Tagesarchiv für 7. April 2009

Hightech und Hose

WENN MICH ein Roboter hätte sehen können, er hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Ich saß auf der Bettkante und versuchte, einen Gedanken festzuhalten, den ich aus einem Traum gerettet hatte. Solche Ideen sind filigran, wie kleine Gebäude aus Asche. Auf dem Nachttisch lag eine Packung Kopfschmerztabletten. Ich trennte die Pappschachtel auf, um das unbedruckte Innere als Notizzettel benutzen zu können. Mir war eingefallen, dass ich in der Hosentasche einen Kugelschreiber hatte, also angelte ich meine Hose vom Fußboden und suchte meinen Weg in die Beinröhren. Ich versuchte, nicht allzu intensiv an den Kugelschreiber zu denken, um den noch unnotierten Gedanken nicht zu verscheuchen. Während ich mir die Hose anzog, fiel der Kuli aus der Hosentasche.

Ich sah mir dabei zu, wie ich ein verdrehtes Hosenbein geradeschob und am Reißverschluß zippelte, bis er sich endlich hochziehen und mit dem Metallknopf im Bund abschließen ließ, über dem dann noch die Gürtelschnalle zugemacht wurde. Angesichts der Umstände, die ein Mensch auf sich nimmt, um bekleidet an der Zivilisation teilzunehmen, fragte ich mich, wie wohl ein Robotiker mit einem solchen Aufwand umgehen würde.

Einfache Antwort: Garnicht.

KEIN KYBERNETIKER würde auf die Idee kommen, einen Roboter zu bauen, der sich eine Hose anziehen kann. Das ganze Konzept des Hoseanziehens ist aus Sicht eines Roboterbauers absurd. Ein Roboter mit Hose würde nur Umstände machen. Dinge wie Schamhaftigkeit oder Schutz vor Kälte und Schmutz sind für eine Maschine kein Thema.

Der Kuli, der aus meiner Hose gefallen war, war ein Stück unters Bett gerollt. Da ich zu faul war, mich zu bücken, tastete ich mit einem Fuß nach dem Stift. Als ich ihn fühlte, konnte ich eine kleine animalische Fähigkeit zum Einsatz bringen, über die ich verfüge: Ich kann auch mit den Zehen greifen. Ich reichte mir den Kuli mit dem Fuß in die Hand und notierte ein paar Stichworte auf die weisse Innenseite der Schachtelpappe.

Es gibt unter den Robotikern ein paar, die sich als Avantgarde sehen. Sie vertreten die Auffassung, dass eine künstlich intelligente Maschine der nächste Schritt der Evolution sein wird. Die erträumten Zukunftswesen, die den Menschen in seinen Fähigkeiten weit übersteigen sollen, werden eine Menge Dinge nicht können, weil ihre Konstrukteure es nicht für nötig halten. Wozu sollte das auch gut sein, dass eine künstliche Intelligenz beispielsweise Hosen trägt?

Nichts von dem, was ich in den drei Minuten auf der Bettkante gemacht habe, würde in die Interessenssphäre einer solchen Maschine fallen. Die Künstliche Intelligenz würde sich nicht in eine Hose wurschteln und keinen Papierstück für ihre Notizen benutzen. Sie hätte keinen Traum, aus dem ein vager Gedanke aufstiege, kein Kuli fiele ihr aus der Tasche und bei dem Versuch, ihn unterm Bett vorzuangeln, entfiele ihr auch nicht wieder die Hälfte.

Sie hätte in einem Sekundenbruchteil die Feststellung gemacht, dass eine Hose dem emotionalen Bedürfen eines Menschen entgegenkommt, so what. Und sie hätte, allerdings ohne das absichtlich zu tun, dem Menschen wieder deutlich gemacht, was ein Mensch ist: Das Wesen, das die Hosen anhat.

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.? Roboter, als Roboter verkleidete Menschen und Dinge, die aussehen wie Roboter:

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? Ein Spezialfall von Hose: die Knickerbocker:

Knickerbockers - View this group's most interesting photos on Flickriver

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Mathemacht

DAS MACHTGEFÜHL, das der Aufbau computergrafischer Mini-Universen verleiht, belegen Credits, die sich lesen, als wäre ein Gottesteam dabei, die Welt in ständig verbesserten Versionen neu zu erschaffen. Zu einer “Landschaft am Meer” nach einem Regen, die eine Gruppe amerikanischer Spezialisten in George Lucas’ Computergrafik-Schmiede “Industrial Light & Magic” (heute “Pixar”) Ende der achtziger Jahre konstruierte, hieß es:

Die verschiedenen Elemente des Bildes gestaltete das Team zunächst einzeln, dann kombinierte es sie miteinander. Die einfache Modellierungstechnik nach dem Konzept der Fraktalen Geometrie benutzte Loren Carpenter, um die Felsen, die Berge und die Seen zu definieren; ferner schrieb er das Programm zur Ermittlung der verdeckten Flächen und ein “Atmosphären”-Programm für den Himmel und den Dunst. Rob Cook leitete das Projekt, entwarf die Straße, die Hügel, den Zaun und den Regenbogen. Tom Porter stellte die prozedural gezeichnete Textur der Hügel zur Verfügung und schrieb auch die Software zur Kombination der Elemente, um die Bildmontage zu erstellen. Bill Reeves entwarf das Gras mit Hilfe eines selbst entwickelten Systems ‘beweglicher Partikel’; er schrieb auch die Modellierungs-Software. David Salesin schuf die gekräuselten Pfützen, Alvy Ray Smith die blühenden Pflanzen.

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Realitätsmaschinen: schaffen und vernichten

? Die CryEngine 2 der deutschen Spieleentwickler Crytec (2007)

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? Die CryEngine 3 (März 2009)

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