Tagesarchiv für 6. Juni 2009

Ich erinnere mich vage an das Geräusch von Schüssen

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Manchmal möchte ich den gesamten chinesischen Staatsrat am Kragen seiner zunehmend modischen Anzüge packen und schütteln, damit er zur Besinnung kommt. Meine Herren, so benimmt sich keine Großmacht. Hat Angst vor ihrem eigenen Schatten. Fürchtet sich vor den eigenen Leuten. Wird von einem Ereignis verfolgt, das 20 Jahre her ist und über das man nicht einmal bloggen kann, ohne seinen Internet-Zugang oder seinen Job zu riskieren.

Who Really Won Tiananmen? - Donald Morrison, vormals Chefredakteur der Asien-Ausgabe von “Time”, in der New York Times vom 3.6.2009.

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Tian’anmen-Massaker bezeichnet die gewaltsame Beendigung eines Volksaufstandes, der aus der monatelangen Besetzung des Platzes des himmlischen Friedens in Peking durch eine ursprünglich studentische Demokratiebewegung hervorgegangen war. Am 3. und 4. Juni 1989 schlug das chinesische Militär im Zentrum Pekings gewaltsam die Proteste der Bevölkerung nieder. … Trotz der Namensgebung kam es auf dem Platz selbst und unter der studentischen Demokratiebewegung, im Gegensatz zu den Krawallen im Rest von Peking, zu keinen Todesfällen. Die Anwesenheit internationaler Pressevertreter, die eigentlich über den Staatsbesuch Gorbatschows berichten sollten, hatte zuvor die chinesische Demokratiebewegung und ihre Forderungen weltweit bekannt gemacht. Dieses Ereignis beendete eine Phase politischer Aktivität unter den Studenten Chinas. [via Wikipedia].

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ERINNERUNGEN AN DEN TAG *

• Zhang, 24, PekingIch erinnere mich vage an das Geräusch von Schüssen, und Brände auf den Straßen. Meine Eltern wollten nicht rausgehen. Ich weiß nicht, was genau passiert ist, aber ich glaube, es ist heute nicht mehr so wichtig, so viele Jahre später. Es hat viel Fortschritt gegeben.

• Zhang, 30, PekingIch erinnere mich, dass die Menschen in meiner Heimatstadt schockiert waren, dass Studenten unseren Soldaten so etwas antun konnten - sie bei lebendigem Leib zu verbrennen. Meine Eltern sagten, dass ich mich wahrscheinlich trotzdem den Protestieren angeschlossen hätte, wenn ich schon alt genug gewesen wäre.

• Zhang, 32, PekingJa, ich erinnere mich an das Ereignis, aber nicht sehr deutlich. Ja, ich denke, dass man darüber dikutieren sollte, aber gegenwärtig kann man darüber nicht öffentlich sprechen. Was mich am meisten ärgert ist, wie die Menschen nach dem 4. Juni behandelt worden sind. Leute, die an den Ereignissen teilgenommen haben, haben ihre Jobs verloren, teilweise wurden sie verfolgt. Ich finde das ungerecht. Ebenso, dass Informationen noch 20 Jahre später blockiert werden. Naja, sie sind Kontrollfreaks. Das war in China schon immer so. Und das wird wahrscheinlich auch so bleiben.

• Zhang, 27, PekingIch glaube, dass darüber nicht diskutiert wird, weil es noch nicht wirklich Geschichte geworden ist. Es ist noch nicht genug Zeit vergangen. Ich denke, die Regierung hat damals richtig gehandelt: sie hat befürchtet, dass sich die Kulturrevolution wiederholen könnte und alles im Chaos versinkt.

• Zhang, 74, PekingWas gibt es da zu diskutieren? Das ist uninteressant.

• Zhang, 42, ehemaliger Student an der Peking-Universität | Ich erinnere mich. Ich hoffe, dass ich eines Tages darüber schreiben kann.

• Zhang, 35, PekingMeine heutigen Studenten wissen so gut wie nichts darüber. Ich habe Geschichten darüber von älteren Verwandten gehört, die zu der Zeit Studenten waren. Einer von ihnen war einen Monat im Gefängnis, bloß weil sein Name auch Liu Xiaobo [1] ist. Komisch, oder? Ich glaube, dass wir Chinesen keine schmerzhaften Erinnerungen mögen. Wir mögen sie nicht in unserem Privatleben und wir mögen sie nicht in unserem kollektiven Gedächtnis.

[1] Der chinesische Schriftsteller Liu Xiaobo beteiligte sich 1989 an den Pekinger Studentenprotesten. Im Anschluss verlor er seine Arbeitsstelle und saß von 1989 bis 1991 in Haft.

* Namen verändert

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? Via bendilaowai.com - Rachel Beitaries Blog über “Leben, Wirtschaft und Politik in China und wie sich das Nicht-Chinesen darstellt”. Beitarie über sich: Ich bin 2002 nach China gekommen und habe es inzwischen aufgegeben, etwas herausfinden zu wollen. Ich versuche es jetzt so hinzukriegen, dass es mich herausfindet. Sie war Rucksackreisende, Studentin, Lehrerin, freiwillige Helferin, Tourguide und ist gegenwärtig China Business Correspondent für eine israelische Zeitung.

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? ICH HABE NETPOWERED VERSUCHT HERAUSZUFINDEN, was bendilaowai bedeutet. Als erstes habe ich in der Chinesisch-Deutsch-Übersetzungshilfe von Google versuchsweise aus dem einen Wort zwei gemacht. Erster Treffer: Bendil = Kurve. Das verbleibende Aowai ergibt, jedenfalls im Zusammenhang mit dem Blog, keinen rechten Sinn, es ist der Name einer Sonderwirtschaftszone. Unter den chinesischen Namen, die man auch als Ahnungsloser im Kopf hat, nimmt Laotse einen der vorderen Plätze ein (Helmut Schmidt, “Der Laotse geht von Bord”). Also statt Aowai probiert Laowai. Zweiter Treffer: Laowai = Fremder, Ausländer. Nachdem die Blogbetreiberin Rachel Beitarie einen Sinn für Ironie zu haben scheint (s. About this blog), riskiere ich einen Übersetzungversuch, ohne Chinesisch zu können und würde sagen, bendilaowai heißt - mit dem shared “l” in der Mitte - sowas wie “kurvige Ausländerin”. Irgendwelche Einwände? |

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It’s coming through a hole in the air,
from those nights in Tiananmen Square.
It’s coming from the feel
that this ain’t exactly real,
or it’s real, but it ain’t exactly there

Leonard Cohen, Democracy (The Future)

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Sex, Mac-Möbel und die Umweltuhrzeit

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Die Stöckelblume: High Heel-Blüten und -Möbel von Willie Cole. ?

El Pais: Silvio Berlusconi, acompañado de mujeres en Cerdeña - Las imágenes censuradas de Berlusconi. |

Die grüne Uhr: Eine Uhr mit Umwelt-Sensoren, die es Parisern erlaubt, Lebensqualität (oder den Mangel daran) zu messen. Auf einer Website können die gesammelten Daten visualisiert und kommentiert werden. |

Ein Möbel aus MacBook-Schachteln. |

Wunderschöne indische Streichholzschachteln. |

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? Infografik-Wunderland: das GOOD Transparencies Archive
GOOD Magazine - View my most interesting photos on Flickriver

Hier gibt es jede Woche neue Transparencies. |

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? Alte Plattenhüllen wiedergeboren als Buchumschläge:
Littlepixel™ - View my most interesting photos on Flickriver

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Most pirated movies, 2008

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(via metrobest auf Flickr)

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So klappt’s

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Hier der von Kuchendiagrammexperten sogenannte KDP (Krieg-Dich-Pacman):

(via donttouchmymoleskine)

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Sound Reactive 3D

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Ein zauberhaft zuckendes Video namens “F” von Misha Shyukin:

(via Scene 360 Illusion)

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