkeit verbundenen Hautkrankheit leidet und deshalb einen Schleier trägt, wurde von einem Polizeibeamten verdächtigt, ein Mitglied der Taliban zu sein. Die Polizei hat sich später entschuldigt. Damit ein solcher Vorfall sich nicht wiederholt, sollen alle Beamten nun über die Existenz derartiger Krankheiten informiert werden (via Japanprobe). |

“Amazing Stories”: Farbenfrohe Umschläge von Zukunftsromanen und utopischen Heftchen (und eine ganze Menge mehr an Sehenswertem) von toyranch auf Flickr. ?

Leseempfehlung:Why Advertising Is Failing On The Internet.” Eric Clemons glaubt, dass Werbung im Netz keine Chance hat - “The problem is not the medium, the problem is the message, and the fact that it is not trusted, not wanted, and not needed.” (danke, Don Dahlmann). |

Um daraus ein Kunstwerk zu schaffen, zerstörte der New Yorker Konzeptkünstler R. Lloyd Ming Louis Vuitton-Taschen im Wert von 12.000 Dollar (via Luxist). |

Fotogalerie: Die Evolution des nordamerikanischen Raumanzugs (via New Scientist). |

Audrey widmet sich in ihrem Blog Cracks in Sidewalks ausschließlich Rissen in Bürgersteigen. |

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Unbedingte Leseempfehlung

Die gradiose Litanei “istdochklar” von Peter Praschl (via VAGUE):

Weil schon alles im Internet steht, weil schon alles auf Google News steht, weil man nach Gebrauchtwagen und offenen Stellen im Internet sucht, weil der Leser nicht so dumm ist, weil der Leser nicht mehr bezahlen will, weil die Verleger nichts begriffen haben, weil die Journalisten noch immer nichts begriffen haben, weil das Modell nicht mehr funktioniert, weil bezahlte Inhalte nicht mehr funktionieren, weil der Luxusmarkt zusammengebrochen ist, weil die Verleger und die Journalisten ihre Leser nicht mehr kennen noch je gekannt haben noch wirklich kennenlernen wollen… [weiter]

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Bei Dylan stinkt’s

? Blowin’ In The Wind: Berichten der Los Angeles Times zufolge (hier und im Blog) beklagen Anwohner sich über den Gestank einer mobilen Toilette auf dem Anwesen von Bob Dylan in der kalifornischen Küstenstadt Malibu, der von der abendlichen Brise seit einem halben Jahr über die Grundstücke in Windrichtung getragen wird; die Toilette wird von den Angestellten Dylans benutzt. David Emminger und seine Frau, deren Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Chemieklo liegt, haben an ihrer Grundstücksgrenze fünf Industrieventilatoren installieren lassen, um Dylan den Mief zurückzupusten. Weder Bob Dylan noch sein New Yorker Anwalt haben bisher auf das Klo betreffende Anfragen reagiert. |

Der Subterranean Homesick Blues Message Generator (”Out now” anklicken): Das berühmte Zettel-Video in personalisierbarer Form ?

? Die Nacht, in der ich Bob Dylan begegnete (beziehungsweise er mir), von John Anderson. |

Die Bob Dylan Musical Roots and Influences Pages (via Grow-a-brain). |

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? Bob Dylan (und andere Pop-Prominenz), kunstvoll geformt aus Audiocassettenband von Erika Iris Simmons:
iri5 - View my most interesting photos on Flickriver

? Dem Rolling Stone zufolge wird das Cover des nächsten Albums von Bob Dylan, “Together Through Life”, eine Hommage an den 2004 gestorbenen Südstaaten-Autor Larry Brown sein. Dylan hat nach eigenem Bekunden “jedes Wort” gelesen, das Brown jemals geschrieben hat.  (David Kelly im Bücherblog “Paper Cuts” der New York Times). Brown, der als Feuerwehrmann in Oxford im US-Bundesstaat Mississippi arbeitete, begann 1980 zu schreiben und wurde mit zwei Short Story-Sammlungen bekannt, “Facing the Music und “Big Bad Love“. |

Tony Zimnoch hat das Garagentor an Boby Dylans Geburtshaus in Duluth, Minnesota, fotografiert. |

Erinnerungen an den Sommer 1966: The Making of “Blonde on Blonde” in Nashville. |

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? Newport Folk Festival, 1964:
Peter, Paul & Mary singen Bob Dylans The Times They Are A Changing

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Die Kundenfirma

Das dänische Telekom-Unternehmen Andelsmobil gibt den Kunden das Heft in die Hand: Die vor wenigen Wochen gestartetet Firma besteht nur aus Kunden, die alle Mitglieder einer Kooperative sind. Sie können beispielsweise Einfluß auf die Entwicklung neuer Dienste nehmen. Der Vorstand wird von den Mitgliedern gewählt und engagiert das Management. Jedes Mitglied zahlt 400 dänische Kronen ein (etwa 50 Euro). Einmal jährlich werden Überschüsse an die Mitglieder ausgeschüttet.

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Kriegsmail

Mit V-Mail (für Victory-Mail) wurde ein Luftpost-Dienst der amerikanischen und britischen Streitkräfte während des zweiten Weltkriegs bezeichnet. Das ursprünglich britische Airgraph-System wurde im Juli 1942 unter dem neuem Namen V-Mail für die amerikanischen Streitkräfte übernommen.

Große Mengen der auf speziellen Formularen geschriebenen Nachrichten aus Übersee wurden auf Mikrofilm verkleinert, per Luftfracht transportiert und anschließend wieder vergrößert und per Post zugestellt. Die Vergrößerung auf speziellem, leichtem Photopapier war etwa ein Viertel so groß wie die Orginalnachricht. Bei dem Formular diente das gefaltete Briefblatt zugleich als Umschlag.

Die Schmalfilmspulen mit den auf Fingernagelgröße reduzierten Briefen erlaubten es, große Mengen Post per Flugzeug handzuhaben. Der Postzensur und alliierten Abwehr ersparte es zudem die Suche nach Mikropunkten und mit unsichtbarer Tinte verfaßten Botschaften. Geklagt wurde über den auf dem Formular knappen Platz für die schriftlichen Mitteilungen.

(Nach dem Wikipedia-Artikel über V-Mail)

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Lux’r'us

? Dessertliebhabern, die von der Finanzkrise noch nicht oder nur peripher erfaßt sind, kann man bedenkenlos die mit flüssigem Stickstoff betriebene Eismaschine G4 von NitroCream zu 75.000 Dollar empfehlen. |

Glennz Designs im neuseeländischen Auckland machen T-Shirts, unter anderem welche mit Hamburgerschachtelsärgen. ?

? Berlin mit anderen Augen: 32 Berlin based innovations from Trendhunter. Berlin offers many unique opportunities for interesting experiences such as sleeping in coffins or urban bathing. Increasingly, celebrities, including Angelina Jolie and Brad Pitt, are drawn to the city as well, proving that Berlin is one of the hottest cities in Europe these days.

Die automatische Menschenwaschmaschine Santelubain 999 aus Japan. |

Der italienische Schuhdesigner Sergio Rossi hat einen Sportschuh mit High Heels entworfen. |

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Einstware

? Großrechnerarchitektur in Jugendzimmerfarben von 1964: IBM System/360

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? Ein russisches Militär-Kryptomodem aus den siebziger Jahren:

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? Der Armbandcomputer Zypad WR1100 von 2006:

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Datenschutz: Keine Gesichter im All

? Der Astronaut Koichi Wakata war bereits 1996 und 2000 an Bord eines Space Shuttle. Seit 17. März nimmt er als erster Japaner an einer Langzeitmission in der Internationalen Raumstation (ISS) teil. Zu seinen Forschungsaufgaben gehören unter anderem Versuche, den Gestank in der Raumstation durch antibakterielle und desodorierende Kleidung zu mindern.

Vor seinem Flug zur ISS bat er in seiner Heimatstadt Saitama darum, ihm etwas in den Weltraum mitzugeben. Man gab ihm eine DVD mit Fotografien sämtlicher Schüler der Grundschulen und Realschulen der Stadt. Die Gesichter der Kinder wurden zensiert, um ihre Privatsphäre zu schützen. Sechs Mitarbeiter eines städtischen Museums wurden einen Monat lang abgestellt, die Gesichter der Kinder zu verpixeln.

Der Rechtsanwalt und Datenschutzexperte Hisamichi Okamura ist der Ansicht, in der Zeit hätte man sämtliche Eltern um ihr Einverständnis fragen können.

Die 44-jährige Mutter eines Schülers sagte: “Manche Eltern möchten nicht einmal, dass die Gesichter ihrer Kinder in der Schülerzeitung erscheinen. Ich denke, es war eine angemessene Schutzmaßnahme.”

Wakata wird die DVD nach seiner Rückkehr auf die Erde zurückgeben.

Mirror Mask (Foto: post apocalyptic design, Flickr/CC)

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Frühlingsgefühle

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Amerikanerin attackiert bessere Hälfte mit spermagefüllter Spritze.

Eine Frau aus dem US-Bundesstaat Massachusetts steht wegen häuslicher Gewalt mit Körperverletzungsfolge vor Gericht, nachdem sie versucht haben soll, ihre Lebensgefährtin mit einer Plastikspritze zu schwängern, in der sich Sperma ihres Bruders befand.

Stephanie L. (26) aus Pittsfield war Berichten zufolge ziemlich betrunken, als sie ihrer Partnerin Jennifer L. (33) die unerwünschten Avancen machte. Jennifer L. erklärte den Polizeibeamten, dass Stephanie ihr bereits mehrfach gesagt habe, sie werde versuchen, sie zu schwängern und dass sie sich dazu mit einer Bratenspritze¹ und dem Samen ihres Bruders in einem kleinen Behälter bewaffnet habe.

Foto: gniliep (Flickr/CC)

(The Register, via impropable)

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¹ Die Bratenspritze, im Englischen turkey baster, hat eine umgangssprachliche Zweitbedeutung: lesbian who wants to give birth to her own child. so called because of the infamous episode of [the british soap opera] Brookside when artificial insemination was attempted using a turkey baster.” (Urban Dictionary)

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Herr Nash und Herr Dutu

Mike Nash hat auf seiner Website eine denkwürdige Chat-Begegnung mit einem Scammer dokumentiert. Nash vertreibt Anti-Phishing-Software, vielleicht ist es ein PR-Fake. Was es auf jeden Fall ist: schiere Poesie.

Herr Nash hat Herrn Dutu ein paar Stunden später nochmal angechattet.
Der Dialog ist hier nachzulesen.

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Aufstieg und Fall



• Ein Reporter von Good Morning America berichtet
von der Spitze des 160-stöckigen Burj Dubai:

(via Britannica Blog)



Goodbye Dubai:
“Dubai ist ein Ort für die Seichten und Flatterhaften. Klatschspaltenbewohner und abgelebte Sport-Stars werden von studiogebräunten, Botox-aufgespritzten europäischen Immobilienentwicklern mit geschwollenen Gesichtern gesponsert, um die Art von Leuten, die vom blanken Ruhm beeindruckt sind, nicht von dem, was ihn verursacht hat, zum Kauf nachgemachter mediterraner Villen auf Fake-Inseln zu animieren.”

(via smashingtelly)

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Die Nichtschonwiedervereinigung

Foto: jared (Flickr/CC) ?

? Konvergenz ist eine Lieblingsidee von Leuten, die Angst haben, die Übersicht zu verlieren.

Überall bilden sich Hybridformen neuer Gerätschaften und digitaler Ströme, die wie Schwämmchen anverwandte Features aufsaugen und aus ein paar dünnen Nebenflüssen den einen oder anderen Mainstream machen können.

? In nicht allzuferner Zukunft wird es keine Fotoapparate mehr geben, sondern das Fotografieren wird nur noch eine Option digitaler Videokameras sein. Großflächige Displays werden so robust und billig sein, dass etwa Außenwerbung nicht mehr auf Papier, sondern stattdessen nur noch auf den flexiblen großen Anzeigentafeln stattfindet. Das Genre Werbeplakat wird verschwinden beziehungsweise nur noch als flüchtige Erinnerung an frühere Zeiten ab und zu als kurzes Standbild auf den Großdisplays auftauchen. Telefonieren wird eine Option digitalen Netzzugangs sein, etcetera etcetera. Die Lage ist unübersichtlich.

Das Zusammenwachsen einzelner Technologien zu einem einheitlichen System ist eine Idee, die viele seit langem fasziniert und die nun wieder neu aufgelegt wird. “Der Computer”, sagt der Mediendenker Friedrich Kittler, “ist dabei, den Begriff der Medien in der Mehrzahl überflüssig machen und zum Medium schlechthin zu werden.”

? Andererseits sind gerade die wiedervereinigten Deutschen, was Generalzusammenführungen verbunden mit Heilsversprechungen angeht, aus gutem Grund skeptisch. Zumal: Wo alles auf einen Punkt zuläuft, droht digitaler Totalitarismus. Schon Vilem Flusser sind die Gemeinsamkeiten zwischen Kabelsträngen und den altrömischen Rutenbündeln aufgefallen - den Fasces, von denen die Faschisten ihren Namen hergeleitet haben.

Das Konvergenzmodell hat einen scheinbar verlockenden Vorteil: Alles läuft auf eine einfache Erklärung der technischen Welt hinaus. Konvergenz ist die zentralisierende Vorstellung eines einheitlichen Mediums, das hinkünftig die Mediennutzung der ganzen Familie oder Nutzerschaft fokussieren soll. Kultur bedeutet jedoch immer eine Zunahme an Unterschieden und damit an Möglichkeiten, keine Verminderung. Angesichts des menschlichen Bedürfnisses nach Varianz und Individualisierung erscheint deshalb eine Entwicklung zur Konvergenz als ein Rückschritt.

? Statt nur noch die Campingversion eines Schwarzen Lochs im Wohnzimmer hocken zu haben, das digitale Einheitsgerät, ist mir nach wie vor ein als Vielfalt erlebbares Durcheinander lieber, das sich zwischen einer Salatschüssel voller Fernbedienungen und inhomogenen Anhäufungen von Apparaten an technikbestärktem Alltag erleben läßt.

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Piraten peilen

Foto: The B@man (Flickr/CC) ?

Als im Sommer letzten Jahres die Batman-Verfilmung “The Dark Knight” in die Kinos kam, ließ das Hollywood-Studio Warner Bros. in Hunderten von US-Kinos die Besucher nach Videokameras durchsuchen. In Australien wurde das Publikum während der Vorführung mit Nachtsichtgeräten überwacht, um Versuche aufzudecken, das Lichtspiel heimlich heimlich abzufilmen.

? Noboru Babaguchi von der Universität Osaka hat mit seinen Kollegen nun eine Methode ausgetüftelt, mit der Filmpiraten festnagelt werden sollen. Babaguchi bringt dazu im Soundtrack des Films spezielle Audio-Wasserzeichen unter. Wenn man weiß, in welchem Kino der Pirat operiert, kann man seinen Sitzplatz ausfindig machen. Jedem Tonkanal wird ein spezifisches Audio-Wasserzeichen beigemischt, das im Kinosaal aus jeweils anderen Lautsprechern kommt. Durch die Analyse der Tonspur einer heimlich aufgenommenen Camcorder-Filmaufzeichnung ließ sich ermitteln, wie weit das Mikrofon des Camcorders jeweils von einem der Lautsprecher entfernt war und damit ein bestimmter Sitzplatz einpeilen.

Um im Nachhinein feststellen zu können, wer auf dem Sitzplatz saß, müßten die Kinobetreiber nun noch auf namentlich zugeordnete Tickets zurückgreifen können und über Aufnahmen der Gesichter aller Kinobesucher verfügen.

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Frisurblindheit

Männer haben nun eine wissenschaftlich begründete Ausrede, weshalb sie die neue Frisur ihrer Freundin oder ihrer Frau nicht bemerkt haben. Forschungsarbeiten von Neurologen am Londoner University College haben gezeigt, dass das Gehirn Frisuren deutlich anders als die übrigen Merkmale eines Gesichts wahrnimmt. Und ebenso, wie es eine kleine Gruppe von Menschen gibt, die sich Gesichter nicht merken können, könnten wieder andere unter ? Frisurblindheit leiden.

Der Neurowissenschaftler Brad Duchaine präsentierte seine Untersuchungen am MIT. Duchaine arbeitet mit Menschen, die unter Gesichtsblindheit leiden, der sogenannten Prosopagnosie. Er bemerkte, dass seine Probanden sehr findig sind, wenn es darum geht, Freunde oder Familienmitglieder wiederzuerkennen. “Sie haben mir erzählt, dass sie sich an die Frisuren halten, um Menschen wiederzuerkennen (via New Scientist). |

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? Hierzu siehe auch:

Mehr als bemerkenswerte Frisuren, darunter Jean Shrimpton mit einem fernseherförmigen Haaraufbau. |

? Der Luxuriant Flowing Hair Club for Scientists™ (LFHCfS) nimmt, wie sich leicht vermuten läßt, ausschließlich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Mitglieder auf, die über eine außergewöhnliche Haarpracht verfügen. | Der Microsoft-Entwickler Tamir Khason hat vor vier Jahren einen in gewöhnlich gutrasierten Kreisen viel beachteten Artikel über den Zusammenhang zwischen Programmiersprachen und Gesichtsbehaarung geschrieben. Nun unterzieht er seine Theorie einer neuerlichen Überprüfung. | Die Homepage der Europäischen Gesellschaft für Haarforschung (EHRS). |

Die geheimnisvollen Strukturen der haarfeinen Banknotenraster. |

? Erst hießen Frisöre Friseure, später Haarsalon oder Coiffeur. In den achtziger Jahren ging es los mit “Haargenau”, “Directors Cut” und hört heute mit “Hairtie” noch immer nicht auf. | Eine Deutschlandkarte mit den Ausbreitungsgebieten beliebter Friseurnamen wie “Haarmonie” und “Haareszeiten” bei zeit.de |

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? Frisuren der 80er Jahre:
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? Frisuren in Second Life:

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? The Friseurnamen - schlechte Wortspiele (Ein Flickr-Fotopool):

Friseurnamen - schlechte Wortspiele - View this group's most interesting photos on Flickriver

? The Hairdressers with Supposedly Funny Pun Names (via Monopolisten):

Hairdressers with Supposedly Funny Pun Names - View this group's most interesting photos on Flickriver

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Der Nano-Song

Nanomonster erklärt einer Gruppe bunt gemischter Wesen die Nanotechnologie mit einem Song. Jeder sollte das sehen:

(via biocurious)

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Ein feines Form-Experiment

Ein angenehmes Experimentalvideo von Simon Bronson:

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Die Gefühlsjacke

? Die Gefühlsjacke von Philips verschafft im Kino Körperempfindungen. |

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? Kentucky Fried Movie, das Gefühlskino:

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Facebook um 1750

Ausstechform Heiligs Blechle. Kann denn Backen Sünde sein? ?

? Superbe Flash-Experimente aus dem niederländischen Studio für interaktives Design, Cartelle. |

Facebook um 1750. |

? Einem Computer beim Schachspielen zusehen. |

Warp-Zone 8bit-Socken. |

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? Handtrockner aus aller Welt:
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Roboter-Invasion (2)

? Bergsteiger-Roboter (via New Scientist):

? DJ-Roboter:

? Applaudier-Roboter:

? Gärtner-Roboter:

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Ein Hypermärchen

? Was Großmutters Ernährungsweisheiten mit der Aerodynamik eines VW-Bulli zu tun haben, zeigt diese Animation des schwedischen Grafikgenius Tomas Nilsson - brilliant inspiriert von “Rotkäppchen und der böse Wolf”:

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Der noosphärische Trick

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Globe post card sample 2 (Foto: Mishel Churkin, Flickr/CC)?

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“Die Post und die Presse”, erklärte der amerikanische Senator John C. Calhoun 1817, “sind die Nerven der Wirtschaftspolitik”.
1851 fragte sich der Schriftsteller Nathaniel Hawthorne in dem Roman “The House of the Seven Gables”, ob es wirklich wahr sei, dass “mit Hilfe der Elektrizität die Welt der Materie zu einem riesigen Nerv geworden ist, der in Gedankenschnelle tausende Meilen weit schwingt? Eher ist der runde Erdball ein riesiger Kopf, ein Gehirn, Instinkt mit Verstand! Oder, sagen wir, er ist selber ein Gedanke, nichts als Gedanke, und nicht mehr die Substanz, für die wir ihn gehalten haben.”

Marshall McLuhan, der den Begriff des Globalen Dorfs prägte, schrieb in den sechziger Jahren von dem “globalen Netzwerk, das in vielerlei Hinsicht unserem Nervensystem gleicht. Unser zentrales Nervensystem ist nicht bloß ein elektrisches Netzwerk, es stellt vielmehr ein einziges, einheitliches Feld der Erfahrung dar.”

Der umfassendste und beunruhigendste Entwurf stammt von dem Jesuitenpater Pierre Teilhard de Chardin, der in seiner Zukunftsperspektiven die Geologie um eine neue Sphäre bereichert: Neben der Lithosphäre, der Hydrosphäre und der Atmosphäre konzipierte er eine weitere, die er Noosphäre nennt - ein dünner Schleier von Geist, der sich über die Erde breitet und eine separate Hülle aus Bewußtsein bildet. Er nennt diesen Prozeß die “Vereinheitlichung, Technifizierung und zunehmende Vergeistigung der menschlichen Erde”.

Obwohl sich seine gesamte Argumentation in einem biologischen Rahmen bewegt, beruht sie auf einer Verneinung eines der bemerkenswertesten Charakteristika allen Lebens - der absoluten Einzigartigkeit jedes lebenden Organismus.

Wie sehr die Angehörigen einer Art einander auch ähneln mögen, gibt es keine zwei Exemplare, die sich völlig gleichen. Diese Individualität ist die Quelle der erstaunlichen Möglichkeiten des Lebens - und auch seiner unglaublichen, verblüffenden evolutionären Überraschungen. Dieses Faktum unterscheidet lebende Organismen von der Gleichförmigkeit und Vorhersagbarkeit präorganischer Existenz ebenso wie von mechanischen und elektronischen Konstruktionen.

Das Leben ist keine Sammlung abstrakter Botschaften, die von einem noosphärischen Computer geordnet und programmiert werden können. Der noosphärische Trick besteht darin, das Leben auf die abstrakten Funktionen des organisierten Wissens zu reduzieren. Information wird mit Existenz gleichgesetzt. Sich das gegenwärtig zu halten, schützt vor Mißverständnissen.

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