Tagesarchiv für 14. Februar 2011

Aus der Ära vor WikiLeaks





(Gefunden bei comicallyvintage)

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Virtuoser Quatsch


KAUM ETWAS fordert die menschliche Kreativität stärker heraus als die Produktion von Unsinn. Zwischen Nutzlosigkeit und Nonsense bestehen jedoch bedeutende Unterschiede.

Dazu fällt mir ein Ferienjob in einer Papierfabrik ein; lange her. Ich stand an einem Kontrollpult vor einer Papiermaschine, die so laut war wie ein Flugzeugtriebwerk. Obwohl ich Gehörschutzkopfhörer trug, vernahm ich den Lärm auf jene sonderbare Weise vermittelt, die man Knochenschall nennt. Ich war ein Resonanzkörper, im wahrsten Sinn des Wortes. Der Job bestand hauptsächlich darin, in dem Lärm stehend die Langeweile vor der Maschine zu ertragen. Irgendwann stellte ich zufällig fest, dass ein Ton in meiner Mundhöhle wahrnehmbar war, wenn ich den Mund öffnete, und dass ich den Ton modulieren konnte, je nachdem, wie weit ich den Mund öffnete. Nach einer Zeit konnte ich auf dem Lärm der gewaltigen Maschine Melodien spielen.

Vor etwa 30.000 Jahren entwickelte der Mensch jene Technik, die Keramik heißt. Bemerkenswert daran ist, dass er als erstes nicht etwa nützliche Dinge produzierte, wie wir auf Effizienz verengte Zivilisierte heute vermuten würden. Ehe die frühen Töpfer darangingen, Nützliches wie den Krug zu erfinden, schufen sie erst jahrhundertelang hübsche Fruchtbarkeitsidole. Nützliches herzustellen gelingt sogar Tieren. Sich zum einzigartigen Kulturwesen erheben konnte der Mensch erst, als er in der Lage war, Unsinn hervorzubringen.

Immense Kreativität wird freigesetzt, um Zweckfreies zu erzeugen. Besonders auffällig ist das am Computer, einer Maschine, die scheinbar strotzt vor Vernünftigkeit. Schon in der PC-Frühzeit haben Programmierer das Äußerste an Findigkeit aufgeboten, um genialischen Quatsch zu erschaffen. Für den C-64, das Trichtergrammofon unter den Mikrocomputern, gab es beispielsweise ein Programm, mit dessen Hilfe sich die rote LED an der Diskettenstation dimmen ließ. Und es gab ein anderes, mit dem man durch gezielt verändertes Trafosummen und das Schrittmotorgeräusch des Schreib-Leserkopfs Stücke wie den Radetzkymarsch spielen konnte.

In dieser Tradition steht die große Diskettensinfonie “Phantom of the Floppera” von FunToTheHead (Dank für den Tip an Tarik Ahmia!):




Ab und zu wirft solche freischwebende Vituosität auch Nutzanwendungen ab. In Japan werden etwa Rillen in die Straßenoberfläche gefräst, die beim Überfahren eine Melodie im Fahrzeuginneren erzeugen. Ein verkehrspädagogischer Effekt besteht darin, dass, wenn man zu schnell fährt, die Melodie ebenfalls zu schnell abläuft und der Fahrer aus Gründen des Harmonieempfindens zur Anpassung der Geschwindigkeit angehalten wird.

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• Musik mit der Diskettenstation des Commodore C64: Die singende 1541

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Ein Hörmuß hierzu: Brandon Kahn und das → Commodore 64 Orchestra - zwölf niederländische Klassik-Instrumentalisten, die sich auf Orchesterfassungen der Soundtracks von C64-Spielen spezialisiert haben. Hier ein Trailer, hier eine empfindsame Neuinterpretation von Cybernoid II, hier ergreifend die Klangkaskaden von Commando. |

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Ode an einen Scanner (mit einem Gastauftritt von Brendans Hand):

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Und → hier noch ein Scanner, der “Für Elise” spielt. | → Hier eine Testschaltung für einen Fotokopierer, der sich in ein Spinett verwandelt. |


Harddisko von Valentina Vuksic: Defekte Festplatten werden geöffnet
und als Klangerzeuger benutzt

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Weitere Klangwunder aus dem Archiv der Glaserei:

• Das Mikrowellenorchester
• Das (waschmaschinengroße) Modem
• Rundherum den Maulbeerbusch der Affe jagt das Wiesel *fiep*
• Super Mario, musikalisch multigetaskt
• Globale Klänge (2a): Bytehoven
• Globale Klänge (2b): Die digitalen Mikro-Mega-Hits
• Das Techno-Elastikum
• Heute im Webfernsehen: Violinenmaschinen
• Druck’n’Roll: Printerjam
• Die wirklich unglaubliche Ukulele

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Retro-Retro: Geschichte der Computergrafik - von 1972




(Gefunden bei easydreamer)

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Snooky tickt nicht richtig




(Gefunden bei neatorama)

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Nackte, eine Treppe hinabschreitend





Gjon Mili, Nude Descending Staircase
(1942, nach einem Gemälde von Marcel Duchamp) |

Die Wikipedia über den albanisch-amerikanischen Fotografen
Gjon Mili
(1904 - 1984).


(Gefunden bei femmetje)

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Hochbetten




















(Gefunden bei damncoolpics)

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Kim Jong Phil


Der amerikanische Künstler Phillip Toledano versucht, ein Diktator zu sein, mit allem Drum und Dran:

“It occurred to me that being an artist is a great deal like being a dictator. Just like a dictator, I must live in a closed loop of self-delusion. A place where my words and ideas always ring true. A gilded daydream of grandiosity. There can be no room for doubt. I must be convinced that I have something vital to say. I must believe that the world is waiting in keen anticipation to hear my message.”

















(Gefunden bei neatorama)

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Die stratigraphische Torte


Inspiriert von einem T-Shirt-Aufdruck hat sich Flickr-User und Naschkater Kohl zu einer Torte im Stil geologischer Schichtquerschnitte hinreissen lassen:





(Gefunden bei neatorama | via makezine)

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Baby Lu-Lu singt “Jesus Loves Me”



Ich habe in diesem Blog schon gelegentlich wohlabgewogen das Wort “unfaßbar” gebraucht. Vor dem nachfolgenden Alptraum christlicher Musik müßte man gleich ein paar Gänge höher schalten, stößt aber an Grenzen der Sprache. Im Anschluß an die Darbietung, bei der es sich wie ich befürchte um kein Viral handelt, zur Belohnung ein paar weitere Formulierungsversuche aus dem Kommentar-Schatzkästchen zu dem YouTube-Video.









“I just kicked a baby because of this.”

“My vision of hell would be me strapped to a chair with this playing through headphones, for ever and ever.”

“Oh my god simply”

“watched the whole video and was transfixed the entire time. In fairness, though, I have a fetish for 50 year old Southern Belles who talk like 3 year old girls with a little bit of dog howl thrown in for good measure. I am watching it again right now.”

“If this is what is in heaven then I’m never becoming a christian again.”



(Gefunden bei turntabling)

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Wörtlich genommen


In Oddees neuem Fotoblog Literal.ly ist allerlei Imwortsinnliches zu sehen:



Sex Tape


CD-Burner


Face Palm


Where the news hits home


(Gefunden bei neatorama)

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Twiggy mit Katze





(Gefunden bei yourcatwasdelicious)

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