Tagesarchiv für 28. April 2009

Das Spiel verstehen

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IN DÜSSELDORF fragte mich mal jemand, ob ich nicht Lust hätte, was über American Football zu schreiben. Ich schaute mir ein paar Spiele der Düsseldorf Panther an und versuchte zu begreifen, wie das Spiel funktioniert. Es ist wie bei Baseball, man kennt das Spiel als Europäer aus einer Unendlichkeit von Kinofilmen und Fernsehserien, aber niemand erklärt einem, wie es läuft.

Indische Kinder beim Cricketspielen (Foto: foxypar4, Flickr/CC) ?

Aber diese Art des Nichtverstehens hat auch was. Man kann sich lustig machen über das Spiel, wenn jemand mit einem dicken Handschuh einen kleinen Ball fängt und lossprintet, ohne dass sich einem ein Sinn daraus erschließt. Man kann das Spiel spielerisch betrachten und wird nicht aufgesaugt von dem dröhnenden Ernst und dem Spielpathos der Millionen Bescheidwisser.

BEIM AMERICAN FOOTBALL sieht man die Jungs rumstehen mit ihren vergitterten Helmen und ihren Comicsuperheldenschultern, und dann gibt es plötzlich und meist relativ kurz ein unglaubliches Gerenne, und dann liegt ein kleiner Berg Leute auf dem Spielfeld, ganz untendrunter zumeist der, der den olivenförmigen Ball unterm Arm hatte. Am Spielfeldrand hampeln die Cheerleader. Ab und zu rennt einer mit dem Ball ans Spielfeldende und schießt ihn über diese überdimensionale Andeutung von Tor. Homerun Touchdown, weiß man auch.

Nach ein paar Spielen wußte ich, was das Wesen des American Football ausmacht: Es geht darum, dass jeder jeden bei allem behindert. Einer versucht dabei, mit dem Ball durchzukommen.

Das Natwest Media Centre am Londoner Lord’s Cricket Ground (Foto: markhillary, Flickr/CC) ?

WER NUN GLAUBT, dass diese Art von Rasenspielen schwer zu begreifen ist, sollte es mal mit Cricket versuchen. Er sollte sich zuvor mit Quantenphysik, altägyptischer Mythologie und dem Nahostproblem befassen, um in Anschluß das Gefühl genießen zu können, wie unkompliziert alle Dinge sind, die nichts mit Cricket zu tun haben:

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Understanding Cricket

You have two sides, one out in the field and one in.

Each man that’s in the side that’s in goes out, and when he’s out he comes in and the next man goes in until he’s out.

When they are all out, the side that’s out comes in and the side that’s been in goes out and tries to get those coming in, out. Sometimes you get men still in and not out. …

When a man goes out to go in, the men who are out try to get him out, and when he is out he goes in and the next man in goes out and goes in.

There are two men called umpires who stay all out all the time and they decide when the men who are in are out.

When both sides have been in and all the men have been out, and both sides have been out twice after all the men have been in, including those who are not out, that is the end of the game!

(via Afrigator)

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? Ok, und hier noch ein Versuch zum näheren Verständnis:
How to Play Cricket – How to Bowl Around the Wicket in Cricket

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Schlauchkunst

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Großgestrickt Durchflossenes von Casual Profanity alias Charles Bucket.


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? Hier ein weiteres Schlauchbildwerk. |

Liquids & Bubbles - ein farbenprächtiges Fotoset von jedw.40cat auf Flickr:
jedw.40cat - View my most interesting photos on Flickriver

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Joggen mit Jesus

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Dear Gretchen. Ein kleines Meisterwerk: die poetischen, handgemachten Infografiken von Gretchen Nash. |

Das Enterprise Art Model Project: Um sich schon mal vor dem Start des neuen Star Trek-Kinofilms etwa warmzutrekken, haben Künstler aus den verschiedensten Weltgegenden ihre jeweilige Interpretation der USS Enterprise gestaltet. ?

Fünfminutenurlaub: Eine virtuelle Flugreise über ein Panorama von Manhattan. Armchair Travelling.

Las Vegas wächst: 25 Jahre in sechs Sekunden. |

Wir basteln uns einen Michael Jackson. | Hierzu s. a. ? Die online durchblätterbaren fünf Kataloge zur Collection of Michael Jackson - etwa 2000 Kuriositäten und entmutigend kitischiger Krempel, die das Auktionshaus Julien’s von 22. bis 25. April 2009 verkloppen sollte. Die Auktion wurde abgeblasen, die Kataloge sind noch online. |

Eine Elvis-Sichtung: “Ich hab ihn gesehen. Ich hab ihn letzte Woche auf einem Berggipfel in Kenia gesehen, wo er mit seinem sudanesischen Guru Flugyoga gemacht hat. Der King erfreut sich ausgezeichneter Gesundheit, er hat auch ziemlich abgenommen. Er erzählte mir, dass er ein Comeback plant, da Michael Jackson sich an seiner kleinen Tochter vergriffen habe.” (hier weitere Elvis-Sichtungen). | 

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? Laufet den Herrn: Ein christliches Fitneßvideo.
Work Your Jesus Muscle
(via everythingisterrible):

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Darwin und das Ganze

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DAS MECHANISCHE STEREOTYP in der herkömmlichen Geschichte der Technik ist so beharrlich, dass beispielsweise die Erfindung des Telephons meist ohne Hinweis auf die Tatsache geschildert wird, dass Alexander Graham Bell den Hörer bewußt der Anatomie des menschlichen Ohrs nachgebildet hat. Es war die erste verblüffende Erfindung, die auf einem organischen Modell beruhte und einen Lebensvorgang durch die Anwendung einer vorgegebenen biologischen Lösung simulierte.

Darwin Harbour, Stokes Hill Wharf (Foto: Stephen Barnett, Flickr/CC) ?

Beim Bau von Computern wurden erst Fortschritte erzielt, als die mechanischen Komponenten durch elektrische Ladungen ersetzt waren, so wie es bei der Informationsübermittlung im Nervensystem geschieht - ein Schritt, zu dem hereits Galvanis frühe elektrische Experimente mit den Reflexen eines Froschs den Ansatz geliefert hatten. Die Bedeutung organischer Phänomene für die Kybernetik und die Netztechnik ist heute so klar, dass zu modernen Forschungsteams nicht nur Mathematiker, Physiker und Techniker, sondern auch Physiologen, Neurologen und Linguisten gehören.

DER ERSTE und vielleicht größte Ökologe war Charles Darwin, Erdenker der Evolution, der die Vorstellung einer Erde als ein in sich verwobenes, in jeder Hinsicht dynamisches Gebilde in ihrer organischen Ganzheit zu fassen versuchte. Kein anderer hat das konstante, unlösliche Zusammenspiel zwischen Organismus, Funktion und Umwelt so gründlich beschrieben wie er. In seiner Person war das postmechanistische Weltbild, das auf dem beobachteten Wesen der lebenden Organismen beruht, symbolisch verkörpert.

Was Darwins Gedanken so überzeugend machte, waren nicht seine spezifischen Theorien, sondern seine einzigartige Fähigkeit, eine große Zahl von Beobachtungen bestimmter Ereignisse verschiedenster Art zusammenzufassen. Sich diese Fähigkeit auf neue Weise zueigen zu machen mit Gewinn für alle Beteiligten und sie auf die Überfülle an Informationen anzuwenden, die durch das Online-Universum wölken, gehört zu den vornehmsten Aufgaben unserer Zeit.

Micro Monkey-Socken anläßlich des Geburtstags von Charles Darwin (Foto: milele, Flickr/CC) ?

OBWOHL KEINE einzelne Beobachtungsfolge zur Erklärung der Evolution des Lebens ausreichte, enthüllte die Gesamtheit, als Darwin sie zusammenfügte, ein konkretes Muster von äußerster Komplexität. Im organischen Weltbild gewinnt auch die Zeit eine neue Bedeutung. Sie wird nun nicht mehr nur mit Bewegung und serieller Abfolge in Verbindung gebracht, sondern auch mit dem organischen Wachstum der Art und des Individuums. Die Vergangenheit geht nicht verloren, sie bleibt im individuellen Gedächtnis, und in der gesamten Struktur des Organismus präsent. Der Mensch hat sich darüber hinaus die Dimension der Zeichen und Bedeutungen als einen besonderen Ort der Unsterblichkeit erschlossen.

Durch diese neue Idee der Zeit, von Ganzheitlichkeit getragen, erweist sich das herkömmliche Fortschrittsdenken - die Vergangenheit muß überwunden und beseitigt werden! - als Teil der linearen Falle. Die große Revolution, die wir brauchen, verlangt vor allem eine Transformation des mechanischen Weltbilds und seiner digitalen Fortführungen in ein organisches, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht, “kühl und gefaßt einer Million Welten gegenüber”, wie Walt Whitman es ausdrückte.

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