Google nimmt den weltweiten Medienwandel in die Hand. Aus der Welt-Zeitungsmasse soll das größte Werbeumfeld aller Zeiten werden.
Sichtungen von Google Street View-Autos:
Google will alle Zeitungen einscannen und online stellen. Alle. Der erste Reflex: Wunderbar. Das Wissen der Menschheit ist bald nicht mehr nur vorhanden, die Menschheit bekommt auch endlich Zugang dazu. Und zwar zu dieser einzigartigen Form von Wissen, wie es eben durch Zeitungen vermittelt wird. Das von Journalisten der Wirklichkeit abgejagt wird, das pragmatisch ist, das sich um das Alltägliche kümmert, Alltag im Kiez, Alltag im Krieg. Eine andere Realität als die hier haben wir nicht, Journalisten kümmern sich drum.
Der zweite Reflex: Die Firma Google betreibt ihr Kleinanzeigenkraftwerk, indem sie Dämme einreisst. Google ist an der Weltextmasse interessiert, und zwar an der Menge. Die Inhalte sind egal. Die Firma verwandelt das Wissen der Welt in ein gigantisches Werbeumfeld. Google wird die Transformation vom bedruckten Papier ins Digitale massiv vorantreiben. Und während viele Verlage sich noch der Illusion hingeben, dass das alles ja ihnen gehöre, verwandeln sich die Inhalte immer schneller von Printobjekten zu Findobjekten.
Google macht der Menschheit ein riesiges Geschenk, so fühlt es sich für die meisten Nutzer jedenfals an. Würde Cervantes heute leben, er würde keinen Ritter gegen die Windmühlenflügel kämpfen lassen, sondern Verleger gegen Google.
Google agiert global in einem Zeitalter forcierter Globalisierung. Und jeder, der im Internet vorhanden sein will, braucht Google. Erst Google verschafft einem digitales Dasein. Ungoogelbar zu sein bedeutet im Internetzeitalter, nicht zu existieren. Jeder Verlag sitzt auf seiner herkömmlichen, begrenzten Markt-Insel, und nun beginnen die Grenzen zu diffundieren. Jede Regionalzeitung ist, wenn sie ins Netz geht, nun auch überregional. Jeder Kleinverlag hat ein potentiell weltweites Publikum.
Statt regionaler oder nationaler Begrenzungen kommen nun neue Kräfte ins Spiel, Suchmaschinenoptimierung zum Beispiel. Texte müssen heute nicht mehr nur lesbar, sondern auch findbar sein. Und bei Google ist jeden Tag Informationsweihnachten. All for free.
Mancher Zeitungsverlag hat in den zurückliegenden Jahren mit seinen Versuchen, neue wirtschaftliche Möglichkeiten in dem jungen, digitalen Universum zu erschließen, mehr Schaden angerichtet als Nutzen. Im Juni 2001 entschied der oberste Gerichtshof in den USA in dem Verfahren The New York Times Company versus Jonathan Tasini, dass Online-Veröffentlichungen von Artikeln nicht unter die herkömmlichen Veröffentlichungsrechte fallen. Es sind eigenständige Veröffentlichungen, die auch eigenständig honoriert werden sollten. Viele amerikanische Zeitungsverlage, darunter auch die New York Times, fingen daraufhin an, ihre Online-Datenbanken auszuräumen. Die Beiträge freier Autoren, die eventuell Honorarnachforderungen hätten stellen können, wurden gelöscht - eine Art kalter Bücherverbrennung.
Stanley N. Katz, ein Historiker an der Universität Princeton, nannte die Aktion der Verleger “verheerend“. Wissenschaftlern, die häufig mit Zeitungsdatenbanken arbeiten, war der Schwund nach und nach aufgefallen - massenhaft Material aus den 70er-, 80er- und den frühen 90er-Jahren war atomisiert worden. Ein aberwitziges Gegenteil dessen, was Google heute genau umgekehrt unternimmt.
Die Augen von Google sehen dich - Google Eyes:
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Natürlich ist das was Google da tut in gewisser Weise riskant für eine pluralistisches System. Aber man sollte optimistisch sein. Früher herrschte ja auch Panik vor der Marktmacht eines Unternehmens wie Microsoft.
@SoDoMedia Google ist es zu “verdanken”, dass Microsoft sehr viel von seiner Macht verloren hat.
Zum Artikel:
Die Gefahr die von Google ausgeht wird von der Mehrheit leider völlig unterschätzt. Google blendet mit schönen Zugaben und die User zahlen für den ganzen Tand scheinbar gerne den hohen Preis.