Falk Keuten drüben im Kugelbahn-Blog [? Link ist repariert!] weist auf ein prachtvolles Buch mit den Schriften und Illustrationen von Fritz Kahn hin, “Fritz Kahn - Man Machine”. Kahn war in den zwanziger Jahren durch seine Darstellungen menschenkörperlicher Vorgänge in Gestalt von Maschinen-Analogien bekannt geworden; berühmt machte ihn das plakatgroße Bild “Der Mensch als Industriepalast”, das auch auf dem Umschlag des Buchs zu sehen ist.
Wie auch immer man zu mechanistischen Vereinfachungen von Lebensvorgängen stehen mag, wird man den Grafiken von Dr. Kahn eine große und detailreiche Kunstfertigkeit zusprechen. Dazu kommt als ein zusätzlicher Reiz die Stilistik der zwanziger Jahre mit ihrer ironischen Nüchternheit und Eleganz. Übrigens verkriecht sich die mechanistische Weltanschauung heutzutage, und zwar in oft bedauerlich unironischen Formen, gern in digitaltechnischer Metaphorik, die ja nur scheinbar den Fortschritt voranträgt, so beispielsweise, wenn Neurobiologen von Verschaltungen sprechen und damit falsche Vorstellungen wie etwa die einer binären Erinnerung provozieren.
Fritz Kahn (1888-1968) praktizierte nach einem Medizinstudium ab 1912 als Gynäkologe in Berlin. 1920 publizierte er ein Buch zur Rassenfrage, “Die Juden als Rasse und Kulturvolk”, das 1938 von den Nationalsozialisten verboten wurde. Dort heißt es etwa zur Germanen-Theorie: “Wissenschaftlich betrachtet ist diese Modetheorie nichts als eine stolze Kulisse, auf deren Zinnen die geschäftigen Regisseure eines falschen Nationalismus das Feuerwerk der Rassentheorie entzünden, um die Massen in einen Rausch des Massenwahns zu versetzen, darinnen sie sich selbst als erderhabenes Volk von Göttern träumen, indes jed anderes Geschlecht vor ihrem trunkenen Blick zum Paria hinabsinkt.”
Von 1922 bis 1932 arbeitet Kahn an einer fünfbändigen Anatomie, “Das Leben des Menschen”. 1933 werden Bücher von ihm öffentlich verbrannt. Kahn emigriert nach Palästina, zieht später nach Paris und flieht nach der Besetzung Frankreichs nach Bordeaux und weiter nach Portugal, wo er mit Hilfe seines Freunds Albert Einstein und der Organisation ERC (Emergency Rescue Committee) in die USA gelangt.
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Der 28-jährige Essener Grafiker Henning Lederer hat an Maschinenanimationen ein ganz besonderes Interesse gefunden. Er hat Fritz Kahns “Der Mensch als Industriepalast” auf beeindruckende Weise in Gang gesetzt:
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(Via Kugelbahn-Blog)
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HIER NOCH EINE etwas spätere Variante der quasi-mechanischen Innenansicht – Woody Allens “Alles, was Sie immer schon über Sex wissen wollten” zu der Frage, was sich im Körperinneren bei Verführung und Sex abspielt:
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? Die englische Originalfassung, französisch untertitelt, oh lala:.
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? Hier Deutsch synchronisiert, allerdings in schlechterer Bildqualität:
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Übrigens gab es eine ähnliche Betrachtungsweise sexueller Vorgänge schon 5 Jahre vor dem Woody-Allen-Film von Robert Gernhardt in den legendären WimS-Seiten von PARDON der Sechziger Jahre, was zu der schönen Schallplatte “Im Wunderland der Triebe” (Gernhardt,Waechter, Bernstein) 1968 führte, die 2006 als CD bei Antje Kunstmann wieder
aufgelegt wurde, siehe Rezension von Frank Becker:
http://www.omm.de/cds/etc/im-wunderland-der-triebe.html
Gruß Falk Keuten
Der Link zum Kugelbahn-Blog funzt nicht …
Hallo Jörg Kantel, hier mein Bloglink: http://kugelbahn.blog.de/
Wenn das nicht geht, kommen Sie auch über die Übermutter Kugelbahn
dort hin: http://www.kugelbahn.ch !
Gruß Falk Keuten
PS. Dank für die Einleitung einer noch geringen Viralität.
Der Kugelbahn-Link geht jetzt wieder.
Unter http://www.fritz-kahn.com sind weitere Infos zu Fritz Kahn, Bilder aus seinen Publikationen und Details zur druckfrischen Monografie zu finden.