Monatsarchiv für April 2009

Probleme machen

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Der grösste Feind des Glücks ist - neben dem Schmerz - die Langeweile.

Arthur Schopenhauer

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Ich hatte es mir mal zum Spaß ausgedacht (siehe Problemdesign). Nun haben ein paar Schweizer das Ganze tatsächlich als Geschäftsidee umgesetzt: die Produktion von Problemen. Bei need a problem “erhalten Sie, was Sie brauchen: Nicht die Lösung, sondern ein Problem.” Die Preise bewegen sich von einem Euro für triviale Probleme bis 5000 Euro für ein fast unlösbares Problem. Hat man das erworbene Problem gelöst, kann man die Lösung an need a problem schicken, wo sie überprüft und auf Wunsch in die Liste der besten Problemlösungen aufgenommen wird. (Via SwissMiss). |

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Google zerfällt

? Der talentierte Mr. Doob von der britischen Agentur HiReS!
hat mit Google Chrome experimentiert:

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Hightech und Hose

WENN MICH ein Roboter hätte sehen können, er hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Ich saß auf der Bettkante und versuchte, einen Gedanken festzuhalten, den ich aus einem Traum gerettet hatte. Solche Ideen sind filigran, wie kleine Gebäude aus Asche. Auf dem Nachttisch lag eine Packung Kopfschmerztabletten. Ich trennte die Pappschachtel auf, um das unbedruckte Innere als Notizzettel benutzen zu können. Mir war eingefallen, dass ich in der Hosentasche einen Kugelschreiber hatte, also angelte ich meine Hose vom Fußboden und suchte meinen Weg in die Beinröhren. Ich versuchte, nicht allzu intensiv an den Kugelschreiber zu denken, um den noch unnotierten Gedanken nicht zu verscheuchen. Während ich mir die Hose anzog, fiel der Kuli aus der Hosentasche.

Ich sah mir dabei zu, wie ich ein verdrehtes Hosenbein geradeschob und am Reißverschluß zippelte, bis er sich endlich hochziehen und mit dem Metallknopf im Bund abschließen ließ, über dem dann noch die Gürtelschnalle zugemacht wurde. Angesichts der Umstände, die ein Mensch auf sich nimmt, um bekleidet an der Zivilisation teilzunehmen, fragte ich mich, wie wohl ein Robotiker mit einem solchen Aufwand umgehen würde.

Einfache Antwort: Garnicht.

KEIN KYBERNETIKER würde auf die Idee kommen, einen Roboter zu bauen, der sich eine Hose anziehen kann. Das ganze Konzept des Hoseanziehens ist aus Sicht eines Roboterbauers absurd. Ein Roboter mit Hose würde nur Umstände machen. Dinge wie Schamhaftigkeit oder Schutz vor Kälte und Schmutz sind für eine Maschine kein Thema.

Der Kuli, der aus meiner Hose gefallen war, war ein Stück unters Bett gerollt. Da ich zu faul war, mich zu bücken, tastete ich mit einem Fuß nach dem Stift. Als ich ihn fühlte, konnte ich eine kleine animalische Fähigkeit zum Einsatz bringen, über die ich verfüge: Ich kann auch mit den Zehen greifen. Ich reichte mir den Kuli mit dem Fuß in die Hand und notierte ein paar Stichworte auf die weisse Innenseite der Schachtelpappe.

Es gibt unter den Robotikern ein paar, die sich als Avantgarde sehen. Sie vertreten die Auffassung, dass eine künstlich intelligente Maschine der nächste Schritt der Evolution sein wird. Die erträumten Zukunftswesen, die den Menschen in seinen Fähigkeiten weit übersteigen sollen, werden eine Menge Dinge nicht können, weil ihre Konstrukteure es nicht für nötig halten. Wozu sollte das auch gut sein, dass eine künstliche Intelligenz beispielsweise Hosen trägt?

Nichts von dem, was ich in den drei Minuten auf der Bettkante gemacht habe, würde in die Interessenssphäre einer solchen Maschine fallen. Die Künstliche Intelligenz würde sich nicht in eine Hose wurschteln und keinen Papierstück für ihre Notizen benutzen. Sie hätte keinen Traum, aus dem ein vager Gedanke aufstiege, kein Kuli fiele ihr aus der Tasche und bei dem Versuch, ihn unterm Bett vorzuangeln, entfiele ihr auch nicht wieder die Hälfte.

Sie hätte in einem Sekundenbruchteil die Feststellung gemacht, dass eine Hose dem emotionalen Bedürfen eines Menschen entgegenkommt, so what. Und sie hätte, allerdings ohne das absichtlich zu tun, dem Menschen wieder deutlich gemacht, was ein Mensch ist: Das Wesen, das die Hosen anhat.

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.? Roboter, als Roboter verkleidete Menschen und Dinge, die aussehen wie Roboter:

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? Ein Spezialfall von Hose: die Knickerbocker:

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Mathemacht

DAS MACHTGEFÜHL, das der Aufbau computergrafischer Mini-Universen verleiht, belegen Credits, die sich lesen, als wäre ein Gottesteam dabei, die Welt in ständig verbesserten Versionen neu zu erschaffen. Zu einer “Landschaft am Meer” nach einem Regen, die eine Gruppe amerikanischer Spezialisten in George Lucas’ Computergrafik-Schmiede “Industrial Light & Magic” (heute “Pixar”) Ende der achtziger Jahre konstruierte, hieß es:

Die verschiedenen Elemente des Bildes gestaltete das Team zunächst einzeln, dann kombinierte es sie miteinander. Die einfache Modellierungstechnik nach dem Konzept der Fraktalen Geometrie benutzte Loren Carpenter, um die Felsen, die Berge und die Seen zu definieren; ferner schrieb er das Programm zur Ermittlung der verdeckten Flächen und ein “Atmosphären”-Programm für den Himmel und den Dunst. Rob Cook leitete das Projekt, entwarf die Straße, die Hügel, den Zaun und den Regenbogen. Tom Porter stellte die prozedural gezeichnete Textur der Hügel zur Verfügung und schrieb auch die Software zur Kombination der Elemente, um die Bildmontage zu erstellen. Bill Reeves entwarf das Gras mit Hilfe eines selbst entwickelten Systems ‘beweglicher Partikel’; er schrieb auch die Modellierungs-Software. David Salesin schuf die gekräuselten Pfützen, Alvy Ray Smith die blühenden Pflanzen.

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Realitätsmaschinen: schaffen und vernichten

? Die CryEngine 2 der deutschen Spieleentwickler Crytec (2007)

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? Die CryEngine 3 (März 2009)

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Zapping

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Berührungen

DASS MICHELLE OBAMA bei einem Empfang im Buckingham Palast am letzten Donnerstag in einem “unüberlegten Moment” (Neue Zürcher Zeitung) der Königin von England die Hand auf die Schulter legte, hat mit der Erfindung des Telefons zu tun. Damit hat sich ein Bogen geschlossen, der sich vor 131 Jahren öffnete. Erklär ich gleich.

Die Königin erwiderte die Geste und legte der Frau des amerikanischen Präsidenten den Arm um die Hüfte. Die Medien standen Kopf. Jemand hatte die Königin berührt. Niemand berührt die Königin unaufgefordert. Niemals. Wenn sie einem die Hand anbietet, darf man sie schütteln (aber nur ganz leicht). Königin anfassen ist Lèse majesté, Majestätsbeleidigung.

Die Berührung schlug weltweit Wellen. News from Africa wies auf einen Artikel in der französischen Le Monde hin, demzufolge Michelle Obama vor 400 Jahren gut auf dem Schafott hätte enden können. In der Vergangenheit hatten britische Zeitungen in solchen Fällen Rauch und Feuer gespien und die Berührer der kompletten Respektlosigkeit bezichtigt. Nachdem der australische Premierminister Paul Keating der Queen 1992 den Arm um die Schulter gelegt hatte, wurde er dafür als “Lizard of Oz” verhöhnt, als schlängelnde, böse Eidechse (in Anspielung auf das Kinderbuch “Der Zauberer von Oz”). Im Jahr 2000 erntete John Howard, gleichfalls australischer Premierminister, scharfe Kritik dafür, dass er bei dem Versuch, sie durch eine Menschenmenge zu dirigieren, geradezu den Arm um die Königin legte. Dem französischen Präsidenten Jacques Chirac drohte Ähnliches zu widerfahren, als er 2004 die Königin fast berührte.

Eine Amerikanerin, die sich an die Briten im Netz wendet (”Ich weiß genau, ihr seid hier irgendwo”), will wissen, weshalb es gegen das Protokoll sei, die Königin zu berühren. “Rob22make3″ erteilt Auskunft: “Früher war es sicher nicht allzu gesund, den vielen ungewaschenen Leuten zu nahe zu kommen. Für die meisten von uns ist HMQ [Her Majesty, The Queen] übrigens eine Sehenswürdigkeit, die amerikanische und japanische Touristen dazu bringt, die unglaublichsten Preise für Postkarten des Buckingham Palasts zu bezahlen.”

Daneben nehmen die Royals sich wie seit jeher technischer Neuerungen an. Am 13. Februar 2009 etwa weihte die Queen in Anwesenheit von Sir Tim Berners-Lee ein Update der offiziellen Website der Britischen Monarchie ein, die den Royal Channel auf YouTube ergänzt und auf der sich unter anderem Hinweise finden, wie man ein Mitglied der königlichen Familie grüßt, sollte man ihm gelegentlich begegnen.

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Queen Victoria, 1887

EIN TAGEBUCHEINTRAG von Queen Victoria vom 14. Januar 1878 verzeichnet ein abendliches Treffen auf ihrem Landsitz Osborne House auf der Isle of Wight mit Alexander Graham Bell, dem Erfinder des Telefons. “Professor Bell erklärte den gesamten Vorgang, der sehr außergewöhnlich ist. … Es ist eher undeutlich und man muß die Röhre nahe an das Ohr halten.”

Erst im Jahr zuvor war die Bell Telephone Company gegründet worden, aber die Verbreitung der neuen Technologie ging nur schleppend voran. Auf dem ersten Vorstandstreffen des Unternehmens war eine Bemerkung des damaligen US-Präsidenten Hayes erörtert worden: “Eine erstaunliche Erfindung”, hatte er gesagt, nachdem er die Telefonverbindung zwischen Washington und Philadelphia ausprobiert hatte, “aber wer sollte sie jemals benutzen wollen?”

Alexander Graham Bell, 1876

Für die Vorführung vor Queen Victoria waren Verbindungen mit dem benachbarten Osborne Cottage sowie nach Cowes, Southampton und London eingerichtet worden. Für das plumpe Telefon hatte Bell von den Instrumentenbauern der Firma Julius Sax and Co. eine Dekoration aus Walnuß und Elfenbein anfertigen lassen. Und er hatte eigens die amerikanische Journalistin und Schauspielerin Kate Field engagiert, aber als sie am anderen Ende der Leitung zu singen begann, blickte die Königin gerade anderswohin. Wie er es von seiner gehörlosen Gattin gewohnt war, berührte Bell die Hand der Königin, um ihre Aufmerksamkeit auf das Telefon zu lenken.

Niemand berührt die Königin unaufgefordert. Niemals. Die Nachricht, dass Alexander Graham Bell die Königin berührt hatte, verbreitete sich im ganzen Commonwealth. Und mit ihr das Telefon.

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Michelle Obama berührt die Königin von England:

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Erstklassig gefälscht

? Eine Website, auf der jedem Musikfreund, besonders jedem Eintrittskartensammler das Herz aufgehen wird: Ticketcollector. |

? Erstklassig gefälschte Anzeigen der DHARMA-Initiative. Wer “Lost” nicht gesehen hat, kann sich hier über den Hintergrund informieren:
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? 142 ansprechende alte amerikanische Werbeanzeigen:
IAAFOTS - View my most interesting photos on Flickriver

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Fahndungsaufruf

Meine Rede auf der re:publica 09, In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?, habe ich mit einem pointierten Vergleich des Literaturnobelpreisträgers George Bernard Shaw über den Unterschied zwischen Äpfeln und Ideen eingeleitet.

George Bernard Shaw

George Bernard Shaw

Das englischsprachige Bild (das ich hier gefunden habe) habe ich für meinen Vortrag ins Deutsche übersetzt. Ich habe es absichtlich nicht als Zitat, sondern als Bild bezeichnet, denn “zitieren” hieße, die Herkunft einer Textstelle zu belegen und nicht nur, sie zu behaupten - der Ursprungsbegriff citare bedeutet herbeirufen.

Die Herkunft der anschaulichen Zeilen war nicht angegeben; ich habe mir auch nicht die Zeit genommen, sie ausfindig zu machen. Jetzt will ich es aber doch wissen. Dazu brauche ich eure Hilfe.

Das Zitat stamme von dem griechischen Philosophen Platon, vermerkt EinBerliner in einem Kommentar. (Er betreibt das Blog Ein Berliner blogt mit dem schönen Motto “Hin und wieder sollte man auch bei anderen lesen, sonst wird es selbstreferentiell”). Aber auch EinBerliner zitiert nicht, sondern behauptet nur die andere Herkunft.

Eine erste Nachschau im Netz ergibt zwei Hauptströmungen: Im englischsprachigen Netzraum wird das Zitat bevorzugt George Bernard Shaw zugeschrieben, im deutschsprachigen Platon. Es gibt auch Mischformen.

Platon (links) und Aristoteles mit dem Timaios bzw. der Nikomachischen Ethik in Händen, Detailansicht aus Raffaels Die Schule von Athen (1510–1511), Fresko in der Stanza della Segnatura (Vatikan)

Platon (links) und Aristoteles mit dem Timaios bzw. der Nikomachischen Ethik in Händen, Detailansicht aus Raffaels Die Schule von Athen (1510–1511), Fresko in der Stanza della Segnatura (Vatikan)

Wortgleich formuliert mit dem Hinweis auf Platon als Urheber findet sich das Zitat unter anderem in “Einheit“, der Zeitschrift für Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus (veröffentlicht vom Parteivorstand der SED, 1982), in “neue Gedanken” der Katholischen Kirche Oberösterreichs oder dem Buch “Ressource Wissen” über wissensbasiertes Projektmanagement von Willhild Angelika Kreitel.

Wie bei solchen Zitaten leider üblich, ist nie eine Fundstelle oder Quelle angegeben. Dabei ist das Web genau dafür erfunden worden - um die Wurzelfäden in einem Text mit einem Klick nachvollziehbar zu machen, einfacher als mit jeder Fußnote.

In den Texten von Platon bei Projekt Gutenberg.de ist keine entsprechende Stelle zu finden. Gibt es einen freundlichen Platon-Kenner da draußen, der weiß, ob Platon so etwas gesagt hat (oder ob jemand mal gesagt hat, dass Platon so etwas gesagt haben soll) und wo man es nachlesen kann? Und gibt es vielleicht auch noch einen freundlichen George Bernard Shaw-Kenner, der dieselbe Frage Shaw betreffend beantworten kann? Hat Shaw vielleicht mal Platon zitiert? Oder sich das Zitat zueigen gemacht?

Für sachdienliche Hinweise querverbindlichen Dank im voraus.

Hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch ein prima Stilmerkmal von Blogs, nämlich die mit [via] gekennzeichneten Quellenlinks. Sie verweisen auf die Herkunft von Beiträgen; das sollten sie jedenfalls. Da es aber leider noch keine Links mit Mehrfachverzweigungen gibt (ein Klick öffnet mehrere Ziele), wird der Anständigkeit halber meist primär auf das Blog verlinkt, auf dem man über das betreffende Fundstück gestolpert ist. Oft hat aber auch der dortige Finder das Stück woanders gefunden, worauf das nächste [via] hinweist. Nicht selten ist das der Anfang einer [via]-Kaskade¹, die einen zwar manchmal auf interessante, neue Blogs, aber nicht in die Nähe der Quelle bringt. Vielleicht sollte man ausser dem [via]-Link immer auch noch einen Link auf die originale Quelle setzen.

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¹ für den Begriff Dank an Kathrin Passig.

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In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?

[ Vorgetragen auf der re:publica 09 in Berlin am 2.4.2009 ]

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[Update] VON GEORGE BERNARD SHAW¹ gibt es zu der Frage ein Bild: “Wenn du einen Apfel hast und ich habe einen Apfel und wir tauschen die Äpfel, wird jeder von uns nach wie vor einen Apfel haben. Aber wenn du eine Idee hast und ich habe eine Idee und wir tauschen diese Ideen aus, dann wird jeder von uns zwei Ideen haben.”

Wer möchte nicht in einer solchen Gesellschaft leben, in der sich die Ressourcen so wunderbar vermehren und das Tauschen so gewinnbringend ist? Apfelbauern vielleicht, die ihre Äpfel verkaufen wollen.

Das Teilen mit technologischer Hilfe führt nicht nur zur Vermehrung von Ideen, sondern auch zur Vermehrung von Problemen. Computer helfen uns dabei, Dinge schneller zu erledigen, die wir ohne Computer gar nicht hätten erledigen müssen, das wußte Marshall McLuhan schon in den sechziger Jahren. Als damals am MIT der erste Großrechner zur Verfügung stand, der Timesharing beherrschte und mehrere Nutzer gleichzeitig bedienen konnte, gab es einen Befehl, mit dem man einfach das ganze System zum Absturz bringen konnte, ohne Raffinesse und ohne jede Eleganz. Das wurde zwei, drei Mal ausprobiert, dann machte es keinen Spaß mehr. Brauchen wir einen solchen Befehl für’s Internet?

Im übrigen ist die Vermehrung von Problemen nicht unbedingt ein Manko. Von Egon Friedell stammt der Satz “Kultur ist Reichtum an Problemen”. Davon haben wir heute reichlich.

U-Bahn Tokio: Verhaltenshinweise

Die Wände, die uns umgeben, werden durch die neuen Kommunikationsmedien durchlässiger und poröser. Unsere Kultur wurzelt in dem hohen Wert, den wir dem Individuum zumessen. Privatsphäre ist der Humus, auf dem dieser Wert gedeiht. Angriffe auf diese Grundlage folgen inzwischen der selben Strategie, nach der auch moderne Kriege geführt werden: Nicht mehr die großen Heere gewinnen die Schlacht, sondern kleine Einheiten. Dieser Salamitaktik hin zu staatlicher Kontrolle begegnen immer mehr Menschen affirmativ. Unsere Gesellschaft scheint von einer unbändigen Lust an der Geheimnislosigkeit erfasst zu sein. Vor ein paar Jahren war Big Brother Synonym für totalitäre Kontrolle; mit den gleichnamigen Containershows hat sich das Ganze in unterhaltsame Sozialpornographie verwandelt - die Leistung der Teilnehmer besteht darin, alles zu zeigen.

Was sich im Netz abspielt, fühlt sich inzwischen oft an wie Beichten ohne Sünde: Alle packen aus, alles öffnet sich. Der Hauptspaß besteht darin, sich selbst in die Welt hinauszuschütten und von durstigen, aufmerksamen Augen getrunken zu werden. “Ausbreiten” bedeutet das lateinische Wort “expandere”, aus seiner Partizipform “expasso” ist unser “Spaß” hervorgegangen. Etwas breitet sich aus; jemand. Jeder sendet und empfängt nun ganz selbstverständlich.

Ein interessantes Phänomen haben Forscher an der Michigan State University beobachtet. Sie fanden heraus, dass die Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook sich sehr positiv auf das Wohlbefinden auswirken kann. Studenten, die mit ihrem Leben unzufrieden waren oder die unter mangelndem Selbstbewußtsein litten, zugleich aber intensiv Sites wie Facebook nutzten, konnten eine Art von sozialer Energiereserve aufbauen. Sie hat mit einer Form menschlicher Beziehungen zu tun, die Soziologen als “schwache Bindung” bezeichnen. Schwache Bindungen hat ein Mensch beispielsweise zu Mitschülern oder Partybekanntschaften. Sie sind sehr wichtig, weil sie einen mit neuen Perspektiven und Möglichkeiten versorgen können, die man von engen Freunden oder Familienmitgliedern nicht mehr erhalten würde – weil man sich schon zu gut kennt.

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VOR EINIGER ZEIT beklagte der ehemalige Chefredakteur des Online-Magazins Salon.com, David Talbott, die Geistesmüllawinen im Netz. Mehr denn je sei Qualitätsjournalismus gefragt, “im Web 2.0 werden wir ja täglich mit Blogs und Gelaber überflutet - was wir deshalb brauchen, sind sauber recherchierte, glaubwürdige Informationen. … Blogger haben die Medienwelt mit neuer demokratischer Energie bereichert, aber Blogs schreien nach professioneller redaktioneller Aufbereitung.”

Wir erleben gerade, wie Massenmedien sich in Medienmassen verwandeln. Talbot hat noch nicht gesehen, dass es sich beim vormals Leser, nunmehr Blogger inzwischen um einen bedeutenden Mitspieler und potentiellen Mitkämpfer handelt.

Immer neue Kommunikationskanäle öffnen sich, durch die Menschen miteinander in Austausch treten können. Jeder der Kommunikationskanäle versucht durch immer neue Features, Merkmale, Spielvarianten zu glänzen. In dem Film “Solo für zwei” spielt Steve Martin den Anwalt Roger Cobb, der eine Millionärin davon abbringen soll, ihre Seele durch einen tibetischen Lama in ein junges Mädchen wandern zu lassen (nebst testamentarischer Mitwanderung ihres Vermögens). Während einer turbulenten Suche beugt sich Cobb in der Meinung, die Seele sei darin gelandet, über einen Eimer mit Wasser und führt ein längeres Gespräch mit ihm, das in einer reflexhaften Erkenntnis endet: “Ich rede mit einem Eimer!” Die Szene beschreibt das Lebensgefühl des modernen telekommunizierenden Menschen. Was dieser Mensch in den Medien sucht, ist ein Gefühl der Souveränität und der Würde.

Die Überflutung mit Sinnhaftigkeiten ist auch nichts Neues. Als sich in den achtziger Jahren das Usenet in zehntausende Newsgroups verzweigte, waren neben der sozialen Vision (“Die Vielen sprechen erstmals zu den Vielen”) auch zunehmend Klagen über die ungefilterten Informationsmassen zu hören. Gern übersehen wird, dass schon damals gut abgestufte Mittel entwickelt worden sind, das Weisse Rauschen eingermaßen in den Griff zu bekommen: Moderatoren kümmerten sich um Gruppen und Themen, an denen ihnen gelegen ist. Um Neulingen einen Eindruck von digitaler Gastfreundschaft zu geben, wurde beispielsweise die wunderbare Aggregationsmethode der FAQs erfunden. Ein Blog funktioniert nicht viel anders als eine Newsgroup.

In den neunziger Jahren verlief die Front noch entlang der klassischen Aufteilung von Botschaften - Journalismus war für die schlechten Nachrichten aus der Realität zuständig, die Werbung für die guten Nachrichten aus den Konsumparadiesen. 1994, als das Netz gerade erst ein paar Monate durch die Öffentlichkeit geisterte, beklagte das US-Fachblatt Advertising Age in einem Editorial den Einfluß, den Werbetreibende auf Redakteure erlangt haben. Eine Umfrage bei 150 amerikanischen Tageszeitungen ergab, dass 89 Prozent der Redakteure davon berichteten, Werbekunden hätten Anzeigen zurückgezogen oder versucht, die Berichterstattung zu beeinflussen. 37 Prozent sagten, die Werbekunden hätten obsiegt.

Könnte sich die weitgehend werbefreie Blogosphäre nicht als Refugium erweisen, das die Berichterstattung vor solchen Formen von Korruption bewahrt?

Die eigentliche Macht der Vernetzung liegt in der informatischen Kraft, die sie jedem von uns an die Hand gibt. Journalisten brauchen nichts von ihrer Expertise aufzugeben, aber sie müssen mehr und wesentlich offensiver ihre Ansprüche mit den Nutzern und neuen Mitgestaltern ihrer Arbeit teilen. Es wird weiterhin erstklassige Reporter und Autoren geben, die uns mit klaren Blicken auf die Welt versorgen. Die Zeit, in der Journalismus von einer begrenzten Berufsgruppe ausgeübt wurde, geht jedoch zu Ende. In der Internet-Ära sind wir alle dazu verdammt, Journalisten zu sein.

Im übrigen liegt das Geheimnis guter Kommunikation unverändert darin, dass man etwas zu sagen hat, und wie man es sagt.

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VORGESTERN HAT DIE Tageszeitung Chicago Sun-Times Insolvenz angemeldet. Die große Konkurrenz, die Chicago Tribune, ist schon etwas länger insolvent. Medienwandel – die Chicago Tribune ist allerdings von einem Immobilienspekulanten gegen die Wand gefahren worden.

Wenn wir der Frage nachgehen, in welcher digitalen Gesellschaft wir leben wollen, dürfen wir nicht den Fehler machen und die Symptome des Übergangs mit der gesellschaftlichen Perspektive verwechseln. Manche haben das Gefühl, nicht mithalten zu können mit den Beschleunigungen der digitalen Welt. Aber wir befinden uns in einem Übergang und die Beschleunigung gehört zu den Symptomen dieses Übergangs. Was wir erleben, ähnelt einem flimmernden Bildschirm, der so lange nervt, bis die Bildfrequenz über 72 Hertz steigt. Dann wird das Bild ruhig und klar. Beschleunigt man weiter, wird das Bild nur noch ruhiger und klarer.

Die Frage, wohin die Reise geht - oder wohin ich mir wünschen würde, dass sie geht - möchte ich mit einem kleinen Schlenker 5000 Jahre in die Vergangenheit beantworten. Darauf hat mich das Gebäude gebracht, in dem die Chicago Tribune sitzt, ein wunderbarer alter Wolkenkratzer im Gothic Style. Als der Turm 1925 gebaut wurde, haben Korrespondenten aus aller Welt Steinstücke aus berühmten Bauwerken geschickt, aus dem Taj Mahal, dem griechischen Parthenon, der chinesischen Mauer und anderen. Wenn man auf der Straße an dem Tribune Tower vorbeigeht, sieht man die in die Außenfassade eingelassen Steine. Einer davon ist von der Cheopspyramide.

Vor 5000 Jahren, zu der Zeit, als die Pyramiden gebaut worden sind, haben die Ägypter zwei Dinge erfunden, die wir heute noch haben: den Staat und die Maschine. Der Staat ist als ein erstes Vernetzungsprojekt entstanden. Kleine Dorfgemeinschaften wurden dadurch in die Lage versetzt, Bewässerungsnetze zu betreiben, die sie alleine nicht zustande gebracht hätten. (Blöderweise ist mit dem Staat auch gleich die Steuer mit erfunden worden.)

Durch diese neuen Netze ließ sich nicht mehr nur ein Überschuss an Getreide erwirtschaften, sondern auch ein Überschuss an Zeit. Also begannen die Ägypter, Silos zu bauen, in denen man Zeit speichern kann – die Pyramiden. Diese Bauwerke wurden mit einer Maschine errichtet, die aus tausenden von Menschen bestand. Über einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum von 150 Jahren produzierte diese erste Maschine 80 monumentale Pyramiden, fast wie am Fließband. Jede Pyramide war nur für einen einzigen Menschen gebaut, den Pharao, aber nach 150 Jahren hatten die Ägypter die Schnauze voll.

Es folgten ein paar Jahrzehnte Rebellion und Anarchie, dann begann eine neue Zeit und etwas sehr Erstaunliches war passiert. Nun hatte jeder das Recht, unsterblich werden zu dürfen, nicht mehr nur der Pharao. Die Unsterblichkeit war demokratisiert worden.

Dieses Muster, das wir heute Demokratisierung nennen, hat sich in immer neuen Abwandlungen entfaltet, sei es, dass die Bibel gegen den Willen des Klerus für alle verständlich ins Deutsche übersetzt worden ist, sei es, dass die Aristokratie abgeschafft wurde. In der nordischen Mythologie flüstern Raben alles, was auf der Welt vorgeht, exklusiv dem Gott Wotan ins Ohr. Diese Raben wollen wir heute natürlich alle haben. Und immer hatten - und haben - diese Übergänge damit zu tun, dass Macht und Möglichkeiten und Wissen von ein paar Wenigen auf möglichst Viele verteilt werden und dass die Gesellschaft sich öffnet. Von diesem Muster wünsche ich mir, dass es sich weiter entfaltet.

Zu den neuen Regeln gehört, dass wir mehr Positionen zulassen müssen als bisher. Die Lage ist komplex. Der Schiedsrichter bei einem Fußballspiel ist ein Inbild der alten Zeit. Er ist mit seiner singulären Sicht auf dem Spielfeld in einer wesentlich schlechteren Position als jeder Zuschauer vor dem Bildschirm. Der Schiedsrichter ist sozusagen aussichtslos. Er betrachtet die Welt immer noch von seinem vereinzelten Standpunkt aus, der einen heute angesichts der elektronischen Multiperspektive hoffnungslos ins Hintertreffen geraten läßt. In kritischen Situationen auf dem Spielfeld muß der Schiedsrichter aus seiner subjektiven Position heraus entscheiden, obwohl ihn eine beunruhigende Medien-Objektivität umgibt: Der träge Zuschauer auf dem Sofa sieht im Lauf der nächsten Sekunden die Situation aus unterschiedlichen Kamerapositionen, in Zeitlupe wiederholt, vielleicht noch grafisch verstärkt, und kann sich ein - dem Fußball angemessenes - rundes, ganzheitliches Bild machen.

Nun geht es um Fragen wie die, was eigentlich freie Meinungsäußerung bedeutet, wenn sie plötzlich tatsächlich stattfindet - nicht mehr nur handverlesen auf Leserbriefseiten oder in repräsentativen Debatten, an denen ein paar ausgewählte Talkgäste teilnehmen, sondern wenn plötzlich haufenweise und ungebremst drauflosgemeint wird. In Kommentarfächern und Foren wird etwas Neues erlebbar, etwas Schönes und Schauerliches, nämlich die unrasierten und ungewaschenen Formen von Meinungsäußerung.

Das Meinen ist wilder, vitaler und unkontrollierter geworden. Wirklich entsetzlich aber wäre die Vorstellung einer harmonischen Blogosphäre, in der alle nett zueinander sind und in Pilzhäuschen wohnen, umgeben von Hühnern, die aus Freundlichkeit tot umfallen, damit niemand ihnen den Hals umdrehen muß, wenn er eines mit Salat und Pommes essen möchte. Die klassische Paradiesvorstellung ist für mich ein Inbild der Langeweile. Wenn die Löwen traulich neben den Lämmern liegen, was soll sich da noch groß entwickeln? Und die Freude wollen wir Charles Darwin lassen: Evolvieren ist eine feine Sache, und das nicht nur biologisch, sondern natürlich auch sozial.

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JETZT IST GERADE die Medienaristokratie in Bedrängnis - aber es geht nicht einfach um gut und böse. Die Lage ist wesentlich komplexer. So haben sich durch das Netz die Medien in etwas verwandelt, dem man nicht mehr einfach nur Informationen oder Unterhaltung entnimmt. Unsere Medien sind heute Lebensräume, in denen wir uns aufhalten, arbeiten, spielen und sozialisieren.

Auch das wünsche ich mir: In einer digitalen Welt zu leben, die komplex ist. Kultur bedeutet immer eine Zunahme an Unterschieden - eine Zunahme an Vielfalt und Optionen. Produktive Konkurrenz.

“Small is beautiful” - dieser Begriff stammt von dem 1994 verstorbenen österreichischen Philosophen Leopold Kohr. Im September 1941 hat Kohr in der amerikanischen Zeitschrift “The Commonweal” einen bemerkenswerten Aufsatz veröffentlicht mit dem Titel: “Einigung durch Teilung. Gegen nationalen Wahn, für ein Europa der Kantone”. Darin kommt er zu dem Schluß, dass Demokratie sich nur in kleinen Einheiten entfalten kann - “Das ist natürlich eine lächerliche Idee, orientiert allein an dem Menschen als einem lebendigen, geistigen Individuum. Welteinigungspläne dagegen sind todernste Vorhaben und auf einen Menschen zugeschnitten, den man sich nur als kollektives Wesen vorstellt.”

Eine solche Gesellschaftsform, genauer gesagt: solche Gesellschaftsformen, die wegen ihrer beabsichtigten Kleinteiligkeit naturgemäß etwas mühevoller zu betreiben sind, könnten auch ein Modell abgeben für ein anderes großes System, dessen Demokratisierung erst noch bevorsteht, nämlich Google.

Allein die schiere Größe und Dominanz, die diese Firma in der digitalen Welt erreicht hat, läßt einen unwillkürlich nach Alternativen Ausschau halten. Ich möchte in einer digitalen Gesellschaft leben, in der nicht eine einzige Firma nach intransparenten Kriterien darüber bestimmen kann, ob und wo etwas in einer Trefferliste auftaucht und sich das zum Beispiel auf Wohl und Wehe einer Biografie oder einer wirtschaftlichen Existenz auswirkt.

Sollte man den wiedererstarkenden Staat nutzen und erst Michael Jackson verstaatlichen, der 100 Millionen Dollar Schulden hat und wenn er pleite geht vielleicht die gesamte verbliebene Musikindustrie mit in den Abgrund reißt – und dann verstaatlichen wir Google? Ein Alptraum. Nein, wir müssen anfangen darüber nachzudenken, wie man die vielen ausgezeichneten, kleinen Alternativen zu Google in einen offenen Verbund bekommen kann und wie man sich richtig Rechenleistung zusammenklauben kann, um mit einer Mischung aus Seti@home und dem Wikipedia-Prinzip eine nicht-börsennotierte Suchmaschinenwolke zu organisieren, die Google vermeidbar macht.

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UND ICH WÜNSCHE MIR, in einer digitalen Gesellschaft zu leben, in der das Projekt der Aufklärung mit aller Kraft fortgeführt wird. Aufklärung ist die Quelle, aus der das frische Wissen kommt. Information wird die Welt retten, so lautete die Vision der neunziger Jahre, das Wissen der Menschheit liege vor uns im Zugriff. Wo stehen wir heute? Noch sind nicht ganz so viele Menschen wie im Mittelalter wieder davon überzeugt, dass sich die Sonne um die Erde dreht, aber es wird daran gearbeitet. Die Globalisierung der Dummheit macht erstaunliche Fortschritte. Begriffe wie “Lebenslanges Lernen” sagen uns, dass Wissen immer schneller von Entwertung bedroht ist.

Natürlich ist nichts gegen einfachen Zugang zu Information einzuwenden. Aber allzu leichter Gewinn verdirbt die Freude am Spiel. William James sagte, wenn das einzige Ziel des Fußballspiels darin bestünde, den Ball ins Tor zu bringen, wäre die einfachste Art zu gewinnen, den Ball nachts heimlich dorthin zu tragen.

Vor einiger Zeit berichtete der britische “Guardian” von einem Mann, der seit 40 Jahren seine Nachbarschaft unterminiert. William Lyttle, den die Nachbarn den Maulwurfmann nennen, gräbt von seinem Haus im Londoner Stadtteil Hackney aus seit den späten sechziger Jahren Tunnel. Er vernetzt den Untergrund. Behördliche Messungen mit Ultraschallscannern gaben Hinweise auf bis zu acht Meter tiefe Tunnels, die von Lyttles Haus an die 20 Meter in alle Richtungen ausstrahlen. Ein Nachbar berichtet, dass der Strom auf einer Straßenseite ausgefallen war, als der Maulwurfmann einmal eine Starkstromleitung angegraben hatte. Lyttle behauptet, er habe sich ursprünglich einen Weinkeller graben wollen, der im Lauf der Zeit etwas größer geworden sei. Vor fünf Jahren war der Gehsteig vor dem Haus eingebrochen. “Man konnte die ganzen Tunnel darunter sehen”, sagt eine Nachbarin. Ein anderer Nachbar bringt zum Ausdruck, was Briten für Exzentriker empfinden: “Wir möchten nicht, dass diesem Mann etwas Böses geschieht. Er arbeitet hart. Bedauerlicher Weise setzt er seine Energien nicht in die richtige Richtung ein.”

Das ist Gemeinschaftsgeist. In einer solchen vernetzten Gesellschaft möchte ich leben.

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¹ oder von Platon; hier ausführlicher.

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Dein Frühstück beobachtet dich

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Chen Xiao trifft keine eigenen Entscheidungen mehr. Sie hat ihr Leben den Millionen chinesischen Internetnutzern geöffnet. “Ihr könnt mein Leben arrangieren“, schreibt sie auf ihrer Website. Da, wie sie sagt, das letzte Jahr ziemlich grauenhaft gewesen sei, erlaubt sie seit Dezember anderen Menschen, ihr zu sagen, was sie an jedem Tag tun soll (via CNN). |

Überwachungs-Souvenirs. |

(Foto: timitalia, Flickr/CC) ?

Tim Knowles hat eine Digitalkamera in ein Postpaket gesteckt, ein Guckloch reingemacht und das Paket seine ganze Reise bis zum Ankunftsort fotografieren lassen (via SwissMiss). |

Tim Cederman-Haysom ist drei Jahre lang mit seinem GPS-Tracker gejoggt und hat seine gesammelten Daten nun in Google Earth visualisiert (via BoingBoing). |

Dein Frühstück beobachtet dich. |

General Electric hat einen 3D-Gepäckscanner entwickelt (via Golem.de). | Nokia drückt E-Mail-Überwachung durch. | Spuren des Alltags, auf Stoff (via nextnature). | Überwachungskameraschmuck für Toilettenspülkästen. |

Eine Architekturkritikerin bemängelt die Häßlichkeit von Überwachungstechnik. |

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Selbstporträts mit Überwachungskameras:
self-portraits with surveillance cams - View this group's most interesting photos on Flickriver

Dinge, die wie Roboter aussehen:
Looks Like A Robot - View this group's most interesting photos on Flickriver

Das Imperium fotografiert zurück: The Panopticon – Fotos von Überwachungskameras
The Panopticon: Pictures Of Surveillance Cameras - View this group's most interesting photos on Flickriver

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• Mehr zu Orwellness und Überwachung aus dem Archiv der Glaserei:

Wer ist A.H.? – Überwachung als Spiel
Piraten peilen
Unterwachung
Der hilflose, absurde Große Bruder
Der Geist der Überwachung
Schnellzugriff
Orwellness

”Big Brother ist erwachsen und klüger geworden”, schreibt die Lokalzeitung im britischen Portsmouth. Die Aufnahmen von Überwachungskameras in der Stadt werden nach vordefinierten Kriterien wie “Personen treffen aufeinander”, “Eine Menge bildet sich” oder “Eine Person bewegt sich schnell” automatisch ausgewertet. | An der Universität Portsmouth versuchen Forscher einer Software das genaue Hinhören beizubringen. Erkennt sie ein Geräusch, soll eine Kamera so schnell darauf einschwenken, wie ein Mensch braucht, um sich einem Geräusch zuzuwenden. |

Die Tagebücher von George Orwell als Blog. |

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Das gestrickte Gehirn…

…und eine Anzahl anderer Außergewöhnlichkeiten - Anatomie wie noch nie:

Die Psychiaterin Dr. Karen Norberg hat ein ganzes Jahr dafür aufgewendet, eine anatomisch korrekte Nachbildung des menschlichen Gehirns zu stricken (via Telegraph).

• James G. Mundie’s sehenswertes Cabinet of Curiosities: ”Was es hier zu sehen gibt, ist keine zufällige Ansammlung von Knochen und Dingen in Gläsern, sondern die Registratur eines bedeutenden Teils unserers medizinischen Erbes. Diese anatomischen Präparate repräsentieren Kreuzungspunkte von Wissenschaft, Kultur, Gefühlen und Mythen.” |

Anatomische Album-Covers: Ein Leporello aus 9 CDs, darauf unter anderem der Lebenslauf des Musikers und Geräuschkünstlers Mike Patton in Gestalt eines Arterienbaums (via Trendhunter). |

Ein elegantes anatomisches Modell der Armmuskulatur, mit Singvogel: Die Keramikskulptur “Premonition” des in Vancouver lebenden Künstlers Dirk Staschke (via BoingBoing).

• Ein mit Anatomiemotiven gepolsterter Ohrensessel der französischen Möbelmanufaktur AK-LH. Die Sessel sind Teil einer Serie von schwedischen Ohrensesseln im Stil der 50er Jahre namens “Tante Wera” (via Designspotter).

Eine Herz-Lampe aus weissem Porzellan, entworfen von dem portugiesischen Designer Lígia Carteiro nach dem portugiesischen Sprichwort “kalte Hände, warmes Herz”. Um perfekte Temperierung zu erreichen, sollte eine 15-Watt-Birne verwendet werden (via Designboom). |

• Surrealistische Herz-Kunst mit Küchenschaben von Derya Ozturk aus Berlin. |

Das Hautshirt des schwedischen Fotografen Simon Berg: Ein Foto seines Oberkörpers wurde auf Stoff gedruckt, aus dem wiederum ein Shirt genäht wurde (via Street Anatomy). |

Röntgenkunst: Im Sommer 2007 startete der Medizinstudent Satre Stuelke in New York das Projekt Radiology Art. Es möchte verschiedene Objekte eingehender sichtbar machen, die für unsere moderne Gesellschaft von kultureller Bedeutung sind und den Samen wissenschaftlicher Kreativität ausstreuen. Die Bilder aus einem alten Forschungs-Computertomographen werden mit der Imaging-Software Osirix auf einem iMac erstellt.

Ein Sportschuh mit röntgenartigem Einblick in die Anatomie des Fußes (via Zazzle). | Hierzu die passenden Anatomiesocken. |

• Herrliche Schmierereien aus einem alten russischen Biologie-Schulbuch (via designyoutrust). |

Aus der Digital Gallery der New York Public Library: Pictures of Science. 700 Jahre wissenschaftlicher und medizinischer Illustrationen. Die Auswahl der Bilder aus Medizin, Astronomie, Chemie, Geologie und Physik reicht vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. |

• Komparative Brust-Anatomie: Bildtafeln aus dem 1840 erschienenen Buch “On The Anatomy Of The Breast” von Sir Astley Paston Cooper (via BibliOdyssey).

Die MacKinney Collection mittelalterlicher medizinischer Illustrationen: Der 1963 verstorbene amerikanische Mediävist Loren C. MacKinney war für sein Interesse an der Geschichte der Medizin ebenso bekannt wie für seine umfassende Sammlung hierzu gehörender Materialien. Die Universität von North Carolina hat 1000 der Originaldokumente digitalisieren lassen. |

• Gehirnscans: Das Ende der Lüge? (via Futurismic). |

Body Bakery: Kittiwat Unarrom ist Bäcker mit einer speziellen Leidenschaft. In seinem Laden in der thailändischen Provinzhauptstadt Ratchaburi fertigt der Mann, der auch Kunst studiert, vorzügliches Brot in Form extrem realistischer menschlicher Körperteile (via shape+colour):

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