600 Euro TV-Gebühr

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Aufmerksamkeit ist eine begrenzte Ressource. Solche Angebote sind deshalb so wenig kostenlos wie das private sogenannte Free TV, das sich komplett aus Webeeinnahmen finanziert. Wer Privatsender konsumiert oder sich für den vermeintlich kostenlosen Web-Zugang oder E-Mail-Transport selbst zum Werbeträger machen lässt, wird Teil eines großen Umverteilungsnetzwerks, das auf Aufmerksamkeitsausbeutung beruht. Irgendwo in diesem Netzwerk wird die angeeignete Aufmerksamkeit ganz profan in Geld umgesetzt, nämlich, wenn jemand eines der beworbenen Produkte kauft. Es ist dieser letzte, notwendige Schritt, mit dem sich Aufmerksamkeit letztlich kapitalisiert und damit alle vorhergehenden Aufwendungen bezahlt machen.

Die privaten Fernsehsender in Deutschland verkaufen die so angeeignete Aufmerksamkeit jährlich für mehr als 8 Milliarden Euro an die Werbeindustrie. Jeder Zuschauer (aber auch jeder andere, der die beworbenen Produkte kauft) zahlt dies mit einer Werbesteuer – ein bereits 1993 von dem Politikwissenschaftler Hans J. Kleinsteuber geprägter Begriff. Die Werbesteuer steckt faktisch in jedem Produkt, in besonderer Höhe aber in solchen, für die massiv medial geworben wird. Über diesen Umweg zahlt jeder deutsche Haushalt, der zur Zielgruppe der Werbespots zählt, allein für das “kostenlose” Privatfernsehen durchschnittlich 600 Euro im Jahr – fast das Dreifache der GEZ-Gebühr.

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Ralph Altmann, “Das Geschäft mit der Aufmerksamkeit”

(via Telepolis)

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3 Kommentare zu “600 Euro TV-Gebühr”


  1. 1 Ulrike Langer

    Das Konstrukt ”Werbesteuer für Privat-TV” - das auch von Vertretern der öffentlich-rechtlichen Sender gerne vorgebracht wird - ist unlogisch. Wir leben in einer freie Marktwirtschaft und in dieser machen Anbieter durch Marketing auf ihre Produkte aufmerksam. Wenn heute auf morgen Werbung in Privatsendern verboten würde, dann würden die Marktingbudgets eben umverteilt. Dann würde mehr auf Plakaten, auf Handys oder in Konsolenspielen geworben. Und die bisher sehr preiswerte Onlinewerbung würde sich wahrscheinlich sofort drastisch verteuern. Nach Ihrer Logik dagegen hätte sich der Preis einer Schachtel Zigaretten verbilligen müssen, als in den 70er Jahren TV-Werbung für Zigaretten verboten wurde. Das ist bekanntlich nicht passiert.

    Dazu auch mein Blogeintrag:
    http://medialdigital.wordpress.com/2009/01/08/unausrottbarer-irrglaube-in-sachen-gez-gebuhren/

  2. 2 Chris Bruß

    Da müssten aber auch die Werbeeinnahmen der Öffentlichrechtlichen rechnerisch zu den GEZ-Gebühren hinzuaddiert werden. Die machen nämlich auch ne Menge Werbung, die ich zusätzlich bezahlen muss.

  3. 3 anonym

    Ob die Rechnung aufgeht, weiß ich nicht. Da ich aber generell nicht fernsehe (schon gar keine Privatsender), kann ich nicht wissen, wofür bei den Debilensendern geworben wird. (Werbung im ÖRR ist übrigens auch ein Graus!) Also weiß ich auch nicht, ob ich zur von Ihnen erwähnten Zielgruppe gehöre (vermutlich nicht) und welche Produkte ich auf keinen Fall kaufen sollte.
    Also: Selbst wenn es stimmte, wäre es irgendwie unpraktikabel und lebensfremd.
    Und in der nächsten Woche erklären Sie mir bitte, was ich als Atheist dagegen tun kann, daß der Staat die Kirchen finanziell untersützt (was ja partiell der Fall sein soll), in einem Gemeinwesen, in dem seit der Weimarer Republik Staat und Kirche angeblich getrennt sein sollen …

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