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Großstadtleben ist schon was tolles. Ich muss sagen ich will es nicht mehr missen. In der Großstadt ergibt sich einfach soviel. Dabei wohn ich in Würzburg, ist zwar eine ziemlich schöne Stadt aber doch ein wenig klein.
Bei einer Kleinstadt mit 2000 Einwohnern ist es manchmal echt langweilig, aber andererseits passieren die verrücktesten Dinge. Meiner Einschätzung nach liegt es darin, dass man in einer Kleinstadt viel zu wenig Angebote hat und die Leute deswegen einander in einer bestimmten Art und Weise näher sind. Dadurch passieren immer abgefahrene Sachen.
It is difficult, be sure!
Du hast gut gewohnt, gut gewohnt bedeutet in diesem Fall, du hattest eine ruhige Wohnung im Hinterhof einer wunderbaren Stadt und keine zwei Straßenecken weiter sprudelt das Leben nur so aus dem Boden. Der Bäcker, der Supermarkt, die gefühlten 35000 verschiedenen Restaurants, die U-Bahn, der Trödelmarkt, der Dönermann, die Bank die Bibliliothek, der Park, die Prachtstraße der Stadt und natürlich das Kino sind gleich da draußen, sofort und leicht erreichbar.
Die U-Bahnstation verfügt sogar über einen 24-Stunden-Shop. Man muss noch nicht einmal bei den öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Abfahrtzeiten achten, es ist eine Dauersendung, verpasst man die eine Bahn, kommt schon die nächste. Früher dachte ich, die Zeit zwischen der gerade verpassten und der nächsten wäre eine Ewigkeit. Ganz falsch; es ist ein Fliegenschiss.
In einer Kleinstadt kann es Stunden dauern, bis die nächste fährt, vielleicht kommt auch gar keine mehr oder sie fährt nicht ganz dahin , wohin man eigentlich will (hier bekommt das Wort eigentlich mal einen Sinn) man lässt sich aber darauf ein, man hat keine Wahl, der Umweg den man zusätzlich noch in Kauf nimmt und auch die Umsteigevorgänge werden hingenommen und dann steht man irgendwo in der Pampa und jetzt geht nur noch ein Taxi. Aber man stellt fest, es gibt keins, jedenfalls nicht sofort. Die fahren da nicht so einfach herum, die stehen nicht mal am Bahnhof. Man muss sie anrufen und dann noch ganz viel Geduld aufbringen. Nein, nein, es kommt auf keinen Fall gleich, es dauert. Jetzt heißt es Zähne zusammen beißen, nicht ausflippen, schön reden. Schön reden hilft immer. Ich finde Kleinstadt und schön reden gehört einfach zusammen.
Da bricht in mir schon mal Panik aus, wegen der Sorge, den Zug, den Zug mit dem richtigen Ziel zu verpassen, ehrlich gesagt, fahre ich deshalb so gut wie mir mit ihm, nur, wenn es unbedingt sein muss. Und dann geht der Stress los. Es bedeutet Stress für mich, darauf zu achten, wann ich von zu Hause los muss. Dieser Zustand kann schon mal 2 Stunden vorher einsetzen.Ich bin immer noch nicht in der Lage, die Strecke zwischen unserem Haus und dem Bahnhof realistisch einzuschätzen, deshalb sitzt ich dann auch mal eine halbe Sunde auf dem Bahnsteig und warte auf die einzige, in einem Zeitfenster von 5 Stunden, fahrende Bahn. Da hört sich eine halbe Stunde Wartezeit nicht nach einem Opfer an und ich finde ich habe durchaus die Berechtigung dort zu sitzen,denn ich weiß ganz genau heute gibt es keine zweite Chance. Allerdings kann ich immer noch nicht glauben, dass ich nur ca. 5 Minuten mit dem Fahrrad brauche um den Bahnhof zu erreichen. Deshalb werde ich dann trotz dieses Wissens nervös, schaue dauernd auf die Uhr und entscheide dann, lieber ein wenig früher loszufahren. Und da sitze ich dann ganz alleine und bewundere die Menschen (die anderen zwei) die lässig schlürfend f a s t Zeitgleich (für wirklich zeitgleich hat dann doch keiner den Mut) mit dem Zug auf dem Bahnsteig eintreffen, wissen die nichts von all dem?Respekt!
Vielleicht ist es aber auch nur eine sehr seltene,oder auch nur eine mich bestreffende Disfunktionalität; die Unfähigkeit der Zeiteinschätzung.
Es könnte aber auch so kommen, sobald nur genügend Menschen von diesem Makel erfahren würden, könnten sich tausende Selbsthilfegruppen zusammen tun, man könnte an Kongressen teilnehmen, Tabletten dagegen Erfinden und Unmengen von Ratgebern schreiben. Wer weiß!
Aber eins weiß ich, wenn dann die Bahn kommt, weiß ich das ist meine und ich werde da einsteigen, selbst wenn der Zugführer, warum auch immer, wegen des Alkoholgehaltes in seinem Blut oder auch wegen der schief stehenden Sonne oder einfach nur aus einer Laune heraus (sehr unwahrscheinlich/das ist aber eine andere Geschichte) in seine Anzeigetafel anstatt Dreieich-Buchschlag mal eben Massachussses eingetippt hätte. Ich würde einsteigen, ich würde keine Sekunde zögern. Diese Gewissheit steht mir zu. Diese Gewissheit habe ich mir dann aber auch nach all dem Stress verdient, dass da keine andere mehr kommt, jedenfalls nicht heute.
Aber schauen wir mal auf die schönen Dinge: Ich habe jetzt jeden Tag einen Parkplatz vor der Tür, wenn ich es recht bedenke, könnte ich drei Parkplätze belegen, zugegeben, der dritte erfordert etwas Glück, ein ganz klein wenig.