Tagesarchiv für 8. April 2009

Der Nutzertreiber

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UM DEUTLICH ZU MACHEN, was ein kleiner MP3-Player mit Galeerensklaven und der Unerbittlichkeit von Untertanentum zu tun hat, muß ich ein bißchen ausholen.

Wer sich in der Nähe innerstädtischer Gewässer herumtreibt, wird gelegentlich Ohrenzeuge einer der neueren Methoden modernen Gruppentrainings. Dumpfer, rhythmischer Trommelschlag ist zu hören, begleitet von scharfen Rufen. Es sind Drachenboote mit einer Ladung Angestellter, die Leistungswillen und Teamgeist zu verkörpern versuchen, indem sie ihren Kahn hektisch vorwärtsschaufeln und dabei ein wenig aussehen wie Leute, die einen Acker mit Warpgeschwindigkeit umzustechen versuchen. Dass die treibende Stimme oft die einer jungen Frau ist, hat wohl damit zu tun, dass der Sekretärin auch mal die Freude gegönnt werden soll, den ganzen Laden schreiend vor sich herzutreiben.

(Foto: Craig Hatfield, Flickr/CC) ?.

Einer ehrenvollen Legende zufolge ist das Drachenbootfahren bei dem vergeblichen Versuch entstanden, den frühen chinesischen Dichter Qu Yuan vor dem Ertrinken zu retten. Hierzulande assoziiert man zu Booten und rhythmischem Trommeln in eine andere literarische Richtung, nämlich Quo Vadis nebst der grandiosen Galeeren-Szenen der Romanverfilmung von 1951. Dort sind die Trommler noch muskelbepackte, misanthropische Männer. Auf dem Weg durch die Jahrhunderte bis hin zur zeitgenössischen antreibenden Amazone im Drachenboot meint man doch sowas wie emanzipatorischen Fortschritt erkennen zu können. Auch sind die Mannschaften nicht mehr angekettet und freiwillig am Stechrudern, anscheinend jedenfalls.

DIE FRAGE, die jeden anständigen Anarchisten dennoch umtreibt, ist: Muß das sein? Brauchen freie, souveräne Individuen einen Chef, einen Muezzin, einen Vorturner? Kann das Orchester nicht in Ruhe seinen Beethoven spielen, ohne dass Sir Simon Rattle vorne mit einem dünnen Stäbchen Mücken jagt? Die singende Südkurve im Stadion braucht doch auch keinen Dirigenten (Hallo Südkurve, wie wär’s mal mit Beethoven?). Aber der Boss ist, auch wenn wir ihn aus unserem Blickfeld vertreiben, längst in uns. Die Drachenboot-Ruderer sind nur scheinbar nicht mehr angekettet, in Wahrheit hängen sie an unsichtbaren Fesseln - an der Angst, ihren Job zu verlieren und der Bereitschaft, sich lieber gruppendynamisch zum Hampelmann machen zu lassen, als illoyal oder unkonstruktiv zu erscheinen.

Also rudern.

Diese Art der unsichtbaren Galeerengefangenschaft ist in Japan zu fataler Perfektion entwickelt worden. Karoshi, der Tod durch Überarbeitung, ist ein Phänomen, das seit den achtziger Jahren zunehmend Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nachdem ein 30-jähriger Fabrikarbeiter im Februar 2002 nach 106 Überstunden gestorben war und seine Frau drei Jahre später erfolgreich gegen seinen Arbeitgeber Toyota klagte, will das Unternehmen solche Fälle künftig verhindern. Die meisten Japaner nutzen weniger als die Hälfte ihrer Urlaubstage und lassen den Rest verfallen. In Deutschland, so die Wikipedia lapidar, “hat der Betriebsrat die Aufgabe, Todesfällen, deren Ursache Karoshi sein könnte, nachzugehen.”

IN DIESER SITUATION hat die japanische Firma Yamaha einen MP3-Player namens BODiBEAT auf den Markt gebracht. Er spielt nicht nur Musik, sondern verfügt zusätzlich über Beschleunigungssensor und Pulsmesser. Das Gerät wählt die passenden Beats zur körperlichen Betätigung.

Es gibt auch einen sogenannten Fitneßmodus, der die Musik beschleunigt und den Benutzer anstacheln soll. Gesprächsaufzeichnungen schneller abzuspielen, damit Transkripte flotter angefertigt werden können, ist in Ordnung. Musik schneller abzuspielen, um Leute anzutreiben, ist Barbarei.

Plattenspieler Revox B790 (Foto: Touho_t, Flickr/CC) ?.

Erinnert mich an einen Abend bei einem Freund, der noch über einen antiken Plattenspieler mit vier Abspielgeschwindigkeiten verfügte (16, 33, 45 und 75 Umdrehungen pro Minute). Er hat mir darauf eine, siehe oben, Beethoven-Langspielplatte vorgespielt. Ich will auch nicht verschweigen, dass es bereits späterer Abend und wir etwas benebelt waren. Jedenfalls hat mein musikkundiger Freund mir ausführlich den Unterschied zwischen einer von Karajan (flotter) und einer von Furtwängler (getragener) dirigierten Neunten erläutert. Dann kamen wir drauf, dass die LP statt mit 33 mit 16 Umdrehungen läuft. |.

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78 RPM:

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Vinyl Junkie:

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Vinyl Record Stores:

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Technics Turntables:

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Gäbe es keine Musik

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? FALLS JEMAND gerade unter schlechter Laune, einer Frühjahrsverstimmung, musikalischer Unentschlossenheit oder einer anderen Form von Weltenge leiden sollte - hier ist die Tür, durch die’s rausgeht:

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“Ich habe zwei Söhne, der jüngste ist sieben. Bevor er geboren wurde, waren wir mit meiner Frau beim Doktor. Der Doktor hörte sich seinen Herzschlag an und staunte. Er sagte, dass sein Herz im 9/8-Takt schlägt und dass der Herzschlag sehr rhythmisch ist. Wir sind schon in Musik getaucht, wenn wir geboren werden.”

“Gäbe es keine Roma, gäbe es keine Musik.”

“Es gibt Menschen, die nach Noten spielen. Wir respektieren sie. Wir Roma spielen aus dem Herzen.”

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(via Jinn.tv, danke Samuel)

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Google: Die Terabyte-Turbinen

IM ALLERHEILIGSTEN: Erstmals gibt es detaillierte Einblicke in eines der Datenkraftwerke von Google. Der Sightseeing-Clip wurde anläßlich des Google Efficient Data Centers Summit am 1.4.2009 im Google-Hauptquartier im kalifornischen Mountain View präsentiert.

(via Volker Weber, vowe.net)

? Die Google Data Center sind Objekte besonderen Interesses. Die Neugierde über die Anlagen wird durch den Schleier des Geheimnisses gefördert, den Google über ihren Betrieb legte. Drüben bei Data Center Knowledge haben sie Schlüsselinformationen zu einem Google Data Center FAQ zusammengetragen. |

? Eine Karte der Google Datacenter (April 2008). Sie stehen an 19 Orten in den USA, an 12 in Europa, drei in Asien, einem in Rußland und an einem Ort in Südamerika. Wie viele Data Center Google darüber hinaus noch betreibt, ist unbekannt. | ? Eines der im Bau befindlichen Data Center, über das bei Google nur ungern Auskunft gegeben wird, liegt in Goose Creek im US-Bundesstaat South Carolina. (Juni 2008) |

Data Center, wie sie von Google im großen Stil errichtet werden, zeigen den aktuellen Stand beim digitalen Kraftwerksbau. In eigenen Gebäudekomplexen werden riesige Rechnerfarmen betrieben. Der Energieaufwand für die Server und ihre Kühlung ist so hoch, dass bei der Auswahl der Standorte der Strompreis der Region oder die Nähe von Flussläufen zu den entscheidenden Kriterien gehören. Anders als bei Wasser oder Strom gibt es bei Daten im Netz aber einen massiven Gegenstrom von Nutzerdaten. Am Beispiel von Google kann man erahnen, welche Risiken die Ballung bestimmter Ressourcen an einem Ort nach sich zieht. | [? weiter...]

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Porno ohne Porno

Musselsoppans Vänner - Dänische Film-Innenarchitektur der siebziger Jahre: Porno ohne Porno (via monopolisten). |

DIE WEBSITE ERINERT MICH an eine Geschichte, die ein Freund, der viel reist, mir vor Jahren erzählt hat. Er war im Jemen unterwegs gewesen. An einem Rastplatz in der Wüste hatte man ein provisorisches Kino aufgebaut. Ein paar Kisten als Sitzplätze im Sand, die Leinwand gebaucht wie ein Segel. Das Kino ist übrigens neben dem Polizeigewahrsam der einzige Ort, an dem traditionell ausgestattete Jemeniten ihre Krummschwerter abgeben (das Krummschwert prangte bis 1962 auf der Nationalfahne des Königreiches Jemen). Womöglich soll so verhindert werden, dass es, mitgerissen vom spannenden Filmgeschehen, zu schwertgeführten Mißfallenskundgebungen oder irrtümlichen Enthauptungen kommt. Mein Freund konnte sich die kurzen Filme, die gezeigt wurden, erst nicht recht erklären, bis er draufkam, dass es sich um die Handlung von Pornofilmen handelte. Nur der Plot. Die Sexszenen waren vollständig entfernt worden.

? Ein Werbespot für Snafi, das saudische Äquivalent zu Viagra (Agenur: BBDO Riad)

(via The Arabist)

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Ein Tag im Leben

Das groovt. Stop Motion von Heesun Seo und Bora Kim:

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Probleme machen

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Der grösste Feind des Glücks ist - neben dem Schmerz - die Langeweile.

Arthur Schopenhauer

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Ich hatte es mir mal zum Spaß ausgedacht (siehe Problemdesign). Nun haben ein paar Schweizer das Ganze tatsächlich als Geschäftsidee umgesetzt: die Produktion von Problemen. Bei need a problem “erhalten Sie, was Sie brauchen: Nicht die Lösung, sondern ein Problem.” Die Preise bewegen sich von einem Euro für triviale Probleme bis 5000 Euro für ein fast unlösbares Problem. Hat man das erworbene Problem gelöst, kann man die Lösung an need a problem schicken, wo sie überprüft und auf Wunsch in die Liste der besten Problemlösungen aufgenommen wird. (Via SwissMiss). |

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Google zerfällt

? Der talentierte Mr. Doob von der britischen Agentur HiReS!
hat mit Google Chrome experimentiert:

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