Mein Licht, dein Licht

.

Befinden sich moderne Technik und religiöse Prinzipien auf Kollisionskurs?

Mitte Juli verklagten die britische Schulleiterin Dr. Dena Coleman und ihr Mann Gordon ihre Hausverwaltung, weil diese ein über einen Bewegungsmelder gesteuertes Treppenhauslicht hatte installieren lassen, um Energie und Kosten zu sparen. Die Colemans beklagen, dass sie nun an Samstagen in ihrer Wohnung eingesperrt seien. Das Licht einzuschalten bedeute für sie als orthodoxe Juden einen schwerwiegenden Verstoß gegen ein religiöses Gebot. Von Freitagabend nach Sonnenuntergang bis Samstagabend, wenn die ersten drei Sterne am Himmel zu sehen sind, an Sabbat also, ist es orthodoxen Juden unter anderem nicht erlaubt, Feuer anzuzünden - darunter fällt heutzutage auch das Einschalten von elektrischem Licht.

Das Ehepaar sieht sich in seinen Menschenrechten verletzt. Die 35 Miteigentümer werden nun aufgefordert, die Hausverwaltung zur Installation eines speziell anzufertigenden Überbrückungsschalters zu veranlassen, der den Bewegungsmelder an Sabbat außer Kraft setzt. Bei der Unterkunft in der Wohnanlage handelt es sich um die Ferienwohnung von Familie Coleman.

.

Himmlisch! (Foto: Rob!, Flickr/CC) ?
Spiritueller Snack: der
Bible Bar von House of David aus Orlando (Florida). |

.

Sind moderne Technik und konservative religiöse Prinzipien inkompatibel? Die Frage, wie man zum Teil jahrtausendealte Regeln zeitgemäß auslegt, wird - zum Glück - immer wieder neu verhandelt. Wobei zeitgemäß heute unumgänglich heißt: im Sinne eines demokratischen Zusammenlebens unterschiedlich denkender Menschen. Demokratie muß die Gemeinsamkeiten fördern, nicht die Unterschiede.

Oft finden sich pragmatische Lösungen, mit denen sich religiöse Anweisungen alltagstauglicher machen lassen, ohne die strengen Buchstaben des Gesetzes zu verletzen. Auch orthodoxe Juden sind keineswegs Maschinenstürmer. “Im Bus surfen Haredim mit ihren iPhones durch den Internet-Talmud, im Sammeltaxi hören sie laut Thora-Techno auf ihrem iPod”, berichtet Svenia Kleinschmidt in ihrem Blog “Zwischen Techno und Talmud” aus Israel. Die Kontrolleure der jüdischen Speisegesetze in Restaurantküchen sollen bald Webcams weichen. Und Gebete kann man nun direkt an die Klagemauer twittern.

Vielleicht macht jemand die Streithähne in England darauf aufmerksam, dass es zumindest eine technische Teillösung für das Problem mit dem Treppenhauslicht gibt: die KoscherLamp. Sie besteht aus einem kleineren Zylinder, der in einem größeren steckt, beide unurchsichtig, aber mit einem kleinen Sichtfenster ausgestattet. Wenn man den inneren Zylinder, in dem sich die Glühbirne befindet, so dreht, dass die beiden Fensterchen sich decken, gibt die Lampe Licht; dreht man den Zylinder weiter, wird das Licht wieder verdeckt. (Hier das Funktionsprinzip veranschaulicht). Wird die Glühbirne vor Sabbat eingeschaltet, gibt es kein Problem mehr mit dem Feuermachen. Da die Birne im Inneren der KosherLamp den ganzen Samstag hindurch unverändert brennen muß, wäre das allerdings weder ein ökologischer noch ein ökonomischer Fortschritt.

…………………..

.

0 Kommentare zu “Mein Licht, dein Licht”


  1. Keine Kommentare

Kommentar schreiben