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DASS MICHELLE OBAMA bei einem Empfang im Buckingham Palast am letzten Donnerstag in einem “unüberlegten Moment” (Neue Zürcher Zeitung) der Königin von England die Hand auf die Schulter legte, hat mit der Erfindung des Telefons zu tun. Damit hat sich ein Bogen geschlossen, der sich vor 131 Jahren öffnete. Erklär ich gleich.
Die Königin erwiderte die Geste und legte der Frau des amerikanischen Präsidenten den Arm um die Hüfte. Die Medien standen Kopf. Jemand hatte die Königin berührt. Niemand berührt die Königin unaufgefordert. Niemals. Wenn sie einem die Hand anbietet, darf man sie schütteln (aber nur ganz leicht). Königin anfassen ist Lèse majesté, Majestätsbeleidigung.
Die Berührung schlug weltweit Wellen. News from Africa wies auf einen Artikel in der französischen Le Monde hin, demzufolge Michelle Obama vor 400 Jahren gut auf dem Schafott hätte enden können. In der Vergangenheit hatten britische Zeitungen in solchen Fällen Rauch und Feuer gespien und die Berührer der kompletten Respektlosigkeit bezichtigt. Nachdem der australische Premierminister Paul Keating der Queen 1992 den Arm um die Schulter gelegt hatte, wurde er dafür als “Lizard of Oz” verhöhnt, als schlängelnde, böse Eidechse (in Anspielung auf das Kinderbuch “Der Zauberer von Oz”). Im Jahr 2000 erntete John Howard, gleichfalls australischer Premierminister, scharfe Kritik dafür, dass er bei dem Versuch, sie durch eine Menschenmenge zu dirigieren, geradezu den Arm um die Königin legte. Dem französischen Präsidenten Jacques Chirac drohte Ähnliches zu widerfahren, als er 2004 die Königin fast berührte.
Eine Amerikanerin, die sich an die Briten im Netz wendet (”Ich weiß genau, ihr seid hier irgendwo”), will wissen, weshalb es gegen das Protokoll sei, die Königin zu berühren. “Rob22make3″ erteilt Auskunft: “Früher war es sicher nicht allzu gesund, den vielen ungewaschenen Leuten zu nahe zu kommen. Für die meisten von uns ist HMQ [Her Majesty, The Queen] übrigens eine Sehenswürdigkeit, die amerikanische und japanische Touristen dazu bringt, die unglaublichsten Preise für Postkarten des Buckingham Palasts zu bezahlen.”
Daneben nehmen die Royals sich wie seit jeher technischer Neuerungen an. Am 13. Februar 2009 etwa weihte die Queen in Anwesenheit von Sir Tim Berners-Lee ein Update der offiziellen Website der Britischen Monarchie ein, die den Royal Channel auf YouTube ergänzt und auf der sich unter anderem Hinweise finden, wie man ein Mitglied der königlichen Familie grüßt, sollte man ihm gelegentlich begegnen.
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EIN TAGEBUCHEINTRAG von Queen Victoria vom 14. Januar 1878 verzeichnet ein abendliches Treffen auf ihrem Landsitz Osborne House auf der Isle of Wight mit Alexander Graham Bell, dem Erfinder des Telefons. “Professor Bell erklärte den gesamten Vorgang, der sehr außergewöhnlich ist. … Es ist eher undeutlich und man muß die Röhre nahe an das Ohr halten.”
Erst im Jahr zuvor war die Bell Telephone Company gegründet worden, aber die Verbreitung der neuen Technologie ging nur schleppend voran. Auf dem ersten Vorstandstreffen des Unternehmens war eine Bemerkung des damaligen US-Präsidenten Hayes erörtert worden: “Eine erstaunliche Erfindung”, hatte er gesagt, nachdem er die Telefonverbindung zwischen Washington und Philadelphia ausprobiert hatte, “aber wer sollte sie jemals benutzen wollen?”
Für die Vorführung vor Queen Victoria waren Verbindungen mit dem benachbarten Osborne Cottage sowie nach Cowes, Southampton und London eingerichtet worden. Für das plumpe Telefon hatte Bell von den Instrumentenbauern der Firma Julius Sax and Co. eine Dekoration aus Walnuß und Elfenbein anfertigen lassen. Und er hatte eigens die amerikanische Journalistin und Schauspielerin Kate Field engagiert, aber als sie am anderen Ende der Leitung zu singen begann, blickte die Königin gerade anderswohin. Wie er es von seiner gehörlosen Gattin gewohnt war, berührte Bell die Hand der Königin, um ihre Aufmerksamkeit auf das Telefon zu lenken.
Niemand berührt die Königin unaufgefordert. Niemals. Die Nachricht, dass Alexander Graham Bell die Königin berührt hatte, verbreitete sich im ganzen Commonwealth. Und mit ihr das Telefon.
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Michelle Obama berührt die Königin von England:
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