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UM DEUTLICH ZU MACHEN, was ein kleiner MP3-Player mit Galeerensklaven und der Unerbittlichkeit von Untertanentum zu tun hat, muß ich ein bißchen ausholen.
Wer sich in der Nähe innerstädtischer Gewässer herumtreibt, wird gelegentlich Ohrenzeuge einer der neueren Methoden modernen Gruppentrainings. Dumpfer, rhythmischer Trommelschlag ist zu hören, begleitet von scharfen Rufen. Es sind Drachenboote mit einer Ladung Angestellter, die Leistungswillen und Teamgeist zu verkörpern versuchen, indem sie ihren Kahn hektisch vorwärtsschaufeln und dabei ein wenig aussehen wie Leute, die einen Acker mit Warpgeschwindigkeit umzustechen versuchen. Dass die treibende Stimme oft die einer jungen Frau ist, hat wohl damit zu tun, dass der Sekretärin auch mal die Freude gegönnt werden soll, den ganzen Laden schreiend vor sich herzutreiben.
(Foto: Craig Hatfield, Flickr/CC) ?.
Einer ehrenvollen Legende zufolge ist das Drachenbootfahren bei dem vergeblichen Versuch entstanden, den frühen chinesischen Dichter Qu Yuan vor dem Ertrinken zu retten. Hierzulande assoziiert man zu Booten und rhythmischem Trommeln in eine andere literarische Richtung, nämlich Quo Vadis nebst der grandiosen Galeeren-Szenen der Romanverfilmung von 1951. Dort sind die Trommler noch muskelbepackte, misanthropische Männer. Auf dem Weg durch die Jahrhunderte bis hin zur zeitgenössischen antreibenden Amazone im Drachenboot meint man doch sowas wie emanzipatorischen Fortschritt erkennen zu können. Auch sind die Mannschaften nicht mehr angekettet und freiwillig am Stechrudern, anscheinend jedenfalls.
DIE FRAGE, die jeden anständigen Anarchisten dennoch umtreibt, ist: Muß das sein? Brauchen freie, souveräne Individuen einen Chef, einen Muezzin, einen Vorturner? Kann das Orchester nicht in Ruhe seinen Beethoven spielen, ohne dass Sir Simon Rattle vorne mit einem dünnen Stäbchen Mücken jagt? Die singende Südkurve im Stadion braucht doch auch keinen Dirigenten (Hallo Südkurve, wie wär’s mal mit Beethoven?). Aber der Boss ist, auch wenn wir ihn aus unserem Blickfeld vertreiben, längst in uns. Die Drachenboot-Ruderer sind nur scheinbar nicht mehr angekettet, in Wahrheit hängen sie an unsichtbaren Fesseln - an der Angst, ihren Job zu verlieren und der Bereitschaft, sich lieber gruppendynamisch zum Hampelmann machen zu lassen, als illoyal oder unkonstruktiv zu erscheinen.
Also rudern.
Diese Art der unsichtbaren Galeerengefangenschaft ist in Japan zu fataler Perfektion entwickelt worden. Karoshi, der Tod durch Überarbeitung, ist ein Phänomen, das seit den achtziger Jahren zunehmend Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nachdem ein 30-jähriger Fabrikarbeiter im Februar 2002 nach 106 Überstunden gestorben war und seine Frau drei Jahre später erfolgreich gegen seinen Arbeitgeber Toyota klagte, will das Unternehmen solche Fälle künftig verhindern. Die meisten Japaner nutzen weniger als die Hälfte ihrer Urlaubstage und lassen den Rest verfallen. In Deutschland, so die Wikipedia lapidar, “hat der Betriebsrat die Aufgabe, Todesfällen, deren Ursache Karoshi sein könnte, nachzugehen.”
IN DIESER SITUATION hat die japanische Firma Yamaha einen MP3-Player namens BODiBEAT auf den Markt gebracht. Er spielt nicht nur Musik, sondern verfügt zusätzlich über Beschleunigungssensor und Pulsmesser. Das Gerät wählt die passenden Beats zur körperlichen Betätigung.
Es gibt auch einen sogenannten Fitneßmodus, der die Musik beschleunigt und den Benutzer anstacheln soll. Gesprächsaufzeichnungen schneller abzuspielen, damit Transkripte flotter angefertigt werden können, ist in Ordnung. Musik schneller abzuspielen, um Leute anzutreiben, ist Barbarei.
Plattenspieler Revox B790 (Foto: Touho_t, Flickr/CC) ?.
Erinnert mich an einen Abend bei einem Freund, der noch über einen antiken Plattenspieler mit vier Abspielgeschwindigkeiten verfügte (16, 33, 45 und 75 Umdrehungen pro Minute). Er hat mir darauf eine, siehe oben, Beethoven-Langspielplatte vorgespielt. Ich will auch nicht verschweigen, dass es bereits späterer Abend und wir etwas benebelt waren. Jedenfalls hat mein musikkundiger Freund mir ausführlich den Unterschied zwischen einer von Karajan (flotter) und einer von Furtwängler (getragener) dirigierten Neunten erläutert. Dann kamen wir drauf, dass die LP statt mit 33 mit 16 Umdrehungen läuft. |.
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? 78 RPM:
? Vinyl Junkie:
? Vinyl Record Stores:
? Technics Turntables:
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Irrtum, lieber Peter, die Süd- beziehungsweise Ostkurve hat sehr wohl einen Dirigenten, oder etwas Ähnliches zumindest, und genau genommen sogar mehrere, da ist die Kurve dem Orchester voraus. Biologisch korrekt wären sie wohl als Alpharüden zu bezeichnen, die dem Chor das Stück ansagen, das Zeichen zum Einsatz geben und gerne auch vorsingen oder die Trommel schlagen. Kein Ruderboot allerdings und, leider, auch kein Beethoven. Wir wohl wäre mir, dröhnte aus der Kurve auch einmal die Ode an die Freude und nicht das immer gleiche bescheidene Repertoire.
Nochmal Irrtum: Die griechischen Ruderer in der Antike waren keine Sklaven, Rudern war eine ehrenvolle Aufgabe.
Siehe bei Aristoteles oder hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Galeerensklave
Und wie war es bei den Wikingern? “Angestellte” waren die wohl nicht…