Wohnsilo-Monumentalität: Ein Handy-Video, wahrscheinlich aus einem fahrenden Taxi heraus gefilmt.
(Gefunden bei architekturvideo.de)
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Wohnsilo-Monumentalität: Ein Handy-Video, wahrscheinlich aus einem fahrenden Taxi heraus gefilmt.
(Gefunden bei architekturvideo.de)
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Der Ausschnitt zeigt eine Fahrt über die Länge von 1240 Metern am südlichen Stadtrand von Pjöngjang. Die Fahrt endet am “Pjöngyang BBQ Duck Restaurant”. Die Kamera wurde in einem fast exakten 45°-Winkel seitlich zur Fahrtrichtung gehalten.
Wer’s ganz genau wissen will, ich habe mal die Fahrtroute in GoogleEarth rekonstruiert:
http://www.rawtext.de/20110714Glaserei.kmz
Ein Service der Glaserei-eigenen Fan-Abteilung “Aufklärung und Forensik”
Was mich verwundert ist der Kontrast zwischen wahnsinnig vielen Hochhäusern, wo ja jemand wohnen sollte und den fast leeren, aber unglaublich breiten Straßen, und die Straßenbahn mit 1 oder 2 Wagons. Sind denen die Menschen ausgegangen? Sind die alle gerade nicht da?
Wenigstens sieht es nicht so trostlos aus, wie ich mir das bisher vorgestellt habe.
@AlphaGeek: Extrem cool.
Ich petz das jetzt sofort drüben bei Google+
@Michael Mosmann: Es handelt sich nur um eine breite Strasse (sie wird zuerst überquert, dann schert das Auto von der Brücke herab westlich darauf ein). Die Strasse ist ca. 100 Meter breit und beinhaltet auf beiden Seiten eine Strassenbahnlinie. Allerdings ist die Straße nur 4 km lang, kerzengerade, sie endet westlich 1200 m von der Brücke im Nichts und mündet östlich nach 3 km in eine normale Hauptstraße. Es handelt sich um eine Erschliessungsachse eines am Reissbrett geplanten Massen-Wohnviertels nördlich und südlich der Strasse. Mangels privater Kfz dürfte sich hauptsächlich Liefer-, Bus- und Strassenbahnverkehr auf der Strasse abspielen. Der infrastrukturelle Verkehr spielt sich zwischen den Häusern ab.
Länge und Breite der Strasse entsprechen sehr genau den Dimensionen moderner Flughafen-Startbahnen.
So, jetzt lehne ich mich ganz aus dem Fenster und postuliere, dass das Video von Lindsay Fincher aus einem Tourbus heraus am 11. August 2009 mit einer Canon PowerShot SD780IS gefilmt wurde. Uhrzeit kann ich mich nicht genau festlegen (Lindsay hat die interne Uhr der Kamera nicht auf Ortszeit umgestellt, sondern auf Westküste Sommerzeit belassen) - ich würde von ca. 20:30 Uhr Ortszeit ausgehen.
Boah. Zuerst fragte ich mich, wie authentisch das denn sein mag angesichts der doch eher obskuren Meldungen hier, und wunderte mich, wie gut angezogen die paar im Film Herumlaufenden ausschauen. Dann machte ich mir Michael Mosmanns Gedanken. Und nun surfe ich in Google Earth Gegenden ab, von denen ich nicht ahnte, dass sie so detailliert zu sehen sind. Gruselige Architektur.
@Ernst: da ist überhaupt nichts obskur an den Meldungen! Das Verorten der Fahrtroute mit GoogleEarth ist eine reine Erfahrungssache (ich mache sowas täglich, beruflich, aber nicht für Geheimdienste! - ich verorte vielmehr literarische Schauplätze). Dass die kurze Fahrtstrecke an dem erwähnten Restaurant endet ist ebenfalls einem User-Placemark in GoogleEarth zu entnehmen. Ausserdem wird das Video an der Quelle bei Youtube klar mit der Homepage der Amerikanerin Lindsay Fincher assoziiert, die viel in der Welt herumreist. Sie hat dort Fotoseiten u.a. von ihrer Nord-Korea-Reise eingestellt - und zwar freundlicherweise mit den Exif-Metadaten. Sie dokumentiert darin mehrere Restaurant-Besuche und die Dateinamen eines Restaurants passen mit dem Restaurant-Namen von GoogleEarth überein. Ich habe die Exif-Timestamps der Fotos (die in Pacific Daylight Saving Time angegeben sind) auf Pjöngjang Ortszeit umgerechnet und weil das Essen auf den Fotos schon auf dem Tisch steht gefolgert, dass die im Video sichtbare Anfahrt zum Lokal ungefähr eine Stunde vorher stattgefunden haben mag. Da der lt. Exif-Metadaten verwendete Fotoapparat auch über Video-Funktion verfügt, nehme ich an, dass das Video auch mit dieser Kamera gedreht wurde. Andere Fotos von Lindsay zeigen, dass sie in einer Gruppe mit Tourbus unterwegs war und die Sichthöhe der Videoaufnahme bestätigt das. Es ist auch wahrscheinlich, dass man als Amerikanerin in Pjöngjang nicht alleine mit dem Taxi unterwegs ist sondern sich im Rahmen geführter Touren bewegt.
Ich habe die Webseiten von Lindsay Fincher angesehen und ich bin - wie Mosmann und Ernst - überrascht über die Modernität des Flughafens und der besuchten Sehenswürdigkeiten. Die Trabantenstadt unterscheidet sich in meinen Augen nicht so sehr von Plattenbau- oder Hochhaus-Siedlungen anderswo in der Welt und schon gar nicht Asien. Der geringe Publikumsverkehr kann auch mit der Uhrzeit zu tun haben. Natürlich wird Lindsay auch nur ausgewählte Orte zu Gesicht bekommen haben. Interessant wäre für mich, wie eine junge Amerikanerin, die auch längere Zeit in Russland verbracht hat, einfach so Urlaub in Nordkorea machen kann.
Stunning.
Die Art der Informationsgewinnung erinnert mich an eine Weinverkostung, bei der jemand mit einem sehr guten Weinkeller den jungen gastgebenden Moselwinzer auf die Probe stellen wollte. Der Winzer durfte nicht aufs Etikett gucken und sollte was über den Wein sagen. Worauf der, nach zwei Schlückchen aus dem Glas, eine Viertelstunde lang erzählt hat, beginnend mit den Worten: “Das muß ein besonders warmer Sommer gewesen sein”, gefolgt von Ausführungen zu der Erde, dem Boden und der Landschaft, die diese Trauben hervorgebracht haben. Am Ende hatte er zu dem Wein das richtige Jahr, den richtigen Ort, alles; gerade, dass er nicht noch die Namen der Erntehelfer wußte.
Jetzt muss ich hier nochmal nachbessern. Als ich dieses Video für meinen Fernerkundungs-Blog wiederverwertet habe, musste ich feststellen, dass ich bei der Datierung des Videos die notwendige Sorgfalt (nämlich eine Plausibilitätsgegenprobe) vermissen lies.
Das Datum ist nicht 11. August, sondern 11. September 2009. Die Urheberin hatte das Datum in ihrer Kamera verstellt. Die genaueren Hintergründe unter:
http://www.appendx.de/fernerkundungen/2012_kw13.html