[ Vorgetragen auf der re:publica 09 in Berlin am 2.4.2009 ]
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[Update] VON GEORGE BERNARD SHAW¹ gibt es zu der Frage ein Bild: “Wenn du einen Apfel hast und ich habe einen Apfel und wir tauschen die Äpfel, wird jeder von uns nach wie vor einen Apfel haben. Aber wenn du eine Idee hast und ich habe eine Idee und wir tauschen diese Ideen aus, dann wird jeder von uns zwei Ideen haben.”
Wer möchte nicht in einer solchen Gesellschaft leben, in der sich die Ressourcen so wunderbar vermehren und das Tauschen so gewinnbringend ist? Apfelbauern vielleicht, die ihre Äpfel verkaufen wollen.
Das Teilen mit technologischer Hilfe führt nicht nur zur Vermehrung von Ideen, sondern auch zur Vermehrung von Problemen. Computer helfen uns dabei, Dinge schneller zu erledigen, die wir ohne Computer gar nicht hätten erledigen müssen, das wußte Marshall McLuhan schon in den sechziger Jahren. Als damals am MIT der erste Großrechner zur Verfügung stand, der Timesharing beherrschte und mehrere Nutzer gleichzeitig bedienen konnte, gab es einen Befehl, mit dem man einfach das ganze System zum Absturz bringen konnte, ohne Raffinesse und ohne jede Eleganz. Das wurde zwei, drei Mal ausprobiert, dann machte es keinen Spaß mehr. Brauchen wir einen solchen Befehl für’s Internet?
Im übrigen ist die Vermehrung von Problemen nicht unbedingt ein Manko. Von Egon Friedell stammt der Satz “Kultur ist Reichtum an Problemen”. Davon haben wir heute reichlich.
Die Wände, die uns umgeben, werden durch die neuen Kommunikationsmedien durchlässiger und poröser. Unsere Kultur wurzelt in dem hohen Wert, den wir dem Individuum zumessen. Privatsphäre ist der Humus, auf dem dieser Wert gedeiht. Angriffe auf diese Grundlage folgen inzwischen der selben Strategie, nach der auch moderne Kriege geführt werden: Nicht mehr die großen Heere gewinnen die Schlacht, sondern kleine Einheiten. Dieser Salamitaktik hin zu staatlicher Kontrolle begegnen immer mehr Menschen affirmativ. Unsere Gesellschaft scheint von einer unbändigen Lust an der Geheimnislosigkeit erfasst zu sein. Vor ein paar Jahren war Big Brother Synonym für totalitäre Kontrolle; mit den gleichnamigen Containershows hat sich das Ganze in unterhaltsame Sozialpornographie verwandelt - die Leistung der Teilnehmer besteht darin, alles zu zeigen.
Was sich im Netz abspielt, fühlt sich inzwischen oft an wie Beichten ohne Sünde: Alle packen aus, alles öffnet sich. Der Hauptspaß besteht darin, sich selbst in die Welt hinauszuschütten und von durstigen, aufmerksamen Augen getrunken zu werden. “Ausbreiten” bedeutet das lateinische Wort “expandere”, aus seiner Partizipform “expasso” ist unser “Spaß” hervorgegangen. Etwas breitet sich aus; jemand. Jeder sendet und empfängt nun ganz selbstverständlich.
Ein interessantes Phänomen haben Forscher an der Michigan State University beobachtet. Sie fanden heraus, dass die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook sich sehr positiv auf das Wohlbefinden auswirken kann. Studenten, die mit ihrem Leben unzufrieden waren oder die unter mangelndem Selbstbewußtsein litten, zugleich aber intensiv Sites wie Facebook nutzten, konnten eine Art von sozialer Energiereserve aufbauen. Sie hat mit einer Form menschlicher Beziehungen zu tun, die Soziologen als “schwache Bindung” bezeichnen. Schwache Bindungen hat ein Mensch beispielsweise zu Mitschülern oder Partybekanntschaften. Sie sind sehr wichtig, weil sie einen mit neuen Perspektiven und Möglichkeiten versorgen können, die man von engen Freunden oder Familienmitgliedern nicht mehr erhalten würde – weil man sich schon zu gut kennt.
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VOR EINIGER ZEIT beklagte der ehemalige Chefredakteur des Online-Magazins Salon.com, David Talbott, die Geistesmüllawinen im Netz. Mehr denn je sei Qualitätsjournalismus gefragt, “im Web 2.0 werden wir ja täglich mit Blogs und Gelaber überflutet - was wir deshalb brauchen, sind sauber recherchierte, glaubwürdige Informationen. … Blogger haben die Medienwelt mit neuer demokratischer Energie bereichert, aber Blogs schreien nach professioneller redaktioneller Aufbereitung.”
Wir erleben gerade, wie Massenmedien sich in Medienmassen verwandeln. Talbot hat noch nicht gesehen, dass es sich beim vormals Leser, nunmehr Blogger inzwischen um einen bedeutenden Mitspieler und potentiellen Mitkämpfer handelt.
Immer neue Kommunikationskanäle öffnen sich, durch die Menschen miteinander in Austausch treten können. Jeder der Kommunikationskanäle versucht durch immer neue Features, Merkmale, Spielvarianten zu glänzen. In dem Film “Solo für zwei” spielt Steve Martin den Anwalt Roger Cobb, der eine Millionärin davon abbringen soll, ihre Seele durch einen tibetischen Lama in ein junges Mädchen wandern zu lassen (nebst testamentarischer Mitwanderung ihres Vermögens). Während einer turbulenten Suche beugt sich Cobb in der Meinung, die Seele sei darin gelandet, über einen Eimer mit Wasser und führt ein längeres Gespräch mit ihm, das in einer reflexhaften Erkenntnis endet: “Ich rede mit einem Eimer!” Die Szene beschreibt das Lebensgefühl des modernen telekommunizierenden Menschen. Was dieser Mensch in den Medien sucht, ist ein Gefühl der Souveränität und der Würde.
Die Überflutung mit Sinnhaftigkeiten ist auch nichts Neues. Als sich in den achtziger Jahren das Usenet in zehntausende Newsgroups verzweigte, waren neben der sozialen Vision (“Die Vielen sprechen erstmals zu den Vielen”) auch zunehmend Klagen über die ungefilterten Informationsmassen zu hören. Gern übersehen wird, dass schon damals gut abgestufte Mittel entwickelt worden sind, das Weisse Rauschen eingermaßen in den Griff zu bekommen: Moderatoren kümmerten sich um Gruppen und Themen, an denen ihnen gelegen ist. Um Neulingen einen Eindruck von digitaler Gastfreundschaft zu geben, wurde beispielsweise die wunderbare Aggregationsmethode der FAQs erfunden. Ein Blog funktioniert nicht viel anders als eine Newsgroup.
In den neunziger Jahren verlief die Front noch entlang der klassischen Aufteilung von Botschaften - Journalismus war für die schlechten Nachrichten aus der Realität zuständig, die Werbung für die guten Nachrichten aus den Konsumparadiesen. 1994, als das Netz gerade erst ein paar Monate durch die Öffentlichkeit geisterte, beklagte das US-Fachblatt Advertising Age in einem Editorial den Einfluß, den Werbetreibende auf Redakteure erlangt haben. Eine Umfrage bei 150 amerikanischen Tageszeitungen ergab, dass 89 Prozent der Redakteure davon berichteten, Werbekunden hätten Anzeigen zurückgezogen oder versucht, die Berichterstattung zu beeinflussen. 37 Prozent sagten, die Werbekunden hätten obsiegt.
Könnte sich die weitgehend werbefreie Blogosphäre nicht als Refugium erweisen, das die Berichterstattung vor solchen Formen von Korruption bewahrt?
Die eigentliche Macht der Vernetzung liegt in der informatischen Kraft, die sie jedem von uns an die Hand gibt. Journalisten brauchen nichts von ihrer Expertise aufzugeben, aber sie müssen mehr und wesentlich offensiver ihre Ansprüche mit den Nutzern und neuen Mitgestaltern ihrer Arbeit teilen. Es wird weiterhin erstklassige Reporter und Autoren geben, die uns mit klaren Blicken auf die Welt versorgen. Die Zeit, in der Journalismus von einer begrenzten Berufsgruppe ausgeübt wurde, geht jedoch zu Ende. In der Internet-Ära sind wir alle dazu verdammt, Journalisten zu sein.
Im übrigen liegt das Geheimnis guter Kommunikation unverändert darin, dass man etwas zu sagen hat, und wie man es sagt.
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VORGESTERN HAT DIE Tageszeitung Chicago Sun-Times Insolvenz angemeldet. Die große Konkurrenz, die Chicago Tribune, ist schon etwas länger insolvent. Medienwandel – die Chicago Tribune ist allerdings von einem Immobilienspekulanten gegen die Wand gefahren worden.
Wenn wir der Frage nachgehen, in welcher digitalen Gesellschaft wir leben wollen, dürfen wir nicht den Fehler machen und die Symptome des Übergangs mit der gesellschaftlichen Perspektive verwechseln. Manche haben das Gefühl, nicht mithalten zu können mit den Beschleunigungen der digitalen Welt. Aber wir befinden uns in einem Übergang und die Beschleunigung gehört zu den Symptomen dieses Übergangs. Was wir erleben, ähnelt einem flimmernden Bildschirm, der so lange nervt, bis die Bildfrequenz über 72 Hertz steigt. Dann wird das Bild ruhig und klar. Beschleunigt man weiter, wird das Bild nur noch ruhiger und klarer.
Die Frage, wohin die Reise geht - oder wohin ich mir wünschen würde, dass sie geht - möchte ich mit einem kleinen Schlenker 5000 Jahre in die Vergangenheit beantworten. Darauf hat mich das Gebäude gebracht, in dem die Chicago Tribune sitzt, ein wunderbarer alter Wolkenkratzer im Gothic Style. Als der Turm 1925 gebaut wurde, haben Korrespondenten aus aller Welt Steinstücke aus berühmten Bauwerken geschickt, aus dem Taj Mahal, dem griechischen Parthenon, der chinesischen Mauer und anderen. Wenn man auf der Straße an dem Tribune Tower vorbeigeht, sieht man die in die Außenfassade eingelassen Steine. Einer davon ist von der Cheopspyramide.
Vor 5000 Jahren, zu der Zeit, als die Pyramiden gebaut worden sind, haben die Ägypter zwei Dinge erfunden, die wir heute noch haben: den Staat und die Maschine. Der Staat ist als ein erstes Vernetzungsprojekt entstanden. Kleine Dorfgemeinschaften wurden dadurch in die Lage versetzt, Bewässerungsnetze zu betreiben, die sie alleine nicht zustande gebracht hätten. (Blöderweise ist mit dem Staat auch gleich die Steuer mit erfunden worden.)
Durch diese neuen Netze ließ sich nicht mehr nur ein Überschuss an Getreide erwirtschaften, sondern auch ein Überschuss an Zeit. Also begannen die Ägypter, Silos zu bauen, in denen man Zeit speichern kann – die Pyramiden. Diese Bauwerke wurden mit einer Maschine errichtet, die aus tausenden von Menschen bestand. Über einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum von 150 Jahren produzierte diese erste Maschine 80 monumentale Pyramiden, fast wie am Fließband. Jede Pyramide war nur für einen einzigen Menschen gebaut, den Pharao, aber nach 150 Jahren hatten die Ägypter die Schnauze voll.
Es folgten ein paar Jahrzehnte Rebellion und Anarchie, dann begann eine neue Zeit und etwas sehr Erstaunliches war passiert. Nun hatte jeder das Recht, unsterblich werden zu dürfen, nicht mehr nur der Pharao. Die Unsterblichkeit war demokratisiert worden.
Dieses Muster, das wir heute Demokratisierung nennen, hat sich in immer neuen Abwandlungen entfaltet, sei es, dass die Bibel gegen den Willen des Klerus für alle verständlich ins Deutsche übersetzt worden ist, sei es, dass die Aristokratie abgeschafft wurde. In der nordischen Mythologie flüstern Raben alles, was auf der Welt vorgeht, exklusiv dem Gott Wotan ins Ohr. Diese Raben wollen wir heute natürlich alle haben. Und immer hatten - und haben - diese Übergänge damit zu tun, dass Macht und Möglichkeiten und Wissen von ein paar Wenigen auf möglichst Viele verteilt werden und dass die Gesellschaft sich öffnet. Von diesem Muster wünsche ich mir, dass es sich weiter entfaltet.
Zu den neuen Regeln gehört, dass wir mehr Positionen zulassen müssen als bisher. Die Lage ist komplex. Der Schiedsrichter bei einem Fußballspiel ist ein Inbild der alten Zeit. Er ist mit seiner singulären Sicht auf dem Spielfeld in einer wesentlich schlechteren Position als jeder Zuschauer vor dem Bildschirm. Der Schiedsrichter ist sozusagen aussichtslos. Er betrachtet die Welt immer noch von seinem vereinzelten Standpunkt aus, der einen heute angesichts der elektronischen Multiperspektive hoffnungslos ins Hintertreffen geraten läßt. In kritischen Situationen auf dem Spielfeld muß der Schiedsrichter aus seiner subjektiven Position heraus entscheiden, obwohl ihn eine beunruhigende Medien-Objektivität umgibt: Der träge Zuschauer auf dem Sofa sieht im Lauf der nächsten Sekunden die Situation aus unterschiedlichen Kamerapositionen, in Zeitlupe wiederholt, vielleicht noch grafisch verstärkt, und kann sich ein - dem Fußball angemessenes - rundes, ganzheitliches Bild machen.
Nun geht es um Fragen wie die, was eigentlich freie Meinungsäußerung bedeutet, wenn sie plötzlich tatsächlich stattfindet - nicht mehr nur handverlesen auf Leserbriefseiten oder in repräsentativen Debatten, an denen ein paar ausgewählte Talkgäste teilnehmen, sondern wenn plötzlich haufenweise und ungebremst drauflosgemeint wird. In Kommentarfächern und Foren wird etwas Neues erlebbar, etwas Schönes und Schauerliches, nämlich die unrasierten und ungewaschenen Formen von Meinungsäußerung.
Das Meinen ist wilder, vitaler und unkontrollierter geworden. Wirklich entsetzlich aber wäre die Vorstellung einer harmonischen Blogosphäre, in der alle nett zueinander sind und in Pilzhäuschen wohnen, umgeben von Hühnern, die aus Freundlichkeit tot umfallen, damit niemand ihnen den Hals umdrehen muß, wenn er eines mit Salat und Pommes essen möchte. Die klassische Paradiesvorstellung ist für mich ein Inbild der Langeweile. Wenn die Löwen traulich neben den Lämmern liegen, was soll sich da noch groß entwickeln? Und die Freude wollen wir Charles Darwin lassen: Evolvieren ist eine feine Sache, und das nicht nur biologisch, sondern natürlich auch sozial.
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JETZT IST GERADE die Medienaristokratie in Bedrängnis - aber es geht nicht einfach um gut und böse. Die Lage ist wesentlich komplexer. So haben sich durch das Netz die Medien in etwas verwandelt, dem man nicht mehr einfach nur Informationen oder Unterhaltung entnimmt. Unsere Medien sind heute Lebensräume, in denen wir uns aufhalten, arbeiten, spielen und sozialisieren.
Auch das wünsche ich mir: In einer digitalen Welt zu leben, die komplex ist. Kultur bedeutet immer eine Zunahme an Unterschieden - eine Zunahme an Vielfalt und Optionen. Produktive Konkurrenz.
“Small is beautiful” - dieser Begriff stammt von dem 1994 verstorbenen österreichischen Philosophen Leopold Kohr. Im September 1941 hat Kohr in der amerikanischen Zeitschrift “The Commonweal” einen bemerkenswerten Aufsatz veröffentlicht mit dem Titel: “Einigung durch Teilung. Gegen nationalen Wahn, für ein Europa der Kantone”. Darin kommt er zu dem Schluß, dass Demokratie sich nur in kleinen Einheiten entfalten kann - “Das ist natürlich eine lächerliche Idee, orientiert allein an dem Menschen als einem lebendigen, geistigen Individuum. Welteinigungspläne dagegen sind todernste Vorhaben und auf einen Menschen zugeschnitten, den man sich nur als kollektives Wesen vorstellt.”
Eine solche Gesellschaftsform, genauer gesagt: solche Gesellschaftsformen, die wegen ihrer beabsichtigten Kleinteiligkeit naturgemäß etwas mühevoller zu betreiben sind, könnten auch ein Modell abgeben für ein anderes großes System, dessen Demokratisierung erst noch bevorsteht, nämlich Google.
Allein die schiere Größe und Dominanz, die diese Firma in der digitalen Welt erreicht hat, läßt einen unwillkürlich nach Alternativen Ausschau halten. Ich möchte in einer digitalen Gesellschaft leben, in der nicht eine einzige Firma nach intransparenten Kriterien darüber bestimmen kann, ob und wo etwas in einer Trefferliste auftaucht und sich das zum Beispiel auf Wohl und Wehe einer Biografie oder einer wirtschaftlichen Existenz auswirkt.
Sollte man den wiedererstarkenden Staat nutzen und erst Michael Jackson verstaatlichen, der 100 Millionen Dollar Schulden hat und wenn er pleite geht vielleicht die gesamte verbliebene Musikindustrie mit in den Abgrund reißt – und dann verstaatlichen wir Google? Ein Alptraum. Nein, wir müssen anfangen darüber nachzudenken, wie man die vielen ausgezeichneten, kleinen Alternativen zu Google in einen offenen Verbund bekommen kann und wie man sich richtig Rechenleistung zusammenklauben kann, um mit einer Mischung aus Seti@home und dem Wikipedia-Prinzip eine nicht-börsennotierte Suchmaschinenwolke zu organisieren, die Google vermeidbar macht.
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UND ICH WÜNSCHE MIR, in einer digitalen Gesellschaft zu leben, in der das Projekt der Aufklärung mit aller Kraft fortgeführt wird. Aufklärung ist die Quelle, aus der das frische Wissen kommt. Information wird die Welt retten, so lautete die Vision der neunziger Jahre, das Wissen der Menschheit liege vor uns im Zugriff. Wo stehen wir heute? Noch sind nicht ganz so viele Menschen wie im Mittelalter wieder davon überzeugt, dass sich die Sonne um die Erde dreht, aber es wird daran gearbeitet. Die Globalisierung der Dummheit macht erstaunliche Fortschritte. Begriffe wie “Lebenslanges Lernen” sagen uns, dass Wissen immer schneller von Entwertung bedroht ist.
Natürlich ist nichts gegen einfachen Zugang zu Information einzuwenden. Aber allzu leichter Gewinn verdirbt die Freude am Spiel. William James sagte, wenn das einzige Ziel des Fußballspiels darin bestünde, den Ball ins Tor zu bringen, wäre die einfachste Art zu gewinnen, den Ball nachts heimlich dorthin zu tragen.
Vor einiger Zeit berichtete der britische “Guardian” von einem Mann, der seit 40 Jahren seine Nachbarschaft unterminiert. William Lyttle, den die Nachbarn den Maulwurfmann nennen, gräbt von seinem Haus im Londoner Stadtteil Hackney aus seit den späten sechziger Jahren Tunnel. Er vernetzt den Untergrund. Behördliche Messungen mit Ultraschallscannern gaben Hinweise auf bis zu acht Meter tiefe Tunnels, die von Lyttles Haus an die 20 Meter in alle Richtungen ausstrahlen. Ein Nachbar berichtet, dass der Strom auf einer Straßenseite ausgefallen war, als der Maulwurfmann einmal eine Starkstromleitung angegraben hatte. Lyttle behauptet, er habe sich ursprünglich einen Weinkeller graben wollen, der im Lauf der Zeit etwas größer geworden sei. Vor fünf Jahren war der Gehsteig vor dem Haus eingebrochen. “Man konnte die ganzen Tunnel darunter sehen”, sagt eine Nachbarin. Ein anderer Nachbar bringt zum Ausdruck, was Briten für Exzentriker empfinden: “Wir möchten nicht, dass diesem Mann etwas Böses geschieht. Er arbeitet hart. Bedauerlicher Weise setzt er seine Energien nicht in die richtige Richtung ein.”
Das ist Gemeinschaftsgeist. In einer solchen vernetzten Gesellschaft möchte ich leben.
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¹ oder von Platon; hier ausführlicher.
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