Archiv für die Kategorie 'Worte und Zitate'

Der Nachmittag


“Ich erinnere mich an den Nachmittag, als ich im Taxi zwischen sehr hohen Gebäuden fuhr, unter einem malvenfarbenen und rosigen Himmel; ich begann zu weinen, weil ich alles hatte, was ich wollte und weil ich wußte, daß ich nie wieder so glücklich sein würde.”

F. Scott Fitzgerald

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Der Mut des Löwenbändigers


I have never thought much of the courage of a lion tamer. Inside the cage he is at least safe from other men. There is not much harm in a lion. He has no ideals, no religion, no politics, no chivalry, no gentility; in short, no reason for destroying anything that he does not want to eat.

— George Bernard Shaw


(Gefunden bei futilitycloset.com)

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Fürsichsein


“We are all alone, born alone, die alone, and — in spite of True Romance magazines — we shall all someday look back on our lives and see that, in spite of our company, we were alone the whole way. I do not say lonely — at least, not all the time — but essentially, and finally, alone. This is what makes your self-respect so important, and I don’t see how you can respect yourself if you must look in the hearts and minds of others for your happiness.”

Hunter S. Thompson (1937-2005)

(Gefunden bei cargohoo.tumblr.com)

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Buchriecher

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Nichts macht den Menschen argwöhnischer, als wenig zu wissen.

Francis Bacon (1561-1626)

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Albert Einstein auf die Frage, wie hoch die Schallgeschwindigkeit sei:

Weiß ich nicht. Ich beschwere mein Gedächtnis nicht mit Tatsachen, die ich in meinem Konversationslexikon finden kann.

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Book Sniffers: Menschen, die Bücher riechen können (ein Flickr Foto-Pool):
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Bookcrossing: Freigelassene Bücher und was sie erleben (ein Flickr Foto-Pool):
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Das Maschinenwesen

“Das überhandnehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam; aber es hat seine Richtung genommen, es wird kommen und treffen.”

Goethe, “Wilhelm Meisters Wanderjahre”

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Eine Maschinen-Animation: “Casa de Máquinas” von Daniel Herthel und Maria Leite

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Zärtliche Gleichgültigkeit

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Angesichts dieser Nacht voller Zeichen und Sterne wurde ich zum ersten Mal empfänglich für die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt.

Albert Camus, “Der Fremde”

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Camus, 1957 (via)

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Die Modernisierung der katholischen Kirche

Die Kirche hat die geradezu phantastische Andachtsbereitschaft der Computerspieler bisher mißachtet (ausführlicher hier). Ich muß an den außergewöhnlichen Film “Sans Soleil” von Chris Marker denken, in dem jemand in einem Großkaufhaus in Tokio eine Ausstellung von Schätzen aus dem Vatikanmuseum sieht, die das Museum seit Jahrhunderten nicht mehr verlassen haben. In den Augen der Kunden vermeint der Betrachter einen Glanz von Industriespionage wahrzunehmen und er vermutet, dass die Japaner in absehbarer Zeit mit einer etwas leistungsfähigeren und billigeren Version des Katholizismus auf den Markt kommen werden.

 

“What Jesus looks like” von Marc Johns (via Holga)

 

Obwohl die Automation schon seit längerem stetig an Boden gewinnt, ist seltsamerweise erst in jüngster Zeit das Problem aufgetaucht, welche Bedeutung es hätte, wenn der Großteil des menschlichen Arbeitslebens ausradiert würde. Auch heute erkennen nur wenige, daß dieses Problem, einmal ehrlich ausgesprochen, das Endziel der Automation ernsthaft in Frage stellt. Was die mögliche Schaffung einer vollautomatisierten Welt betrifft, so können nur Ahnungslose ein solches Ziel als den höchsten Gipfel menschlicher Entwicklung ansehen. Es wäre eine Endlösung der Menschheitsprobleme nur in dem Sinne, in dem Hitlers Vernichtungsprogramm eine Endlösung des Judenproblems war.

Lewis Mumford, “Mythos der Maschine” (1967)

 

Der umstrittene Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, will seine Thesen zum Holocaust vorerst nicht widerrufen. Er werde zunächst die historischen Beweise prüfen, sagte der Katholik dem Spiegel: “Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen.” (Februar 2009)

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Gaza: Jahwe, Bin Laden, Madonna

Und wenn ein Fremder bei dir weilt in eurem Lande, so sollt ihr ihn nicht bedrücken. Wie ein Eingeborener unter euch soll euch der Fremde sein, der bei euch weilt, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn Fremde seid ihr gewesen im Lande Ägypten. Ich bin Jahwe, euer Gott.

Drittes Buch Mose 19:33,34, aus der Elberfelder Bibel

 

Bei dem berühmten Kinderspiel Araber gegen Juden wollten plötzlich alle die Juden sein – weil die mächtig sind und das Sagen haben. Das hat sich erst vor fünf, sechs Jahren geändert. Während der zweiten Intifada ab 2000 war es dann verpönt, im Spiel die Rolle des Israelis zu übernehmen. Der Miliz-Kämpfer trat auf den Plan, mit Sturmmaske und Spielzeug-Kalaschnikow. Kinder in Gaza himmeln keine Pop-Stars oder Sportler an. Ihre Helden sind Kämpfer, Killer.”

Ijad al-Sarradsch, seit fast zwei Jahrzehnten Direktor des Netzwerks psychiatrischer Einrichtungen im Gaza-Streifen, im Juni 2007 zur Eskalation der Gewalt zwischen Palästinensern (via Spiegel Online). 

 

? Osama “bin noch da” Laden läßt in einer Audio-Botschaft wissen, alle Gipfeltreffen und Außenministerkonferenzen zur Lage im Gazastreifen seien sinnlos. Auch verleiht er seiner Freude über die globale Finanzkrise Ausdruck.

 

? Das britische Magazin People will erfahren haben, dass Popstar Madonna im Zusammenhang mit dem Vormarsch der israelischen Armee im Gaza-Streifen eine Todesdrohung von muslimischen Fanatikern erhalten habe. | Eine kleine Chronik extremistischer Todesdrohungen gegen Madonna (via myrightword). | Madonna am Kreuz, Bühnenversion. The show must go on.

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Weihnachtsworte (4): Reichtum

Am 11. Dezember 1964, am Tag nachdem ihm der Friedensnobelpreis verliehen worden war, hielt der damals 35-jährige Martin Luther King einen Vortrag an der Universität von Oslo. Er sprach davon, dass der Fortschritt in Wissenschaft und Technik nicht gleichgesetzt werden dürfe mit moralischem Fortschritt – die Menschen würden vielmehr moralisch und geistig hinterherhinken.

King äußerte sich anerkennend über wissenschaftliche und technische Fortschritte, warnte aber zugleich davor, dass zunehmender Überfluß den Geist des Menschen untergraben würde. “Je reicher wir materiell wurden, desto ärmer wurden wir in moralischer und geistiger Hinsicht,” sagte er. “Wir haben gelernt, durch die Luft zu fliegen wie Vögel und das Meer zu durchqueren wie Fische, nicht gelernt aber haben wir die schlichte Kunst, miteinander zu leben wie Brüder.”

 

Collier’s Weekly, 1953

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Weihnachtsworte (3): Bedürfen

Das Ziel der Wirtschaft ist nicht mehr primär die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse, sondern die Vermehrung der Bedürfnisse und deren Anpassung an die Produktionskapazitäten. Da die Produktivität des Systems gewaltig ist, erweist sich die Konsumpflicht als gar nicht leicht zu erfüllen. Hier tritt der Computer als willkommenes Hilfsmittel der Konsum-Multiplikation auf den Plan.

Heute wird die Unstillbarkeit von Bedürfnissen gesellschaftlich gefordert. In den westlichen Industriegesellschaften gibt es Produkte im Überfluß und die Bedürfnisse sind knapp. Es geht um die Optimierung des Menschen zum Bedürfniswesen, sensibel für das erstbeste oder erstschlechteste Zwitschern jedes Wunschs oder Appetits: “Nicht um unser tägliches Brot werden wir mehr beten, sondern um den täglichen Hunger”, schrieb der Philosoph Günther Anders

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Weihnachtsworte (2): Konsequenzen

Wir sind heute so bereit, die Konsequenzen der Wissenschaft für die Erfindung zu akzeptieren, daß wir beinahe verlernt haben, uns durch gesunden Menschenverstand oder spöttisches Lachen vor Monstrositäten und Torheiten zu schützen, die keinem menschlichen Bedürfnis entsprechen, aber gerade wegen ihrer Kompliziertheit eine technische Attraktion darstellen.

Lewis Mumford (1895-1990)

 

Cheapest bot on earth (Foto: fdecomite, unter Creative Commons)

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Weihnachtsworte (1): Moralgefangen

Das Gericht schenkte der Behauptung des Angeklagten, der sich als Dichter bezeichnet, keinen Glauben, nachdem es die Sammlung “Der Gefangene der Moral auf dem Erdenplaneten” gesichtet hatte. Der Angeklagte, der behauptet, daß der Sinn seines Schaffens die Suche nach der Schönheit im Universum ist, bringt in diesem Buch außer 12 Seiten Verse 120 Nacktfotos und bietet es zu einem Preis von DM 20,- an.

“Aus Polizeiberichten und Gerichtsverhandlungen” (München 1976)

 

Foto: Julian Mandel (1872-1935), aus Wikimedia Commons

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Das Montagswort: großspurig

Rechner hinter Blogs: Die abendliche Glaserei →

“Alles sollte so einfach wie möglich gemacht sein, aber nicht einfacher.”

Albert Einstein (1879-1955)

“Die großspurige Computerreklame in den USA wirbt bereits seit Anfang 1955 mit Versprechungen, die bis heute noch nicht erfüllt sind. Was würden wir zu einer großartigen Werbung über die Sicherheit von Flugzeugen sagen, wenn aber jeden Tage eine ganze Reihe von ihnen abstürzte? Die Computerwerbung aber lockt in ihren Hochglanzbroschüren mit einer fehlerfreien Rechnerwelt.”

Joseph Weizenbaum (1923-2008)

“Daß die niedrigste aller Geistesthätigkeiten die arithmetische sei, wird dadurch belegt, daß sie die einzige ist, welche auch durch eine Maschine ausgeführt werden kann.”

Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Gelüftete Geheimnisse: Die Rechner hinter verschiedenen Blogs:

Computers Behind Blogs - View this group's most interesting photos on Flickriver

Die Berichte über unerwartet zuschlagende Maschinen mehren sich: Eifersüchtige Computer -

Jealous computers - View this group's most interesting photos on Flickriver

Computerfehler - eine Fotosammlung:

Computer Errors - View this group's most interesting photos on Flickriver

Die Flickr-Group “Katzen und Computer“:

cats&computers - View this group's most interesting photos on Flickriver

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Das (verspätete) Mittwochswort: Sondertatsachen

 

? Indem nun die öffentliche Sprache fast aller Sender und Zeitungen dieser Welthälfte auf dieselben Begriffe einschwenkt, zieht sich die Wirklichkeit in den Schatten zurück, sie kann dem Gesetz nicht entgehen, daß jede Bestimmtheit Verneinungen enthält. So entstehen unter dem Tisch stumme und intolerante Sensibilisierungen, eine Welt kleinteiliger Sondertatsachen, der Haß greift auf die ältesten Rückstellungen zurück und bricht bisweilen überraschend aus, die Jura-Berner, die Quebec-Kanadier, die Bretonen und Katalanen schwingen ihre Fahnen. Im “Spiegel” vom 29.4.1968 wurde gefragt, wo die Analyse eines möglichen Guerillakampfes in Großstädten bliebe. 

Arnold Gehlen, “Moral und Hypermoral” (1969)

 

? Das Newseum präsentiert täglich mehr als 600 Titelseiten von Zeitungen aus 66 Ländern. | Greg J. Smith zeigt die Evolution von Zeitungs-Titelseiten am Beispiel der Los Angeles Times, der New York Times und der britischen Times von 1891 bis 2006. |

? Google Trends: Hot Trends (USA) vom 9. November 2008. Platz 1: britney spears vagina. Related searches: paris hilton vagina, lindsay lohan vagina, britney spears upskirt, britney spears pussy, britney spears crotch. | 

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Das Montagszitat: FernsehEnde

Television in the rain (Foto: striatic, unter Creative Commons) ? 

 

“Wir Schweizer können kein allzu schlimmes Fernsehen haben, denn wir haben kaum private Sender. Um wirklich Scheiße sehen zu können, müssen Sie ein privates Fernsehen haben.”

“Ein deutscher Fernsehintendant, der ein Programm machen würde, von dem Reich-Ranicki begeistert ist, gehört entlassen, weil er ja komplett am Publikum vorbeisendet. Fernsehen ist kein elitäres Medium. Aber es gibt zwischen totaler Volksverarschung und elitärem Gesabbel noch mehrere Zwischenstufen.”

“Im Schweizer Fernsehen gab es mal eine Sendung mit Leuten, die jemanden aus den Augen verloren hatten. Da war eine alte Dame, die dann in der Sendung jemanden wieder antraf. Die Kamera war auf sie gerichtet, und der Regisseur starrte selbstvergessen auf die Monitore und beschwor das Bild: “Jetzt wein’ doch endlich, du blöde Kuh!” Sie sehen - reale Leute sind wirklich Verbrauchsware.”

“Fernsehmacher sind so zynisch, die würden, wenn sie Quote dafür kriegen, sogar was Anständiges senden. Die machen nicht aus Überzeugung Trash.”

“Fernsehen ist immer noch ein wichtiges Medium - auch wenn die Ära zu Ende geht.”

“Wenn ich mir die Debatte zwischen Obama und McCain ansehen will, warte ich nicht mehr, bis die im Fernsehen kommt, dann gehe ich im Internet auf die Seite der New York Times und klicke mich dort von Debattenthema zu Debattenthema, das ist viel aktueller. Auch deshalb hat Fernsehen an Bedeutung verloren, weil das Internet einfach innovativer ist.” 

 

Scheiße, ich schalte um“: Aus einem furiosen Gespräch mit dem Medienkritiker Charles Lewinsky (Süddeutsche Zeitung, Oktober 2008)

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Das Montagswort (heute mal am Dienstag): Risiko

 

Foto: Stuart Caie (kyz) unter Creative Commons ?

 

Ausfallsichere Computersysteme fallen eben aus, wenn sie es nicht schaffen, auf sichere Art auszufallen.

Peter G. Neumann, Risikospezialist

 

? Keine Folge von Programmanweisungen, wie umfangreich auch immer, kann der unendlichen Komplexität der Welt entsprechen. Auch wenn ein Programm heute die Welt erfolgreich nachbildet, kann es bereits morgen hinfällig sein, da die Welt sich dauernd verändert. … Allgemein gesagt, leben wir in einer unendlichen und kontinuierlichen Welt. Wir nehmen diese unendliche Welt und machen sie endlich durch einen Prozeß, den wir Abstraktion nennen, da wir bloß endliche Gedächtniskapazität haben, in der wir Information unterbringen können - dies hat zur Folge, dass wir durch die Umwandlung eine Menge an Detailinformation verlieren.

Meir Manny Lehmann, Professor am Londoner Imperial College

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Das Wochenendwort: Fernsehen wie nie

Stellen Sie sich doch nur einmal vor wie es sein könnte, wenn das Fernsehen wirklich gut wäre. Es würde alles verändern, was wir kennen.

Marvin Minsky, Pionier der sogenannten Künstlichen Intelligenz (1989)

 

Heute ist das Militär doch gar nicht mehr so wichtig. Man gewinnt oder verliert einen Krieg fast ausschließlich im Fernsehen.

Ariel Scharon (Februar 2001)

 

Kann man nicht Fehler vermeiden, wie Geräusche bei explodierenden Planeten? Im All gibt es keinen Schall; die Luft zur Übertragung fehlt. Dort ist es sogar in einem Kriege lautlos!

Zuschauer Hans-Jürgen Z. aus Hannover zu einer Folge der Fernsehserie “Raumpatrouille” (aus: “Hör Zu” Nr. 43 / 1966)

 

• Der auf dem Schnellen Raumkreuzer Orion gebräuchliche Handlaser HM-4  (Bild: Rolf van Melis / Wikipedia)

 

? Die Sängerin Virginie Rodin mit einer französisch betexteten Fassung der famosen von Peter Thomas komponierten “Raumpatrouille”-Titelmusik (Danke, MORK!). ["Commando spatial": der Text.] [Reinhören] | 

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Das Montagszitat: Ein für allemal

 

? Wir wollten unbedingt die Reaktionen von Menschen filmen, die noch nie einen Spiegel, eine Kamera, ein Tonbandgerät etc. zu Gesicht bekommen haben. Solche Leute gibt es tatsächlich noch in Neuguinea, obwohl es nur sehr wenige sind, und auch die verschwinden wie der Morgendunst im Sonnenlicht. Aber abgesehen von Inner-Borneo ist mir auf der ganzen Welt kein Platz bekannt, wo noch solche Gruppen leben, selbst hier ist dieser Zustand allerdings im vergangenen Jahr vielleicht ein für allemal zu Ende gegangen.

B. McBride, Patrouillenbericht vom 19.1.1960 

(aus: Edmund Carpenter, “Sinnes Täuschung”)

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Das Mittwochswort: fast gleichzeitig

Im Maschinenzeitalter, das nun zur Neige geht, konnte man noch viele Schritte ohne zu große Besorgnis unternehmen. Das langsame Tempo gewährleistete eine Verzögerung der Reaktionen über beträchtliche Zeiträume hinaus. Heute erfolgen Aktion und Reaktion fast gleichzeitig. Wir leben jetzt gewissermaßen mythisch und ganzheitlich, aber wir denken weiter in den alten Kategorien der Raum- und Zeiteinheiten des vorelektrischen Zeitalters.

Marshall McLuhan, Die magischen Kanäle (1968)

 

Highspeed-Fotografie, ein Flickr Foto-Pool:
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Synchronizität: In diesem ungewöhnlichen Flickr-Pool sind zufällig ähnliche Fotos von verschiedenen Fotografen gesammelt:
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Das Wochenendwort: Einige Dinge

Wir haben unsere Computersysteme nicht mehr im Griff, sie haben sich verselbständigt. Ich denke nicht nur an Tschernobyl, ich denke auch an die Giftgaskatastrophe im indischen Bhopal. Dort verhinderte ein Softwarefehler die rechtzeitige Warnung der Bevölkerung. Ich denke auch an den Börsencrash an der Wallstreet im Oktober 1987. … Damals, als an der Börse die Rechner durchdrehten und auch viele Kleinaktionäre das Nachsehen hatten, schrieb das “Wall Street Journal” am Tag nach dem Schwarzen Montag: Die Computer haben die Macht übernommen.

Joseph Weizenbaum (März 1992)

Öffentliche Computerfehler - ein Flickr Pool:
Public Computer Errors - View this group's most interesting photos on Flickriver

• 1,75 Milliarden Dollar wird die britische Barclays Bank für die Überbleibsel der bankrotten Investmentbank Lehman Brothers bezahlen, 1,5 Milliarden Dollar davon für das Firmenhauptquartier am Times Square und die beiden mit Servern vollgestopften Data Center (vulgo Rechenzentren) der Bank [via]. Das Hauptrechenzentrum befindet sich seit dem 11. September 2001 in einem 40-stöckigen Gebäude in New Jersey. Bei den Anschlägen auf das World Trade Center war das ursprüngliche Rechenzentrum von Lehman Brothers zerstört worden. Bereits am 12. September arbeiteten die Broker in einem leertgeräumten Raum des Ersatzrechenzentrums weiter [via]. Die Kundenbasis von technologieunternehmen wie IBM, Novell oder Cisco schrumpft. Allein die kollabierte Investmentbank Lehman Brothers war für 3,1 Prozent der IT-Ausgaben der US-Finanzbranche verantwortlich [via].

“Es gibt einige Dinge, die nicht schnell erlernt werden können, und man muß ihren Erwerb mit Zeit, die alles ist, was wir besitzen, schwer bezahlen. Es sind die allereinfachsten Dinge, und weil es eines Menschen ganzes Leben bedarf, um sie zu lernen, ist das wenige Neue, das jeder Mensch dem Leben abgewinnt, sehr kostbar und das einzige Erbe, das er hinterlassen kann.”

Ernest Hemingway, Tod am Nachmittag

Ernest Hemingways Haus in Key West, Florida - ein Flickr Pool:

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Das Mittwochswort: Mode und Rache

 

“Ich arbeite wie die KPD“, sagte er 1983, als er die kreative Leitung bei Chanel übernahm, “und plaziere überall meine Leute.“ Wer sich ihn zum Feind macht, könnte sich eher an die Methoden des KGB erinnert fühlen. Über welche Muskelkraft der Netzwerker Lagerfeld inzwischen verfügt, musste auch seine ungebetene Biographin Alicia Drake erfahren. In Frankreich wurde ihr Buch auf den Index gestellt, sie selbst, heißt es, sei mit den Nerven am Ende. Lagerfeld fehlt das Mitleid: “Rache macht mir ein physisches Vergnügen, am liebsten auf gemeine Weise. Ich weiß, dass sie furchtbar ist, aber ich sehe keinen Grund, warum ich Böses nicht zurückzahlen sollte. Wenn die Leute glauben, dass nun alles vergessen sei, ziehe ich ihnen den Stuhl weg - vielleicht erst nach zehn Jahren.“

Ingeborg Harms über Karl Lagerfeld (FAZ, September 2008)

 

The Bad Fashion (Please note that we reject the following: ysl gucci armani prada fendi versace dior burberry klein chanel vuitton and more):

 Bad Fashion - View this group's most interesting photos on Flickriver

Geschmacklosigkeit ist eine Lebensart. Hochblüten einer unglücklichen Kunst:

Unfortunate Fashion - View this group's most interesting photos on Flickriver

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Das Montagszitat: Rauboter

Die New Yorker Polizei hat einen Roboter bei dem Versuch gestellt, eine Bank im Stadtteil Queens auszurauben. Das Gerät hatte nachts versucht, die Wand zu einem Tresor zu durchbrechen. Nach ersten Ermittlungen handelte der Roboter nicht aus eigenem Antrieb, sondern wurde von drei Männern ferngesteuert, die vermutlich in einem Kleinlaster vor der Bank warteten.

Hamburger Abendblatt (Juli 1993)

 

? Allerlei Roboterhaftes auf der Straße: Skulpturen, Figuren, Graffiti und Bilder (ein Flickr Fotopool):
robozoid - View this group's most interesting photos on Flickriver

? “Sieht aus wie ein Roboter” - und davon gibt es offensichtlich eine ganze Menge (noch ein Flickr Fotopool):
Looks Like A Robot - View this group's most interesting photos on Flickriver

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Das Mittwochswort: informatikentschlossen

Gelegentlich sind die Analphabeten des digitalen Zeitalters nicht die Zapper und Channel-Surfer, sondern literarisch gebildete Humanisten, die sich einbilden, ohne Computer und “medialiteracy”, ohne “Informatikentschlossenheit”, ohne einen Begriff von der elektronischen Demokratie und der elektronischen Bürgerschaft auskommen zu können. 

Peter Glotz (1939-2005) im September 1994

 

Unentschlossen, mit Banane.

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Das Montagszitat: Kriegserklärung

Krieg ist jeder Prozeß der Neuerung oder Veränderung, der mit großem Tempo vor sich geht. Jede Form fortdauernder und beschleunigter Neuerung stellt im Effekt eine Kriegserklärung gegenüber der eigenen Zivilbevölkerung dar.

Marshall McLuhan, “Die magischen Kanäle”

 

Fotos vom jährlichen Marshall McLuhan Festival of the Future in Toronto auf Flickr:

McLuhan Festival - View this group's photos on Flickriver

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Das Montagszitat: Schweif

Sehen Sie, drahtgebundene Telegraphie ist etwas wie eine sehr, sehr lange Katze. Sie ziehen in New York am Schweif und hören es in Los Angeles miauen. Verstehen Sie? Und das Radio funktioniert genauso: Sie senden ihre Signale von hier aus, und dort empfangen Sie sie. Der einzige Unterschied ist, dass da keine Katze ist.

Albert Einstein

 

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Das Mittwochswort: Oh

Letzten Monat kam ein japanisches Mädchen, und sie fragte «Wie geht es ihrer Frau?» Und ich sagte «Oh, meine Frau ist seit 25 Jahren tot». Und sie sagte «Was, Elizabeth Taylor ist tot?» Und ich sagte «Ich bin nicht mit Elizabeth Taylor verheiratet». Und sie sagte «Oh, ich dachte, sie wären es».

Einmal kam ein Mann und sagte «In welchem Hotel haben sie gewohnt, als sie The Naked Lunch geschrieben haben?» Ich sagte «Ich habe The Naked Lunch nicht geschrieben». Und er sagte «Nein? Wer denn?» Und ich sagte «William Burroughs». Und er sagte «Sind sie denn nicht William Burroughs?» Ich sagte «Nein, der bin ich nicht».

Paul Bowles, Schriftsteller (1910-1999)

 

Raus mit der Sprache.

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Das Mittwochswort: Neuigkeit

Mein Herz erhebt sich, / gedenkt, dir Neuigkeiten zu bringen / von etwas, / das dich angeht / und das viele Menschen angeht. / Sieh dir doch an, / was heute als Neuigkeit durchgeht. / Dort wirst du es nicht finden, vielmehr in / mißachteten Gedichten. / Es ist nicht leicht, / aus Gedichten die Neuigkeiten zu erfahren, / und doch sterben täglich Menschen kläglich / an einem Mangel dessen, / was dort zu finden ist.

William Carlos Williams (1883-1963)

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Das Mittwochswort: nie

Angeblich wollten sie meine Intelligenz testen. Sie fragten mich, ob ich Beethoven kenne. Natürlich habe ich nein gesagt. Und wenn auch - einen Kumpel würde ich nie verraten.

Aus einem Gerichtsprotokoll, siebziger Jahre

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Aufklärung.

 

Das Montagszitat: dauernd

Krankhaft ist Hellsehen dann, wenn, was bei Schwächung der Nerven leicht eintritt, die an sich regulierbare Fähigkeit nicht mehr ausgeschaltet werden kann und der Betreffende in den qualvollen Zustand gerät, alles dauernd sehen zu müssen, was um andere Personen sich an Bildern der Vergangenheit oder Zukunft herumspinnt…” 

Manfred K. A. Kyber, “Einführung in das Gesamtgebiet des Okkultismus” (Stuttgart 1923)

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Das Mittwochswort: Community

Meine Vorstellung von Community ist geprägt durch Pindeale, das Nest, in dem ich aufgewachsen bin. Diese Art von Kleinstadt verschwindet jetzt. Und alles, was übrigbleibt, sind Suburbs, in denen sich niemand mehr zu Hause fühlt und es keinerlei Gemeinsinn mehr gibt. Der durchschnittliche Amerikaner zieht siebzehnmal in seinem Leben um, und er landet immer wieder in diesen anonymen Vororten. Im Cyberspace habe ich eine neue Art von Community gefunden, und als ich sie näher kennenlernte, entschloß ich mich, alles in meiner Macht stehende zu tun, um diese noch junge Gemeinschaft vor Gefahr zu schützen.

John Perry Barlow, 1995

 

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