Monatsarchiv für August 2009

Head Scratching

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DJ-Kultur 2.0:
Bei den musikalischen Köpfen
von Neurosonics Audiomedical Labs Inc.:

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(Via Geeks Are Sexy)

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Die Lachmaschine

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Wahha Go Go” ist ein als handwerkliches Meisterstück ausgeführtes japanisches Lachgerät von Yoshimoto Kogyo und Fandango (Hier das Notizbuch von Herrn Kogyo mit zahlreichen eindrucksvollen Detailzeichnungen).

Der Luftstrom aus der Lunge wird von dem Apparat ebenso nachgebildet wie die sogenannte Formant-Charakteristik unterschiedlicher Gelächterformen, welche die Wa!- und Ha!-Elemente eines Heiterkeitsausbruchs prägen. Die Maschine erzeugt frappierend naturechtes Lachen und ist überhaupt komisch:

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(Via Dug North)

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• Bonus Track:

Drüben bei Supertremendous haben sie zehn der bizarrsten Lacher, die jemals mit einer Kamera aufgenommen worden sind, zusammengetragen. |

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Kryptische Kacheln

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Bei den Toynbee Tiles oder Toynbee-Kacheln handelt es sich um Botschaften unbekannter Herkunft, die im Asphalt von etwa zwei Dutzend amerikanischen Großstädten sowie von drei südamerikanischern Metropolen gefunden wurden. Seit den achtziger Jahren sind einige Hundert der Kacheln gefunden worden, die jeweils etwa so groß wie ein Nummernschild sind. Die Kacheln enthalten in unterschiedlichen Variationen die Inschrift

TOYNBEE IDEA
IN KUBRICK’S 2001
RESURRECT DEAD
ON PLANET JUPITER.

Dazu kommen auf manchen Kacheln kryptische politische Statements oder Aufforderungen an die Leser, ihrerseits solche Kacheln zu installieren. Die Kacheln scheinen hauptsächlich aus Linoleum und einer Masse zum Verschließen von Rissen im Asphalt zu bestehen. Hier eine umfangreiche Materialsammlung zu den Toynbee-Kacheln, einschließlich einer Liste der bisherigen Fundorte.

Der englische Historiker Arnold Toynbee (1889-1975) war unter anderem wegen seines Engagements für die Arbeiterklasse bekannt. Zu seinen Hauptwerken gehört “Menschheit und Mutter Erde. Die Geschichte der großen Zivilisationen.”

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(Via Best of Wikipedia)

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8-Bit-Lego-Trip [Update]

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Keine Ahnung, ob die Jungs Lego geraucht haben (siehe auch hier), die Stoptrick-Abfahrt für das Stück ?8-Bit Trip” der schwedischen Band Rymdreglage ist jedenfalls großartig. Tomas Redigh und Daniel Larsson haben für die Einzelbilder insgesamt 1500 Stunden lang Leogsteine gesteckt. Nebenbei, die Musik ist auch nicht schlecht:

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(Via Synthgear)

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[Update:]

Dank für den Tip an Ulrich Leyermann: Michel Gondry hat für “Fell In Love With A Girl” von den White Stripes bereits 2006 ein bemerkenswertes Fundament auf dem Gebiet des Lego-ähnlichen Stoptricks gesetzt:

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Wie man in dem Making of… sehen kann, beruhen die Effekte in dem Video aber nicht auf analoger Lego-Arbeit, sondern auf geschickter Pixelation.

Michael Gondry hatte ich hier übrigens auch schon vor ein paar Tagen mit dem großartig choreographierten Originalvideo zu der Coverversion des Tears For Fears-Stücks “Mad World“. |

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Die Laptop-Burkha

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Für Dunkelheit suchende Datenvampire: Marc Johnson aus Seattle hat eine Lösung für sonnige Tage gefunden, an denen man draußen mit seinem Laptop rummachen möchte, ohne dass der Bildschirm blendet wie verrückt:

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(Via Cnet)

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Die digitale Zeitung

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E-Mails, E-Books und andere digitale Einrichtungen empfehlen sich zunehmend als Alternativen zum beschriebenen oder bedruckten Papier. Am ehesten gegen die Gewohnheiten geht dieser Medienwandel noch bei Zeitungen. An der Unumgänglichkeit des morgendliche Rituals mit Kaffee und Zeitungspapierknistern wird aber auch schon gesägt.

Einer der Entwürfe für die Zeitung von morgen ist das In Newspaper von Seon-Keun Park und Byung-Min Woo:

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So könnte das Gerät in Betrieb aussehen:

(Via Yanko Design)

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Warum manche Kinder ihre Eltern hassen

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Das gesamte Bilderkonvolut drüben bei I Hate My Parents kann ich nur moralisch gefestigten Menschen guten Gewissens empfehlen.

Wir basteln uns ein frühkindliches Trauma:

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Wie man sich vor unerwünschten Kunden verbirgt

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(Via Dark Roasted Blend)

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Instrument des Tages (21): Körper

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Totos “Africa”, live gegeben von dem slowenischen Chor ? Perpetuum Jazzile unter der Leitung von Tomaž Kozlev?ar:

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Die englische Wikipedia über Perpetuum Jazzile. |

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Mobilmusik

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Die enorme Transistorradio-Sammlung des Toningineurs Michael Jack auf Flickr, hier ein winziger Ausschnitt:

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TRANSISTOR RADIOS - View my most interesting photos on Flickriver

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Bleistiftkunstwerke

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Stiftmonstren und Bleistiftopale von Jennifer Maestre:

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Bleistifthocker von Boex 3D Creative Solutions:

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Bleistiftschnitzereien von Mizuta Tasogare und Kato Jado:

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Farbstiftherz von rideracelive:

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(Via Crooked Brains)

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Tetris-Obsessiva

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Der Friseursalon wip-hairport an der romantischen Elevador da Bica in Lissabon hat unter anderem einen Tetris-Haarschnitt im Angebot. ?

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? Die Tetris-Wollmütze von
Neko-daewen
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Die Tetris-Keramiktöpfe der französischen Designerin Stephanie Choplin.  ?

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? Andockbares Tetris-Geschirr
von Seungyoub Oh. |

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Tetris-Möbel der Künstler Diego Silvério und Helder Filipov?

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Tetris-Fliesen für das Badezimmer. |

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Tetris-Stiefelchen
von noisedrownssignal. |

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Die Tetris-Tätowierung (Tätoo) ?

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• Hierzu siehe auch:

Tetris-Eiswürfelförmchen. |

Das 1861 geschriebene Lied Korobeiniki (russisch ??????????? - Hausierer) basiert auf dem gleichnamigen Gedicht des russischen Dichters Nikolai Alexejewitsch Nekrassow. Im Westen bekannt wurde das Lied in einer von dem japanischen Komponisten Hirokazu Tanaka arrangierten Fassung als Hintergrundmelodie in Tetris für den Game Boy. Hier verschiedene Versionen des Tetris-Themas, unter anderem kunstvoll auf Flaschen geblasen von der Bottle Band und auf einem Mobiltelefon gespielt. |

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Instrument des Tages (20): Die Möhren-Panflöte

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Inspiriert von dem Gemüseorchster Flute ‘n’ Veg hat heita3 sich seine eigene Möhren-Panflöte gebaut und spielt darauf das japanische Lied Kojo no Tsuki (”Der Mond über der Burgruine”):

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Hier und hier zum Vergleich zwei klassische Versionen von Kojo no Tsuki. |

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Monumentchen

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Der Architekt Adam Reed Tucker hat für Lego in den USA Architektur-Baukästen mit einigen bedeutenden Bauwerken zusammengestellt, darunter Frank Lloyd Wrights “Haus am Wasserfall” (”Fallingwater”)…

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… das Guggenheim-Museum in New York…

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…und die Space Needle in Seattle:

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(Via core.form-ula | Lego US)

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• Hierzu siehe auch:

Der famose Klötzchenwolken-Editor von Okuyama Kazuya. |

Der Fotograf Marc Da Cunha Lopes (”aisakie“) zeigt in dem französischen Magazin Amusement, wo die Klötzchen für Tetris hergestellt werden. |

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Rastern

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Wie man Marvel-Comics zeichnet, heute: die scharlachrote Hexe Wanda Maximoff. Im März 1964 tauchte sie zum ersten Mal in einer Ausgabe von X-Men auf. Wanda ist die Zwillingsschwester von Quicksilver, beide gehören sie der Brotherhood of Evil Mutants unter der Führung ihres Vaters Magneto an. Das Magazin Wizard wählte sie zur siebenundneunzigst-größten Comicfigur überhaupt.

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(Via Comically Vintage)

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• Hierzu siehe auch:

Batman beim Rasterfahnden

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Rechner von früher

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Das Geniac Amazing Electric Brain von 1956:

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Ein Honeywell Kitchen Computer von 1962 für 10.600 Dollar (inklusive zweiwöchigem Programmierkurs):

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Aus dem britischen Magazin “Computer Answers” vom Juli 1983 – 100 kostenlose Programme für den Atari 400 und den Atari 800:

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Hierzu siehe auch:

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• Zehn schöne Computer. |
• Coole alte Technik und Spitzentechnik von vorgestern. |
• Bei IBM am Dachboden. |
• Vintage Facebook. |
• Online-Zeitung, 1981. |
• Zehnmal Zukunft, angezweifelt. |
• Tabulatorinnen (Lochkartenstanzerinnen), 1920. |

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Echtzeitsuche mit Collecta

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Die Suchmaschine Collecta durchforstet die Update-Ströme von Nachrichtenseiten, Blogs und Sites wie Twitter, Jaiku, Identica, Flickr, TwitPic oder YouTube – in Echtzeit:

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(Via techcrunch)

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Bei der Geburt getrennt

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Der Saab 92 von 1947

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Der Darth Vader von 1977

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Instrument des Tages (19): Das Akkordeon als musikalisches Chamäleon [Update]

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Drüben bei Urlesque gibt es eine wohltönende Clip-Kompilation von auf dem Akkordeon gespielten Hit-Coverversionen, darunter Werke von Britney Spears, Duran Duran und Black Sabbath. Hier eine freitragende “Paint It Black“-Fassung von Matt Dallow:

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[Update]:

Tobias Wichtrey drüben von Tarphos weist auf mehrere ganz famose Akkordeonisten hin, etwa Ivan Hajek:


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Wer’s jazziger mag, der muß Frank Marocco hören:

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Und hier noch Hiss mit der “Friedhofspolka“:

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Äonen, auf die Schnelle

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? Der Urknall, erklärt in 120 Sekunden:

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? Der Fluß der Kontinente – 650 Millionen Jahre in 80 Sekunden:

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Wie man etwas begreiflich macht

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Vorbildlich erklärt: Wie funktioniert ein Differential?

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(Via Videosift)

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Blütenbauten

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Pflanzen haben eine organische Form, aber auch, wie der japanische Künstler Macoto Murayama hervorhebt, eine mechanische Geometrie. Seine Pflanzenbilder sind keine Simulationen der alten Natur, sondern Konstruktionsstudien – vielleicht für einen Architekten, der mal einen Flower Tower bauen möchte:

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(Via Next Nature)

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47% Hilfe

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1965 SCHRIEB JOSEPH WEIZENBAUM am MIT sein berühmtes Programm ELIZA, mit dem er die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine in natürlicher Sprache untersuchen wollte. “Für mein erstes Experiment”, schreibt Weizenbaum, “gab ich ELIZA ein Skript ein, das ihr ermöglichte, die Rolle eines an Rogers orientierten Psychotherapeuten zu spielen (oder besser: zu parodieren), der mit einem Patienten das erste Gespräch führt. Ein solcher Therapeut ist verhältnismäßig leicht zu imitieren, da ein Großteil seiner Technik darin besteht, den Patienten dadurch zum Sprechen zu bringen, dass diesem seine eigenen Äußerungen wie bei einem Echo zurückgegeben werden.”

Seinen Namen hat das Programm nach der weiblichen Hauptperson aus George Bernard Shaws Theaterstück “Pygmalion” von 1913. Darin lässt sich das prollige Blumenmädchen Eliza Doolittle von dem arroganten Phonetik-Professor Henry Higgins in eine Society-Lady verwandeln – er bringt ihr bei, wie man in der Upperclass spricht und sich benimmt. Inspiriert dazu hat Shaw die griechische Sage von dem Bildhauer Pygmalion, der sich in eine seiner eigenen Frauenplastiken verliebt und die Götter bittet, sie zum Leben zu erwecken. Unter dem Titel “My Fair Lady” ging die Geschichte nach dem II. Weltkrieg als Musical- und Filmerfolg um die Welt.

Weizenbaums ELIZA wurde im MIT-Umfeld erst unter dem Namen DOCTOR berühmt. Es waren drei Dinge, die Weizenbaum besonders nachdenklich machten. Er war bestürzt darüber, wie schnell und intensiv Personen, die sich mit dem Programm unterhielten, eine emotionale Beziehung zum Computer herstellten; darüber, dass die Ansicht verbreitet war, es handle sich um die allgemeine Lösung des Problems, wieweit Computer eine natürliche Sprache verstehen können; und darüber, dass eine Anzahl praktizierender Psychiater im Ernst glaubte, DOCTOR könne zu einer fast völlig automatischen Form der Psychotherapie ausgebaut werden.

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GENAU DAS versuchen nun zwei in Holland lebende Psychologen, Jaap Hollander und Jeffrey Robert Wijnberg, mit dem Roboter-Psychologen MindMentor, der antritt, “dir beim Erreichen von Zielen und der Lösung von Problemen zu helfen”. Er ist stets verfügbar. “Seine Praxis ist 24 Stunden geöffnet, an sieben Tagen in der Woche. Er ist diskret und absolut vertraulich. Er ist effektiv. Im Durchschnitt hilft er zu 47% beim Finden von Lösungen. Er ist schnell. Eine Sitzung dauert etwa eine Stunde. Er ist erschwinglich. Eine Sitzung kostet 4,95 Euro. Eine günstige Investition in das eigene Wohlbefinden.” Bei Abnahme eines aus 10 Sitzungen bestehenden Packages gibt es 10 Euro Rabatt.

Die Zahlungsabwicklung wird, “after some starting psychological work”, mit viel Liebe zum Detail erläutert. Dem Hinweis, dass MindMentor “auf jede Art von Problem oder Ziel anwendbar ist”, folgt eine Liste der Probleme, an denen die Software sich am liebsten abarbeitet (”stress, family problems, relationship problems, motivation, life mission questions, sleepless nights, worrying, conflicts with friends or colleagues, et cetera”).

Auf die Frage, warum der MindMentor nicht kostenlos arbeitet, heißt es: “Who does?” Auch wenn er ein Roboter ist, braucht MindMentor Geld. “Seine Software muss ständig gepflegt werden, um nur einen Punkt zu nennen. Angesichts dessen, was er leistet, ist MindMentor durchaus erschwinglich. Hier in Holland bezahlen wir für eine Autowäsche mehr.”

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WIE KANN EIN COMPUTERPROGRAMM psychologische Hilfe leisten? Unter den fünf Methoden, die Hollander und Wijnberg aufzählen, ist unter Punkt 4 wie beiläufig die von Carl Rogers entwickelte klientenzentrierte Therapie angeführt. Weizenbaum und ELIZA werden mit keinem Wort erwähnt – vielleicht einfach deshalb, weil es sich bei MindMentor schlicht um eine gepimpte Version des 44 Jahre alten Programms handelt.

Während die Arbeit von Carl Rogers bei Joseph Weizenbaum noch in jemandes Händen war, der auch Konsequenzen aus den moralischen Folgen seines Experiments zog und zu einem bedeutenden Kritiker technischer Fehlentwicklungen wurde, langt es bei Hollander und Wijnberg nicht einmal zu einer Parodie auf die Parodie – der Psychologe Rogers war jemand, der besonderen Wert auf Begegnung im menschlichen Sinn legte, unter Einschluss von Gefühlen, der nonverbalen Äußerungen und eines prinzipiellen gegenseitigen Wohlwollens. Sein Konzept von Begegnung (”Encounter”) und einer Haltung verstehenden Zuhörens entspricht ziemlich genau dem Gegenteil dessen, was das holländische Beratungsgerät zu bieten vorgibt.

Neben Rorschach-Test und Pawlow-Konditionierung gehören noch NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) und die Provokationstherapie zur methodischen Software-Motorisierung des MindMentor. NLP wurde in den 70er Jahren als ein neues Verfahren der Kurzzeit-Psychotherapie entwickelt und passt eigentlich zu an Geschwindigkeit interessierten Computernutzern. Auf der Website der deutschen NLP-Community ist ein Bild von Einstein zu sehen, der etwas an drei Fingern abzählt, dazu der Text “Einstein is explaining the basics of NLP, especially the fundamental presupposition of always having three choices” – was nicht dazu beiträgt, NLP den Ruf der Pseudowissenschaft zu nehmen. Einstein ist 1955 gestorben, lange bevor NLP erfunden wurde.

Die Provokationstherapie schließlich, zu deren Pionieren in Holland sich Jeffrey Wijnberg zählt, wurde von der amerikanischen Psychologin Marsha Linehan für den Umgang mit hochgradig suizidgefährdeten Menschen entwickelt. Droht ein Patient mit Selbstmord, fragt der Therapeut beispielsweise ganz direkt, wann und wie er sich umbringen möchte und erreicht damit, dass der Patient sich auf schockierende Weise ernst genommen fühlt; gleichzeitig wird ihm klargemacht, dass er wählen muss, ob er in seinem Leid verharren oder sich ändern will. In einer solchen Situation entscheiden sich Menschen in der Regel dafür, sich helfen zu lassen (und müssen versprechen, sich für die Dauer der Therapie nichts anzutun). Der Versuch, eine solche Methode zu algorithmisieren, ist verantwortungslos.

Auch eine weichgekochte Form, die provokative Therapie, ist für verunsicherte oder psychisch strapazierte Menschen völlig ungeeignet, sofern sie ihnen in Maschinenform entgegentritt – sie versucht “mit humorvoller Provokation den Widerspruchsgeist, die Selbstverantwortung und die Eigenständigkeit des Klienten” zu wecken. Es gibt doch kaum eine schönere Vorstellung, als von einer Maschine verarscht zu werden, wenn es einem nicht gut geht.

MindMentor – was für ein Zynismus: Menschen, die Hilfe brauchen (und zwar Hilfe von anderen Menschen) vor eine Maschine zu locken, um Ihnen für 4,95 die Stunde eine Illusion von Hilfe zu geben. Von 47% Hilfe.

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(Erstveröffentlicht im ? Blog der Technology Review). |

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Unter der Decke: Plafond-Pornographie

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Süß: ein hochkalorisches Mieder –
das Cupcake Dress (Via biblicalknowledge). →

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← Juli 1962: “Sexology“. |

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Erotische Pixelstreifzüge von Akimos Website Wecanly. →

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Auf “Tart Cards” bieten Londoner Prostituierte traditionell ihre Dienste an. Öffentliche Telefonzellen in der Innenstadt sind gepflastert mit den Kärtchen, die auch die Arbeiten von Gestaltern und Künstlern beeinflußt haben, etwa der Sex Pistols-Designer Ray und Nils Stevenson. | Drüben bei Wallpaper haben sie für eine Ausstellung im Juni Grafikdesigner gebeten, mit der Typographie und der Anmutung der Tart Cards zu spielen.
Hier eines der 450 Kärtchen, von Kun Chen:


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Erotomorphes Mobiliar: Die Original-up-2000-Serie von b&b italia aus dem Jahr 1969. Hier up-5, die Sitzgelegenheit “donna”.

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Plafond-Porno
(aber nicht, was man vielleicht denken könnte). |

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• Roboterküsse

Ihren ersten Auftrittz hatten Thomas und Janet anläßlich einer Robot-Aufführung des Musicals “Phantom der Oper” in Taiwan. Die beiden Schauspielroboter, im Lauf von drei Jahren an der National Taiwan University of Science & Technology entwickelt, legen in dem nachfolgenden Clip eine Kußszene hin:

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(Via Leslie Katz/Cnet)

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Hierzu siehe auch (all safe for work):

• Porno ohne Porno
• Aus der wunderbaren Welt des Sex
• Diverse Pornographien (1)
• Diverse Pornographien (2)
• Ein Sex-Hack und Porno-Blumen
• Seitensprünge in Kairo und Second Life
• Penisierbarkeit, Star Trek-Orgasmen

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Instrument des Tages (18): Der Drum Machine-Ring

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Ein Klang für’s Auge: Der Rhythmusmaschinenschmuck von Billy McMullen. Es gibt das musikalische Geschmeide in Sterlingsilber oder Gold.

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(Via Mudwerks)

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Kulturelle Atomkraft

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MIT DER DIGITALISIERUNG gehen immer mehr Dinge, die zuvor an bestimmte unaustauschbare Materialien gebunden waren, in einen neuen Aggregatzustand über. Kulturdinge im weitesten Sinn - aus Zeichenbrettern, Tonstudios, Fernsehern, Büchern, you name it - werden Daten. Diese digitale Substanz hat eine grundlegend neue Leichtigkeit. Die digitalen Dinge lassen sich ungleich leichter bewegen als zuvor, weltweit senden, empfangen, verändern, kopieren, mit anderen teilen, remixen.

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Nicht zuletzt das Remix-Phänomen weist auf den instabilen Zustand hin, in dem sich die ganze Entwicklung derzeit befindet. Remixt werden Fragmente. Filmstücke, Soundschnipsel, Splitter anderer Kulturobjekte, die zu neuen Formen zusammengesetzt werden. Musik, Texte, Bilder, Filme, aber auch modulare Software oder enzyklopädisches Wissen befinden sich in der digitalen Welt in einem Zustand latenter Zerlegung. Die althergebrachten kulturellen Molekülverbindungen - die komplexen Formen, die sie über Jahrhunderte angenommen haben - werden nun aufgeknackt, oder sie zerfallen von ganz alleine wieder in ihre Grundbestandteile. Der Übergang in das digitale Aggregat führt erst einmal zu einer Art Ursuppe aus Bruchstücken und atomisiertem Kulturgut, das allerdings hoch reaktionsbereit ist. Es ähnelt den freien Radikalen in der Chemie, die sich auf aggressive Weise zu verbinden suchen.

Zu den prominenten zerfallenden Kulturmolekülen gehören: das (Schallplatten- oder CD-) Album, das bisher eine Handvoll Stücke von Musikern zusammenfasste, eine Schaffensperiode; die Welt-Ordnung in einer Zeitung, in “Bücher” und Rubriken strukturierte Texte und Bilder; oder die Dramaturgie eines Films, die sich gewöhnlich über eine oder anderthalb Stunden erstreckt - Filme werden jetzt tranchiert in zwei, drei Minuten lange Clips, die sich danach auf YouTube versuchsweise zu neuen Molekülen konfigurieren. Zu vagen Wolken aus Lieblingsstellen, Pointen, Fan-Parodien und Remixes.

Das Album ist atomisiert zu einzelnen Tracks. Niemand muss nun mehr mit einem ganzen Album Stücke mitkaufen, die ihm nicht gefallen (und niemand wird mehr eines der langsam aufblühenden Stücke für sich entdecken, die sich einem erst nach dem zehnten oder dreißigsten Mal des Hörens öffnen). Auch hier sind neue Molekülbildungen aus den atomisierten Teilen noch kaum erkennbar, am ehesten in den Empfehlungsstrukturen von Online-Radios oder Audio-Shops, die aber alle noch plump sind und einen davon abhalten, etwas Neues zu entdecken. Die Musikindustrie, der das Rosinenpicken ganz und gar nicht gefällt, versucht etwas einfallslos, die Bindungskräfte des guten, alten Album-Moleküls wiedererstarken zu lassen: Apple will den Verkauf ganzer Alben bei iTunes mit einem speziellen Album-Downloadformat namens “Cocktail” ankurbeln, und die Major-Labels bringen einen eigenen digitalen Album-Container namens CMX an den Start, der ab November zum Einsatz kommen soll.

Auch die klassische Struktur der Zeitung korrodiert im Netz - und die neuen Strukturen sind noch nicht so recht gefunden. Ähnlich wie in dem tatsächlich vom Untergang bedrohten Quelle-Katalog ruht in einer gedruckten Zeitung die Welt auf dem soliden Fundament einer feststehenden Ordnung - Titelseite, Meldungen über und unter dem Knick, Aktuelles, Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Sport, Vermischtes (im Quelle-Katalog beginnt die Welt bei der Damenoberbekleidung und führt über Kinder- und Herrenklamotten ins Reich der Dinge, um am Ende mit den Elektrogeräten die Welt rund zu machen). Und wie die Musikindustrie das Album zu retten versucht, versuchen auch die Zeitungen - und natürlich auch digitale TV-Nachrichtenangebote usw. -, im Netz die alte Weltordnung fortzuschreiben.

Aber mehr und mehr werden auch die einzelnen Texte, Meldungen, Stories zu Tracks. Denn sie werden nicht mehr nur an der Quelle gelesen, sondern zunehmend weitergereicht, verteilt, via Facebook empfohlen, gediggt, reblogged und weiter atomisiert zu Zitaten und Ausschnitten. Dieses Gewimmel beginnt seine neuen Molekülformen gerade erst zu ertasten. Hilfe dabei leisten die sogenannten Aggregatoren - sei es Google News oder ein höchstpersönlich mit Site-Favoriten, Lieblingsblogs und Tweetstreams bestückter Feedreader, der sich schon ein wenig anfühlt wie die Zeitung von morgen: ein ganz nach den eigenen Interessen und Qualitätsvorstellungen zusammengestellter, flexibler Filter für Nachrichten, Information, Wissen, Unterhaltung.

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WO DIE CHEMIE-METAPHORIK allerdings versagt, ist bei der Geschwindigkeit, mit der dieser Phasenübergang stattfindet. Wenn ein chemisches Molekül auseinander bricht, dauert das Lösen oder Knüpfen der Bindungen zwischen den Atomen weniger als eine billionstel Sekunde oder Pikosekunde. Hier heraußen bei uns in der Makrowirklichkeit sehen wir seit vielen Monaten, wie sich althergebrachte Strukturen - zu deren Existenzgrundlage oft nicht zuletzt auch ihre Gewichtigkeit und Schwerfälligkeit gehören - in der digitalen Leichtigkeit aufzulösen beginnen wie Zucker in warmem Wasser. Und neue Ordnungen sind erst sehr grob zu erkennen, wenn überhaupt - etwa die Google-Trefferlisten als rudimentäre Versuche, der ins Datenchaos zerfallenden alten Ordnung zumindest ein paar Momente lang neue Form zu geben.

Wir befinden uns mitten in der größten und komplexesten chemischen Reaktion der Kulturgeschichte. Und auch wenn die Ergebnisse der Synthese erst in Schemen auszumachen sind, eines steht fest: Es gibt, genau wie im nuklearen Bereich, auch kulturelle Kernkräfte, die in jedem der scheinbar losen Fragmente wirksam sind, welche uns gerade um die Ohren fliegen. Nichts wollen diese Teile mehr, als wieder Moleküle werden oder zu Molekülen gemacht werden. Kultur möchte sich verbinden, heute mehr denn je. An dem, was Texte erzählen und Fotos oder Filme zeigen, wird sich erst einmal nicht viel ändern.

Aber die Art, wie sie zusammengestellt werden, verändert sich gerade fundamental, begleitet von Zerfallserscheinungen, Ungewissheiten und großen Chancen. Leute, schmiedet neue Moleküle! Lasst die digitalen Bunsenbrenner glühen.

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Die Katze unterm warmen Tuchdach

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(Via Mudwerks)

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Klötzchen, nicht kleckern

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Der famose Klötzchenwolken-Editor von Okuyama Kazuya – ein sonderbar beruhigendes, zeitfressendes 3D Pixel Art Drawing Tool:

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Küchenradio (1)

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Die Küche der Zukunft von gestern mit der Audio-Ausrüstung für morgen:

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(Via Bebelstrange)

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Popgummi

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Anglo Beatmint: Werbung für anglo-amerikanischen Kaugummi in dem britischen Magazin “Weekend” vom 4. Februar 1964:

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Army Hit Kit of Popular Songs (1943): In diesen monatlich von der Special Service Division verbreiteten Song-Booklets für die US Army wurden populäre Hits zum Mitsingen teils frivol umgedichtet. For use by the U. S. Armed Forces only. Not for sale.

(Hier in bequem lesbarer Größe)

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Ansehnliche alte Kaugummipapiere:

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(Via Martin Klasch)

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• Hierzu siehe auch:

Der “We met on Facebook“-Kaugummi. |

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