? IN DEM EINKAUFSZENTRUM ein paar Straßen weiter fahren die Aufzüge über vier Geschosse, von einem Fitneßcenter im Obergeschoß bis in die Ladenzeilen im Untergeschoß. Die weibliche Stimme, mit der die Etagen angesagt werden, hört sich bedrückt an. Die Knöpfe in den Aufzugkabinen sind beschriftet mit 2, 1, E und B.
Ein Vater mit seinem kleinen Sohn ist auf dem Weg nach unten. Der Junge, der schon lesen kannt, darf auf den Knopf drücken. “Vati, was heißt B?” – Vati weiß es nicht.
Immer wieder begegne ich in dem Aufzug Leuten, denen das B ein Rätsel ist. Das Kürzel für Basement, das ein Gestalter wohl für weltläufig gehalten hat, macht den Aufzug zu einem Ort, der ohne Not seine Passagiere verunsichert und Väter in Verlegenheit stürzt. Dafür sind Aufzüge¹ aber nicht gedacht.
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IM BAHNHOF GEGENÜBER dem Einkaufszentrum sind in den Aufzügen, die hoch zu den Bahnsteigen führen, auf dem Knopfbrett alle Funktionen auch in Braille-Schrift verzeichnet. Vorbildlich, möchte man meinen – allerdings sind die erhabenen Muster der Blindenschriftzeichen auf Metallfeldern angebracht, die genauso aussehen wie die Bedienknöpfe darunter. Fast jeder, der den Aufzug betritt, drückt erst auf die Blindenschrift-Felder, die man intuitiv für die eigentlichen Knöpfe hält (und die Knöpfe darunter für die Beschriftung mit den Funktionssymbolen). Oft stehen Passagiere dann in dem Aufzug, haben ihn nach ihrem Dafürhalten bereits in Gang gesetzt und fangen an zu überlegen, ob er defekt ist.
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Hier noch ein Klassiker aus den mythischen Tiefen der Hacker-Folklore:
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DER MAGISCHE SCHALTER
Als ich mich vor ein paar Jahren² mal bei den Vitrinen umsah, in denen die PDP-10 des MIT Artificial Intelligence Lab untergebracht war, bemerke ich einen kleinen Schalter, der an den Rahmen einer der Vitrinen geklebt war. Es war offensichtlich ein selbstgebasteltes Ding, das einer der Hardware-Hacker des Labors da angebracht hatte. Niemand wußte, wer den Schalter gebaut hatte.
Man faßt keinen unbekannten Schalter an einem Computer an ohne zu wissen, was passiert, denn man könnte einen Absturz herbeiführen. Der Schalter war auf höchst unhilfreiche Weise beschriftet. Es gab zwei Stellungen, und mit Bleistift war auf das Metall des Schalters magic und more magic gekritzelt. Der Schalter war auf more magic gekippt.
Ich bat einen anderen Hacker, sich das mal anzusehen. Auch ihm war den Schalter noch nie aufgefallen. Eine genauere Untersuchung ergab, dass nur ein Draht zu dem Schalter führte. Das andere Ende des Drahts verschwand in der Drahtwirrnis im Inneren des Computers, aber es gehört zu den Grundlagen der Elektrotechnik, dass ein Schalter nichts bewirkt, so lange nicht zwei Drähte an ihm angeschlossen sind.
Dieser Schalter hatte nur einen Draht, der an der einen Seite angeschlossen war, sowie keinen Draht an der anderen Seite.
Es war klar, dass dieser Schalter irgendjemandes Vorstellung von einem billigen Witz entsprungen war. Da wir sicher waren, dass der Schalter unwirksam ist, legten wir ihn um. Der Computer stürzte augenblicklich ab. Wir waren platt und verbuchten das Ereignis als Zufall, kippten aber nichtsdestotrotz den Schalter auf die more magic-Position zurück, ehe wir den Computer wieder hochfuhren.
Ein Jahr später erzählte ich die Geschichte einem anderen Hacker - David Moon, wenn ich mich recht erinnere. Er zweifelte an meinem Verstand oder nahm an, ich würde an übernatürliche Kräfte in diesem Schalter glauben, beziehungsweise er dachte, ich foppe ihn. Um ihn zu überzeugen, zeigte ich ihm den Schalter, der immer noch an der selben Stelle angeklebt war, mit bloß einem Draht, der reinführte. Er war immer noch in der more magic-Stellung. Wir prüften den Schalter und seine einsame Verbindung und erkannten, dass das andere Ende des Drahts mit einer Erdung verbunden war. Das machte den Schalter doppelt nutzlos: Er war nicht nur elektrisch disfunktional, sondern auch noch verbunden mit einem Teil, das niemals irgendwie irgendetwas bewirken würde. Also legten wir den Schalter um.
Der Computer stürzte augenblicklich ab.
Diesmal gingen wir zu Richard Greenblatt, einem altgedienten MIT-Hacker, der gerade da war. Auch ihm war der Schalter nie zuvor aufgefallen. Er inspizierte ihn, kam zu dem Schluß, dass er nutzlos ist, brachte einen Seitenschneider und machte ihn raus. Anschließend fuhren wir den Rechner hoch und alles lief wie geschmiert.
Wir wissen immer noch nicht, wie der Schalter die Maschine zum Absturz brachte. Es gibt eine Theorie, dass ein vernachlässigbarer Strom an der Erdung herrscht und das Umlegen des Schalters die elektrische Leistung genügend verändert, um dem Strom ein paar Millionstelsekunden-Pulse abzuringen. Aber wir sind nicht sicher. Ich habe den Schalter immer noch bei mir zu Hause. Vielleicht bin ich verrückt, aber ich habe ihn gewöhnlich auf more magic gekippt.
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GLS aka Guy L. Steele Jr.: “A Story About Magic”
(The Jargon File, Appendix A. – Hacker Folklore)
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¹ Zu der Frage, weshalb ein Aufzug, der abwärts fährt genau genommen Abzug heißen müßte siehe auch hier.
² in den sechziger Jahren.
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