Tagesarchiv für 19. August 2009

Miezmomente

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Hohe Niedlichkeitswerte gemessen. Schutzbrille aufsetzen.

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Datendurst

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ES WAR in einer dunklen Vorzeit, als das Fernsehen nach Mitternacht noch sein Programm beendete (“Sendeschluß”), Telefone hießen damals noch Telephone und waren mit runden Wählscheiben ausgestattet, in die man seinen Finger stecken und drehen musste. Und es gab zwar schon ein Internet, aber noch keine Suchmaschinen.

Wer in diesen Frühzeiten im Netz etwas finden wollte, mußte vor allem auf seine Neugierde zurückgreifen – oder auf ein paar verstreute Listen (beispielsweise Yankos Media Monster). Sie wurden von digitalen Pfadfindern erstellt, die das unwegsame Netz durchstreiften und sammelten, was ihnen besonders gefiel. So konnte man interessante Dinge finden (die man meist gar nicht gesucht hatte). Was es zu dieser Zeit gab, waren spezielle Formen der Suche, die sich mit einem der mächtigsten menschlichen Antriebe verbunden hatten: der Faulheit. Eine der bemerkenswertesten dieser Listen im Archäointernet hieß “Interesting Devices Connected to the Net” (”Interessante Geräte, die an das Netz angeschlossen sind”), und einer der Einträge darin verwies auf eine Kaffeemaschine in England.

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Das letzte Bild, das die Trojan Room Coffee Cam aufnahm: Der Server wird abgeschaltet

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1991, ALS DAS WORLD WIDE WEB gerade einmal eine Handvoll Computer miteinander verband, gab es im Computerlabor der britischen Universität Cambridge eine Gruppe von Netzwerktechnikern, von denen einige im sogenannten Trojan Room im zweiten Stock arbeiteten. Am Gang stand eine Kaffeemaschine von Krups. Die Wissenschaftler, die in anderen Teilen des Gebäudes untergebracht waren, mußten etliche Treppen steigen, um an die Kaffeemaschine zu kommen, und wenn dann kein Kaffee mehr in der Kanne war, war das enttäuschend. Also wurde - innerhalb eines Tages - eine technische Lösung entwickelt: XCoffee.

Der Informatiker Quentin Stafford-Fraser befestigte eine Videokamera an einem Retortenstativ neben der Kaffeemaschine und sein Kollege Paul Jardetzky schrieb ein Programm, das alle 20 Sekunden ein aktuelles Bild der Kaffeekanne auf einen Server holte (“Nur Graustufen, wie der Kaffee”). Nun konnte man bequem von überallher den Füllstand der Kaffeekanne checken. Im Sommer 2001 sollte das Computerlabor umziehen und die Coffee Cam nach einem Jahrzehnt treuer Dienste abgeschaltet werden. Gekränkt stellte die Maschine bereits im Frühjahr die Arbeit ein. Bei einer nachfolgenden Auktion ersteigerte die Online-Redaktion des Hamburger Magazins “Der Spiegel” das Gerät für damals 10.452,70 D-Mark (etwa 1.500 Euro).

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DIE PIONIERLEISTUNGEN auf dem Gebiet lagen da allerdings bereits über ein Vierteljahrhundert zurück. Seit den siebziger Jahren hatte es in der Abteilung für Informatik an der Carnegie Mellon-Universität in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania einen Cola-Automaten gegeben, in dem die Getränke ein paar Cent billiger waren als anderswo auf dem Campus. Da echte Programmierer ohne Koffein nicht funktionieren, war der Automat ziemlich beliebt. In unregelmäßigen Abständen wurde er von Studenten nachgefüllt. Mitte der Siebziger wurde die Informatik-Abteilung erweitert und etliche Büros an Orte verlegt, die weit von dem Raum entfernt waren, in dem der Cola-Automat stand. Es war frustrierend, drei Stockwerke runterzulaufen, bloß um zu sehen, dass der Automat leer war oder man für sein Geld nur eine warme Cola bekam.

Im Jahr 1982 beschlossen die Studenten Mike Kazar, David Nichols, John Zsarnay und Ivor Durham, diesem Zustand mit modernsten Mitteln ein Ende zu bereiten. Sie installierten Sensoren in den sechs Automatenschächten und verkabelten sie mit dem Hauptrechner der Abteilung, einer Maschine namens CMUA. Einer schrieb ein kleines Programm, das anzeigte, wie viele Flaschen Cola in jedem der Schächte lagen, und wie lange sie schon drin waren (das heißt, ob sie auch schon kalt genug waren). Das Programm benutzte für die Abfrage das Internet-Protkoll, und als das Netz Mitte der neunziger Jahre seinen Auftritt in der Öffentlichkeit hatte, begannen User aus aller Welt den Füllstand des Cola-Automaten in Pittsburgh abzufragen.

Sein vorläufiges Ende kam mit der Einführung der nicht mehr colaflaschenförmigen Plastikflaschen, mit denen die alte Maschine nicht umgehen konnte. Sie wurde durch einen neuen Getränkeautomaten ersetzt. Die Cola-Liebhaber an der Carnegie Mellon-Universität hat das so verstimmt, dass sich jahrelang keiner dazu durchringen konnte, den neuen Automaten ans Netz anzuschließen. Zwischen September 2007 und Februar 2008 konnte der Automatenstatus wieder abgefragt werden; seither ist das Projekt wieder in progress.

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EIN WEITERER EINTRAG aus der Liste der “Interesting Devices…” ist noch erwähnenswert. Er lautet “Paul’s Hottub status” und verweist auf Paul Haas aus der Kleinstadt Ypsilanti in der Nähe von Detroit, genauer gesagt, auf Pauls Badewanne, die er ans Internet angeschlossen hatte, und auf seinen Kühlschrank, der gleichfalls online war. Der Kühlschrank, ein General Electric TB14SBM, gab darüber Auskunft, ob das Licht in seinem Inneren an war und ob eine von Pauls Diätcola-Dosen gerade gekühlt wurde. Das war damals fundamental neu. Es war cooler als die Erfindung des tiefen Tellers. Von der Badewanne konnte man Füllstand und Temperatur des gegebenenfalls gerade darin befindlichen Badewassers erfahren. Daneben hatte Paul noch eine Papphand an einem Elektromotor online, mit der man seinen beiden Katzen im Wohnzimmer unterschiedlich intensiv zuwinken konnte (die zurückhaltende Winkform war mit “royal” bezeichnet).

Pauls Website inspirierte im Frühjahr 1995 zwei Studenten, mit dem Aufbau eines umfangreicheren Verzeichnisses für bemerkenswerte Websites zu beginnen. Die beiden Studenten hießen David Filo und Jerry Young. Ihr Verzeichnis heißt Yahoo.

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USA Generated Content

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Von 1945 bis 1956 publizierte das amerikanische Magazin “Profitable Hobbies” zahlreiche Möglichkeiten, wie Männer und Frauen ihre Hobbies zu Geld machen können:

“Profitable Hobbies”, November 1954

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Hier eine Sammlung von Artikeln aus “Profitable Hobbies”. |

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Handgemorpht

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Die ukrainische Sandmalerin Kseniya Simonova live. Die Musik ist streckenweise eine Prüfung, aber der handgemalte Sandfilm entschädigt für manches:

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(Via animationarchive)

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Alles nur ein Irrtum

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Aus dem Online-Portfolio von Flux Labs: notes from a drowning |
fluxismo twittert.

(Via thisisnthappiness)

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Batman beim Rasterfahnden

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(Via comicallyvintage | sacomics)

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Hier noch Batman mit seiner privaten Lochkartensortiermaschine in einer Geschichte aus dem Jahr 1956 in “Detective Comics”, Heft 229: “10.000 Secrets of Batman.” |

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Das Telefon-Haus

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Das Gebäude der Bell Telephone Company an der West Seventh Street in Cincinnati, Ohio wurde 1931 erbaut. Der Entwurf für das Art Deco-Bauwerk stammt von dem einheimischen Architekten Harry Hake. Die Etagen des 12-geschossigen Gebäudes hatten jeweils über dreieinhalb Meter Deckenhöhe, um die neueste Telefontechnik unterbringen zu können.

Die zweite Etage entlang verläuft ein Schmuckfries mit Nischen, in denen sich steinerne Telefone¹ abwechseln mit Kopfhörern, gleichfalls aus Stein.

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Kommunikation ist darüber hinaus durch verschiedene Reliefs symbolisiert – einen antiken Läufer, das erste Telefon von Alexander Bell, nautische Flaggensignale und die konventionelle Darstellung einer Frau mit einem Hasen, einem Schwan und einem Falken. |

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¹ Und zwar “French telephones” – laut Webster’s “a telephone apparatus consisting of an often ornate boxlike base having a pronged cradle holding the handset containing a microphone and speaker at either end.”

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• Hierzu siehe auch:

Der geheimnisvolle Astronaut in den Steinverzierungen der Kathedrale von Salamanca (und ein Käse-Astronaut). |

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Sesamstraße mit Phil Glass

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1979 schrieb der Komponist Philip Glass unter dem Titel Geometry of Circleseine Reihe von kurzen Vokal- und Instrumentalstücken für die Sesamstraße (Hier weitere Auskünfte zu Phil Glass im Muppet Wiki):

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(Via this isn’t happiness)

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• Hierzu siehe auch:

Sehnsucht auf Speed: “Angesichts dieser Nacht voller Zeichen und Sterne wurde ich zum ersten Mal empfänglich für die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt” (Albert Camus).

Rush Hour London” von Chris Searson, ein experimenteller Zeitrafferfilm, inspiriert von Koyaanisqatsi.

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Während ich weg war

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Ein Kommunikationsdrama. Ist das Handy auch an? –

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Musik:
Klint, “Diamond”; Mirwais, “Disco Science”; Wir Sind Helden, “Guten Tag”. |

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(Via Kottke)

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Instrument des Tages (9): der, ich sag mal: Pentaplayer

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Yuri Suzuki hat einen Plattenspieler mit fünf Tonarmen ausgestattet, von denen jeder einen eigenen Regler für die Lautstärke hat. Die Turntable wird so deutlich kompositionsförmiger und verspielter. Sie ist die analoge Antwort auf den digitalisierten DJ:

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Ein Interview mit Yuri Suzuki in der CLEAR GALLERY in Tokio (Eine Einführung in seine Arbeit). |

Ergänzend zu den fünf Tonarmen: Die neun Augen von Google Street View. |

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[Update:]

Dank an goncourt für den Hinweis auf den dreiarmigen Plattenspieler der Zeitansage der Deutschen Bundespost. Hier der Wikipedia-Artikel über die Zeitansage.|

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