Tagesarchiv für 25. August 2009

Ghost Town

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Philip Bloom nimmt uns mit in die Geisterstadt Rhyolite in Nevada.
Musik von Ennio Morricone aus dem Film “Spiel mir das Lied vom Tod”:

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Steingutsofortbildbeschwerer

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Denkmal einer vordigitalen Ablichtungsära: Eine Polaroid-Kamera aus Keramik von Artisans in Oregon. Sie läßt sich als Briefbeschwerer oder mysteriöse Trophäe verwenden:

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(Via SwissMiss)

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Schöne Strahlenpistolen

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Der Pyrotomic Disintegrator von Pyro Plastics aus dem Jahr 1952:

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(Via Retro Thing | Quelle: Astounding Artifacts)

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• Hierzu siehe auch:

Greg Broadmores Entwurf einer hypereleganten Kühlerfigur für das Citroen Coupe von Richard Taylor: Raygun Princess Deuce. |

Die Strahlenpistolen des italienischen Spielzeugwaffenherstellers Edison Giacattoli. |

Ein Geheimplan für eine Strahlenpistole (via bigfun). |

Wir basteln uns eine Strahlenpistole. |

Ein Strahlenpistolenkettchenanhänger. |

23 schöne Strahlenpistolen. |

Thomas Brehl berichtet von einem Raumpatrouille-Fanfilmprojekt für das zwei der auf dem Schnellen Raumkreuzer Orion gebräuchliche Handlaser HM-4 liebevoll nachgearbeitet wurden, wie man hier auf Flickr sehen kann. |

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Ray Guns auf Flickr:
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Für die tropfenförmige Kraftfahrt

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Das Delahaye 165 Cabriolet von Figoni et Falaschi (1938):

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(Via americanshaft)

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Mit oder ohne

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Im Anbeginn der PC-Ära traten zwei Stämme gegeneinander an – die Freunde und die Feinde von Gehäusen.

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MEIN ERSTES MODEM hat mir ein Freund aus dem Chaos Computer Club gebaut, das war Mitte der achtziger Jahre. Das Gerät war der Nachfolger des legendären Datenklos. Das Datenklo war die erste Bauanleitung für einen Selbstbau-Akustikkoppler gewesen. Bei dieser Apparatur mußte man im Unterschied zu einem Modem die Verbindung zwischen dem Computer und dem Telefon noch gewissermaßen handvermittelt herstellen, indem man den Telefonhörer in zwei passende Gummimuffen koppelte respektive stopfte. Die aparte Bezeichnung Datenklo kommt daher, dass diese Muffen in der Selbstbauanleitung aus zwei Dichtungsringen für Waschbeckenabflüsse aus dem Sanitärfachhandel den Kloschüssel-Wasserzulauf bestanden.

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Das CCC-Datenklo (Foto: Johann H. Addicks/Wikimedia) ?

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Das Modem bedeutete fantastischen Fortschritt. Es stellte die Verbindung zum Telefonnetz ganz von selbst her. Darüber hinaus beherrschte es das Wunder der Wahlwiederholung. Um Datenfernübertragung zu betreiben, wie das Onlinesein damals noch etwas spröde genannt wurde, hatte man gemeinhin die gewünschte Gegenstelle anzurufen, und zwar vermittels fleissigen Drehens der Wählscheibe am Telefon. Das Modem erledigte das nun automatisch.

Leider - aus meiner Sicht jedenfalls leider - hatte mein neues Modem kein Gehäuse. Es bestand aus einer kleinen grünen Leiterplatte, auf der sich ein ungaubliches Gewöll von handgelöteten Kabelverbindungen türmte. Ganz vorne ragten zwei Riesen-Leuchtdioden hoch wie die Fühler einer außerirdischen Garnele. Vic, der das Modem für mich gebaut hatte, liebte solche Jumbo-LEDs. Seinen Hackernamen Vic hatte er von einem der ersten Homecomputer übernommen, dem Commodore VC-20 (der eigentlich VIC-20 hieß, aber um die zweideutige Aussprache zu vermeiden, in deutschsprachigen Raum in VC-20 umbenannt worden war). Ich fragte Vic, ob er mir nicht vielleicht noch ein Gehäuse um das Modem herum machen könnte.

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GEHÄUSE? Mein Ansinnen befremdete ihn. Man konnte doch alles so schön sehen ohne Gehäuse. Und man konnte sofort weiter herumbasteln - löten, verdrahten, integrierte Bauteile einstecken -, wenn einem wieder etwas zur technologischen Verbrilliantierung des Ganzen einfiel, und zwar ohne erst irgendwelche lästigen Umhüllungen aufschrauben zu müssen. Gehäuse waren uncool, der Vorwurf stand jedenfalls im Raum. Ich versuchte es mit einem drastischen Vergleich. Wenn das Ding hier so liegt, sagte ich, habe ich das Gefühl, da liegt ein Freund mit geöffneter Bauchdecke.

Mit den Gehäusen war es in den frühen Jahren der PC-Ära ähnlich wie mit den Verkleidungen der Menschen. Es gab zwei Stämme. Die Mitglieder des einen Stamms, die sogenannten “Schrauber”, hatten gerne alles möglichst offenliegend. Sie waren wie die Urwaldindianer, die nackt bis auf Blasrohr und Penis-Köcher durch den Dschungel flitzen, ohne ein Gramm unnötigen Ballast, wendig und effektiv. Die Mitglieder des anderen Stammes kann man mit missionierten Indianern vergleichen, denen bereits erfolgreich nahegelegt worden war, Kleidung zu tragen.

Wobei die Verkleidung in den siebziger und achtziger Jahren keine Frage der Ästhetik war. Es gab keine schönen Gehäuse, sondern nur unterschiedlich häßliche. Großrechner waren häßlich, um das Männliche an ihnen angemessen zum Ausdruck zu bringen. Sie waren in hammerschlaglackierten Blechkästen untergebracht, die sich widerstandlos öffnen ließen, umtost vom kraftvollen Geräusch von Kettendruckern. Frauen, die Nylons trugen, wurden in Rechenzentren nicht gern gesehen, da sie (die Strümpfe) sich reibungselektrisch aufluden und die empfindlichen Elektronengehirne störten. Mikrocomputer und PCs galten dagegen noch jahrelang als Spielzeug, das nicht ganz ernst zu nehmen war. Die Hersteller der Kleinrechner mühten sich also nach Kräften, durch möglichst häßliche Gehäuse erwachsene Virilität zu signalisieren.

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ERST ALS 1984 der Macintosh auf den Markt kam, geriet das digitale Großgeräte-Machotum in die Krise. Der Untergang des Abendlandes stand kurz bevor – nun fingen sogar junge Frauen an, sich massenhaft für kleine Computer zu interessieren. Der Mac war schick und der erste Computer, der ohne die Eingabe undurchsichtiger Zauberformeln zu benutzen war. Maus und grafische Benutzeroberfläche entfachten einen Glaubenskrieg. Die einen sahen die Maus als fahrbare Hilfe-Taste für Doofe, für die anderen war es die tollste Maus seit Minnie.

Bei seinem nächsten Besuch brachte mir mein Freund Vic damals übrigens ein Gehäuse mit. Natürlich war es ein supercooles Gehäuse, nämlich eines, in dem sich normalerweise ein BTX-Decoder befand. Ein selbstgebautes Modem mit dem Telefonnetz zu verbinden, war damals streng verboten. Der BTX-Decoder war erlaubt. Er war eine Art Modem für das Bildschirmtextsystem der Post, mit dem von Amts wegen der Cyberspace zugänglich gemacht werden sollte, nebst Prüfsiegel des fernmeldetechnischen Zentralamts (FTZ), das wirklich so hieß. Sollte eine unerwartete Kontrolle in meiner Wohnung stattfinden, würde man nur ein hellbeiges, legales Kästchen zwischen dem Telefonstecker in der Wand und dem Computer auf meinem Schreibtisch sehen. In seinem Inneren aber tobte das wunderbarste Chaos.

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Cassettenhüllen, bulgarisches Lego

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? Ein Flickr Set mit Einlegepapieren aus Audiocassettenhüllen:

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? In den Bell Labs, späte 60er Jahre:

actionlog - View my most interesting photos on Flickriver

? LEGO Bulgarien:

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Instrument des Tages (15): Das Trommel-UFO alias Die HAPI-Drum

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Man sieht sie auf Open Air-Festivals oder in Fußgängerzonen, wo sie, neben den Baustoffröhren-Didgeridoos, als besonders exotische Klangquelle für Aufmerksamkeit sorgt. Die meisten wissen nicht, wie das Ding heißt und versuchen einen Namen dafür zu finden¹, Trommel-UFO, Schepperlinse, Steel Wok…

→ ”Space Music“, Amsterdam:

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Sie heißt HAPI-Drum (von “Hand Activated Percussion Instrument”) und holt sich ihre Sounds aus vibrierenden Stahlzungen. Das Konzept ähnelt dem der alten, hölzernen Zungentrommel (hier gibt es dazu ein paar Informationen und eine Hörprobe). Um zu verhindern, dass eine Zunge sich verstimmt, ist die HAPI-Drum mit einer Schlagdämpfung ausgestattet. Durch die Anordnung der hohen und tiefen Töne lassen sich aus den Vibrationen bemerkenswerte Obertöne herauslocken:

→ HAPI-Drum, gespielt von John Pascuzzi:

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→ Hierzu siehe auch:

• Eine Reihe eindrucksvoller animierter Violinenmaschinen. |

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• Und hier: What A Clip! →


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[Update]:

Giardino berichtet von dem zungenlosen Vorgänger namens Hang, von dem die HAPI-Drum offenbar abgeleitet wurde. Das Hang wurde von den Schweizer Instrumentenbauern Felix Rohner und Sabina Schärer entwickelt und klingt fast genauso wie die HAPI-Drum. Der Hang-Spieler Manu Delago allerdings ist ein hörenswertes Unikat:

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¹ was mich wiederum an die Zeit Anfang der neunziger Jahre erinnert, als E-Mail populär wurde und Menschen in Verlegenheit kamen, weil sie nicht wußten, wie man @ ausspricht. Als etwa der NDR seine erste für die Fernzuseher erreichbare E-Mail-Adresse bekanntgab, las die Moderatorin sie bis dorthin vor, wo der Klammeraffe steht, “und dann kommt dieser Schwurbel”. Wir alle mußten nochmal kurz in die Schule, um ein neues Zeichen im Alphabet nachzulernen. Interessant war damals wie heute übrigens auch die Frage, wie man den Klammeraffen von Hand schreibt: von außen nach innen oder von innen nach außen? Und klein wie ein a oder bis auf Ober- und Unterlängen ausgreifend?

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