Sie sind zwar oft Spielzeuge, aber nicht unbedingt nur für Kinder: Spielzeugroboter begeistern Kids ebenso wie Kybernetiker. Inzwischen können sie fußballspielen, lernen und herumfliegen - ohne dass ihnen jemand sagt, wohin.
? Als ich letztes Jahr in New York war, habe ich den gläsernen Kubus des Apple Stores in der Fifth Avenue links liegen lassen, denn direkt dahinter ist ein riesiges Spielzeuggeschäft: FAO Schwartz. Am Eingang empfangen einen Angestellte, die als Zinnsoldaten verkleidet sind - die Vorform dessen, was ich suchte. Einen schönen Spielzeugroboter. Das gelbe Blechwesen mit Uhrwerkantrieb, für das ich mich schließlich entschied, hat einen bei Roboterfreunden berühmten Urahn. Es ist eine Replik von “Liliput”, dem ersten Spielzeugroboter überhaupt, der Ende der dreissiger Jahre in Japan gebaut wurde.
Wahrsager-Roboter auf einem Markt im indischen Bangalore (Foto: Paul Keller, Flickr/CC)
Nach dem zweiten Weltkrieg sollten die Japaner ihre Wirtschaft mit Produkten wieder in Gang bringen, die den USA keine Konkurrenz machten, beispielsweise mit billigem Blechspielzeug. Wer einen alten japanischen Spielzeugroboter öffnet, wird auf der Innenseite des Blechs häufig den Aufdruck von Sardinenbüchsen finden - Ausschußmaterial, das für die Spielzeugherstellung verwendet wurde.
Heute ersteigern Robotersammler (“Robotheads”) solche Blechfiguren, die vor 40 Jahren 3 Dollar gekostet haben, bei Auktionen nicht selten für zwischen 10.000 und 50.000 Dollar. Die Firma Metal House aus Tokio, von der die meisten japanischen Spielzeugroboter stammen, gibt es übrigens nach wie vor.
? Ähnlich wie Modelleisenbahnen sind kleine Roboter zwar oft Spielzeug, aber nicht unbedingt für Kinder. Das wußte schon Friedrich Nietzsche: “Reife des Mannes: Das heißt, den Ernst wiedergefunden haben, den man als Kind hatte beim Spiel.” Die ersten Spielzeugroboter konnte man aufziehen und sie liefen ein Stück. Modernere Versionen haben eine Batterie und Lämpchen, noch modernere sagen etwas, und die allermodernsten kann man programmieren.
Schon ein einfacher Blechroboter mit Aufziehschlüssel aber übt eine Faszination aus, die etwas mit Zauberei zu tun hat. Alle Kinder können zaubern und unbelebte Gegenstände mit ihrer Phantasie zum Leben erwecken. Kleine Roboter aber haben eine eigene Magie. Man zieht sie auf und sie machen sich selbständig. Später als Erwachsener freut man sich am Äußeren der Roboter, aber immer, wenn sie anfangen sich zu bewegen, streift einen wieder die Faszination der kleinen Maschinen.

? Nachdem lange Zeit das Schachspiel als Herausforderung für Maschinenintelligenz angesehen worden war, wurde 1997 in der japanischen Stadt Nagoya das erste Roboter-Fußballturnier ausgetragen. Ein komplexes Mannschaftsspiel wie Fußball eignet sich hervorragend dazu, Probleme wie die Entscheidungsfindung in vernetzten Systemen zu erforschen.
Inzwischen gibt es internationale Wettbewerbe, etwa den jährlichen RoboCup. (In den Jahren, in denen eine FIFA-Fußballweltmeisterschaft stattfindet, wird der RoboCup jeweils im Gastgeberland der Weltmeisterschaft veranstaltet). Ziel der Konstrukteure ist es, im Jahr 2050 den menschlichen Weltmeister in einem Spiel zu schlagen. Fußball läßt auch rationale Wissenschaftler nicht kalt. Als Robocup-Mitinitiator Hiroaki Kitano erstmals ankündigte, Roboter gegen richtige Fußballer antreten lassen zu wollen, gab er die brasilianische Nationalmannschaft als Wunschgegner an. Prompt hagelte es Proteste italienischer Forscher: Der Maßstab könne einzig ihre Squadra Azurra sein.

Roboter-Quilt von cascade lily (Flickr/CC)
? Ausgeklügelte Spielzeugroboter bilden heute in der Forschung die Grundlage einer fröhlichen Wissenschaft. Angetrieben von Spiel- und Bastelfreude werden intelligente Spielzeugroboter wie Sonys Roboterhund Aibo, die kybernetischen Lego Mindstorms-Klötzchen oder der beeindruckende 60 Zentimeter große Robosapien aufgebohrt und umprogrammert.
Lego Mindstorms wurde am MIT unter Mitwirkung des Mathematikers und Erziehungswissenschaftlers Seymour Papert entwickelt. Es basiert auf einem programmierbaren Legostein, Elektromotoren und Sensoren. Damit kann man Roboter konstruieren und programmieren. Natürlich gibt es inzwischen auch unter den Spielzeugrobotern finstere Gesellen, etwa “Ogre”, einen mit Katapulten ausgerüsteten Mindstorms-Panzer, dem man nicht in einer dunklen Straße begegnen möchte.
Aibo, ursprünglich als Haustier-Ersatz für Allergiker gedacht, wurde bereits bei seiner Einführung im Jahr 1999 zum Phänomen. Obwohl der E-Hund umgerechnet 2500 Euro kostete, waren die 3000 Exemplare der ersten Baureihe innerhalb einer Viertelstunde vergriffen. 2006 wurde die Weiterentwicklung des Aibo nach 150.000 verkauften Stück eingestellt. Das Tier hat Pionierarbeit bei der Einführung von Robotern im Alltag geleistet und einen Boom bei Robo-Kleingetier ausgelöst. Neben Hunden gibt es inzwischen auch Roboterkatzen, Libellen und natürlich auch Saurier.
? Das neue Zauberwort heißt soziale Robotik. Gefühlvolle Roboter mit sozialer Kompetenz sollen uns bald als kostengünstige Gefährten unterstützen. Die elektromechanischen Wesen können inzwischen beeindruckende Leistungen vorweisen. Während ihre Vorgänger noch monoton einherwackelten, sind die Neuentwicklungen vielseitig. Robosapien etwa kann Bierdosen aufheben, rappen, Karate, er wirft, pfeift und – sehr zur Freude seiner jugendlichen Fans – er furzt und rülpst.
Wohin die Reise geht, zeigen die erwachsenen Roboterspiele von Forschern wie Verena Hafner, Juniorprofessorin für Kognitive Robotik an der Humbold-Universität in Berlin. Sie arbeitet mit ihren Studenten an “Edgar”, einem autonomen Flugroboter, der wie eine Biene selbständig herumfliegen und auch wieder nach Hause finden soll. Menschenähnliche Intelligenz in Maschinen zu implantieren, ist für Verena Hafner eine faszinierende Herausforderung. Seit ihr Sohn Merlin auf der Welt ist, weiß sie aber, wie weit die schlichte Technik vom richtigen Leben entfernt ist.

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? Dieser Text ist Teil einer großen Roboter-Serie der Stuttgarter Zeitung:
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